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Melanie

Fantastisches

Weiberfastnacht in der Kölner Südstadt – Alaaf!

Wenn ihr die Überschrift gelesen habt, haben die Karnevalsgrinches unter euch vermutlich eh nicht draufgeklickt. Also seid ihr selber Karnevalsjeck_innen – oder sehr treue Leser_innen! <3

Zu den Karnevalsgrinchen gehörte ich ja auch mal. Ich komme aus dem Ruhrgebiet und Karneval ist da bloß eine von vielen Möglichkeiten zu Saufen Feiern. Dementsprechend war ich auch stets der Ansicht, dass Karneval und dieses Spaß-Haben auf Knopfdruck nur für Leute sei, die den Rest des Jahres einen Stock im Hintern haben…

Ja, mea culpa, so dachte ich. Dann zog ich nach Köln – und arbeitete weiterhin im Ruhrgebiet. Und machte anfangs noch den Fehler, an Karneval keinen Urlaub zu nehmen. Ich versuchte also Weiberfastnacht und Rosenmontag irgendwie durch die Stadt zum Hauptbahnhof zu kommen. Gut, diesen Fehler machte ich einmal…und den Rest des Karnevals ignorierte ich getrost.

Naja, im nächsten Jahr saß ich Weiberfastnacht im HomeOffice und plötzlich, um 11:11 Uhr ging draußen ein riesiger Lärm los – mit Trommeln und Blasmusik – da stapfte das Personal des Theaters gegenüber los, mit Pauken und Fanfaren. Inzwischen ist dort eine der größten Karnevalspartys der Südstadt an Weiberfastnacht. Und die nächsten Jahre arbeitete ich Karneval nach Möglichkeit nicht mehr.

Seit die Kinder da sind führt eh kein Weg mehr an Karneval vorbei. Die großen Züge haben bei uns um die Ecke ihre Aufstellung, da geht also der Zug los. Man fällt aus der Haustür und alle feiern Karneval! Und so muss ich sagen: Hier in Köln, grad in der Südstadt in der ich wohne, kommt man nicht drumrum. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Alle haben irgendwie mit Karneval zu tun. Wenn sie nicht feiern, arbeiten sie an Karneval – oder sie fahren raus aus Köln und machen Urlaub.

Pfau und Einhorn feiern Karneval

So, fertig verkleidet können Pfau und Einhorn losziehen

Es gibt soooo schöne Feiern und Umzüge – meine persönlichen Highlights sind am Sonntag der Schul- und Veedelszoch (da dürfen die ganzen Vereine außerhalb der Traditionsvereine die gleiche Strecke laufen wie der Rosenmontagszug. Und da geben sich Schulen und Vereine so viel Mühe mit den Kostümen und überhaupt – ich mag ihn viel lieber als den Montag). Und am Dienstag der Zoch in der Südstadt, der natürlich viel kleiner ist aber groß gefeiert wird. Wenn Kind1 in der Schule ist, „darf“ ich da auch mitgehen. Was freu ich mich jetzt schon drauf.

Letztes Jahr bin ich dann das erste Mal Karnevalssamstag in eine Kneipe losgezogen. Mit Sonja und ein paar anderen – ach, die Stimmung kann man einfach nicht beschreiben. Und es hat nur wenig mit dem zu tun, was nicht Kölner_innen sich unter Karneval vorstellen. Das zeigen mir auch immer wieder die Kommentare von denen, die mal ein paar Jahre in Köln wohnten und dann wieder weg sind – den Karneval vermissen sie alle!

 

Sonja und Melanie warten auf Einlass

Sonja von mama-notes und ich stehen in der Warteschlange vor der Kneipe unserer Wahl

So haben wir uns dieses Jahr direkt für Weiberfastnacht verabredet. Ich überließ Mann und Kinder ihrem Schicksal, Sonja kam erst zu mir wo wir uns zurecht machten (also ich – Sonja war schon perfekt gedressed) und zogen los. Und waren um 12 Uhr schon viel zu spät dran – und mussten eine Stunde vor der Kneipe in der Schlange stehen. Bei Nieselregen. Aber auch das macht nix an Karneval. Schnell kommt man mit den Leuten vor und hinter sich ins Gespräch und meistens gibt es ja auch einen Getränkeausschank.

Weiberfastnacht in der kölner Südstadt

Lisa (StadtLandMama) kommt aus ihrer Location rüber um uns in der Warteschlange Hallo zu sagen

Endlich drinnen suchten wir uns ein nettes Plätzchen, tanzten und sangen (die Sonja ist da erstaunlich textsicher) und prosteten den anderen Jeck_innen zu. Und so – feiern wir die Tage noch weiter. Aber keine Sorge, es wird nicht jeder Tag Karneval jetzt im Detail geschildert.

Und wenn ihr euch fragt, wie das denn so ist mit Karneval feiern als Feministin – ich dem tollen Blogkollektiv von Feminismus im Pott ein kleines Interview dazu gegeben.

ALAAF!!!

Familie

Montag

Die Woche beginnt gleich mit einem spannenden Termin: Kind1 bekommt seine (vorerst) letzte Impfung. Leider hab ich am Vorabend vergessen, ihn noch mal darauf vorzubereiten. Dafür hat er wirklich toll kooperiert, auch wenn er Sorge hatte, dass es weh tut. Der Mann bringt Kind2 zum Kindergarten und geht dann ins Büro.

Kind1 geht brav zur Praxis, der Kinderarzt hat das aber so toll gemacht („Und Großer, als was gehst Du zu Karneval?“ Schon war die Spritze drin), dass das Kind überhaupt nichts mitbekommen hat, sich dafür über das coole Pflaster freute und ich ihm noch mal sagen musste: „Wir sind schon fertig, steh auf!“

Als Highlight gehen wir anschließend eine Waffel essen, aber ich merke schon, dass Kind1 lieber in den Kindergarten will um allen von seiner heldenhaften Tat (<- sich impfen lassen) zu berichten. Tatsächlich hat er sich vor Ort schon lange nicht mehr so schnell umgezogen. Er gibt mir noch ein Abschiedsküsschen und ist weg.

Waffeln Leuchte Kaffebar

Waffeln im Lieblingscafé

Ich setze mich an den Schreibtisch und arbeite. Gegen Mittag kommt endlich der sehnsüchtig erwartete Wäschetrockner! Oder auch: Hallelujah! Da wird nachher noch umgebaut, denn Platz ist hier knapp.

Ich recherchiere noch ein wenig für unseren Sommerurlaub (Tendenz: Korsika und evt. noch Sardinien im Juni). Gerne würden wir wieder in ein Mobilwohnheim auf nem Campingplatz am Meer. Das ist für uns die ideale Kombination an Preis-/Leistungsverhältnis.

Nachmittags hole ich die Kinder ab. Wir gehen nach Hause. Als der Mann zurück kommt machen wir fliegenden Wechsel. Ich gehe zu meiner – vorerst – letzten Yogastunde (meine 20er Karte ist aufgebraucht und ich schrieb ja schon mal, dass ich grad aktuell auf der Suche nach was anderem bin – jetzt so auf Sport bezogen).

Dienstag

Vormittags habe ich einen Hangout-Termin (digitale Variante der Telefonkonferenz ^^) mit coolen Frauen für eines meiner Herzensprojekte. Hauptsächlich gehts grad darum, einen knackigen Namen zu finden – gar nicht so einfach. Wenn der Name steht erfahrt ihr mehr, versprochen!

Dienstag ist hier Markttag und ich kaufe Gemüse für die Woche ein. Die Auswahl ist überschaubar, jedenfalls wenn man beim regionalen und saisonalen bleiben will. Ich hole die Kinder ab und sie dürfen Die Sendung mit dem Elefanten gucken.

Wann die Kinder Hunger haben

Wann die Kinder Hunger haben

Hier oben seht ihr eines meiner gebastelten Bildchen, die ich mit Canva gestaltet hab. Dürft ihr gerne teilen wenns bei euch auch so läuft (ich hätt gern noch „1 Minute bevor das Essen fertig ist und dann soooo sehr dass alle schreien“, aber das war zu lang).

Abends trifft sich der Mann noch mit einem Freund und ich schaue Call the Midwife – schluchz.

Mittwoch

Ich wache mit ein wenig Kopfschmerzen auf. Eigentlich wollten der Mann und ich – wenn die Kinder im Kindergarten sind – das erste Mal seit Ewigkeiten Klettern gehn. Aber auch er ist nicht ganz fit und so lassen wir das. Den Morgen arbeite ich aber die Kopfschmerzen gehen nicht weg. Ich leg mich mittags ein wenig hin. Gegen 14 Uhr mache ich mich fertig und hole Kind1 aus dem Kindergarten. Heute ist wieder Bouldern. Es ist schön, wie sehr sich der Große auf den Termin freut. Danach kommt er mit glühenden Wangen und strahlenden Augen raus – ich freu mich so, dass wir einen Platz bekommen haben.

Zu Hause sind schon der Mann und Kind2. Die Kinder spielen, ich beantworte ein paar Mails. Der Mann kocht essen – es gibt Crunchy Grünkohl (mit Cashews und Erdnussbutter). Die Kinder schauen noch die Sendung mit der Maus, dann ist Schlafenszeit. Nachdem wir es eine Weile versucht haben, die Kinder in ihren eigenen Betten einschlafen zu lassen sind wir grade wieder beim Elternbett – die Kinder schlafen schneller ein, wenn eine_r von uns daneben, also dazwischen liegt. Wenn jedes Kind im eigenen Bett liegt geht der Streit schon dabei los, bei wem Mama oder Papa liegen „dürfen“.

Donnerstag

Alaaaaaaf! Wenn ihr das lest steh ich in den Startlöchern zum Feiern. Weiberfastnacht – vielleicht nehm ich euch auf Instagram mit. Rein statistisch gehört ihr aber zu den Leuten, die mit Karneval nix zu tun haben und das als „Spaß haben auf Kommando, soooo doof“ abgespeichert haben. Ihr wisst ja gar nicht, was euch entgeht. Aber wenn ihr nicht in Köln wohnt, kann ich diese Haltung sehr gut verstehen. Nur der kölsche Karneval ist echter Karneval. Bis dann!

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 10: Mehr Solidarität und Unterstützung!

Ein Text von Kulturereignis , ein Blog über das Große im Kleinen

Neulich fiel mir das Buch „Feindbild Mutterglück: Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“ von Antje Schmelcher in die Hände. Beim Querlesen war ich, trotz der ein oder anderen überlegenswerten Aussage darin, teilweise doch sehr befremdet – insbesondere, was ihren Zugang zur Genderthematik betrifft. Das Buch hat mich aber immerhin dazu gebracht, meine eigene Haltung zum Thema noch mal neu zu reflektieren. Und so kam der Aufruf zu diesem Beitrag genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Das Kind

Mein Mann und ich, wir haben einen dreijährigen Sohn. Er ist, wie man so schön sagt, ein absolutes Wunschkind, entsprechend haben wir uns damals bewusst dafür entschieden, Nachwuchs zu bekommen. Wie wahrscheinlich bei den meisten, war diese Entscheidung durchaus auch von Zweifeln geprägt:

Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt? Sollen wir noch warten? Warten wir zu lange?

Klar, man weiß ja, den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht und so… aber diese Frage kommt automatisch, wenn man zumindest über die Verhütung einer Schwangerschaft selbstbestimmt entscheiden kann. Und es braucht vielleicht auch ein bisschen Anlauf, um von vielen Jahren „jetzt bloß nicht schwanger werden“ auf „jetzt aber schnell schwanger werden“ umzuschalten.

Zu klären war auch: Ein Kind – wollen wir das beide gleich stark? So etwas kann ja beziehungsgefährdend werden – ein ungleich stark ausgeprägter Kinderwunsch. Irgendwann war es mir, glaube ich, ein wenig wichtiger als meinem Mann. Der Klassiker: Ich war zwar Anfang dreißig, hörte aber doch langsam die berühmte biologische Uhr ticken. Wer weiß, wie lange das dauert, bis ich schwanger werde? Ob mein Körper das überhaupt kann? Wir haben dann bewusst darauf gewartet, dass mein Arbeitgeber mich entfristet – was länger dauerte, als gedacht, im Nachhinein aber die richtige Entscheidung war. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich sonst noch meinen Job hätte.

Eine wichtige Frage war auch: Habe ich, haben wir genug Kraft für die Elternschaft? Ich habe eine chronische Erkrankung, die mich schon lange begleitet und das vermutlich auch noch länger tun wird. Für mich war nicht absehbar, was das in einer Schwangerschaft und dann nach der Geburt, mit kleinem, bedürftigen Kind bedeuten würde. Ich hatte Angst davor, wünschte mir aber ein Kind, deshalb war ich mutig genug. Vielleicht war diese Ausgangssituation aber auch der Grund dafür, dass ich schon in unseren Gesprächen vor der Schwangerschaft mit meinem Mann zusammen abglich, was ich und was wir brauchen, damit es mit uns und Kind als Familie funktionieren würde: Er kannte mich ja schon eine Weile und wusste, ich würde manchmal vielleicht mehr Unterstützung brauchen als die ein oder andere – wobei mein Anliegen nach wie vor ist, das so wenig wie möglich einzufordern. Ob das nun gesund ist, sei mal dahingestellt. Uns war auch klar, dass sich der bisherige Reiseanteil im Job meines Mannes in jedem Fall nicht erhöhen sollte.

Ich glaube, wir haben damals ziemlich viel im Vorfeld besprochen: Wie wir es mit der Hausarbeit halten würden, wer wann und wie lange Elternzeit nehmen sollte… das war gut, denn so blieb uns später, als unser Sohn dann tatsächlich bei uns war, die ein oder andere Überraschung erspart. Genügend andere zu bearbeitende Themen poppen dann ja ohnehin noch auf.

Der Mann

Gerade war ich versucht zu schreiben, ich habe „Glück“ mit meinem Mann und seiner Rolle in unserer Familie. Beim Tippen spürte ich aber, wie mir ein Petticoat aus der Hüfte wuchs, deswegen habe ich das schnell wieder gelöscht. Ja, natürlich habe ich Glück, denn er ist klug und nett und lustig und fürsorglich und verlässlich und hat mich außerdem auch noch gern, glaube ich. Dass er sich aber auch um unseren Sohn kümmert, putzt und regelmäßig die Wäsche zusammenlegt, würde ich eher als wünschenswerten Normalzustand bezeichnen. Ich honoriere das durchaus, wie er es auch bei mir tut, aber das Ganze rutscht doch schnell in eine merkwürdige Schiene, wenn man es vor dem Hintergrund der Männer- und Vaterrolle thematisiert.

Derzeit wird für mich allerdings noch einmal wirklich deutlich, dass mein Mann sich sehr bereitwillig für uns als Familie einsetzt: Vor einigen Monaten musste unsere Tagesmutter aus gesundheitlichen Gründen die Betreuung für unseren Sohn aufgeben. Das war ein ziemlicher Einschnitt für uns alle, weil wir so schnell niemand Neues auftreiben konnten und auch kein Kitaplatz in Sicht war. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch einige Probleme mehr, und schon da war sofort spürbar: Ich muss das nicht alleine stemmen. Zwar bin ich klassisch diejenige, die Teilzeit arbeitet, aber mein Mann versuchte gleichermaßen, Betreuungslücken und die Situation aufzufangen. Auch unsere Familien helfen aus, sie wohnen aber beide nicht wirklich in der Nähe, und hätten mein Mann und ich hier nicht als Team funktioniert, wäre es wirklich schwierig geworden. Bis wir im Sommer einen Kitaplatz haben, ist unser Sohn nun bei uns zu Hause und einen Tag in der Woche bei den Großeltern. Dafür habe ich meine Stundenzahl im Job reduziert, mein Mann nimmt dafür jede Woche mehrere hundert Kilometer Fahrzeit auf sich und hat seine Arbeitszeiten angepasst. Bei mir laufen zudem gerade parallel zum Job mehrere private Weiterbildungen, zum Teil sehr umfangreich. Mein Mann war sofort bereit, das zu unterstützen, was wiederum Einschränkungen in seiner Arbeitszeit, aber auch eine intensivere Betreuung unseres Sohnes zu den Fortbildungszeiten mit sich bringt. Ich weiß das sehr zu schätzen, das, und dass eine Weiterbildung ohne seine finanzielle Unterstützung gar nicht möglich wäre.

Die Sache mit dem Geld empfinde ich bei uns generell als sehr egalitär. Zwar haben wir auch ein gemeinsames Konto, wir tracken aber dauerhaft penibel alle unsere Kosten und Ausgaben, die dann nach dem aktuellen Einkommensschlüssel wieder aufgeteilt werden. Am Ende des Monats gibt es entsprechende Ausgleichzahlungen. Mittlerweile spielen in dieses Konglomerat noch Ratenzahlungen für Hauskredite, Altersvorsorge und mehr hinein – ohne die Liebe meines Mannes zu Exceltabellen wären wir wohl aufgeschmissen (da sind wir ganz klassisch verteilt: Ich hasse das Management von Geldangelegenheiten. Mein Mann hat immerhin zu Urzeiten mal eine Banklehre absolviert. Also sein Revier). Für uns funktioniert es aber gut, denn so können erst gar keine Diskussionen aufkommen, wer denn vielleicht zu oft das Klopapier bezahlen musste. Zudem haben wir mit der Geburt des Sohnes beschlossen, dass ich diejenige sein werde, die erst in Eltern- und dann in Teilzeit gehen würde. Auch ein Klassiker: Ich verdiene in meinem Job einfach weniger (Augen auf bei der Berufswahl). Mit unserem Modell besteht die Chance, dass es finanziell trotzdem fair für mich läuft.

Der Job

Wie schon angedeutet: Ich bin nach einem Jahr Elternzeit von einer Vollzeit- auf eine Halbzeitstelle gewechselt. Das war zum Glück problemlos möglich, sogar ohne Einbuße interessanter Arbeitsfelder. Tatsächlich ist es für mich persönlich derzeit nur schwer vorstellbar, Vollzeit zu arbeiten – Vollzeitmutterdasein hat mich zwar in der Elternzeit so auch nicht glücklich gemacht – aber Vollzeit im Erwerbsjob, das wäre im Moment einfach zu viel Zeit, die mir von meinem Kind abgezogen würde. Mein Mann hingegen arbeitet Vollzeit, was in finanzieller Hinsicht derzeit auch notwendig ist. So ok diese Regelung auch für mich ist – meine Träume sehen irgendwie anders aus. Und zwar ungefähr so:

Ich hätte gerne ausreichend Zeit für unser Kind, ohne es wegen Termindruck durch die Gegend hetzen zu müssen. Ich möchte viel Zeit mit ihm verbringen, möchte aber auch Zeit haben, um anderen Aufgaben und Interessen nachgehen zu können. Es wäre toll, wenn auch mein Mann nicht Vollzeit arbeiten müsste, sondern dafür ebenso noch mehr Zeit mit unserem Sohn hätte, wir uns also einerseits die Sorgearbeit stärker teilen könnten als bisher, andererseits aber auch mehr Zeit für uns gemeinsam als Familie bliebe. Und ja, ich würde mir wünschen, meine Familie wäre in der Nähe. Die Eltern meines Mannes wohnen rund 100 Kilometer entfernt, das ist eine noch machbare Strecke, bis zu meinen Eltern sind es 400 Kilometer. Mir wurde vor der Geburt prophezeit, dass ich mir oft wünschen würde, meine Eltern wohnten um die Ecke, und verdammt: Das stimmt. Es braucht einfach Menschen, die einen mit Kind unterstützen, die einem mal Zeit und Raum verschaffen, und es braucht mehr Bezugspersonen als allein die Mutter, und das dürfen dann gerne auch mehr als der Vater sein.

Ich habe im letzten Absatz unverhältnismäßig oft das Wort „Zeit“ benutzt. Aber so ist es halt: Zeit ist ein rares Gut und gleichzeitig so furchtbar wichtig, wenn man Kinder hat. Für einen selbst, aber auch für die Kinder. Slow Parenting und so…

Die Mutterschaft

Was bedeutet Mutterschaft für mich? Der Begriff „Mutter“ ist so unglaublich beladen, besetzt, mit Erwartungen angefüllt, finde ich. Man muss ja nur an Freud denken. Aber auch sonst: Wenn es um Mütter geht, schwingen oft gleichermaßen hehre Ideale und böse Beschimpfungen mit. Man bekommt ein Kind und steckt plötzlich mittendrin. Für mich ist dabei es keine Frage, ob ich gerne Mutter bin: Das bin ich, und ich bin fest davon überzeugt, dass Mutterschaft in keinem Konflikt zu einer feministischen Haltung stehen muss. Aber es ist fast schon ein Kampf, mich selbst aus meiner eigenen Perspektive heraus als Mutter zu definieren, bevor es nicht schon andere für mich getan haben.

Unter anderem spielen hier ja auch unterschiedliche Sichtweisen mehrerer Genrationen (und natürlich auch Kulturen) eine Rolle. Mir kommt dabei eine Situation bei meiner Schwiegerfamilie in den Sinn: Wir waren dort zu Besuch, es war der Abend des 24. Dezember. Und, das ist in der Familie meines Mannes gerne mal so: Der Beginn des Abendessens zog sich immer weiter nach hinten. Irgendwann war das Kind so müde, dass es ins Bett musste. Was bei unserem Sohn gerne mal heißt: Man liegt zusammen ein bis zwei Stunden im abgedunkelten Raum bevor er einschläft. Ich schlief in diesem Fall hungrig mit ein, was bedeutete: kein Abendessen für mich an diesem Heiligabend. Meine Schwiegermutter kommentierte das am nächsten Morgen mit dem Satz: „So ist das halt als junge Mutter!“

Mutter – ein entbehrungsreicher, aber bloß nicht zu beklagender Job! Wirst Du Mutter, zählst Du als Person mit Deinen Bedürfnissen erst einmal nicht mehr wirklich. Jemand muss zurückstecken? Mutti ist doch da!

Ich vermute, das ist in der Generation unserer Eltern trotz Aufbegehrens noch immer fest verwurzelt. Und mir kann keiner erzählen, dass es sich innerhalb einer weiteren Generation komplett verloren hat. Ich befürchte vielmehr, dass es zu einer Art Sprachlosigkeit hinsichtlich der Rolle von Müttern und Frauen gekommen ist, weil es eben nicht wirklich en vogue ist, über den adäquaten Umgang mit Frauen und Müttern zu sprechen. Braucht ja keiner mehr wirklich, diese feministischen Diskussionen der siebziger und achtziger Jahre. Und vielleicht braucht es die wirklich nicht, sondern etwas anderes, noch weiter Gefasstes. Mir persönlich geht es tatsächlich auch mehr um die Würde, die jeder Einzelne, jede Einzelne verdient hat.

Das nivelliert nicht die Besonderheit und Schönheit, die das jeweilige Geschlecht (und davon darf man sich dann gerne mehrere denken) mit sich bringen kann. Aber auf einer darüber liegenden Ebene wünsche ich mir, dass allen Menschen erst einmal grundlegend Respekt entgegen gebracht wird; dass allen Menschen Bedürfnisse und auch das Anrecht auf ihre Erfüllung zugestanden wird. Das ist eine Haltung, die ich meinem Sohn, die ich aber gleichzeitig auch allen anderen Menschen entgegen bringen möchte. Wenn ich mich bemühe, das im Alltag zu leben, bin ich – mit all meinen Schwächen dabei – gleichzeitig auch Vorbild für meinen Sohn und ich hoffe, dass er durch die Erfahrung von Respekt und Angenommensein diese Erfahrung gleichzeitig auch weitertragen kann.

Das Geschlecht

Ich bemühe mich also als Mutter, meinen Sohn möglichst unvoreingenommen so wahrzunehmen, wie er ist – auch unabhängig von Geschlechterstereotypen. Um die kommt man aber letztlich nicht herum, ich musste mir also auch dazu eine Haltung aneignen. Das finde ich gar nicht mal so einfach. Ich will nicht alle Unterschiede zwischen Geschlechtern per se nivellieren. Ich mag aber auch keine sinnlosen Zuschreibungen. Konkret im Alltag bedeutet das, dass ich erstmal versuche, die Angebotspalette breit zu halten, ihn also zum Beispiel bunt und nicht nur blau anzuziehen. Er besitzt einen Puppenbuggy, meine alte Babypuppe, unglaublich viele kleine Autos, eine Kochecke und eine Eisenbahn. Er guckt sich „Tom der Abschleppwagen“ an und verkleidet sich mit Engelsflügeln.

Ich bin mir aber bewusst, wie beeinflusst ich dennoch tagtäglich von Klischees bin. Es ist also alles eine wackelige Angelegenheit. So ertappe ich mich dabei, wie ich ihm zwar jederzeit die blinkenden lila Gummistiefel mit Blümchen kaufen würde, wenn er sie möchte, wie ich aber parallel mittlerweile eher nicht zu pink in der Oberbekleidung greife, um blöde Kommentare oder Fragen auszuschließen. Als er noch sehr klein war, war mir das egal, und oft wurde ich auf dem Spielplatz gefragt, wie alt die Kleine denn sei, nur, weil er eine rote Hose und die Haare nicht stoppelkurz trug. Zunehmend aber entwickelt sich seine persönliche Wahrnehmung seiner Identität, und obwohl die noch offen für vieles ist, will ich ihn nicht durch Reaktionen von außen brüskieren. Außerdem will ich ihm nicht extra ein rosa T-Shirt anziehen, nur um es anders zu machen. Dann wäre er nur ein Instrument für mich.

Die Mutterschaft und der Feminismus

Mutterschaft hat für mich eine ganz spezielle Komponente: Erst als Mutter erlebe ich eine neue Dimension von Liebe, von Hingabe, von Verlustängsten, von Tiefe. Das hätte ich mir vorher so nicht vorstellen können. Ich glaube, das geht einher mit einer großen Kraft und gleichzeitig auch mit einer großen Schwäche. Das klingt jetzt latent metaphysisch, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, dass die Erfahrung von Schwangerschaft, Geburt und auch der Begleitung von Kindern etwas ganz Besonderes freisetzt. Ob dies für Väter auch zutrifft, kann ich nicht beurteilen, ich für mich persönlich kann aber feststellen, dass Mutterschaft mich in Kontakt mit etwas, sagen wir, sehr Ursprünglichem gebracht hat und bringt. Und das hat für mich etwas zutiefst Feministisches, denn Feminismus heißt für mich auch: Dass Frauen nah an sich selbst sein dürfen, dass sie sich nicht verstellen müssen, dass sie mit allen ihren Anteilen in der Gesellschaft willkommen sind – auch mit ihren mütterlichen – was auch immer das jeweils für sie bedeutet.

Und, ganz ehrlich: Ich habe nicht den Eindruck, dass dies gerade richtig gut möglich ist. Die Dinge standen sicherlich schon einmal schlechter, aber schon allein als Frau an sich ist es manchmal schwierig inmitten all der Erwartungen und Standardvorstellungen vom angemessenen Frausein. Ich bin zum Beispiel über 1,80 m groß. Das reicht eigentlich schon, um ausreichend aus der Norm auszubrechen und das auch immer wieder zu spüren. Und das ist vergleichsweise nur eine Kleinigkeit. Bei Männern mag das gar nicht so viel anders sein. Bei Frauen, die auch Mutter sind, potenziert sich die Situation aber: Ich verstehe zum Beispiel, dass Arbeitgeber es nicht gerne mögen, wenn Arbeitskräfte wegfallen. Aber das, was Frauen häufig noch im Job begegnet, wenn sie schwanger werden, ist einfach ein Unding! Meine Güte, wir bringen die Menschen auf die Welt, aus denen sich unsere komplette Gesellschaft überhaupt erst zusammensetzt, wir ziehen sie meist auch groß! Das gilt übrigens auch für Familien im Allgemeinen und deren Sorgearbeit. Wieso sollte ich schuldbewusst aus der Wäsche gucken, wenn ich mit dem völlig natürlichen Lebensfluss schwimme und Kinder auf die Welt bringe?

Wieso sollte das mein Privatvergnügen sein? Es braucht hier eine komplett andere Haltung gegenüber Müttern und Familien im Allgemeinen. Das meint keine Aufwertung von Menschen, die Kinder großziehen gegenüber Kinderlosen. Bewahre. Bewertung ist ohnehin ein großes Problem, da aber auch gerne unter Müttern: Ich persönlich erlebe das vielzitierte Mütterbashing ja wirklich selten, sondern habe in meinem Umfeld doch weitgehend unterstützende und tolerante Menschen. Ich weiß aber wohl, dass es auch anders geht, und, Mädels: Das ist so kontraproduktiv, wenn Ihr Euch gegenseitig erzählt, wer es angeblich schlechter und besser macht. Meist dient die Abwertung eines anderen Lebensmodells ja ohnehin nur zur Rechtfertigung des eigenen. Aber mal ehrlich: Nur, weil man als Mutter so häufig suggeriert bekommt, es nie wirklich richtig zu machen, ist es noch längst keine gute Idee, krampfhaft aufeinander rumzuhacken, um sich selbst irgendwie zu erhöhen.

Muttersein ist derzeit nicht einfach: Die Erziehungsideale sind verschieden, aber gleichermaßen hoch. Es gibt wenig „richtig“ und „falsch“. Als Mutter soll ich gleichermaßen für meine Kinder da sein, aber auch noch andere Hobbys, einen Job und immer eine tolle entspannte Beziehung haben. Jeder weiß um den Utopiegehalt dieses Bildes, trotzdem ist es irgendwie da – und unerreichbar. Und dann die Betreuungsfrage: Wenn ich meine Kinder von anderen betreuen lasse, ist das für viele Menschen ganz schlimm – wenn ich das nicht tue, für ungefähr genauso viele Menschen ebenso furchtbar. Und nicht wenige davon scheuen sich auch nicht, das offensiv mitzuteilen; zu Müttern kann halt jeder irgendwie eine Meinung haben. Ich schlage hier keine neuen Töne an, auch nicht, wenn ich sage, dass das Themen sind, mit denen sich Männer meist nur marginal auseinandersetzen müssen. Das wird sich auch nicht ad hoc ändern lassen, was man aber recht schnell ändern kann: Das Maß an Solidarität, dass sich Frauen und Mütter einander entgegen bringen. Seid nett zueinander! Sprecht Euch Mut zu! Sagt Euch, wie gut Ihr das macht! Das stimmt nämlich meistens sogar!

Wenn es dann noch gelingt, das nicht als Abgrenzung gegen die Männer in der Gesellschaft zu verstehen, wäre schon einiges gewonnen, finde ich. Denn wenn wirklich der Wunsch besteht, dass wir alle eine gerechte Behandlung erfahren, Frauen wie Männer, dann geht das nur gemeinsam. Dann muss man dafür sorgen, dass es normal wird, dass Väter ebenso wie Mütter für ihre Kinder in der Erwerbsarbeit kürzer treten. Dass es nicht an ihrem Selbstverständnis als Mann rüttelt, wenn sie Fürsorge zeigen. Dass auch sie untereinander im Hinblick auf Elternschaft solidarisch und unterstützend sind.

Und vielleicht ist das tatsächlich eine wichtige Rahmenbedingung für ein gutes Leben als Mutter und Feministin, aber auch als Vater und letztlich als Familie, in welcher Form auch immer: Solidarität und Unterstützung.

Interview Feminismus und Mutterschaft 10

Feminismus und Mutterschaft: Mehr Solidarität und Unterstützung

Reisen mit Kindern

Camping mit Kindern auf der Insel Losinj (Kroatien)

Neulich sortierte ich Fotos um mal endlich ein Urlaubsalbum zu basteln, da fiel mir auf, dass ich unseren letzten Kroatien-Urlaub noch gar nicht verbloggt habe! Fällt mir jetzt im Februar auch schwer, wenn ich all die tollen Fotos sehe. Aber da ich gar nicht genug (unbezahlte) Werbung für Familienurlaub in Kroatien machen kann – hier ist der Beitrag. Dieses Mal waren wir auf Losinj in der Kvarner Bucht. Wer lieber Lust auf Istrien weiter nördlich hat, kann sich meine Beiträge von vorletztem Jahr ansehen.

Camping auf Losinj – perfekt für Familien mit kleinen Kindern

Die Anreise war offen gestanden nicht ohne. Wir hatten so ziemlich alle Anfängerfehler gemacht, die man machen kann. An einem Samstag losfahren und das in der Hochsaison (Juli). Bis München war die Autofahrt eigentlich ohne Zwischenfälle, aber zwischen München und Salzburg brauchten wir eine Ewigkeit – nachdem wir vor München eigentlich dachten, wir wären bald da. In Salzburg hatten wir eine Jugendherberge gebucht. Auch das hatte sich schon letztes Jahr bewährt. Eine praktische Form der Unterkunft, günstig und familientauglich. Und was das Umfeld angeht muss man auch nicht ernsthaft Sorgen haben, dass ein wenig Kinderlärm hier jemanden verärgert. Von Salzburg selber haben wir leider nichts gesehen, da wir etwas außerhalb waren und am nächsten Tag direkt weitergefahren sind.

Kurz hinter Lubljana in Slowenien ging es nämlich über Landstraße weiter und wir mussten noch rechtzeitig zur Fähre rüber auf Cres. Das hatten auch 348 andere Familien an diesem Nachmittag noch vor und außerdem ist noch eine der beiden Fähren ausgefallen. Eine Strecke dauerte eine halbe Stunde hin, eine halbe zurück…wir warteten also drei Stunden in der Schlange. Und außer dem kleinen Fährhafen gab es dort nix.

Sonnenuntergang auf Cres

Der Sonnenuntergang auf Cres

Als wir dann aber abends endlich drüben waren wurden wir von einem wunderschönen Sonnenuntergang begrüßt. Vom Fähranleger zu unserem Campingplatz dauerte es noch eine Stunde mit dem Auto bis wir den Campingplatz erreichten. Allerdings fuhren wir noch schnell ins Zentrum von Mali Losinj um einzukaufen.

Ein Mobilwohnheim auf dem Campingplatz Poljana

Seit wir auf dem Campingplatz in Istrien vor zwei Jahren das erste Mal ein Mobile Home buchten ist es für uns die Unterkunft der Wahl: Auf den Campingplätzen können sich die Kids relativ frei bewegen, die Infrastruktur ist oft super – aber zelten wollte ich mit kleinen Kindern nicht. All der Dreck, dann das Extragepäck das wir hätten packen müssen und mit kleinen Gaskochern wollte ich auch nicht rumhantieren. So wurde das Mobile Home unser Kompromiss und auch für den kommenden Urlaub auf Korsika und Sardinien schauen wir uns entsprechend wieder um (falls wer Tipps hat immer her damit!). Preislich finde ich es nicht ganz so günstig, vielleicht findet man für den gleichen Preis auch eine Ferienwohnung, aber so sind wir direkt draußen, haben Bad und Küche und die Kids können einfach raus laufen und spielen.

Mobilehome Camping Poljana

So sah unser Mobilehome auf dem Campingplatz aus

 

 

Camping Poljana

Der Blick von unserem Mobilwohnheim aufs Meer

Der Campingplatz Poljana liegt an der schmalsten Stelle der Insel Losinj. Auf beiden Seiten sieht man das Meer, kann die Schiffe beobachten, die nach Mali Losinj rein- oder rausfahren und selbst bei großer Hitze weht immer eine kühle Brise. Abends auf der Veranda sitzen und einen leckeren Weißwein mit Blick aufs Meer genießen – großartig.

Was ich vor Ort nervig fande, grade aber nicht mehr nachvollziehen kann wieso: Es lärmte vor lauter Grillen. Oder Zikaden, ich kann das ja nicht so auseinander halten. Aber was für einen Lärm die machen können! Stundenlang!

Kinder auf Campingplatz Poljana in Kroatien

Vor dem Bungalow/Mobilwohnheim können die Kids im Schatten Bilderbücher gucken

Kind1 schwärmt heute noch vom Campingplatz: Es gab einen Spielplatz mit Trampolin! Darauf sprangen beide Kinder, morgens als erstes und abends unbedingt auch noch mal – bis das Trampolin abgeschlossen wurde. Spielplatz und Trampolin waren jetzt nichts für Eltern mit schwachen Nerven…in Deutschland hätte man vermutlich einige Spielgeräte gesperrt und aufs Trampolin hätte nur je ein Kind gedurft – das sah man hier wesentlich entspannter. Animation für die Kinder gab es auch, aber sehr überschaubar. Nachmittags bastelten und spielten drei Animateure mit den Kids – die größeren wurden schon für das „TheaterMusicalStück“ am Abend eingespannt und die kleineren bastelten und spielten.

Das Musical am Abend war dann auch eins der Highlights für Kind1. Anschließend wurden immer noch ein, zwei Lieder aus der Kategorie „Las Ketchup“ gespielt und dann war der Abend schon rum.

Auf dem Campingplatz selber gab es noch ein Restaurant, eine Bar, einen Infostand an dem man zum Beispiel Bootstouren buchen konnte, einen Supermarkt und einen Fahrradverleih. Kind1 war traurig, dass es keine Poollandschaft gab, aber dazu komm ich dann im nächsten Teil – da erzähl ich dann von unseren Ausflügen auf Losinj!

Wart ihr schon mal in Kroatien und könnt dort eine Ecke empfehlen?

Familie

Hoch die Hände, Wochenende

Freitag – Innehalten

Nachdem bereits sechs Wochen seit Jahresbeginn vorbeigeflogen sind, wollte ich mal innehalten. Zwar hab ich nun wirklich aktuell keine Langeweile, aber manchmal das Gefühl, so richtig produktiv sei ich auch nicht. Nachdem ich die Kinder weg gebracht habe will ich einen Spaziergang machen. Kurz bevor ich den Rhein erreiche fängt es an zu regnen. Ich drehe also um und gehe mit Brötchen nach Hause.

Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Leben sind immer noch ein sehr wichtiges Thema für mich und ich überlege regelmäßig, wie ich mich, wie wir uns als Familie da noch besser aufstellen können. Im Internet stolper ich irgendwo über einen Artikel a la „10 Dinge, die Du lassen solltest wenn Du nachhaltig leben willst“ und ich stelle mal wieder positiv fest, dass wir gar nicht so schlecht dastehen. Trotzdem überleg ich mir, wenn die Fastenzeit beginnt ein „Spezialprogramm“ auszuprobieren, oder anders gesagt: einige der Dinge, die ich mir schon lange vorgenommen habe, endlich umzusetzen.

Nachmittags hole ich die Kinder ab. Eigentlich hatte ich vor mit ihnen zum „Indoor“-Spielplatz der Heilsarmee zu gehen. Den hab ich vor einigen Wochen entdeckt und war mit ihnen letzte Woche Freitag zum ersten Mal da. Im Prinzip ist es ein großer Gemeindesaal mit diversen Spielzeugen, einer kleinen Rutsche, Bällebad und riesigen Schaumstoffwürfeln. Für meine Kids genau das Richtige: Bewegung und Aktivität. Der Große hatte heute aber keine Lust, hauptsächlich weil das bedeuten würde, 10-15 Minuten Laufen zu müssen…also ab nach Hause.

So langsam (eeeeendlich!) gibt es immer mal wieder kurze Phasen, in denen die Kinder miteinander spielen oder jeder in ein Bilderbuch versunken ist. Ich muss mir noch überlegen, was ich mit diesen – leider vorher nie absehbaren – „freien“ Minuten mache. Momentan sitz ich dann meist mit meinem koffeinfreien Kaffee am Küchentisch und starre aus dem Fenster…

Es gibt Erbsensuppe zum Abendessen und da der Mann heut bis in die Nacht arbeitet, schlafen die Kids bei mir im Elternbett ein.

Samstag – (Groß-)Elternbesuch

Kind1 bemalt mich mit Karnevalsschminke

Kind1 möchte mich Karneval schminken. Wir wissen beide nur nicht, als was…

Kind2 sagte in den letzten Tagen sehr oft „Moma Auto“, seine Zweiwortvariante für „Wir müssen ins Auto und Oma besuchen“. Das stand dann heute endlich auf dem Plan. Der Mann verlässt gegen 9 das Haus zur Arbeit. Ich bringe einer Bekannten noch Bananen und Salzstangen vorbei, da sie sich den Magen verdorben hat. Auf dem Rückweg verfluche ich alle Hundebesiter_innen, die ihre Hunde einfach irgendwo hinsch*eißen lassen und sich nicht um die angemessene Entsorgung kümmern: Kind2 wollte einen Stein aufheben, der sich als Hundeköttel entpuppte. Dann lief Kind1 in einen Hundehaufen…orrrh, ich mag Hunde echt, aber das ist ne Pest! Dann geht es ins Auto und ins Ruhrgebiet. Staustaustau – das macht dem Kleinen nichts, der schläft die ganze Zeit aber Kind1 hat nicht nur Langeweile sondern leidet dann auch schnell mal unter Übelkeit. Nach zwei Stunden haben wir es aber auch geschafft. Meine Kinder und meine Eltern glücklich – spielen, draußen sein, Karnevalsschminken, essen.

Auf dem Rückweg fällt mir dann doch ein, dass es etwas gibt, was ich am Karneval hasse: Es gibt noch weniger Parkplätze als eh. Samstag Abend, ne Woche vor dem Straßenkarneval und ich höre Herberts Stimme: „Oooooh, ich drehe schon seit Stunden…“ – gut, ich habe tatsächlich eine Stunde gekurvt und gesucht.

Sonntag im Eisenbahnmuseum

Der Sonntag wird gegen sechs Uhr früh das erste Mal von Kind2 eingeläutet, er möchte seine Flasche. Danach schlafen wir noch bis halb acht oder acht. Kind2 steht auf, holt sich ein Wimmelbuch und fordert mich auf, ihm zu sagen, was er auf den Bildern finden muss. Kind1 kommt dazu gekrochen. Der Mann guckt aus einem Auge und wird wach. Ein sehr gemütlicher Start in den Tag. Nach dem Frühstück bereite ich schon mal das Abendessen vor (Sauerkrautquiche) und der Mann schaut mit den Kids die Maus.

Ein alter Ticketautomat

Ein alter Ticketautomat

Mittags brechen wir zum Eisenbahn-Museum auf. Für die Kinder ein Riesending- ich fands urig aber ganz schön viel Rost. Man sah, dass das Ganze von vielen Eisenbahnfans liebevoll gepfelgt wird. Auch wenn es an einigen Stellen so aussieht, als hätte jemand 1955 das Werkzeug liegen gelassen und seitdem rostet die Eisenbahn vor sich hin. Es gab Kaffee und Kuchen und wir trafen noch die beste Freundin von Kind1. Nach zwei Stunden wird es den Erwachsenen zu kalt und wir fahren nach Hause.

RetroFeuerwehr

Auch eine Feuerwehr aus den…50ern? gab es zu sehen

Dort warten der Wäscheberg, der Wäschekorb etc. auf uns. Die Kinder hören Karnevalslieder. Nachdem meine Sauerkrautquiche mit Nichtbeachtung gestraft wurde gehen wir ins Bett.

Tatsächlich schlafen die Kleinen ungewöhnlich früh (nämlich schon um 8) und ich verblogge unser Wochenende und werde gleich noch den Speiseplan für nächste Woche machen. Da muss ich selber schmunzeln, dass ich mal einen Speiseplan schreibe…aber es erleichtert doch Einiges, wenn man weiß, was es die Woche zu essen geben wird und dass man am Montag bereits alles kaufen kann..

Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Woche!

 

Familie

Frühlingswetter, Karnevalsvorbereitung und Bücherei – Alltag halt

Am Montag war ich mit Kind1 zur Schuluntersuchung. Schuleignungsuntersuchung? Jedenfalls da, wo die Ärzt_innen vom Gesundheitsamt in die Schule kommen. Kind1 freute sich sehr – ich weiß nicht, was er da immer erwartet aber er hatte da nie Abwehrhaltungen, auch nicht bei der fast gleichen Untersuchung vor anderthalb Jahren im Kindergarten.

Kind1 erzählte Geschichten zu den kleinen Bildchen, malte Kopffüßler und schaute, ob mehr blaue oder mehr gelbe Bälle auf dem Bild sind. Der Hörtest war einwandfrei und dann hüpfte er noch rechts und links über eine Linie, schrieb seinen Namen und was er sonst noch machen musste hab ich schon wieder vergessen. Diagnose: Definitiv schultauglich. Lediglich die Feinmotorik sei noch ausbaufähig, das könne aber auch an den Sehschwierigkeiten liegen.

Anschließend brachte ich ihn in den Kindergarten, wo er schon den erstbesten Leuten von seinem Morgen berichtete.

Ich ging anschließend den Wocheneinkauf erledigen, diesmal war es aber nicht so viel. Der Mann ist ja diese Woche mehr zu Hause und kocht an einigen Tagen. Für Montags plan ich eh immer Nudeln mit Sauße ein, denn die Kinder bekommen im Kindergarten dann immer Suppe, haben zu Hause dann tierisch Hunger und es muss was sein, was schnell fertig ist und kritiklos gegessen wird. Ich ging noch kurz in mein Lieblingscafé und anschließend nach Hause. Da es schon Mittag war, bereitete ich mir was zu essen und machte anschließend ein kleines Nickerchen, da die letzten Nächte sehr bescheiden waren.

Gegen vier holte ich die Kinder vom Kindergarten und ging mit ihnen kurz beim Bäcker vorbei und dann auf den Spielplatz. Endlich mal wieder schönes Wetter! Wir trafen noch den Patenonkel von Kind2 mit Baby und als es dunkel wurde hatte ich Mühe, die Kinder nach Hause zu kriegen. An der Haustür trafen wir dann den Mann und gingen gemeinsam in die Wohnung. Ich machte das Abendbrot fertig und schwang mich selber dann aufs Fahrrad um zum Geburtstag einer Freundin zu fahren.

Kinder schaukeln

„Mama, mach ein Fotooo!“ Schwierig…

Am Dienstag brachte der Mann die Kids in den Kindergarten und ich arbeitete ein bisschen im HomeOffice. In meiner Mittagspause schaute ich eine Folge von Call the Midwife (habe wieder von vorne angefangen) und stelle wieder fest, dass das ne blöde Idee ist, wenn man anschließend noch was arbeiten will (ich heule bei jeder Folge…).

Auf meiner Entrümpelungs-ToDo Liste stand noch „Kleiderschrank ausmisten (meine Sachen)“ und dieser Aufgabe widmete ich mich dann. War weniger dramatisch als erwartet. Ich bin eh kein FashionVictim und habe nicht wirklich viele Klamotten. Aber ich fand noch etliche Sachen aus der Kategorie „Da pass ich bestimmt bald wieder rein“ und „Naja, hat drei Löcher aber kann man ja noch im Urlaub/bei der Gartenarbeit anziehen“ (wir haben gar keinen Garten und im Urlaub mag ichs dann doch lieber gut angezogen). Ich machte also einen Stapel für den Flohmarkt und einen für den Müll und war nach 15 Minuten fertig. Erwähnte ich bereits, dass ich noch nie auf nem Flohmarkt was verkauft habe? Sachen loswerden ist für mich immer die größte Hürde.

Der Mann holte die Kinder vom Kindergarten und fuhr mit ihnen einkaufen. Kind1 hat sich nämlich Papas leckren Apfelkuchen gewünscht („mein“ Apfelkuchen kann da angeblich nicht mithalten) und zum Abendbrot sollte es Naan mit verschiedenen Dips geben. Die Kinder halfen dem Mann beim Backen und Kochen und dann war es auch schon Abend.

Perücke in blau-grün

Ein Teil meines Karnevalskostüms kam an. Ich werde Pfau

Auch am Mittwoch bringt der Mann die Kids zur Kita. Ich bekomme eine Nachricht von der Babysitterin, dass sie leider Bindehautentzündung hat und am Abend nicht sitten kann. Sie ist Erzieherin, da bleibt sowas nicht aus und Kind2 ist leider sehr anfällig für Bindehautentzündungen. Ich bin trotzdem tieftraurig, habe ich mich sehr auf einen Abend mit dem Mann in unserer Lieblingskneipe gefreut. Als „Entschädigung“ gehen wir halt auf ein Käffchen raus, muss man ja ausnutzen dass der Mann zu Hause ist. Er ist anschließend noch verabredet und ich mach mich an meine Arbeit.

Nachmittags holt der Mann Kind1 zum Bouldern aus der Kita. Ich hole eine Stunde später Kind2 ab, wir kommen an der Wohnung vom Patenonkel vorbei und das Kind möchte klingeln. Es ist auch jemand zu Hause und so kommt der Patenonkel mit dem Baby auch noch hinterher zum Spielplatz, wo wir Kind1 und den Mann treffen. Das große Kind ist vom Sport so fix und alle, dass es von sich aus (!!!) sagt, er möchte nach Hause. Gibt es sonst nie…Während Kind1 mit dem Mann nach Hause radelt bleiben wir anderen noch eine Weile bei den Schaukeln. Ist das Frühlingsluft?

Am Donnerstag bringen wir gemeinsam die Kinder zum Kindergarten. Anschließend versuche ich, meine Lieblingsstiefel bei einem Schuster reparieren zu lassen, aber der gute Mann möchte mir keine Hoffnungen machen. Er behält meine Stiefel und sagt, ich solle morgen wieder kommen, er guckt mal, was er machen kann. Der Mann macht sich auf den Weg zu den großen Elektrofachhändlern – wir kaufen uns nämlich eeeendlich einen Trockner! Bisher stehen in unserem Wohnzimmer drei Wäscheständer um dem Output hier die Stirn zu bieten, aber das sieht nicht nur hässlich aus und nimmt Platz weg, auf dem mein Schreibtisch stehen könnte, es macht mich auch schier wahnsinnig all diese kleinen Kindersöckchen und T-Shirts undundund ständig aufzuhängen. Ich hatte ja immer ein schlechtes Gewissen, wegen der Ökobilanz, aber neulich las ich irgendwo, dass die ganze feuchte Wäsche mehr zum Lüften zwingt, was mehr zum Heizen…und Gegeninfos will ich gar nicht hören! Jedenfalls wurde der Mann bei den großen Märkten nicht fündig. Die Beratung war – nett gesagt – leidenschaftslos und so fuhr er zum lokalen Weißgerätemarkt unseres Vertrauens, wo wir auch bereits Kühlschrank und Waschmaschine gekauft haben. Super Preis und Lieferung bis vor die Wohnungstür!!! (Ich wiederhole mich, 5. Stock ohne Fahrstuhl…).

Wir holten die Kinder ab. Der Mann fuhr mit Kind2 los, eine Jacke für ihn (also Kind2) kaufen. Eine hat er bereits so verhunzt, dass sie auch keine Schneiderin mehr wieder hätte reparieren können. Ich schnappte Kind1 und wir fuhren zur Bibliothek. Bibliotheken sind ja meine Happy Places und die hiesige Stadtbibliothek hat eine toll eingerichtete Kinderabteilung. In meiner Heimatstadt hatte die Kinderbibliothek ein eigenes Gebäude, war hell und gemütlich und ich habe viele Stunden dort verbracht. Ich hoffe, meine Kinder fühlen sich in Büchereien genau so wohl. Leider hat unsere Stadtteilbibliothek schon seit drei Jahren geschlossen und weil das Gebäude renoviert werden muss und das unter Aufsicht der kommunal Zuständigen offenbar dauern kann, hab ich da auch nicht allzu viele Hoffnungen.

Kleine Buchauswahl für klein und groß

Demnächst stelle ich euch ein paar der Bücher vor, die wir hier grad lesen. Jetzt wartet die Wäsche darauf, noch mal aufgehangen zu werden – der Mann ist nämlich mit Freunden raus und hat sie extra für mich übrig gelassen.