Familie

Bergfest

oder auch halbzeit. aber das weckt ja momentan bei den meisten andere assoziationen. in genau drei monaten fange ich wieder an zu arbeiten. da nehm ich mir mal die zeit um luft zu holen und die letzten dreieinhalb monate revue passieren zu lassen.

für den mutterschutz (vor geburt) hatte ich hehre pläne: alle bücher für die diss lesen und den forschungsgeldantrag fertig schreiben, häkeln lernen, musik machen… und wo ist das geendet? zwölf stunden schlaf täglich und vormittagstrash-tv. wie schnell auf einmal so ein tag um ist. neun uhr aufstehen, eine stunde frühstücken, gemütlich vor den fernseher, ein paar bessere, ein paar schlechtere serien und dann mein ‚highlight‘ zwei bei kallwas. schon nach fünf minuten wissen, wie das ausgeht und trotzdem eine stunde durchhalten, weil man ja denkt, es könnte anders kommen. aber nein, die kleine pubertierende tochter ist schwanger und will abtreiben aber die mama will das verhindern weil sie mal abgetrieben hat und ihrer tochter……und die neue freundin von papa, die was mit dem kumpel vom sohn hatte und ein detektiv…..ok, ich verschon euch.

die geburt, von der immer geschrieben wird, sie sei ein so einschneidendes erlebnis, dieses wunder und überhaupt. dabei ging alles so schnell und dann war minime da und dann passierte so viel (oder kam es mir nur so vor), dass ich gar keine zeit hatte für dieses wunder, diesen ’schönsten moment‘ im leben. und jetzt ist es irgendwie so, als sei er schon immer da gewesen. natürlich hat sich alles geändert. irgendwie aber auch nix. ich fühle mich auf jeden fall noch irgendwie genauso wie vorher. vielleicht, weil ich mich manchmal an das leben vor minime nicht mehr erinnere. diese tage, in die man einfach hineingelebt hat, auf der couch, lesend, schlafend. was hab ich mit all der zeit bloß angefangen? durschlafene nächte, so ausgeschlafen – wie fühlte sich das an?

und jetzt leben mit kind. nee, es hat jetzt nicht mehr sinn als vorher. aber ich habe weniger zeit, mir um diesen sinn gedanken zu machen. alltag organisieren, freiräume für sich und die beziehung schaffen, freunde nicht vernachlässigen, die man nicht vernachlässigen möchte, neue bekannte, mit denen einen dann doch glücklicherweise mehr verbindet als das kinder-bekommen-haben. und grenzen ziehen habe ich gelernt. auch wenn mir noch nicht auf alles, was mir das umfeld so an weisheiten und ratschlägen zukommen lässt, der passende satz einfällt. in gedanken übe ich. höflichkeit wird total überbewertet. muss man aber erst mal abtrainieren. all die geduld, die minime mir abverlangt, geht mir halt woanders flöten. tut mir leid, liebe mitmenschen.

zwischen dem ganzen windelkram und babyalltag muss man sich oasen schaffen. glücklicherweise ist die beste tante der welt noch bereit, einmal die woche minime für ein paar stunden zu bespaßen. diese zeit nutzen papaminime und ich, gehen aus, reden über was anderes als windelcontent. und wissen so, dass wir noch wir sind. interessen haben, auch gemeinsame. planen ein wenig in die zukunft hinein und schauen uns einfach andere menschen an. einfach gold wert.

und natürlich minime selbst. einerseits frag ich mich jeden tag, wann er denn endlich laufen lernt und mama sagt. und dann denk ich, was er in den drei monaten schon alles ‚vollbracht‘ hat: sein geburtsgewicht verdoppelt, lächeln gelernt, kopf halten obwohl der immer noch so unverhältnismäßig groß ist. verstanden, dass die nacht – meistens – zum schlafen da ist, man sich die welt auch angucken kann undundund. und denke mir, ich sollte das mehr genießen. nicht überlegen, wie ich die nächsten drei monate mit arbeit vollpacken kann (schnell promovieren, schnell promovieren, schnell promovieren schießt es wie ein mantra durch meinen kopf). sondern all das festhalten. aber da schlägt mein altes ich zu sehr durch: nicht stillhalten können, immer weiter immer weiter…

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2 Comments

  • Reply way_up_north 1. Juli 2011 at 18:56

    lese schon ne weile immer mal wieder dein blog und wollte mal ein „hallo“ da lassen. unsere kleene ist gerade knapp 8 wochen alt und ich erkenne manches wieder, in dem was du schreibst 😉 danke dafür.

  • Reply Linksammlung: Kinderbücher, Arbeitsmarkt und Männerquote « fuckermothers 4. Juli 2011 at 15:59

    […] doofe Ratschläge an junge Mütter, übers bisherige Leben mit Kind, Geburt, und anderes (‘Bergfest‘) und über Bascha Mikas Buch ‘Die Feigheit […]

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