Feminismus

Blame capitalism, not feminism!

In letzter Zeit kriege ich öfter mal Puls, weil mir andere Frauen, meist Mütter, mitteilen, dass sie vom Feminismus enttäuscht sind, oder sie nicht dazu gehören wollen.

Weil irgendwo wieder ein Artikel erschienen ist, in dem eine Top-Managerin mit zwei Kindern sagt, man müsse halt nur wollen und gut organisiert sein. Weil irgendwo eine Feministin in einem Roman die Idee einer künstlichen Gebärmutter aufgreift. Weil die großen Zeitschriften und Talkshows halt gerne „extreme“ Positionen aufgreifen (der Klicks und Zuschauerzahlen wegen. Bei jedem anderen Thema ist eine_r das klar, es sei denn, es geht um Feminismus, da wird alles für bare Münze genommen). Und weil sich Positionen wie meine, die da hieße „macht doch wie ihr wollt, aber kämpft an den Strukturen, die die Wahlfreiheit für Alle verhindern“ irgendwie nicht so knackig, medial verkäuflich sind. Ja, tut mir leid, aber dann seid ihr selber gefragt:

Es gibt viele wunderbare Blogs die sich Mutterschaft auf feministische Weise nähern und meines Wissens nach nicht danach schreien, dass Mütter 40Stunden/Woche arbeiten müssen um echte Feministinnen zu sein. Es gibt das Care-Netzwerk, das

„neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an(strebt), die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt.“

Lest und teilt die Beiträge die hier, auf umstandslos, bei fuckermothers oder von Barbara und Nicole bei kleinerdrei geschrieben werden. MACHT sie zum Mainstream, wenn ihr nicht wollt, dass die großen Medien immer den Selben Sch***ß berichten. Sonst werden Eure Argumente und Bedürfnisse nämlich von denen vereinnahmt, von denen ihr bestimmt keine Zustimmung wollt: Den Rechten oder Eva Herman. Da wird der Müttermythos neu geschaffen, aber bestimmt nicht in Eurem Sinne. Mit Wahlfreiheit hat das nämlich null und nixig zu tun.

Dann kommen wir vielleicht zu einem mütter- und familienfreundlichen Feminismus, der auch in der Politik Gehör findet und nicht nur denen Vorteile zukommen lässt, die eh schon welche haben. Und dazu, dass Nachteile abgebaut werden, wo sie am Stärksten spürbar sind. Bei den Alleinerziehenden, den Regenbogen- und Patchworkfamilien.

Für mich geht Feminismus nur mit Kapitalismuskritik. Weil kapitalistische Strukturen Niemandem gut tun, der nicht für sich selbst sorgen kann oder für andere Sorge trägt. So was kann man in der Regel nur schon nicht mehr schreiben, weil man dann als naiv und weltfremd gilt. Familien* spüren die Strenge des Kapitalismus ziemlich stark, aber was dagegen tun, wenn die Zeit für Aktivismus nicht für mehr als ein paar Likes und Klicks auf dem Smartphone reicht, weil schon wieder eine Windel darauf wartet, gewechselt zu werden, 12 Ostereier ausgepustet werden sollen und man dann schnell noch die Präsentation für das nächste Meeting vorbereiten muss?

Sich vielleicht nicht über diese Artikel in den Zeitungen aufregen, sondern  – siehe oben – die unterstützen (und wenn nur mit Klicks und Likes) die ein anderes Verständnis von Feminismus und Mutterschaft haben. Das „Der Feminismus“ Schuld sei, wenn Mütter völlig aufgerissen und gestresst zwischen Job und Kindergarten herlaufen ist ein altes Märchen, dass immer wieder gerne neu inszeniert wird – dann ist Feminismus nämlich nicht mehr so gefährlich, weil er sich eine Menge Feind_innen macht (-> Verschwörungstheorien kann ich).

„Dem Feminismus“ die Schuld zu geben ist, als würde man der Physik die Schuld an der Atombombe geben ( -> Vergleiche kann ich auch. Äh ja).

Nur weil man die Norm der Heterokleinfamilie in Frage stellt, heíßt das nicht, dass konkret ihr die Zielscheibe von Feministinnen seid. Kritik an Politik, die ausschließlich einem Familienmodell Rechnung trägt heißt nicht, das Feministinnen keine Vater-Mutter-verheiratet-mit-Kind haben wollen.

Feminismus und Mutterschaft gehen Hand in Hand. Feminismus ist für alle Mütter da (der Kapitalismus aber nicht, nur um das noch mal deutlich zu machen). Aber der Feminismus hat viele Stimmen, manche sind lauter, manche leiser. Es liegt auch an euch, welche gehört werden.

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6 Comments

  • Reply Corinne 24. März 2016 at 16:34

    Danke, einfach nur danke!

  • Reply Wundertuetentag 24. März 2016 at 20:20

    Ja, ja und nochmals ja!
    Vielen Dank für diesen wichtigen Text!

  • Reply zweibeinerin 24. März 2016 at 22:41

    So, es ist spät geworden, aber so ganz schnell möchte ich noch meinen Senf dazu geben. Mir gefällt dein Artikel. Ich finde ihn gut, weil er einfach mal aufzeigt, dass der Feminismus eben keine in sich geschlossene Weltanschauung ist, sondern unterschiedlichste Richtungen und Anschauungen vereint. Auch die Probleme, die du benennst, sehe ich ähnlich. Allerdings liegt mir allgemeine Kapitalismuskritik nicht (wäre es nicht schon 22:22 Uhr und hätte ich nicht so einen verdammt harten Tag gehabt, würde ich das jetzt vertiefen, aber so halte ich es kurz). Meiner Meinung nach gibt es auch nicht „den Kapitalismus“, sondern auch das ist ein Sammelbegriff, der verschiedenste Systeme umschreibt. Die Idee der sozialen Marktwirtschaft finde ich persönlich bspw. gut vertretbar – wenn auch an der Art, wie sie derzeit umgesetzt wird, berechtigt Kritik geübt werden kann. Ich bin der Meinung, dass es auch in einem kapitalistischen System möglich ist, Sorgearbeit entsprechend zu honorieren. Es gäbe da verschiedene Möglichkeiten, sei es ein bedingungsloses Grundeinkommen oder verschiedene finanzielle Förderungen von Arbeiten im privaten Rahmen, die den Staat ja auch wieder entlasten (besonders wenn man den Begriff mal weiterdenkt und neben Kinderbetreuung auch die Pflege von Angehörigen mit hinein nimmt).
    Aber letztlich finde ich es auch egal, ob man das Thema nun generell dem Kapitalismus zuschreiben will oder sich an der Wertehaltung der Gesellschaft abarbeiten mag, die ausgerechnet Lohnarbeit so erhebt und andere Arbeiten dagegen erniedrigt – das Problem bleibt, wie es von dir beschrieben wurde. Wir haben derzeit einen öffentlichen Tenor, der uns suggeriert, dass wir nur jemand sind, wenn wir etwas schaffen und dieses etwas hat bitte sehr außerhalb von Haus und Familie stattzufinden. Jede, die ihre Stimme dagegen erhebt, ist mir herzlich willkommen, egal aus welcher Motivation heraus (naja, fast egal, auf die Unterstützung neurechter Verschwörungstheoretikerinnen kann ich verzichten 😉 ).
    Allerdings, und das muss ich abschließend noch loswerden, kann ich den absoluten Freispruch des Feminismus von der Degradierung der Mütter auch nicht ganz gelten lassen. Ja, du hast recht, es gibt ihn nicht, den Feminismus, den einen und es gibt lautere und leisere Stimmen. Aber ich finde auch, es gibt verdammt wenig Widerspruch und vieles, was diverse Damen von sich geben, wird zwar vielleicht blöd gefunden, aber so richtig dagegen sprechen tun wenige oder sie sind zu leise und somit wird ja auch zugelassen, dass ein Bild ensteht, wie es nun entstanden ist und das viele Mütter nun abgeschreckt und nicht mehr mitgenommen hat.
    Vielleicht wäre es ja auch ein Anfang, wenn alle sich einfach mal bemühen würden, bei Diskussionen, die das richtige Frauenleben betreffen, einen Gang zurück zu schalten und nicht sofort um sich zu schießen. Oft fangen Kommentare zu solchen Themen ja schon mit dem Satz „Wenn ich sowas lese, kriege ich Bluthochdruck…“ an und somit ist schon klar, dass eigentlich gar kein Interesse an einem ehrlichen Austausch und an den Motiven der Gegenüber vorhanden ist. Wenn man das mal abstellen könnte, wären wir weiter.
    So und nun ist es doch länger geworden. Ich könnte noch mehr schreiben, aber ich glaube, das reicht erstmal. Ich verabschiede mich jetzt tatsächlich mal in eine osterfeiertagliche Internetabstinenz und bin gespannt, was sich so alles zum Thema tut, bis ich wiederkomme.
    Danke für den tollen Artikel. Ich mag ihn – im Großen und Ganzen.

  • Reply @machmirdiewelt 8. April 2016 at 12:39

    Ist doch aber auch wahr!! Jawohl! <3

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