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Feminismus

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Familienmanagement

Vor ein paar Tagen sah ich diesen sehr treffenden Comic, in dem es darum geht, was es heißt, sich „alleine“ um alles zu kümmern – trotz Beziehung:

What our partners are really saying, when they ask us to tell them what needs to be done, is that they refuse to take on their share of mental load“

Jedes Mal, wenn ich wieder irgendwo „Maternal Gatekeeping“ höre, werde ich jetzt den Link zu diesem Comic verschicken.

Er macht sehr gut deutlich, dass es beim „mental load“ um weit mehr geht, als Windeln zu wechseln oder die Spülmaschine auszuräumen oder das Kind in den Kindergarten zu bringen.

Es meint daran zu DENKEN, dass die Windeln bald leer sind und für den Kindergarten auch neue mitgebracht werden müssen. Es meint, daran zu denken, dass man neue Spülmaschinentabs braucht und das Kind am nächsten Tag eine halbe Stunde früher im Kindergarten sein sollte als sonst, weil der Verkehrspolizist kommt. Es meint den nächsten Kinderarzttermin auf dem Schirm zu haben, das Geschenk für den Kindergeburtstag und die Nummer der Mama vom Kindergartenfreund, mit der sich das Kind nächste Woche treffen möchte. An den Elternabend zu denken und daran eine Babysitterin für die Einladung am Wochenende zu organisieren.

Kalender

Familienmanagement – ein kleiner Auszug aus unserem Papierkalender. Der ergänzt wird vom GoogleKalender und von Wunderlist

Mental load meint nicht nur, die Wäsche zu waschen und aufzuhängen und einzuräumen. Sondern auch die Kleidergrößen der Kinder im Blick zu haben und neue Anziehsachen zu organisieren sowie die Sachen die zu klein geworden sind einzupacken, zu verkaufen oder zu verschenken.

Was ich sagen will: Während mir auf twitter ein „aktiver Vater“ erklärt, dass er die im Comic dargestellten Rollenbilder total übertrieben findet, er selber natürlich nicht so ein Exemplar ist und auch kein solches kennt und das voll unfair findet wo er grad zwischen Wäsche und Windeln hin und her läuft…da finde ich: Ja, vielleicht ist es übertrieben dargestellt. Aber auch ich habe auf Kindergeburtstagen Väter erlebt, die über irgendwas fachsimpeln, während die anwesenden Mütter Getränke einschütten und aufwischen, Nasen putzen und mit den Kindern aufs Klo gehen.

„Man muss halt Bedürfnisse kommunizieren“ hallt es mir dann auf twitter entgegen. Ja, bin ich großer Fan von. ABER: Wer muss kommunizieren? Di_er mit dem Problembewusstsein oder? In dem Comic hat der Vater kein Problem. Und wenn die Mutter dann äußert, dass da was schief läuft, bekommt sie zu hören „Du musst ja nur was sagen“. Genau DAS ist ja das Problem. Das da Jemand keine Notwendigkeit hat, kein Problembewusstsein. Läuft ja alles.

Vergleichen kann man das ganz gut mit der beruflichen Situation, die bestimmt fast jede_r kennt: Die eine Kollegin/der eine Kollege, der die Arbeit einfach nicht „sieht“. Die naheliegendsten Aufgaben, die einfachsten Sachen. Der nicht ans Telefon geht, wenn es klingelt, Infos nicht weitergibt oder im Meeting nicht nachfragt, wenn er was nicht versteht und dann das ganze Projekt verbaselt. Und dann sagt „Hat mir ja keiner gesagt…“.

Ja, der Comic ist verallgemeinernd. Nein, nicht alle Männer sind so. Schon gar nicht von „Natur“ aus.

Familienmanagement like a pro

Dann mal Tacheles, wie das hier läuft: In Sachen Haushalt habe ich keinen Partner der „mithilft“. Ich habe einen, der seinen Teil vom Ganzen macht. Da muss ich nicht auffordern oder ansagen. Wenn er da ist, übernimmt er auch Kinderarzttermine oder das Frühlingsfest. Wenn ich weg fahre koche ich nicht vor oder kaufe ein oder, oder, oder.

Ja, das knirscht manchmal im Getriebe. Denn: Logistisch wäre es oft einfacher, ich übernähme ALLES was an Familienmanagement anfällt. Der Mann ist halt beruflich auch viel abwesend. Aber: Mir ist wichtig, dass er mitDENKT und wenn sich das nur darin äußert, dass er nachfragt: Was kaufen wir Kind1 zum Geburtstag? Soll ich nach der Arbeit noch einkaufen? Was brauchen wir noch für den Urlaub?

Alleine das entlastet schon. Nicht allein verantwortlich zu sein.

Für das Management helfen uns: Der Familienplaner, der neben der Eingangstür hängt. So guckt man beim Rausgehen immer mal wieder drauf. Dann haben wir digitale Kalender. Einen für seine Termine, einen für meine und einen für die Kinder.

Und seit einigen Wochen probieren wir noch die Wunderlist-App. Für Einkaufsliste, To Do Liste (eine allgemein, eine für den Urlaub, eine für das nächste Event (Kindergeburtstag, Einschulung…).

Es klappt, mal mehr mal weniger. Auch wenn einige Aufgaben irgendwie schon organisatorisch an mir hängen bleiben, sich meine Arbeitszeit immer nach den Kinderbetreuungszeiten und den Arbeitszeiten des Mannes richten – Familienmanagement ist Teamwork.

Feminismus

Kurz und knapp: Feminismus. Mutterschaft. Yeah

Hach, es gibt Zeiten, da sehe ich die „Früchte“ meiner Arbeit. Da freue ich mich, dass ich nach all den Jahren das Schreiben über feministische Mutterschaft nicht aufgegeben habe. Weil es nicht so viele Klicks bringt, für viele Diskussionen sorgt und man sich nicht immer Freund_innen macht. Weil das, was man schreibt per se als Affront gegen diejenigen aufgefasst wird, die ein klassisches Familienleben leben. As if!

Ich denke, dass gerne Missverständnisse über Feminismus aufrecht erhalten werden, damit man sich nicht auf die inhaltliche Ebene begeben muss. Weil es hart ist zu sehen, dass sich gesellschaftliche Strukturen auch im eigenen Familienleben finden lassen. Weil es weh tut zu sehen, dass die eigenen Erwartungen an Familie und Unabhängigkeit nicht erfüllt werden und man keine Energie mehr hat, dem eigenen Partner die vermeintlich gemeinsam getroffenen Entscheidungen vorzuwerfen…

Aber ich schweife wieder ab. Eigentlich wollte ich nur kurz auf zwei Texte hinweisen.

Ich habe für das gleichstellungspolitische Magazin „news. Gender, Politik, Universität“ über Feminismus und Mutterschaft im Netz geschrieben. Weil es quasi kein 100prozentig subjektiver Text ist, sondern ein Metatext hab ich diesen nicht hier auf meinem Blog veröffentlicht, sondern auf meiner Referentinnen-Seite. Hier nur mein Fazit:

Mütter erschreiben sich einen Raum, finden Gehör in Politik und Wirtschaft und die ein oder andere betreibt mit ihrem Mamablog ein Business. Diese durch Blogs und soziale Medien ermöglichten Chancen verhelfen feministischen Ideen und Thematiken zu mehr Reichweite. Auch wenn sich weiterhin darum gestritten wird, ob Kinder möglichst lange zu Hause betreut werden sollten oder auch schon Kleinkindern eine außerhäusige Betreuung mit gut ausgebildeten und einfühlsamen Erzieherinnen zuzumuten ist: 

Einig ist man sich prinzipiell darin, dass Mütter die Wahl haben sollten sich für ihren Weg entscheiden zu können. Wenn das mal nicht feministisch ist.

Und in der Süddeutschen Zeitung ist ein Beitrag über die Wellenmacherin Christine Finke, alias „Mama arbeitet“ erschienen. In einer kleinen Infobox wird auf weitere Elternblogs aufmerksam gemacht und mein feiner kleiner Blog findet dort Erwähnung (zum ganzen Artikel geht es hier):

glücklich scheitern in der Süddeutschen

In so illustrer Runde fühle ich mich sehr wohl! Alles tolle Blogs.

Falls ihr also über einen dieser Links, bzw. Quellen hierher gekommen seid:

Lest gern weiter und verweilt! Ohne meine Leser_innen und ganz besonders ohne die Kommentare hier und der Austausch in den sozialen Netzwerk wäre die Bloggerei ziemlich fad. Wenn euch feministische Themen interessieren – in der Seitenleiste (oder in der mobilen Ansicht am Ende) findet ihr die Kategorien „Feminismus“ oder die „Interviewreihe Feminismus & Mutterschaft„.

Oder ihr lest nach, wie mein Kind ein Junge wurde. Wie ich als Feministin meine Söhne erziehe. Oder warum ich nicht glaube, dass der Feminismus Schuld ist, wenn Hausfrauen gedisst werden. Und falls ihr dann noch Lust habt, könnt ihr einen persönlichen Blick in unsere 50/50 Variante gleichberechtigter Elternschaft nachlesen.

Und wenn ihr dann bleibt, dann könnt ihr auch was über Familienalltag oder vegane Rezepte sowie Urlaubsberichte hier lesen. Ich freue mich, wenn ihr bleiben mögt!

Feminismus

Tag der Care-Arbeit?

Wie, Wochenende schon wieder rum? Ach, morgen ist ja noch ein Feiertag, deswegen. Tag der Arbeit. Tag der Lohnarbeit um es genau zu sagen. Denn alles andere ist keine Arbeit (falls ihr den Artikel liest, gern auch mal die Kommentare. Süß, wie dort Kinderlose meinen, sie machen ja auch Hausarbeit und wo da der Unterschied sei…), jedenfalls keine, die den Namen verdient.

Also gehen Morgen, am Tag der Arbeit wieder viele viele Angestellte und Arbeiter_innen auf die Straße. Werden ja auch immer weniger, Leute die so richtig arbeiten. Unbefristet und Vollzeit.

Ich persönlich hatte noch nie einen unbefristeten Arbeitsvertrag und Vollzeit habe ich insgesamt ein Jahr gearbeitet. Und trotzdem – Langeweile habe ich dieser Tage noch weniger als damals, kinderlos und Vollzeit arbeitend.

Ich bin es auch müde und leid, ständig darauf hinzuweisen, was an dem, was ich so tagtäglich mache eigentlich Arbeit ist. Und warum das nicht weniger Arbeit ist, nur weil ich meine Kinder liebe. Denn ja, echt, das tue ich. Bis zum Mond und zurück oder was einem da so für Wortschöpfungen für begegnen.

Tag der Arbeit…Wenn Muddi (ich) mal nicht arbeitet, sitzt sie mit den Kindern im Park. Sieht ziemlich entspannt aus, aber ich hab leichte Nackenverspannungen, weil ich von meinem Platz im Schatten ständig nach den Kindern Ausschau hielt, Essen reichte, Wunden pustete, Streit schlichtete…Wo ist der Tag der Carearbeit?

Ich habe die letzten sechs Tage ununterbrochen Kinder bekuschelt, getröstet und bespaßt und nebenbei…ach ich fange ja doch wieder damit an. Wollte ich gar nicht.

Eigentlich wollte ich was total Schlaues darüber schreiben, warum Care-Arbeit, also Sorgearbeit für andere, kleinere und schwache, gebrechliche Menschen immer noch unterschätzt wird und finanziell nicht angemessen entlohnt.

Ich bereite mich mit Minimalismus, ZeroWaste Living und Tiny Houses schon mal darauf vor, von meiner viel zu kleinen Rente später in einem umgebauten Wohnwagen zu wohnen (vorausgesetzt ich werde nicht pflegebedürftig), dann war mein Boho-Loha-Lifestyle – dem nicht selten auch junge Eltern fröhnen – doch sehr vorausschauend.

Was Schlaueres, so was mit scharfer Zunge und Pointe und einem „Hört, hört!“ bei der Leser_in entlockend – das wird heut nix. Für mich war nämlich die letzten Tage jeder „Tag der Care-Arbeit“ und da bleibt die Hirnarbeit leider auf der Strecke.

 

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Feminismus zum Lachen? Jacky Flemings „Das Problem mit den Frauen“ (Verlosung)

Feministinnen sind ja bekanntermaßen bierernst. Frau hat ja auch nichts zu lachen in dieser MANS WORLD. Darum verstecken sich Feministinnen in lila Latzhosen und unter Achselhaar und gehen zum Lachen höchstens in den Keller.

Oder?

Eigentlich lache ich selten so viel, als wenn ich mit anderen Feministinnen zusammen bin (damit mein ich auch die, die sich vielleicht selber nicht so nennen würden, aber es doch ganz bestimmt sind). Das fing im Studium der Gender Studies an, zog sich durch den feministischen Stammtisch, den ich hier in Köln organisierte (den es nicht mehr gibt, aber die coolen Frauen darin, die sind geblieben). Und jetzt sind es die Texte und der Austausch mit anderen – feministischen – Bloggerinnen, twitterinnen etc. Lachen können wir gemeinsam, viel. Humor als Waffe, Verbindungskitt und Selfcare. Wir lachen über Breitmachmacker oder Martenstein, über uns…also ja: Auch Feministinnen ist Lachen erlaubt!

Wie komm ich eigentlich zu dieser langen Einleitung? Ach ja: Ich bekam dieses Buch vom Kiwi-Verlag zugeschickt: Jacky Fleming – Das Problem mit den Frauen.

Das ich hier und da – auch ungefragt – Bücher zugeschickt bekomme mit der Bitte um eine Erwähnung auf meinem Blog ist nichts Neues. Das ich aber eins bekomme, das so witzig ist und das ich am Liebsten direkt allen Freund_innen verschenken würde ist schon die Ausnahme.

„Das Problem mit den Frauen“ ist quasi ein Comic über die Geschichte der Frauen. Verbunden mit dem Witz, den die Tatsache mit sich bringt, dass Frauen „das bestuntersuchte Wesen“ (war das de Beauvoir die das sagte?) sind. Aber eben von Männern untersucht wurden.

Es gibt Bücher, für die ist „gute Klolektüre“ echt ein Kompliment und dieses ist so eins davon – auch wenn es auf dem Nachttisch und nicht neben dem Klo liegt. Man kann es auch ganz unauffällig auf anderer Leute Toiletten liegen lassen, Guerilla-Feminismus quasi. Aber jetzt lasse ich ein paar der Bilder einfach selber sprechen – dann könnt ihr entscheiden, ob ihr eins von drei Exemplaren gewinnen wollt:

Klingt witzig? Ist witzig! Wenn ihr euch mit dem Rest des Buches amüsieren wollt, könnt ihr ganz einfach in den Lostopf hüpfen – erst wollte ich ja so ne kluge Frage stellen wie „welche Frau der Geschichte inspiriert euch“ oder „worüber kannst Du als Feministin lachen“ aber eigentlich soll jede mitmachen, die das Buch lesen und/oder verschenken will. Also kommentiert Freestyle hier unterm Artikel (vielleicht ja auch warum ihr mal wieder was zu Lachen bräuchtet), geduldet euch bis Freitag, 23:59 (der 17. März) und wartet ob ihr unter den Gewinner_innen seid!

Da ich die Verlosungsexemplare netterweise selber verschicken darf müssen Teilnehmerinnen aus dem Ausland mir das Porto bitte per Paypal oder Überweisung zu Gute kommen lassen, ein Honorar gabs nämlich auch nicht und ich verlose das nur, weil ichs wirklich witzig finde… auch wenn ich auf den Versandkosten sitzen bleibe.

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Feministin und Jungs-Mama – was heißt das?

Als ich das erste Mal schwanger war, ging ich davon aus, dass es ein Mädchen wird. Warum genau kann ich gar nicht sagen. Irgendwie passte ein Mädchen besser zu mir. Und als Feministin hatte ich sehr konkrete Vorstellungen davon, wie ich diese Tochter dann erziehen würde.

Ja nun, ich bekam dann einen Jungen. Vorweg: Ich war kein bisschen enttäuscht. In dem Moment, als ich erfuhr, dass ich einen Sohn bekomme war es perfekt wie es war. Aber dennoch tauchten bei mir Fragen auf:

Was mache ich als Feministin nun mit einem Sohn (inzwischen zwei Söhnen)? Erziehe ich sie anders als Mädchen? Erziehe ich sie – in Zeiten von „unerzogen“-  überhaupt? Was sind meine Wünsche und Sorgen für sie und welche Werte will ich ihnen vermitteln?

Zumal aktuell die Debatte ja auch kippt: Manchmal scheint es in den Feuilletons eher der „männliche Nachwuchs“ zu sein, der von der Wettbewerbsgesellschaft vernachlässigt wird. Jungs, die Bildungsverlierer. Jungs, die ja „nur“ von Frauen betreut werden (in Betreuungseinrichtungen) und dadurch nicht lernen, was eine männliche Identität sei (aber keiner fragt danach, wo die Väter, Erzieher und Lehrer sind, die ihnen eine Identität welcher Art auch immer vorleben).

Ich wartete erst mal ab. Wie sich mein Sohn so entwickelte. Denn vielleicht würde sich ja vieles von selber ergeben.

Was ich recht schnell merkte: Ein Kind „geschlechtsneutral“ zu erziehen ist unmöglich, wenn man nicht alleine mit ihm im Wald lebt oder es von anderen Betreuungspersonen fern hält. Denn schon während der Schwangerschaft wird – sofern man das Geschlecht bekannt gibt – in rosa und blau getrennt: Ob bei der Zusammenstellung der Erstausstattung, der Dankeskarten für die Geschenke zur Geburt, bei der Bewertung der Kindsbewegungen („Ballerina“, „Fußballer“…) – nichts bleibt in der Hinsicht unkommentiert.

Ich merkte, wie schwer es war (und ist) Freund*innen und Familie dazu zu bewegen, meinem Sohn etwas zu schenken, das nicht den Genderstereotypen entspricht. Als er grade das Laufen lernte, schnappte er sich auf den Spielplätzen immer die Puppenbuggys anderer Kinder und schob sie durch die Gegend. Praktischerweise hatte er bald darauf Geburtstag. Ich versuchte alle, die was Schenken wollte zu überreden, aber den Puppenwagen bekam er nicht.

Als er öfter in Kontakt mit anderen Kindern kam – bei der Tagesmutter, Krabbelgruppe oder später eben im Kindergarten – spielte er gerne mit den Mädchen. Und dementsprechend fand er rosa toll, die Eiskönigin und Einhörner. Das änderte sich nach dem Drama um seine rosa Brotdose.

Im Kindergarten machten ihm die anderen Kids klar, was Jungen- und was Mädchensachen war. Dass ich ihm immer wieder erklärte, dass es kein „Jungs- oder Mädchenspielzeug“ gibt nahm er nicht so ernst wie die Worte seiner Kindergartenfreund*innen.

Gut, das alles kennt jede_r, di_er mit Kindern zu tun hat vermutlich. Gibtes aber neben all dem trotzdem ein paar Punkte, die mir als Jungsmutter wichtig sind? Und die ich vielleicht anders mache, anders werte als wenn ich Mädchen*  hätte (wohl wissend, dass auch die Einteilung in Töchter und Söhne schon gewisse Vorannahmen und Wertungen einschließt)? Oder die ich anders mache als andere Jungsmamas?

Ein Beispiel: Kind1 war drei, als wir mit seiner besten Freundin nach Hause gingen. Die beiden stritten sich, er war die treibende Kraft. Ich vermittelte, Kind1 entschuldigte sich. Danach wollte er sie wieder an die Hand nehmen, aber sie weigerte sich. Er sagte zu mir: „Sie soll jetzt wieder meine Hand nehmen, ich hab mich entschuldigt!“ – ich vermute, viele Eltern hätten danach auf das Mädchen eingeredet, sich doch wieder zu vertragen und nicht so beleidigt zu sein. Ich hab versucht ihm zu erklären, dass sie gar nichts müsse und vielleicht noch traurig und enttäuscht ist und selber entscheiden darf, wann sie wieder seine Hand halten will.

Kurz gesagt:

– vielleicht lege ich den Fokus mehr darauf, dass sie lernen Rücksicht zu nehmen.

– vielleicht bedeutet es mir mehr, ihnen zu zeigen, wo meine Grenzen sind. Als Mensch aber auch als Mutter.

– vielleicht lege ich mehr Wert darauf, ihnen zu vermitteln, was Verantwortung heißt. Für das Wohlbefinden ihrer Mitmenschen.

– vielleicht ist es mir wichtig, auch ihre „jungsuntypischen“ Seiten zu fördern. Ich habe zwei sehr sensible Kinder. Beim Großen (5 Jahre) sehe ich jetzt schon, wie ihm das unter anderen Jungs ausgetrieben wird, während er das mit anderen Mädchen, mit denen er spielt, voll ausleben darf.

Warum so viele vielleichts? Nun, ich habe das Gefühl, dass mein Einfluss begrenzt ist. Und ich hab auch keine Vergleichsmöglichkeiten: Würde ich bei Mädchen weniger Wert auf Rücksichtnahme legen?

Mein bester Freund half mir da ein bisschen. Er hat auch zwei Söhne und erzählte mir einmal, auf dem Spielplätz hätte er eine mit Edding oder Spraydosen geschriebene Botschaft in einem Spielhäuschen gelesen. Eine Vergewaltigungsdrohung. Er sagte in etwa, er wüsste nicht was er tun sollte, wenn seine Kinder so etwas schrieben. Das zu verhindern sei ihm sehr wichtig.

Ja, als feministische Jungsmama hat man irgendwie eine Verantwortung. Aber man will in den eigenen Kindern ja auch nicht gleich das heranwachsende Böse sehen. Ich nehme also meine Kinder wie sie sind und hoffe, dass sie zu feinfühligen und verantwortungsbewussten Menschen, Männern werden. Darüber hinaus habe ich keine konkreten Wünsche. Egal ob Mädchen oder Jungen – sie sollen sein dürfen, wer sie sind. So individuell wie sie sind. Idealerweise in einer Gesellschaft die sie nicht in Schubladen steckt, sondern mehrere zur Auswahl bietet.

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Dieser Post erschien auch im wunderbaren Blogazine umstandslos

Feminismus

Das 50/50 Prinzip im Hause glücklich scheitern

Der Mann und ich wollten uns Lohn- und Elternarbeit etwa nach dem 50/50 Prinzip aufteilen. Hätte das von Anfang an geklappt, hätte ich vielleicht auch ein Buch drüber geschrieben. Aus verschiedenen Gründen klappte das nicht so, wie ursprünglich geplant:

Bevor wir Kinder hatten, war der Mann angestellt, was für seinen Arbeitsbereich eher ungewöhnlich war. Der Anteil von Freiberuflern und Selbstständigen ist in seiner Branche sehr hoch. Und die Branche ist sehr männlich dominiert (männlich? von Männern?)

Ich stand am Anfang einer glorreichen Karriere als Wissenschaftlerin. Also dachte ich. Halbe Stelle an der Uni, befristet. Doktorarbeit im Kopf halb fertig. Ich hätte natürlich mit dem Kinderkriegen warten können, bis die Doktorarbeit fertig ist. Wollte ich aber nicht. Bauchmensch halt, was jetzt erst mal nicht nach glorreicher Wissenschaftlerin klingt. Aber auch wenn ich die Doktorarbeit fertig gehabt hätte: An der Uni ist man ja erst „fertig“, wenn man eine Professur hat, und das kann auch mal gut erst mit Mitte 40 sein. So was wie einen guten Zeitpunkt fürs Kinder kriegen hat es da also nicht gegeben. Dann doch lieber früher, bevor ich mit Ende 30 feststelle, dass das mit dem Schwanger werden doch nicht so schnell geht wie gedacht.

Kaffeetassen

In beiden Tassen ist gleich viel Kaffee drin. In seiner ist noch ein Löffel Zucker, in meiner Sojamilch. Beides gleichwertig, wenn auch nicht gleich?

Das 50/50 Prinzip in Theorie und Praxis

Aber ich schweife ab: Ich dachte auch mit Kind(ern) können der Mann und ich gleichberechtigt unsere Karriere verfolgen. Er war dazu bereit Familienarbeit zu übernehmen, ich liebte meine Arbeit sowieso.

Nun ja, eine Schwangerschaft, Geburt und sechs Monate Elternzeit später war mir klar: Was auch immer der Mann und ich vorhatten war ohne die Arbeitswelt geplant worden. Ok, ich hatte vielleicht Pech.

Und ausschließlich befristete Verträge. Maximal 18 Monate und das war schon die seltene Ausnahme.

Der Mann machte sich einige Zeit später selbstständig. Seine Auftragslage ist gut, er ist immer mal wieder ein paar Tage am Stück unterwegs.

Als Kind1 noch Einzelkind war ging das irgendwie, ich arbeitete – bei sehr kurzen Verträgen – mal 20, mal 30, mal 40 Stunden.

Mit zwei Kindern, beide keine Eckenhocker, ist das etwas komplizierter und aufwendiger, zumal ja auch die Tagesmutter im Februar gekündigt hat. Wenn der Mann jetzt beruflich für mehrere Tage unterwegs ist, heißt das:

In der Zeit mach ich  – seit ich Januar im neuen Job begonnen habe – eben alles: Morgens mich und die Kinder fertig und zur Betreuung bringen. Zur Arbeit fahren, oft auch radeln wenn der Mann das Auto hat. Das bedeutet eine Stunde Fahrtzeit pro Stecke, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde es genau so lang dauern. Sechs Stunden arbeiten, Feierabend, Kinder abholen, einkaufen etc. Muss ich Euch ja nicht erzählen. Ja, es gibt auch die Tage, an denen der Mann das alles macht, also außer meine Lohnarbeit. Da kann ich durchatmen. Aber nichtsdestotrotz bleibt in seiner Abwesenheit all das an mir hängen.

Wollte ich da Vollzeit arbeiten? Oder mich – für eine wissenschaftliche Karriere nicht unüblich – deutschlandweit, europaweit, weltweit bewerben? Wo würden die Kinder bleiben?

Es gab auch die Phase, in der ich sauer auf den Mann war. Das er einfach so weiter macht wie vor den Kindern. Dass er sich keinen Bürojob sucht, in dem er von 9 bis 5 arbeitet.

Aber dann dachte ich: er macht weiter so, weil er es kann. Weil keiner denkt, dass er alleine für die Kinder zuständig ist. Weil keiner seiner Auftraggeber davon ausgeht, dass Dienstreisen ein Problem sind (sein Job besteht quasi aus Dienstreisen).

Ich dagegen, saß bei einer Personalvermittlung. Bewerbung auf Bürojobs, von Teilzeit im Anschreiben keine Rede. Im Gespräch erwähnte ich dann, dass es nach Möglichkeit eine Stelle in Köln sein sollte, da ich „auch mal“ die Kinder abholen müsste. Das Gegenüber: „Ach so, aber Teilzeit können wir Ihnen nicht anbieten“. Ich bekam von dieser Vermittlung noch zwei Anrufe. Einmal hatten sie eine Stelle für mich, 9 Stunden – die WOCHE! Auf meine Rückmeldung, dass ich ja gar nicht so wenig arbeiten wollte, kam ein paziges „Ich wollte nur entgegenkommend sein“ zurück.

Derweil teilen der Mann und ich uns den Haushalt. Er denkt an Windeln und Klopapier und er kocht lieber als ich. Seit die Tagesmutter gekündigt hat, ist Kind2, wenn er nicht grad arbeitet, den ganzen Tag mit ihm unterwegs. Und seine Aufträge sucht er sich in der Regel danach aus, ob sie allzu lang, allzu weit weg sind. Und lehnt darum auch schon mal ab. Doof nur: hat keine der Stellen interessiert, bei denen ich mich beworben habe. Und wie kriegen Sie die Kinderbetreuung organisiert?

Mein aktueller Job ist in Sachen Vereinbarkeit nicht zu schlagen.

Ich habe jetzt zum Mai von 30 Wochenstunden auf 25 Wochenstunden reduziert. Freitags habe ich dann frei.

Zuerst fühlte es sich wie ein Scheitern an. Denn so werde ich garantiert nicht 50% zum Haushaltseinkommen beitragen. Und das war eigentlich immer mein Minimalziel: 50 Prozent.

Aber da wusste ich noch nicht, dass ich es doppelt so schwer haben würde wie der Mann, nach außen meine „Karrierecredibility“ zu wahren. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Und ich mag grade nicht kämpfen. Der Familienalltag mit zwei kleinen Kindern ist zauberhaft und kräfteraubend gleichzeitig. Und so mag das 50/50-Prinzip vielleicht für bestimmte Paare funktionieren. Für uns funktioniert grade was Anderes.

Und wenn ich sehe, dass Kind2 bald schon seinen zweiten Geburtstag feiert, im August in den Kindergarten kommt und seit zwei Wochen zum Einschlafen nicht mehr auf meinem Bauch liegen will – dann bin ich sicher, dass der Alltag bald weniger kräfteraubend und dafür um so zauberhafter wird. Und dann kann ich ja immer noch schauen, ob mir das mit der Karriere wieder einen Kampf wert ist, oder ich mich an die langen Wochenenden gewöhne…

Und vielleicht heißt bei uns auch 50/50 bei uns, dass wir die Hälfte von Allem nicht gleichzeitig, sondern nacheinander machen.

Wie sieht es bei Euch aus?