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Feminismus

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Feministin und Jungs-Mama – was heißt das?

Als ich das erste Mal schwanger war, ging ich davon aus, dass es ein Mädchen wird. Warum genau kann ich gar nicht sagen. Irgendwie passte ein Mädchen besser zu mir. Und als Feministin hatte ich sehr konkrete Vorstellungen davon, wie ich diese Tochter dann erziehen würde.

Ja nun, ich bekam dann einen Jungen. Vorweg: Ich war kein bisschen enttäuscht. In dem Moment, als ich erfuhr, dass ich einen Sohn bekomme war es perfekt wie es war. Aber dennoch tauchten bei mir Fragen auf:

Was mache ich als Feministin nun mit einem Sohn (inzwischen zwei Söhnen)? Erziehe ich sie anders als Mädchen? Erziehe ich sie – in Zeiten von „unerzogen“-  überhaupt? Was sind meine Wünsche und Sorgen für sie und welche Werte will ich ihnen vermitteln?

Zumal aktuell die Debatte ja auch kippt: Manchmal scheint es in den Feuilletons eher der „männliche Nachwuchs“ zu sein, der von der Wettbewerbsgesellschaft vernachlässigt wird. Jungs, die Bildungsverlierer. Jungs, die ja „nur“ von Frauen betreut werden (in Betreuungseinrichtungen) und dadurch nicht lernen, was eine männliche Identität sei (aber keiner fragt danach, wo die Väter, Erzieher und Lehrer sind, die ihnen eine Identität welcher Art auch immer vorleben).

Ich wartete erst mal ab. Wie sich mein Sohn so entwickelte. Denn vielleicht würde sich ja vieles von selber ergeben.

Was ich recht schnell merkte: Ein Kind „geschlechtsneutral“ zu erziehen ist unmöglich, wenn man nicht alleine mit ihm im Wald lebt oder es von anderen Betreuungspersonen fern hält. Denn schon während der Schwangerschaft wird – sofern man das Geschlecht bekannt gibt – in rosa und blau getrennt: Ob bei der Zusammenstellung der Erstausstattung, der Dankeskarten für die Geschenke zur Geburt, bei der Bewertung der Kindsbewegungen („Ballerina“, „Fußballer“…) – nichts bleibt in der Hinsicht unkommentiert.

Ich merkte, wie schwer es war (und ist) Freund*innen und Familie dazu zu bewegen, meinem Sohn etwas zu schenken, das nicht den Genderstereotypen entspricht. Als er grade das Laufen lernte, schnappte er sich auf den Spielplätzen immer die Puppenbuggys anderer Kinder und schob sie durch die Gegend. Praktischerweise hatte er bald darauf Geburtstag. Ich versuchte alle, die was Schenken wollte zu überreden, aber den Puppenwagen bekam er nicht.

Als er öfter in Kontakt mit anderen Kindern kam – bei der Tagesmutter, Krabbelgruppe oder später eben im Kindergarten – spielte er gerne mit den Mädchen. Und dementsprechend fand er rosa toll, die Eiskönigin und Einhörner. Das änderte sich nach dem Drama um seine rosa Brotdose.

Im Kindergarten machten ihm die anderen Kids klar, was Jungen- und was Mädchensachen war. Dass ich ihm immer wieder erklärte, dass es kein „Jungs- oder Mädchenspielzeug“ gibt nahm er nicht so ernst wie die Worte seiner Kindergartenfreund*innen.

Gut, das alles kennt jede_r, di_er mit Kindern zu tun hat vermutlich. Gibtes aber neben all dem trotzdem ein paar Punkte, die mir als Jungsmutter wichtig sind? Und die ich vielleicht anders mache, anders werte als wenn ich Mädchen*  hätte (wohl wissend, dass auch die Einteilung in Töchter und Söhne schon gewisse Vorannahmen und Wertungen einschließt)? Oder die ich anders mache als andere Jungsmamas?

Ein Beispiel: Kind1 war drei, als wir mit seiner besten Freundin nach Hause gingen. Die beiden stritten sich, er war die treibende Kraft. Ich vermittelte, Kind1 entschuldigte sich. Danach wollte er sie wieder an die Hand nehmen, aber sie weigerte sich. Er sagte zu mir: „Sie soll jetzt wieder meine Hand nehmen, ich hab mich entschuldigt!“ – ich vermute, viele Eltern hätten danach auf das Mädchen eingeredet, sich doch wieder zu vertragen und nicht so beleidigt zu sein. Ich hab versucht ihm zu erklären, dass sie gar nichts müsse und vielleicht noch traurig und enttäuscht ist und selber entscheiden darf, wann sie wieder seine Hand halten will.

Kurz gesagt:

– vielleicht lege ich den Fokus mehr darauf, dass sie lernen Rücksicht zu nehmen.

– vielleicht bedeutet es mir mehr, ihnen zu zeigen, wo meine Grenzen sind. Als Mensch aber auch als Mutter.

– vielleicht lege ich mehr Wert darauf, ihnen zu vermitteln, was Verantwortung heißt. Für das Wohlbefinden ihrer Mitmenschen.

– vielleicht ist es mir wichtig, auch ihre „jungsuntypischen“ Seiten zu fördern. Ich habe zwei sehr sensible Kinder. Beim Großen (5 Jahre) sehe ich jetzt schon, wie ihm das unter anderen Jungs ausgetrieben wird, während er das mit anderen Mädchen, mit denen er spielt, voll ausleben darf.

Warum so viele vielleichts? Nun, ich habe das Gefühl, dass mein Einfluss begrenzt ist. Und ich hab auch keine Vergleichsmöglichkeiten: Würde ich bei Mädchen weniger Wert auf Rücksichtnahme legen?

Mein bester Freund half mir da ein bisschen. Er hat auch zwei Söhne und erzählte mir einmal, auf dem Spielplätz hätte er eine mit Edding oder Spraydosen geschriebene Botschaft in einem Spielhäuschen gelesen. Eine Vergewaltigungsdrohung. Er sagte in etwa, er wüsste nicht was er tun sollte, wenn seine Kinder so etwas schrieben. Das zu verhindern sei ihm sehr wichtig.

Ja, als feministische Jungsmama hat man irgendwie eine Verantwortung. Aber man will in den eigenen Kindern ja auch nicht gleich das heranwachsende Böse sehen. Ich nehme also meine Kinder wie sie sind und hoffe, dass sie zu feinfühligen und verantwortungsbewussten Menschen, Männern werden. Darüber hinaus habe ich keine konkreten Wünsche. Egal ob Mädchen oder Jungen – sie sollen sein dürfen, wer sie sind. So individuell wie sie sind. Idealerweise in einer Gesellschaft die sie nicht in Schubladen steckt, sondern mehrere zur Auswahl bietet.

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Dieser Post erschien auch im wunderbaren Blogazine umstandslos

Feminismus

Das 50/50 Prinzip im Hause glücklich scheitern

Der Mann und ich wollten uns Lohn- und Elternarbeit etwa nach dem 50/50 Prinzip aufteilen. Hätte das von Anfang an geklappt, hätte ich vielleicht auch ein Buch drüber geschrieben. Aus verschiedenen Gründen klappte das nicht so, wie ursprünglich geplant:

Bevor wir Kinder hatten, war der Mann angestellt, was für seinen Arbeitsbereich eher ungewöhnlich war. Der Anteil von Freiberuflern und Selbstständigen ist in seiner Branche sehr hoch. Und die Branche ist sehr männlich dominiert (männlich? von Männern?)

Ich stand am Anfang einer glorreichen Karriere als Wissenschaftlerin. Also dachte ich. Halbe Stelle an der Uni, befristet. Doktorarbeit im Kopf halb fertig. Ich hätte natürlich mit dem Kinderkriegen warten können, bis die Doktorarbeit fertig ist. Wollte ich aber nicht. Bauchmensch halt, was jetzt erst mal nicht nach glorreicher Wissenschaftlerin klingt. Aber auch wenn ich die Doktorarbeit fertig gehabt hätte: An der Uni ist man ja erst „fertig“, wenn man eine Professur hat, und das kann auch mal gut erst mit Mitte 40 sein. So was wie einen guten Zeitpunkt fürs Kinder kriegen hat es da also nicht gegeben. Dann doch lieber früher, bevor ich mit Ende 30 feststelle, dass das mit dem Schwanger werden doch nicht so schnell geht wie gedacht.

Kaffeetassen

In beiden Tassen ist gleich viel Kaffee drin. In seiner ist noch ein Löffel Zucker, in meiner Sojamilch. Beides gleichwertig, wenn auch nicht gleich?

Das 50/50 Prinzip in Theorie und Praxis

Aber ich schweife ab: Ich dachte auch mit Kind(ern) können der Mann und ich gleichberechtigt unsere Karriere verfolgen. Er war dazu bereit Familienarbeit zu übernehmen, ich liebte meine Arbeit sowieso.

Nun ja, eine Schwangerschaft, Geburt und sechs Monate Elternzeit später war mir klar: Was auch immer der Mann und ich vorhatten war ohne die Arbeitswelt geplant worden. Ok, ich hatte vielleicht Pech.

Und ausschließlich befristete Verträge. Maximal 18 Monate und das war schon die seltene Ausnahme.

Der Mann machte sich einige Zeit später selbstständig. Seine Auftragslage ist gut, er ist immer mal wieder ein paar Tage am Stück unterwegs.

Als Kind1 noch Einzelkind war ging das irgendwie, ich arbeitete – bei sehr kurzen Verträgen – mal 20, mal 30, mal 40 Stunden.

Mit zwei Kindern, beide keine Eckenhocker, ist das etwas komplizierter und aufwendiger, zumal ja auch die Tagesmutter im Februar gekündigt hat. Wenn der Mann jetzt beruflich für mehrere Tage unterwegs ist, heißt das:

In der Zeit mach ich  – seit ich Januar im neuen Job begonnen habe – eben alles: Morgens mich und die Kinder fertig und zur Betreuung bringen. Zur Arbeit fahren, oft auch radeln wenn der Mann das Auto hat. Das bedeutet eine Stunde Fahrtzeit pro Stecke, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde es genau so lang dauern. Sechs Stunden arbeiten, Feierabend, Kinder abholen, einkaufen etc. Muss ich Euch ja nicht erzählen. Ja, es gibt auch die Tage, an denen der Mann das alles macht, also außer meine Lohnarbeit. Da kann ich durchatmen. Aber nichtsdestotrotz bleibt in seiner Abwesenheit all das an mir hängen.

Wollte ich da Vollzeit arbeiten? Oder mich – für eine wissenschaftliche Karriere nicht unüblich – deutschlandweit, europaweit, weltweit bewerben? Wo würden die Kinder bleiben?

Es gab auch die Phase, in der ich sauer auf den Mann war. Das er einfach so weiter macht wie vor den Kindern. Dass er sich keinen Bürojob sucht, in dem er von 9 bis 5 arbeitet.

Aber dann dachte ich: er macht weiter so, weil er es kann. Weil keiner denkt, dass er alleine für die Kinder zuständig ist. Weil keiner seiner Auftraggeber davon ausgeht, dass Dienstreisen ein Problem sind (sein Job besteht quasi aus Dienstreisen).

Ich dagegen, saß bei einer Personalvermittlung. Bewerbung auf Bürojobs, von Teilzeit im Anschreiben keine Rede. Im Gespräch erwähnte ich dann, dass es nach Möglichkeit eine Stelle in Köln sein sollte, da ich „auch mal“ die Kinder abholen müsste. Das Gegenüber: „Ach so, aber Teilzeit können wir Ihnen nicht anbieten“. Ich bekam von dieser Vermittlung noch zwei Anrufe. Einmal hatten sie eine Stelle für mich, 9 Stunden – die WOCHE! Auf meine Rückmeldung, dass ich ja gar nicht so wenig arbeiten wollte, kam ein paziges „Ich wollte nur entgegenkommend sein“ zurück.

Derweil teilen der Mann und ich uns den Haushalt. Er denkt an Windeln und Klopapier und er kocht lieber als ich. Seit die Tagesmutter gekündigt hat, ist Kind2, wenn er nicht grad arbeitet, den ganzen Tag mit ihm unterwegs. Und seine Aufträge sucht er sich in der Regel danach aus, ob sie allzu lang, allzu weit weg sind. Und lehnt darum auch schon mal ab. Doof nur: hat keine der Stellen interessiert, bei denen ich mich beworben habe. Und wie kriegen Sie die Kinderbetreuung organisiert?

Mein aktueller Job ist in Sachen Vereinbarkeit nicht zu schlagen.

Ich habe jetzt zum Mai von 30 Wochenstunden auf 25 Wochenstunden reduziert. Freitags habe ich dann frei.

Zuerst fühlte es sich wie ein Scheitern an. Denn so werde ich garantiert nicht 50% zum Haushaltseinkommen beitragen. Und das war eigentlich immer mein Minimalziel: 50 Prozent.

Aber da wusste ich noch nicht, dass ich es doppelt so schwer haben würde wie der Mann, nach außen meine „Karrierecredibility“ zu wahren. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Und ich mag grade nicht kämpfen. Der Familienalltag mit zwei kleinen Kindern ist zauberhaft und kräfteraubend gleichzeitig. Und so mag das 50/50-Prinzip vielleicht für bestimmte Paare funktionieren. Für uns funktioniert grade was Anderes.

Und wenn ich sehe, dass Kind2 bald schon seinen zweiten Geburtstag feiert, im August in den Kindergarten kommt und seit zwei Wochen zum Einschlafen nicht mehr auf meinem Bauch liegen will – dann bin ich sicher, dass der Alltag bald weniger kräfteraubend und dafür um so zauberhafter wird. Und dann kann ich ja immer noch schauen, ob mir das mit der Karriere wieder einen Kampf wert ist, oder ich mich an die langen Wochenenden gewöhne…

Und vielleicht heißt bei uns auch 50/50 bei uns, dass wir die Hälfte von Allem nicht gleichzeitig, sondern nacheinander machen.

Wie sieht es bei Euch aus?

Feminismus

Blame capitalism, not feminism!

In letzter Zeit kriege ich öfter mal Puls, weil mir andere Frauen, meist Mütter, mitteilen, dass sie vom Feminismus enttäuscht sind, oder sie nicht dazu gehören wollen.

Weil irgendwo wieder ein Artikel erschienen ist, in dem eine Top-Managerin mit zwei Kindern sagt, man müsse halt nur wollen und gut organisiert sein. Weil irgendwo eine Feministin in einem Roman die Idee einer künstlichen Gebärmutter aufgreift. Weil die großen Zeitschriften und Talkshows halt gerne „extreme“ Positionen aufgreifen (der Klicks und Zuschauerzahlen wegen. Bei jedem anderen Thema ist eine_r das klar, es sei denn, es geht um Feminismus, da wird alles für bare Münze genommen). Und weil sich Positionen wie meine, die da hieße „macht doch wie ihr wollt, aber kämpft an den Strukturen, die die Wahlfreiheit für Alle verhindern“ irgendwie nicht so knackig, medial verkäuflich sind. Ja, tut mir leid, aber dann seid ihr selber gefragt:

Es gibt viele wunderbare Blogs die sich Mutterschaft auf feministische Weise nähern und meines Wissens nach nicht danach schreien, dass Mütter 40Stunden/Woche arbeiten müssen um echte Feministinnen zu sein. Es gibt das Care-Netzwerk, das

„neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an(strebt), die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt.“

Lest und teilt die Beiträge die hier, auf umstandslos, bei fuckermothers oder von Barbara und Nicole bei kleinerdrei geschrieben werden. MACHT sie zum Mainstream, wenn ihr nicht wollt, dass die großen Medien immer den Selben Sch***ß berichten. Sonst werden Eure Argumente und Bedürfnisse nämlich von denen vereinnahmt, von denen ihr bestimmt keine Zustimmung wollt: Den Rechten oder Eva Herman. Da wird der Müttermythos neu geschaffen, aber bestimmt nicht in Eurem Sinne. Mit Wahlfreiheit hat das nämlich null und nixig zu tun.

Dann kommen wir vielleicht zu einem mütter- und familienfreundlichen Feminismus, der auch in der Politik Gehör findet und nicht nur denen Vorteile zukommen lässt, die eh schon welche haben. Und dazu, dass Nachteile abgebaut werden, wo sie am Stärksten spürbar sind. Bei den Alleinerziehenden, den Regenbogen- und Patchworkfamilien.

Für mich geht Feminismus nur mit Kapitalismuskritik. Weil kapitalistische Strukturen Niemandem gut tun, der nicht für sich selbst sorgen kann oder für andere Sorge trägt. So was kann man in der Regel nur schon nicht mehr schreiben, weil man dann als naiv und weltfremd gilt. Familien* spüren die Strenge des Kapitalismus ziemlich stark, aber was dagegen tun, wenn die Zeit für Aktivismus nicht für mehr als ein paar Likes und Klicks auf dem Smartphone reicht, weil schon wieder eine Windel darauf wartet, gewechselt zu werden, 12 Ostereier ausgepustet werden sollen und man dann schnell noch die Präsentation für das nächste Meeting vorbereiten muss?

Sich vielleicht nicht über diese Artikel in den Zeitungen aufregen, sondern  – siehe oben – die unterstützen (und wenn nur mit Klicks und Likes) die ein anderes Verständnis von Feminismus und Mutterschaft haben. Das „Der Feminismus“ Schuld sei, wenn Mütter völlig aufgerissen und gestresst zwischen Job und Kindergarten herlaufen ist ein altes Märchen, dass immer wieder gerne neu inszeniert wird – dann ist Feminismus nämlich nicht mehr so gefährlich, weil er sich eine Menge Feind_innen macht (-> Verschwörungstheorien kann ich).

„Dem Feminismus“ die Schuld zu geben ist, als würde man der Physik die Schuld an der Atombombe geben ( -> Vergleiche kann ich auch. Äh ja).

Nur weil man die Norm der Heterokleinfamilie in Frage stellt, heíßt das nicht, dass konkret ihr die Zielscheibe von Feministinnen seid. Kritik an Politik, die ausschließlich einem Familienmodell Rechnung trägt heißt nicht, das Feministinnen keine Vater-Mutter-verheiratet-mit-Kind haben wollen.

Feminismus und Mutterschaft gehen Hand in Hand. Feminismus ist für alle Mütter da (der Kapitalismus aber nicht, nur um das noch mal deutlich zu machen). Aber der Feminismus hat viele Stimmen, manche sind lauter, manche leiser. Es liegt auch an euch, welche gehört werden.

Familie, Feminismus

Frauenleben am #Weltfrauentag

Bei Mutter & Mensch heute eine Blogparade, zum politischen Privaten, oder privaten Politischen, einem Tag im Leben einer Frau. Am Weltfrauentag quasi.

Der Mann muss um 6 Uhr aufstehen. Er hat oben geschlafen, ich mit den Kindern im großen Bett im Schlafzimmer. Unfreiwilliges Familienbett quasi (denn, ich schlafe am liebsten allein. Das von dem manche Familienbettbefürworter_innen behaupten, dass niemand gerne alleine schlafe. Doch tue ich. Auch wenn ich diese Nächte mit den Kids an meiner Seite genieße, denn ich weiß: Sie sind so oder so bald vorbei).

Ich höre ihn in der Küche rumoren und Kind2 leider auch. Kind2 rennt in die Küche, der Mann gibt ihm seine Flasche und es kommt wieder zurück ins Bett gekrabbelt. Kind1 ist aber auch wach geworden. Grmpf, eigentlich hätten wir noch eine Stunde schlafen können.

Kind2 ist noch wegen HandMundFuß krank geschrieben und darum bleibe ich zu Hause. Glück im Unglück. Oder Unglück im Unglück, denn letzte Woche hat uns ja die Tagesmutter gekündigt. Der Mann bringt mir noch n Kaffee ans Bett, die Kinder haben das Bett zum Trampolin umfunktioniert, mir rinnt ein Tropfen Speichel aus dem Mundwinkel, der Blick auf die Wand gegenüber.

Der koffeinfreie Kaffee entfaltet seine Wirkung und ich halte Kind1 an, sich anzuziehen. So nach und nach schaffen wir es alle drei (der Mann ist schon zur Arbeit entfleucht) uns anzuziehen oder anziehen zu lassen. Wir schaffen es sogar schon um halb neun vor die Tür. Ich bringe Minime in seine Kindergartengruppe und habe es sogar geschafft, an die zwei Wollknäuel zu denken, die er für das Osternestbasteln braucht. Ich gehe noch ins Büro der Kitaleitung um zu fragen, ob sie vielleicht doch schon früher einen Platz für Kind2 haben. Eine Zusage haben wir nämlich ab August, vielleicht…Aber nein, man kann hier keine Ausnahme machen.

Ich fahre mit Kind2 im Buggy zum Hautarzt. Ich brauch ein neues Rezept für meine Rosazeamedikamente und muss mir dafür Blut abnehmen lassen. Und weil das so Hardcore-Medikamente sind und man die nicht schwanger nehmen darf muss ich sogar noch Urin abgeben damit die nen Schwangerschaftstest machen können. In der Infobroschüre (!) zu den Medikamenten habe ich auch erfahren, dass die Spirale tatsächlich auch als Notfallverhütung eingesetzt werden kann, länger noch als die Pille danach.

Ich gehe mit den Rezepten noch zur Apotheke und bringe Kind2 nach Hause. In der Regel schläft er schon recht früh und macht Mittagsschlaf. Aber nachdem er gestern schon so hartnäckig kreative Ideen hatte, wie man den Mittagssschlaf vermeidet hatte ich nicht so große Hoffnung. Es dauerte dann auch noch bis halb eins und einige qualvolle Kinderspielsachen bis er einschlief

Spielzeug aus der Hölle! #wannistendlichdiebatterieleer #irgendwannrächichmichanderpatentante

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Während seines Mittagsschlafs kümmerte ich mich um Telefonanrufe, Urlaubsplanung und liegengebliebene E-Mails. Und um die Wäsche. Was man halt so machen muss, wenn die Fremdbetreuung warum auch immer wegfällt (also was man tun muss, wenn das Kind schläft. Mit Kind2 ist nämlich nahezu nichts ungestört möglich. Entweder weil er mitmachen möchte oder weil er das, was ich tun muss, boykottiert).

Nach dem Mittagsschläfchen pack ich Kind2 ein und wir gehen in den CakeMart. Das ist ein Laden, in dem es lauter Sachen rund ums Kuchen-/Muffin-/Popcake-Machen gibt. Kind1 hat nämlich nächste Woche Geburtstag und natürlich wollte ich einen Kuchen backen. Und den verschönern. Ich war in diesem Laden völlig überfordert! Was Es Nicht Alles Gibt! Ich blieb bescheiden und kaufte eine Kerze in Form einer 5 und „Kuchenauflagen“ mit Spiderman- und Eisköniginnen-Deko. Dafür ließ ich dort so viel Geld, dass ich vermutlich für den selben Betrag eine fertige Torte vom Konditor hätte kaufen können. Gut, das merk ich mir fürs nächste mal.

Mit Kind2 und den Einkäufen fuhr ich auf den Spielplatz. Dort begegneten wir noch dem Patenonkel, der dort in der Nähe wohnt. Schön, andere Erwachsene. Kurz vor der Dämmerung packte ich Kind2 wieder ein und machte mich auf den Weg zur Kindergartenfreunding von Kind1, wo mich selbiges Kind direkt fragte: Darf ich hier noch spielen??? Es ist immer schwer, das große Kind irgendwo weg nach Hause zu bringen. Manchmal frage ich mich, ob wir so furchtbare Eltern sind, dass er nie nach Hause will (andererseits: Wenn wir zu Hause sind, will er auch nicht weg. Ich glaube, Kind1 lebt völlig im hier und jetzt, ich versuch von ihm zu lernen). Gegessen hat er dort schon, Kind2 verputzte noch die Reste und um halb sieben waren wir auf dem Weg nach Hause.

Kind1 war auch schon spürbar übermüdet, deshalb war die letzte halbe Stunde vorm Schlafengehen auch etwas beschwerlich. Die Sesamstraße konnte es retten und iiiirgendwann gegen halb neun schliefen die beiden auch.

Kurz danach kehrte der Mann nach Hause. Ich warf die Waschmaschine und die Spülmaschine an, saugte die Küche (und wischte den verkleckerten Saft weg) und da war es schon halb zehn.

Noch schnell auf facebook vorbei, eine Diskussion führen (zu der ich bald auch noch was schreibe, es wurde ein Artikel geteilt, der Feminismus meiner Meinung nach sehr verengt und natürlich „böse!“ darstellte), diesen Beitrag schreiben und zack ist auch schon halb elf.

Joa, so sah er aus, mein Weltfrauentag. Hoch die Faust!

Familie, Feminismus

Unsere Karnevalswoche (in Text und Bild)

Kinder Kinder, neee wat war dat schön!

Ich bin keine geborene Kölnerin oder Rheinländerin und Karneval stand 2008, als ich nach Köln zog, NICHT auf meiner Liste der Argumente für den Umzug. Ich wollte den Karneval ignorieren, nahm ich mir vor. Da ich die ersten Jahre auch noch im Ruhrgebiet arbeitete, war dort Karneval quasi nicht existent und der 11.11., Weiberfastnacht oder Rosenmontag ganz normale Arbeitstage. Nachdem ich es in meinem ersten Jahr Weiberfastnacht noch versuchte, ganz normal mit dem Zug zur Arbeit zu fahren sah ich in den kommenden Jahren zu, wenigstens HomeOffice zu machen. Nun wohne ich in der Kölner Südstadt, einem Epizentrum des Kölner Straßen- und Kneipenkarnevals. Das heißt eine Woche lang Dauerbeschallung mit Karnevalsmusik und Blaskappellen. Zunächst saß ich im Home Office an meinem Schreibtisch und weigerte mich, die Musik zur Kenntnis zu nehmen, den Blick starr auf den Schreibtisch. Aber das half nichts, mein Fuß fing an zu wippen, irgendwann ging die Hüfte mit und schließlich stand ich auf dem Schreibtisch und brüllte „Schenk mir heut Nacht Dein ganzes Herz und bleib mir, dann schenk ich Dir mein Herz und zeige Dir – was Dir gefällt NANANANANANANA“ …äh, naja fast.

Um es kurz zu machen: Das Karnevalsfieber packte mich irgendwann. Zunächst immer nur kurzfristig, so ähnlich wie Weihnachten: Was? DAS IST SCHON NÄCHSTE WOCHE? Dann mit langfristigen Überlegungen zwecks Kostüme und Veranstaltungen. Seit einigen Jahren gehört die Stunksitzung zum Programm.

Auch dies Jahr waren wir dabei, zwei Tage vor Weiberfastnacht. Das Programm war spitze, kreativ, witzig und auch bewegend, die Musik sowieso top. Und die Leute? Bunt gemischt und ich hab mich am allermeisten über diese kostümierte Dame gefreut:

Das allergeilste #kostüm auf der #stunksitzung: #armlänge Abstand mit rausfahrbahren Armen!!! #stunksitzung2016 #cologne #köln #karneval #carnival (leider war das Kostüm nicht von mir

Das allergeilste #kostüm auf der #stunksitzung: #armlänge Abstand mit rausfahrbahren Armen!!! #stunksitzung2016 #cologne #köln #karneval #carnival (leider war das Kostüm nicht von mir)

Ich selber war gar nicht verkleidet, die Menschen mit denen ich dorthin gehe grenzen sich gerne von dieser Art Spaß ab. Naja.

Weil ich 2014 eine Kampagne namens KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung initiierte, die – damals – kein Schwein interessierte, kamen dieses Jahr einige Presseanfragen. Nach Sylvester in Köln hatte das Thema einige Aufmerksamkeit – allerdings nur aus dem Ausland. Der Rheinländer lässt ja nix komme auf seinen Karneval, kritische Berichterstattung ist da nicht erwünscht. Ich erzählte also ein bisschen was über den Kölner Karneval und Sexismus einem Mann eines englischen Mediums, der mich dann aber doch nicht zitierte, weil es in dem Artikel nur um Weiberfastnacht gehen sollte (?). Dann kam noch eine Anfrage vom Schweizer Kulturfernsehen. Am Mittwoch vor Weiberfastnacht setzte ich mich mit einer Journalistin und einem Redakteur vom Fernsehen zusammen und sprach über Gender, Sexismus und die Eigenarten des Kölner Karnevals. Wir verabredeten uns für die Aufnahmen um 16 Uhr an Weiberfastnacht. Ich, angemessen in rot-weiß gekleidet raus ins Epizentrum vor meiner Haustür. Und die Schweizer_innen angemessen beeindruckt (falls sie angewidert waren, haben sie das höflich verborgen). Ich weiß noch  nicht, was dabei heraus gekommen ist, aber ich glaube, es läuft heute abend um halb elf im Schweizer Kulturfernsehen – wenn ich den Link habe, teile ich den natürlich auf meiner Facebook-Seite.

Weil Kind1 an Weiberfastnacht schon im Kindergarten Karneval gefeiert hat und ordentlich ausgepowert war haben wir den späten Nachmittag und den Abend ruhig zu Hause verbracht.

Der Freitag war für mich ein ganz normaler Tag. Samstag nachmittag ging ich mit Minime dann ins Kindertheater, ein Ritual was sich in den letzten beiden Jahren  eingebürgert hat. Dieses Jahr gab es „Rotkäppchen“ – natürlich mit bösem Wolf. Minime mochte diesen Teil der Geschichte so gar nicht und war nur bereit, weiter zu gucken, wenn er auf meinem Schoß sitzen dürfte. Da fiel mir eine meiner wenigen Erinnerungen an meine Kindheit in dem Alter ein: Ich war ebenfalls im Theater, klassisches Kasperletheater, und es wurde die böse Hexe angekündigt! Da muss ich wohl auch ordentlich Angst bekommen haben, sonst wäre es mir nicht so in Erinnerung geblieben. – Anschließend an Rotkäppchen gab es noch eine Party für die Kinder. Sehr coole Sache, die Kinder tanzen und spielen mit Ballons und Mutti steht an der Theke und trinkt ein Bier…naja, andere Mütter, Minime war an diesem Tag etwas anhänglich.

Am Donnerstag (Sprung zurück zu Weiberfastnacht) geschah noch eines dieser kleinen twitter-Wunder, für die ich dieses Medium so liebe! Sonja, aka mama-notes twitterte, sie sei unverkleidet am Schreibtisch und alle anderen seien verreist oder krank. Spontan ergab sich ein kleiner Dialog, man müsse Karneval zusammen feiern. So schrieb ich, wenn sie Samstag in die Kölner Südstadt käme, sei ich dabei – tja, also hatten wir ein Date, noch zusammen mit Mrs Cologne und Kiko. Also brachte ich Samstag nach dem Kindertheater Minime nach Hause, machte mit dem Mann die Kids bettfertig und zog mich dann um. Um die schon feiernden drei noch einzuholen in der Partymasse.

Ich such jetzt @mama_notes & co im Getümmel #alaaf #wochenendeinbildern

Ich such jetzt @mama_notes & co im Getümmel #alaaf #wochenendeinbildern

Die Stimmung draußen war super, obwohl ich eine dreivierteil Stunde auf Einlass in die Kneipe warten musste hatte ich keine Langeweile: Irgend eine Trommelgruppe musizierte, hunderte Menschen standen vor den verschiedenen Kneipen und theoretisch waren genug Getränkemöglichkeiten da.

Dann hab ich den Einlass geschafft. Noch an der Fast-Prügelei an der Damenkloschlange vorbei und auf auf mein erstes Kneipenkarneval feiern! Es. war. so. schön. Ein bisschen eng und laut aber ansonsten war die Stimmung ausgelassen und entspannt. Ach, kölsche Karnevalslieder. Es gibt bestimmt eine Formel für den perfekten Karnevalssong und was nicht fehlen darf sind die Worte Dom, Rhein, Leben, Liebe, Lust, Feiern etc. pp. Dazu ein paar leicht mitzugrölende Vokale und zack – fertig der Partyhit. Ich liebe sie alle, auch wenn ich noch nicht textsicher bin. Vielleicht geh ich nächstes Jahr auch zu Los mer singe?

Am Sonntag stehen traditionell die Scholl- und Veedelszöch auf dem Terminplan. Aufstellung bei uns vor der Haustür. Der Zug ist die „kleine“ Variante des Rosenmontagszugs, bei dem nicht die großen Karnevalsgesellschaften mitgehen, sondern Schulen und Vereine aus Köln und co. Er mag zwar kleiner sein, aber ich liebe ihn noch mehr, weil man dort sieht, was für tolle Ideen für Wagen und Kostüme auch mit kleinem Budget und viel Liebe möglich sind.

Ich liebe die Schull- und Veedelszöch! Und Minime-Spiderman ist zu beeindruckt um ans Kamelle-rufen zu denken :-) #alaaf #wochenendeinbildern #karneval

Ich liebe die Schull- und Veedelszöch! Und Minime-Spiderman ist zu beeindruckt um ans Kamelle-rufen zu denken 🙂 #alaaf #wochenendeinbildern #karneval

Rosenmontag war ja große Sturmwarnung gegeben. Als ich mit den Jungs aufstand sah es auch echt usselig aus, es goß in Strömen! Aber Petrus ist ja ne kölsche Jung und Punkt 10, als der Zoch losging, schaute die Sonne raus. Da haben wir uns aber schon gegen rausgehen entschieden, weil nachmittags noch die große Familienkarnevalsparty angesagt war.

Einzahnhase. Lange Geschichte #karneval #alaaf #rosenmontag

Einzahnhase. Lange Geschichte #karneval #alaaf #rosenmontag

Der Mann war dies Jahr für das Schminken zuständig. Und doch, er hat mir zwei Hasenzähne gemalt. Aber dann kam Kind2 und wischte mir seinen Schnodder durch das Gesicht – und schon hatte ich nur noch einen Zahn.

Dienstag stand noch der Südstadtveedelszug an. Leider war auch Dienstag ein normaler Arbeitstag für mich und obwohl ich versuchte, rechtzeitig Feierabend zu machen kam ich erst an, als der letzte Wagen schon los gefahren ist. Dafür rechtzeitig, um den Kindern beim Kamelletragen zu helfen. In der Wohnung wurde dann ausgepackt.

Kamelleausbeute von zwei Zügen... #kamelle #alaaf #karneval (die Kinder sortieren jetzt: die Guten ins Töpfchen...)

Kamelleausbeute von zwei Zügen… #kamelle #alaaf #karneval (die Kinder sortieren jetzt: die Guten ins Töpfchen…)

Bis Weihnachten sind wir also mit Süßigkeiten versorgt.

Und jetzt? Erholen von Karneval.  Bis zum 11.11. wenn es wieder losgeht, das Karnevalfieber…

Auch die Schlabbabuxe wurde passend zu Karneval gewählt #alaaf

Auch die Schlabbabuxe wurde passend zu Karneval gewählt #alaaf

Feminismus

Tor 21: Arme Väter

Den Titel hatte ich für diesen Termin schon eine ganze Weile geplant, dass mir der Spiegel jetzt ausgerechnet entgegen kommt und neues Futter liefert ist da sehr passend.

Der Artikel heißt „Sind Väter die besseren Mütter“ oder so (ich hab ihn nicht gelesen und werde es auch nicht tun). Ein Freund fragte mich gestern beim Klettern, ob er mir den Artikel aufbewahren soll und ich sagte sowas wie:

„Lass mich raten, was drin steht: Väter sind natürlich NICHT die besseren Mütter, aber die Mütter könnten sich schon was von denen abschneiden, von der Entspanntheit und unkonventionalistischen Herangehensweise, schließlich ist es egal ob die Kinder zueinander passende Socken haben oder beim Elternnachmittag der Kuchen 12farbig und selbstgebacken oder ausm Supermarkt gekauft ist. Und dann sagen die Väter noch so was wie: Nachdem ich mal ein Wochenende alleine mit dem Kind war, habe ich schon echt Respekt vor dem, was meine Frau so leistet. Also so ein engagierter Vater sein, das fordert einem schon viel ab und die Karriere liegt auch erst mal auf Eis“

Ob meine Vermutung richtig ist, konnte mir der Freund nicht sagen, er hatte den Artikel nämlich auch nicht gelesen. Aber ich bezweifle, das es inhaltlich weit darüber hinaus geht.

Alles gut und schön. Und ich hab nichts gegen Väter, eeecht nicht. Beweise?

jawoll, ich bin für die ‚erfindung‘ des vaterschutzes. mindestens drei wochen nach der geburt des kindes sollten auch für den vater drin sein – sofern er sich an der erziehung beteiligt. (vater kann auch mit ‚partnerin‘ ersetzt werden, sollten zwei frauen zusammen leben und das kind erziehen.) auch für diese person bleibt die welt ein paar tage stehen. und die mutter kann unterstützung gut gebrauchen. die familie muss erst mal zu einer solchen werden, eine neue infrastruktur geschaffen werden, die arbeitsteilung neu geregelt und gaaanz viel zeit miteinander verbracht werden. wie schnöde, wenn der vater kurz nach der geburt wieder arbeiten muss, als sei nichts gewesen. die ein, zwei tage sonderurlaub die manche firmen gewähren sind doch ein witz.

Ja genau, ich bin für Vaterschutz und Kündigungsschutz auch für Väter. Wenn sie sich denn gleichwertig an allen Aufgaben beteiligen.

Worüber ich mich dann wunder ist die Loyalität von Müttern für Väter, die einmal die Woche ihr Kind von der Kita holen. Oder mit den armen neuen Vätern um die Schwierigkeit ihrer neuen Rolle weinen! Mein armer Partner hat es nicht leicht, der Chef WILL nicht, dass er Elternzeit nimmt. Sonst droht die Kündigung, ratzfatz!

Mütter sind die beste Lobby von Vätern schrieb ich im März 2014.

wenn nun väter im arbeitsleben kundtun, dass sie ihren anteil an der elternschaft mehr als „erwartet“ übernehmen wollen, stößt das in der regel auf ablehnung. das ist kacke. aber auch nicht mehr, als die tatsache, dass es müttern schon quasi vorweg so geht. mir geht es nicht darum, vätern zu untersagen, dass sie sich beschweren (hätte ich überhaupt nicht die macht zu!), sondern ich wünsch mir, dass sie sich mit müttern zusammentun, vielleicht sogar mit ihren frauen und diese unterstützen? wenn so viele väter einspruch erheben würden, wenn mütter irgendwo diskriminiert werden, wie sich mütter bei mir über meine kritik an jammernden vätern beschwert hätten – dann nehm ich an, seh die welt bald besser aus!

War und ist meine Meinung. Darum werde ich heute und hier auch nicht die Artikel der handvoll Väter verlinken, die es grad mal schaffen sich selber und ihre Privilegien so oberflächlich zu hinterfragen, denn, wie Antiprodukt es so schön formulierte:

Diskriminierung ist, dass Frauen fast immer noch den Großteil der anfallenden Hausarbeiten erledigen. Diskriminierung ist, dass Kindererziehung “Frauensache” und damit automatisch minderwertige Arbeit ist, die nicht mal als solche gilt. Diskriminierung ist, dass es zwar hunderte Blogs von Müttern und ihren Erfahrungen gibt, aber weinende Väter publiziert werden.

Um dann abzuschließen mit: Einfach weiter machen mit dem Kümmern!

Jajaja, Taten statt Worte und so! Ich, also Eure verbitterte Oberfeministin applaudiert nicht, bevor diese Väter nicht mit Müttern in einer Reihe stehen (oder besser noch davor, schließlich müssen sie einiges nachholen!) und Betriebskitas fordern, ihren Arbeitgebern, die sie von der Elternzeit abhalten wollen den Mittelfinger zeigen und Hohelieder auf ihre Partnerinnen singen und 50% der Alleinerzieher ausmachen. Und wenn jetzt kommt: Den Job und die Karriere aufs Spiel setzen, wovon sollen wir dann leben??? – Also mein Eindruck ist echt nicht, dass die Neuen Väter, die so gerne zitiert werden und deren Partnerinnen am Hungertuch nagen. Meistens sind beide sehr gut ausgebildet und beruflich oft etabliert, das Schlimmste was da passieren kann ist einen Job unter dem bisherigen Niveau anzunehmen. Wer nämlich keine Kohle hat geht arbeiten, weil sie oder er es muss. Neue Väter – ein Klassenproblem! So what…

Ich applaudiere den Neuen Vätern vielleicht dann, wenn Situationen wie Folgende realistisch klingen:

„Es ist wirklich so toll, dass deine Frau euren Kleinen am Mittwoch Nachmittag abholt!“ sagt Peter begeistert zu seinem Freund Steve. Seiner Tanja ist das leider nicht möglich.

Sie ist Teamleiterin in einem großen Konzern. Auch wenn man da eigentlich auf Familienfreundlichkeit setzt, ab Teamleiterebene ist es einfach nicht mehr möglich schon am frühen Nachmittag nach Hause zu gehen. Tanja hat schließlich eine Vorbildfunktion, da sieht es einfach nicht gut aus, wenn sie schon um 16 Uhr verschwindet. Sie würde das wirklich gerne machen. Das ein oder andere Gespräch hatte sie mit ihrem Chef schon. Am Ende war aber klar: Es geht nicht.

Glücklicherweise waren sie so flexibel dass Peter zuhause bleibt. „Man hat die Kinder schließlich nicht um arbeiten zu gehen!“, sagt Peter. Trotzdem ist es natürlich toll, wenn auch die Mutter sich an der Kindererziehung beteiligt. Es ist ja außerdem nicht so, dass Tanja nichts tut. Wann immer es geht, kümmert sie sich um die Kinder. Abends, wenn sie um 20 Uhr müde und erschöpft von der Arbeit kommt, liest sie vor.

(Zum Weiterlesen rüber zum Nuf springen: Sind die neuen Mütter die besseren Väter)

Statt dessen ist – in linken aber auch anderen Kreisen – von den „Neuen Vätern“ eher so was zu hören:

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn die Politdates immer abends sind und einer (sic!) von uns Beiden muss hingehen.

Du wolltest doch unbedingt stillen, ich kann das schlecht für dich tun. Ich hab’dir gesagt wie biologistisch ich das finde und wie unfrei dich das machen wird.

Was kann ich denn dafür, dass immer alle dich fragen, wo das Kind ist, wenn du ausgehst und mich aber mit Keksen bewerfen, sobald ich mit dem Kind zuhause bleibe. Warum sollte ich die Kekse nicht annehmen oder mal deren Backweise in Frage stellen…Kekse für alle und zwar umsonst ! Ok…du bekommst keine Kekse…aber seien wir ehrlich…du bist eben DIE MUTTER und wenn wir mal ganz ganz ganz tief in uns hineinhören bist du doch näher dran am Kind. Auf ganz NATÜRLICHE Art und Weise. Du SPÜRST eben genau, was das Kind braucht.

Ich hatte zwar keine Zeit dir bei der Suche nach einem Kindergarten zu helfen, aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, alles shice zu finden in diesem reaktionären Rattenloch das du am Ende für unser Kind ausgesucht hast.

Kinder sind die wahren Anarchisten, aber wehe das Kind hört keinen Punk später oder wählt und dann auch noch die Grünen…das ist dann deine Schuld, seit das Kind da ist, sieht dich eines ja kaum noch auf Demos.

Was wirst du denn schon wieder so wütend…ich hab’doch nur ein Foto bei FB gepostet und mich feiern lassen für “Cutecooler Punkpapa mit Kind” während du zufällig eben dieses Kind zuhause gesund pflegst. Das hat doch nichts miteinander zu tun, ej.

(Eingebettet in einen wie immer wundervollen Artikel von alsmenschverkleidet)

Nein, Väter sind gar nicht per se meine Feinde. Warum auch? Sie sind Eltern wie ich. Na ja, sie könnten es sein. Wenn sie statt Artikel zu schreiben mal ein paar Windeln wechseln (oder waschen) würden.

Gute Nacht, Eure verbitterte männerhassende Oberemanze aus NichtalleVäter!hausen.

 

Zum Noch-Weiterlesen:

Antje Schrupp: Väter und ihre Option auf Elternarbeit

A++Ranting: Der schwere Stand der Privilegierten

Auf Zehenspitzen: Oh, Elternarbeit entmännlicht