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Feminismus

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Das 50/50 Prinzip im Hause glücklich scheitern

Der Mann und ich wollten uns Lohn- und Elternarbeit etwa nach dem 50/50 Prinzip aufteilen. Hätte das von Anfang an geklappt, hätte ich vielleicht auch ein Buch drüber geschrieben. Aus verschiedenen Gründen klappte das nicht so, wie ursprünglich geplant:

Bevor wir Kinder hatten, war der Mann angestellt, was für seinen Arbeitsbereich eher ungewöhnlich war. Der Anteil von Freiberuflern und Selbstständigen ist in seiner Branche sehr hoch. Und die Branche ist sehr männlich dominiert (männlich? von Männern?)

Ich stand am Anfang einer glorreichen Karriere als Wissenschaftlerin. Also dachte ich. Halbe Stelle an der Uni, befristet. Doktorarbeit im Kopf halb fertig. Ich hätte natürlich mit dem Kinderkriegen warten können, bis die Doktorarbeit fertig ist. Wollte ich aber nicht. Bauchmensch halt, was jetzt erst mal nicht nach glorreicher Wissenschaftlerin klingt. Aber auch wenn ich die Doktorarbeit fertig gehabt hätte: An der Uni ist man ja erst „fertig“, wenn man eine Professur hat, und das kann auch mal gut erst mit Mitte 40 sein. So was wie einen guten Zeitpunkt fürs Kinder kriegen hat es da also nicht gegeben. Dann doch lieber früher, bevor ich mit Ende 30 feststelle, dass das mit dem Schwanger werden doch nicht so schnell geht wie gedacht.

Kaffeetassen

In beiden Tassen ist gleich viel Kaffee drin. In seiner ist noch ein Löffel Zucker, in meiner Sojamilch. Beides gleichwertig, wenn auch nicht gleich?

Das 50/50 Prinzip in Theorie und Praxis

Aber ich schweife ab: Ich dachte auch mit Kind(ern) können der Mann und ich gleichberechtigt unsere Karriere verfolgen. Er war dazu bereit Familienarbeit zu übernehmen, ich liebte meine Arbeit sowieso.

Nun ja, eine Schwangerschaft, Geburt und sechs Monate Elternzeit später war mir klar: Was auch immer der Mann und ich vorhatten war ohne die Arbeitswelt geplant worden. Ok, ich hatte vielleicht Pech.

Und ausschließlich befristete Verträge. Maximal 18 Monate und das war schon die seltene Ausnahme.

Der Mann machte sich einige Zeit später selbstständig. Seine Auftragslage ist gut, er ist immer mal wieder ein paar Tage am Stück unterwegs.

Als Kind1 noch Einzelkind war ging das irgendwie, ich arbeitete – bei sehr kurzen Verträgen – mal 20, mal 30, mal 40 Stunden.

Mit zwei Kindern, beide keine Eckenhocker, ist das etwas komplizierter und aufwendiger, zumal ja auch die Tagesmutter im Februar gekündigt hat. Wenn der Mann jetzt beruflich für mehrere Tage unterwegs ist, heißt das:

In der Zeit mach ich  – seit ich Januar im neuen Job begonnen habe – eben alles: Morgens mich und die Kinder fertig und zur Betreuung bringen. Zur Arbeit fahren, oft auch radeln wenn der Mann das Auto hat. Das bedeutet eine Stunde Fahrtzeit pro Stecke, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde es genau so lang dauern. Sechs Stunden arbeiten, Feierabend, Kinder abholen, einkaufen etc. Muss ich Euch ja nicht erzählen. Ja, es gibt auch die Tage, an denen der Mann das alles macht, also außer meine Lohnarbeit. Da kann ich durchatmen. Aber nichtsdestotrotz bleibt in seiner Abwesenheit all das an mir hängen.

Wollte ich da Vollzeit arbeiten? Oder mich – für eine wissenschaftliche Karriere nicht unüblich – deutschlandweit, europaweit, weltweit bewerben? Wo würden die Kinder bleiben?

Es gab auch die Phase, in der ich sauer auf den Mann war. Das er einfach so weiter macht wie vor den Kindern. Dass er sich keinen Bürojob sucht, in dem er von 9 bis 5 arbeitet.

Aber dann dachte ich: er macht weiter so, weil er es kann. Weil keiner denkt, dass er alleine für die Kinder zuständig ist. Weil keiner seiner Auftraggeber davon ausgeht, dass Dienstreisen ein Problem sind (sein Job besteht quasi aus Dienstreisen).

Ich dagegen, saß bei einer Personalvermittlung. Bewerbung auf Bürojobs, von Teilzeit im Anschreiben keine Rede. Im Gespräch erwähnte ich dann, dass es nach Möglichkeit eine Stelle in Köln sein sollte, da ich „auch mal“ die Kinder abholen müsste. Das Gegenüber: „Ach so, aber Teilzeit können wir Ihnen nicht anbieten“. Ich bekam von dieser Vermittlung noch zwei Anrufe. Einmal hatten sie eine Stelle für mich, 9 Stunden – die WOCHE! Auf meine Rückmeldung, dass ich ja gar nicht so wenig arbeiten wollte, kam ein paziges „Ich wollte nur entgegenkommend sein“ zurück.

Derweil teilen der Mann und ich uns den Haushalt. Er denkt an Windeln und Klopapier und er kocht lieber als ich. Seit die Tagesmutter gekündigt hat, ist Kind2, wenn er nicht grad arbeitet, den ganzen Tag mit ihm unterwegs. Und seine Aufträge sucht er sich in der Regel danach aus, ob sie allzu lang, allzu weit weg sind. Und lehnt darum auch schon mal ab. Doof nur: hat keine der Stellen interessiert, bei denen ich mich beworben habe. Und wie kriegen Sie die Kinderbetreuung organisiert?

Mein aktueller Job ist in Sachen Vereinbarkeit nicht zu schlagen.

Ich habe jetzt zum Mai von 30 Wochenstunden auf 25 Wochenstunden reduziert. Freitags habe ich dann frei.

Zuerst fühlte es sich wie ein Scheitern an. Denn so werde ich garantiert nicht 50% zum Haushaltseinkommen beitragen. Und das war eigentlich immer mein Minimalziel: 50 Prozent.

Aber da wusste ich noch nicht, dass ich es doppelt so schwer haben würde wie der Mann, nach außen meine „Karrierecredibility“ zu wahren. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Und ich mag grade nicht kämpfen. Der Familienalltag mit zwei kleinen Kindern ist zauberhaft und kräfteraubend gleichzeitig. Und so mag das 50/50-Prinzip vielleicht für bestimmte Paare funktionieren. Für uns funktioniert grade was Anderes.

Und wenn ich sehe, dass Kind2 bald schon seinen zweiten Geburtstag feiert, im August in den Kindergarten kommt und seit zwei Wochen zum Einschlafen nicht mehr auf meinem Bauch liegen will – dann bin ich sicher, dass der Alltag bald weniger kräfteraubend und dafür um so zauberhafter wird. Und dann kann ich ja immer noch schauen, ob mir das mit der Karriere wieder einen Kampf wert ist, oder ich mich an die langen Wochenenden gewöhne…

Und vielleicht heißt bei uns auch 50/50 bei uns, dass wir die Hälfte von Allem nicht gleichzeitig, sondern nacheinander machen.

Wie sieht es bei Euch aus?

Feminismus

Blame capitalism, not feminism!

In letzter Zeit kriege ich öfter mal Puls, weil mir andere Frauen, meist Mütter, mitteilen, dass sie vom Feminismus enttäuscht sind, oder sie nicht dazu gehören wollen.

Weil irgendwo wieder ein Artikel erschienen ist, in dem eine Top-Managerin mit zwei Kindern sagt, man müsse halt nur wollen und gut organisiert sein. Weil irgendwo eine Feministin in einem Roman die Idee einer künstlichen Gebärmutter aufgreift. Weil die großen Zeitschriften und Talkshows halt gerne „extreme“ Positionen aufgreifen (der Klicks und Zuschauerzahlen wegen. Bei jedem anderen Thema ist eine_r das klar, es sei denn, es geht um Feminismus, da wird alles für bare Münze genommen). Und weil sich Positionen wie meine, die da hieße „macht doch wie ihr wollt, aber kämpft an den Strukturen, die die Wahlfreiheit für Alle verhindern“ irgendwie nicht so knackig, medial verkäuflich sind. Ja, tut mir leid, aber dann seid ihr selber gefragt:

Es gibt viele wunderbare Blogs die sich Mutterschaft auf feministische Weise nähern und meines Wissens nach nicht danach schreien, dass Mütter 40Stunden/Woche arbeiten müssen um echte Feministinnen zu sein. Es gibt das Care-Netzwerk, das

„neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an(strebt), die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt.“

Lest und teilt die Beiträge die hier, auf umstandslos, bei fuckermothers oder von Barbara und Nicole bei kleinerdrei geschrieben werden. MACHT sie zum Mainstream, wenn ihr nicht wollt, dass die großen Medien immer den Selben Sch***ß berichten. Sonst werden Eure Argumente und Bedürfnisse nämlich von denen vereinnahmt, von denen ihr bestimmt keine Zustimmung wollt: Den Rechten oder Eva Herman. Da wird der Müttermythos neu geschaffen, aber bestimmt nicht in Eurem Sinne. Mit Wahlfreiheit hat das nämlich null und nixig zu tun.

Dann kommen wir vielleicht zu einem mütter- und familienfreundlichen Feminismus, der auch in der Politik Gehör findet und nicht nur denen Vorteile zukommen lässt, die eh schon welche haben. Und dazu, dass Nachteile abgebaut werden, wo sie am Stärksten spürbar sind. Bei den Alleinerziehenden, den Regenbogen- und Patchworkfamilien.

Für mich geht Feminismus nur mit Kapitalismuskritik. Weil kapitalistische Strukturen Niemandem gut tun, der nicht für sich selbst sorgen kann oder für andere Sorge trägt. So was kann man in der Regel nur schon nicht mehr schreiben, weil man dann als naiv und weltfremd gilt. Familien* spüren die Strenge des Kapitalismus ziemlich stark, aber was dagegen tun, wenn die Zeit für Aktivismus nicht für mehr als ein paar Likes und Klicks auf dem Smartphone reicht, weil schon wieder eine Windel darauf wartet, gewechselt zu werden, 12 Ostereier ausgepustet werden sollen und man dann schnell noch die Präsentation für das nächste Meeting vorbereiten muss?

Sich vielleicht nicht über diese Artikel in den Zeitungen aufregen, sondern  – siehe oben – die unterstützen (und wenn nur mit Klicks und Likes) die ein anderes Verständnis von Feminismus und Mutterschaft haben. Das „Der Feminismus“ Schuld sei, wenn Mütter völlig aufgerissen und gestresst zwischen Job und Kindergarten herlaufen ist ein altes Märchen, dass immer wieder gerne neu inszeniert wird – dann ist Feminismus nämlich nicht mehr so gefährlich, weil er sich eine Menge Feind_innen macht (-> Verschwörungstheorien kann ich).

„Dem Feminismus“ die Schuld zu geben ist, als würde man der Physik die Schuld an der Atombombe geben ( -> Vergleiche kann ich auch. Äh ja).

Nur weil man die Norm der Heterokleinfamilie in Frage stellt, heíßt das nicht, dass konkret ihr die Zielscheibe von Feministinnen seid. Kritik an Politik, die ausschließlich einem Familienmodell Rechnung trägt heißt nicht, das Feministinnen keine Vater-Mutter-verheiratet-mit-Kind haben wollen.

Feminismus und Mutterschaft gehen Hand in Hand. Feminismus ist für alle Mütter da (der Kapitalismus aber nicht, nur um das noch mal deutlich zu machen). Aber der Feminismus hat viele Stimmen, manche sind lauter, manche leiser. Es liegt auch an euch, welche gehört werden.

Familie, Feminismus

Frauenleben am #Weltfrauentag

Bei Mutter & Mensch heute eine Blogparade, zum politischen Privaten, oder privaten Politischen, einem Tag im Leben einer Frau. Am Weltfrauentag quasi.

Der Mann muss um 6 Uhr aufstehen. Er hat oben geschlafen, ich mit den Kindern im großen Bett im Schlafzimmer. Unfreiwilliges Familienbett quasi (denn, ich schlafe am liebsten allein. Das von dem manche Familienbettbefürworter_innen behaupten, dass niemand gerne alleine schlafe. Doch tue ich. Auch wenn ich diese Nächte mit den Kids an meiner Seite genieße, denn ich weiß: Sie sind so oder so bald vorbei).

Ich höre ihn in der Küche rumoren und Kind2 leider auch. Kind2 rennt in die Küche, der Mann gibt ihm seine Flasche und es kommt wieder zurück ins Bett gekrabbelt. Kind1 ist aber auch wach geworden. Grmpf, eigentlich hätten wir noch eine Stunde schlafen können.

Kind2 ist noch wegen HandMundFuß krank geschrieben und darum bleibe ich zu Hause. Glück im Unglück. Oder Unglück im Unglück, denn letzte Woche hat uns ja die Tagesmutter gekündigt. Der Mann bringt mir noch n Kaffee ans Bett, die Kinder haben das Bett zum Trampolin umfunktioniert, mir rinnt ein Tropfen Speichel aus dem Mundwinkel, der Blick auf die Wand gegenüber.

Der koffeinfreie Kaffee entfaltet seine Wirkung und ich halte Kind1 an, sich anzuziehen. So nach und nach schaffen wir es alle drei (der Mann ist schon zur Arbeit entfleucht) uns anzuziehen oder anziehen zu lassen. Wir schaffen es sogar schon um halb neun vor die Tür. Ich bringe Minime in seine Kindergartengruppe und habe es sogar geschafft, an die zwei Wollknäuel zu denken, die er für das Osternestbasteln braucht. Ich gehe noch ins Büro der Kitaleitung um zu fragen, ob sie vielleicht doch schon früher einen Platz für Kind2 haben. Eine Zusage haben wir nämlich ab August, vielleicht…Aber nein, man kann hier keine Ausnahme machen.

Ich fahre mit Kind2 im Buggy zum Hautarzt. Ich brauch ein neues Rezept für meine Rosazeamedikamente und muss mir dafür Blut abnehmen lassen. Und weil das so Hardcore-Medikamente sind und man die nicht schwanger nehmen darf muss ich sogar noch Urin abgeben damit die nen Schwangerschaftstest machen können. In der Infobroschüre (!) zu den Medikamenten habe ich auch erfahren, dass die Spirale tatsächlich auch als Notfallverhütung eingesetzt werden kann, länger noch als die Pille danach.

Ich gehe mit den Rezepten noch zur Apotheke und bringe Kind2 nach Hause. In der Regel schläft er schon recht früh und macht Mittagsschlaf. Aber nachdem er gestern schon so hartnäckig kreative Ideen hatte, wie man den Mittagssschlaf vermeidet hatte ich nicht so große Hoffnung. Es dauerte dann auch noch bis halb eins und einige qualvolle Kinderspielsachen bis er einschlief

Spielzeug aus der Hölle! #wannistendlichdiebatterieleer #irgendwannrächichmichanderpatentante

A photo posted by Glücklich scheitern (@glcklchschtrn) on

Während seines Mittagsschlafs kümmerte ich mich um Telefonanrufe, Urlaubsplanung und liegengebliebene E-Mails. Und um die Wäsche. Was man halt so machen muss, wenn die Fremdbetreuung warum auch immer wegfällt (also was man tun muss, wenn das Kind schläft. Mit Kind2 ist nämlich nahezu nichts ungestört möglich. Entweder weil er mitmachen möchte oder weil er das, was ich tun muss, boykottiert).

Nach dem Mittagsschläfchen pack ich Kind2 ein und wir gehen in den CakeMart. Das ist ein Laden, in dem es lauter Sachen rund ums Kuchen-/Muffin-/Popcake-Machen gibt. Kind1 hat nämlich nächste Woche Geburtstag und natürlich wollte ich einen Kuchen backen. Und den verschönern. Ich war in diesem Laden völlig überfordert! Was Es Nicht Alles Gibt! Ich blieb bescheiden und kaufte eine Kerze in Form einer 5 und „Kuchenauflagen“ mit Spiderman- und Eisköniginnen-Deko. Dafür ließ ich dort so viel Geld, dass ich vermutlich für den selben Betrag eine fertige Torte vom Konditor hätte kaufen können. Gut, das merk ich mir fürs nächste mal.

Mit Kind2 und den Einkäufen fuhr ich auf den Spielplatz. Dort begegneten wir noch dem Patenonkel, der dort in der Nähe wohnt. Schön, andere Erwachsene. Kurz vor der Dämmerung packte ich Kind2 wieder ein und machte mich auf den Weg zur Kindergartenfreunding von Kind1, wo mich selbiges Kind direkt fragte: Darf ich hier noch spielen??? Es ist immer schwer, das große Kind irgendwo weg nach Hause zu bringen. Manchmal frage ich mich, ob wir so furchtbare Eltern sind, dass er nie nach Hause will (andererseits: Wenn wir zu Hause sind, will er auch nicht weg. Ich glaube, Kind1 lebt völlig im hier und jetzt, ich versuch von ihm zu lernen). Gegessen hat er dort schon, Kind2 verputzte noch die Reste und um halb sieben waren wir auf dem Weg nach Hause.

Kind1 war auch schon spürbar übermüdet, deshalb war die letzte halbe Stunde vorm Schlafengehen auch etwas beschwerlich. Die Sesamstraße konnte es retten und iiiirgendwann gegen halb neun schliefen die beiden auch.

Kurz danach kehrte der Mann nach Hause. Ich warf die Waschmaschine und die Spülmaschine an, saugte die Küche (und wischte den verkleckerten Saft weg) und da war es schon halb zehn.

Noch schnell auf facebook vorbei, eine Diskussion führen (zu der ich bald auch noch was schreibe, es wurde ein Artikel geteilt, der Feminismus meiner Meinung nach sehr verengt und natürlich „böse!“ darstellte), diesen Beitrag schreiben und zack ist auch schon halb elf.

Joa, so sah er aus, mein Weltfrauentag. Hoch die Faust!

Familie, Feminismus

Unsere Karnevalswoche (in Text und Bild)

Kinder Kinder, neee wat war dat schön!

Ich bin keine geborene Kölnerin oder Rheinländerin und Karneval stand 2008, als ich nach Köln zog, NICHT auf meiner Liste der Argumente für den Umzug. Ich wollte den Karneval ignorieren, nahm ich mir vor. Da ich die ersten Jahre auch noch im Ruhrgebiet arbeitete, war dort Karneval quasi nicht existent und der 11.11., Weiberfastnacht oder Rosenmontag ganz normale Arbeitstage. Nachdem ich es in meinem ersten Jahr Weiberfastnacht noch versuchte, ganz normal mit dem Zug zur Arbeit zu fahren sah ich in den kommenden Jahren zu, wenigstens HomeOffice zu machen. Nun wohne ich in der Kölner Südstadt, einem Epizentrum des Kölner Straßen- und Kneipenkarnevals. Das heißt eine Woche lang Dauerbeschallung mit Karnevalsmusik und Blaskappellen. Zunächst saß ich im Home Office an meinem Schreibtisch und weigerte mich, die Musik zur Kenntnis zu nehmen, den Blick starr auf den Schreibtisch. Aber das half nichts, mein Fuß fing an zu wippen, irgendwann ging die Hüfte mit und schließlich stand ich auf dem Schreibtisch und brüllte „Schenk mir heut Nacht Dein ganzes Herz und bleib mir, dann schenk ich Dir mein Herz und zeige Dir – was Dir gefällt NANANANANANANA“ …äh, naja fast.

Um es kurz zu machen: Das Karnevalsfieber packte mich irgendwann. Zunächst immer nur kurzfristig, so ähnlich wie Weihnachten: Was? DAS IST SCHON NÄCHSTE WOCHE? Dann mit langfristigen Überlegungen zwecks Kostüme und Veranstaltungen. Seit einigen Jahren gehört die Stunksitzung zum Programm.

Auch dies Jahr waren wir dabei, zwei Tage vor Weiberfastnacht. Das Programm war spitze, kreativ, witzig und auch bewegend, die Musik sowieso top. Und die Leute? Bunt gemischt und ich hab mich am allermeisten über diese kostümierte Dame gefreut:

Das allergeilste #kostüm auf der #stunksitzung: #armlänge Abstand mit rausfahrbahren Armen!!! #stunksitzung2016 #cologne #köln #karneval #carnival (leider war das Kostüm nicht von mir

Das allergeilste #kostüm auf der #stunksitzung: #armlänge Abstand mit rausfahrbahren Armen!!! #stunksitzung2016 #cologne #köln #karneval #carnival (leider war das Kostüm nicht von mir)

Ich selber war gar nicht verkleidet, die Menschen mit denen ich dorthin gehe grenzen sich gerne von dieser Art Spaß ab. Naja.

Weil ich 2014 eine Kampagne namens KonsensKarneval – Ein Kostüm ist keine Einladung initiierte, die – damals – kein Schwein interessierte, kamen dieses Jahr einige Presseanfragen. Nach Sylvester in Köln hatte das Thema einige Aufmerksamkeit – allerdings nur aus dem Ausland. Der Rheinländer lässt ja nix komme auf seinen Karneval, kritische Berichterstattung ist da nicht erwünscht. Ich erzählte also ein bisschen was über den Kölner Karneval und Sexismus einem Mann eines englischen Mediums, der mich dann aber doch nicht zitierte, weil es in dem Artikel nur um Weiberfastnacht gehen sollte (?). Dann kam noch eine Anfrage vom Schweizer Kulturfernsehen. Am Mittwoch vor Weiberfastnacht setzte ich mich mit einer Journalistin und einem Redakteur vom Fernsehen zusammen und sprach über Gender, Sexismus und die Eigenarten des Kölner Karnevals. Wir verabredeten uns für die Aufnahmen um 16 Uhr an Weiberfastnacht. Ich, angemessen in rot-weiß gekleidet raus ins Epizentrum vor meiner Haustür. Und die Schweizer_innen angemessen beeindruckt (falls sie angewidert waren, haben sie das höflich verborgen). Ich weiß noch  nicht, was dabei heraus gekommen ist, aber ich glaube, es läuft heute abend um halb elf im Schweizer Kulturfernsehen – wenn ich den Link habe, teile ich den natürlich auf meiner Facebook-Seite.

Weil Kind1 an Weiberfastnacht schon im Kindergarten Karneval gefeiert hat und ordentlich ausgepowert war haben wir den späten Nachmittag und den Abend ruhig zu Hause verbracht.

Der Freitag war für mich ein ganz normaler Tag. Samstag nachmittag ging ich mit Minime dann ins Kindertheater, ein Ritual was sich in den letzten beiden Jahren  eingebürgert hat. Dieses Jahr gab es „Rotkäppchen“ – natürlich mit bösem Wolf. Minime mochte diesen Teil der Geschichte so gar nicht und war nur bereit, weiter zu gucken, wenn er auf meinem Schoß sitzen dürfte. Da fiel mir eine meiner wenigen Erinnerungen an meine Kindheit in dem Alter ein: Ich war ebenfalls im Theater, klassisches Kasperletheater, und es wurde die böse Hexe angekündigt! Da muss ich wohl auch ordentlich Angst bekommen haben, sonst wäre es mir nicht so in Erinnerung geblieben. – Anschließend an Rotkäppchen gab es noch eine Party für die Kinder. Sehr coole Sache, die Kinder tanzen und spielen mit Ballons und Mutti steht an der Theke und trinkt ein Bier…naja, andere Mütter, Minime war an diesem Tag etwas anhänglich.

Am Donnerstag (Sprung zurück zu Weiberfastnacht) geschah noch eines dieser kleinen twitter-Wunder, für die ich dieses Medium so liebe! Sonja, aka mama-notes twitterte, sie sei unverkleidet am Schreibtisch und alle anderen seien verreist oder krank. Spontan ergab sich ein kleiner Dialog, man müsse Karneval zusammen feiern. So schrieb ich, wenn sie Samstag in die Kölner Südstadt käme, sei ich dabei – tja, also hatten wir ein Date, noch zusammen mit Mrs Cologne und Kiko. Also brachte ich Samstag nach dem Kindertheater Minime nach Hause, machte mit dem Mann die Kids bettfertig und zog mich dann um. Um die schon feiernden drei noch einzuholen in der Partymasse.

Ich such jetzt @mama_notes & co im Getümmel #alaaf #wochenendeinbildern

Ich such jetzt @mama_notes & co im Getümmel #alaaf #wochenendeinbildern

Die Stimmung draußen war super, obwohl ich eine dreivierteil Stunde auf Einlass in die Kneipe warten musste hatte ich keine Langeweile: Irgend eine Trommelgruppe musizierte, hunderte Menschen standen vor den verschiedenen Kneipen und theoretisch waren genug Getränkemöglichkeiten da.

Dann hab ich den Einlass geschafft. Noch an der Fast-Prügelei an der Damenkloschlange vorbei und auf auf mein erstes Kneipenkarneval feiern! Es. war. so. schön. Ein bisschen eng und laut aber ansonsten war die Stimmung ausgelassen und entspannt. Ach, kölsche Karnevalslieder. Es gibt bestimmt eine Formel für den perfekten Karnevalssong und was nicht fehlen darf sind die Worte Dom, Rhein, Leben, Liebe, Lust, Feiern etc. pp. Dazu ein paar leicht mitzugrölende Vokale und zack – fertig der Partyhit. Ich liebe sie alle, auch wenn ich noch nicht textsicher bin. Vielleicht geh ich nächstes Jahr auch zu Los mer singe?

Am Sonntag stehen traditionell die Scholl- und Veedelszöch auf dem Terminplan. Aufstellung bei uns vor der Haustür. Der Zug ist die „kleine“ Variante des Rosenmontagszugs, bei dem nicht die großen Karnevalsgesellschaften mitgehen, sondern Schulen und Vereine aus Köln und co. Er mag zwar kleiner sein, aber ich liebe ihn noch mehr, weil man dort sieht, was für tolle Ideen für Wagen und Kostüme auch mit kleinem Budget und viel Liebe möglich sind.

Ich liebe die Schull- und Veedelszöch! Und Minime-Spiderman ist zu beeindruckt um ans Kamelle-rufen zu denken :-) #alaaf #wochenendeinbildern #karneval

Ich liebe die Schull- und Veedelszöch! Und Minime-Spiderman ist zu beeindruckt um ans Kamelle-rufen zu denken 🙂 #alaaf #wochenendeinbildern #karneval

Rosenmontag war ja große Sturmwarnung gegeben. Als ich mit den Jungs aufstand sah es auch echt usselig aus, es goß in Strömen! Aber Petrus ist ja ne kölsche Jung und Punkt 10, als der Zoch losging, schaute die Sonne raus. Da haben wir uns aber schon gegen rausgehen entschieden, weil nachmittags noch die große Familienkarnevalsparty angesagt war.

Einzahnhase. Lange Geschichte #karneval #alaaf #rosenmontag

Einzahnhase. Lange Geschichte #karneval #alaaf #rosenmontag

Der Mann war dies Jahr für das Schminken zuständig. Und doch, er hat mir zwei Hasenzähne gemalt. Aber dann kam Kind2 und wischte mir seinen Schnodder durch das Gesicht – und schon hatte ich nur noch einen Zahn.

Dienstag stand noch der Südstadtveedelszug an. Leider war auch Dienstag ein normaler Arbeitstag für mich und obwohl ich versuchte, rechtzeitig Feierabend zu machen kam ich erst an, als der letzte Wagen schon los gefahren ist. Dafür rechtzeitig, um den Kindern beim Kamelletragen zu helfen. In der Wohnung wurde dann ausgepackt.

Kamelleausbeute von zwei Zügen... #kamelle #alaaf #karneval (die Kinder sortieren jetzt: die Guten ins Töpfchen...)

Kamelleausbeute von zwei Zügen… #kamelle #alaaf #karneval (die Kinder sortieren jetzt: die Guten ins Töpfchen…)

Bis Weihnachten sind wir also mit Süßigkeiten versorgt.

Und jetzt? Erholen von Karneval.  Bis zum 11.11. wenn es wieder losgeht, das Karnevalfieber…

Auch die Schlabbabuxe wurde passend zu Karneval gewählt #alaaf

Auch die Schlabbabuxe wurde passend zu Karneval gewählt #alaaf

Feminismus

Tor 21: Arme Väter

Den Titel hatte ich für diesen Termin schon eine ganze Weile geplant, dass mir der Spiegel jetzt ausgerechnet entgegen kommt und neues Futter liefert ist da sehr passend.

Der Artikel heißt „Sind Väter die besseren Mütter“ oder so (ich hab ihn nicht gelesen und werde es auch nicht tun). Ein Freund fragte mich gestern beim Klettern, ob er mir den Artikel aufbewahren soll und ich sagte sowas wie:

„Lass mich raten, was drin steht: Väter sind natürlich NICHT die besseren Mütter, aber die Mütter könnten sich schon was von denen abschneiden, von der Entspanntheit und unkonventionalistischen Herangehensweise, schließlich ist es egal ob die Kinder zueinander passende Socken haben oder beim Elternnachmittag der Kuchen 12farbig und selbstgebacken oder ausm Supermarkt gekauft ist. Und dann sagen die Väter noch so was wie: Nachdem ich mal ein Wochenende alleine mit dem Kind war, habe ich schon echt Respekt vor dem, was meine Frau so leistet. Also so ein engagierter Vater sein, das fordert einem schon viel ab und die Karriere liegt auch erst mal auf Eis“

Ob meine Vermutung richtig ist, konnte mir der Freund nicht sagen, er hatte den Artikel nämlich auch nicht gelesen. Aber ich bezweifle, das es inhaltlich weit darüber hinaus geht.

Alles gut und schön. Und ich hab nichts gegen Väter, eeecht nicht. Beweise?

jawoll, ich bin für die ‚erfindung‘ des vaterschutzes. mindestens drei wochen nach der geburt des kindes sollten auch für den vater drin sein – sofern er sich an der erziehung beteiligt. (vater kann auch mit ‚partnerin‘ ersetzt werden, sollten zwei frauen zusammen leben und das kind erziehen.) auch für diese person bleibt die welt ein paar tage stehen. und die mutter kann unterstützung gut gebrauchen. die familie muss erst mal zu einer solchen werden, eine neue infrastruktur geschaffen werden, die arbeitsteilung neu geregelt und gaaanz viel zeit miteinander verbracht werden. wie schnöde, wenn der vater kurz nach der geburt wieder arbeiten muss, als sei nichts gewesen. die ein, zwei tage sonderurlaub die manche firmen gewähren sind doch ein witz.

Ja genau, ich bin für Vaterschutz und Kündigungsschutz auch für Väter. Wenn sie sich denn gleichwertig an allen Aufgaben beteiligen.

Worüber ich mich dann wunder ist die Loyalität von Müttern für Väter, die einmal die Woche ihr Kind von der Kita holen. Oder mit den armen neuen Vätern um die Schwierigkeit ihrer neuen Rolle weinen! Mein armer Partner hat es nicht leicht, der Chef WILL nicht, dass er Elternzeit nimmt. Sonst droht die Kündigung, ratzfatz!

Mütter sind die beste Lobby von Vätern schrieb ich im März 2014.

wenn nun väter im arbeitsleben kundtun, dass sie ihren anteil an der elternschaft mehr als „erwartet“ übernehmen wollen, stößt das in der regel auf ablehnung. das ist kacke. aber auch nicht mehr, als die tatsache, dass es müttern schon quasi vorweg so geht. mir geht es nicht darum, vätern zu untersagen, dass sie sich beschweren (hätte ich überhaupt nicht die macht zu!), sondern ich wünsch mir, dass sie sich mit müttern zusammentun, vielleicht sogar mit ihren frauen und diese unterstützen? wenn so viele väter einspruch erheben würden, wenn mütter irgendwo diskriminiert werden, wie sich mütter bei mir über meine kritik an jammernden vätern beschwert hätten – dann nehm ich an, seh die welt bald besser aus!

War und ist meine Meinung. Darum werde ich heute und hier auch nicht die Artikel der handvoll Väter verlinken, die es grad mal schaffen sich selber und ihre Privilegien so oberflächlich zu hinterfragen, denn, wie Antiprodukt es so schön formulierte:

Diskriminierung ist, dass Frauen fast immer noch den Großteil der anfallenden Hausarbeiten erledigen. Diskriminierung ist, dass Kindererziehung “Frauensache” und damit automatisch minderwertige Arbeit ist, die nicht mal als solche gilt. Diskriminierung ist, dass es zwar hunderte Blogs von Müttern und ihren Erfahrungen gibt, aber weinende Väter publiziert werden.

Um dann abzuschließen mit: Einfach weiter machen mit dem Kümmern!

Jajaja, Taten statt Worte und so! Ich, also Eure verbitterte Oberfeministin applaudiert nicht, bevor diese Väter nicht mit Müttern in einer Reihe stehen (oder besser noch davor, schließlich müssen sie einiges nachholen!) und Betriebskitas fordern, ihren Arbeitgebern, die sie von der Elternzeit abhalten wollen den Mittelfinger zeigen und Hohelieder auf ihre Partnerinnen singen und 50% der Alleinerzieher ausmachen. Und wenn jetzt kommt: Den Job und die Karriere aufs Spiel setzen, wovon sollen wir dann leben??? – Also mein Eindruck ist echt nicht, dass die Neuen Väter, die so gerne zitiert werden und deren Partnerinnen am Hungertuch nagen. Meistens sind beide sehr gut ausgebildet und beruflich oft etabliert, das Schlimmste was da passieren kann ist einen Job unter dem bisherigen Niveau anzunehmen. Wer nämlich keine Kohle hat geht arbeiten, weil sie oder er es muss. Neue Väter – ein Klassenproblem! So what…

Ich applaudiere den Neuen Vätern vielleicht dann, wenn Situationen wie Folgende realistisch klingen:

„Es ist wirklich so toll, dass deine Frau euren Kleinen am Mittwoch Nachmittag abholt!“ sagt Peter begeistert zu seinem Freund Steve. Seiner Tanja ist das leider nicht möglich.

Sie ist Teamleiterin in einem großen Konzern. Auch wenn man da eigentlich auf Familienfreundlichkeit setzt, ab Teamleiterebene ist es einfach nicht mehr möglich schon am frühen Nachmittag nach Hause zu gehen. Tanja hat schließlich eine Vorbildfunktion, da sieht es einfach nicht gut aus, wenn sie schon um 16 Uhr verschwindet. Sie würde das wirklich gerne machen. Das ein oder andere Gespräch hatte sie mit ihrem Chef schon. Am Ende war aber klar: Es geht nicht.

Glücklicherweise waren sie so flexibel dass Peter zuhause bleibt. „Man hat die Kinder schließlich nicht um arbeiten zu gehen!“, sagt Peter. Trotzdem ist es natürlich toll, wenn auch die Mutter sich an der Kindererziehung beteiligt. Es ist ja außerdem nicht so, dass Tanja nichts tut. Wann immer es geht, kümmert sie sich um die Kinder. Abends, wenn sie um 20 Uhr müde und erschöpft von der Arbeit kommt, liest sie vor.

(Zum Weiterlesen rüber zum Nuf springen: Sind die neuen Mütter die besseren Väter)

Statt dessen ist – in linken aber auch anderen Kreisen – von den „Neuen Vätern“ eher so was zu hören:

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn die Politdates immer abends sind und einer (sic!) von uns Beiden muss hingehen.

Du wolltest doch unbedingt stillen, ich kann das schlecht für dich tun. Ich hab’dir gesagt wie biologistisch ich das finde und wie unfrei dich das machen wird.

Was kann ich denn dafür, dass immer alle dich fragen, wo das Kind ist, wenn du ausgehst und mich aber mit Keksen bewerfen, sobald ich mit dem Kind zuhause bleibe. Warum sollte ich die Kekse nicht annehmen oder mal deren Backweise in Frage stellen…Kekse für alle und zwar umsonst ! Ok…du bekommst keine Kekse…aber seien wir ehrlich…du bist eben DIE MUTTER und wenn wir mal ganz ganz ganz tief in uns hineinhören bist du doch näher dran am Kind. Auf ganz NATÜRLICHE Art und Weise. Du SPÜRST eben genau, was das Kind braucht.

Ich hatte zwar keine Zeit dir bei der Suche nach einem Kindergarten zu helfen, aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, alles shice zu finden in diesem reaktionären Rattenloch das du am Ende für unser Kind ausgesucht hast.

Kinder sind die wahren Anarchisten, aber wehe das Kind hört keinen Punk später oder wählt und dann auch noch die Grünen…das ist dann deine Schuld, seit das Kind da ist, sieht dich eines ja kaum noch auf Demos.

Was wirst du denn schon wieder so wütend…ich hab’doch nur ein Foto bei FB gepostet und mich feiern lassen für “Cutecooler Punkpapa mit Kind” während du zufällig eben dieses Kind zuhause gesund pflegst. Das hat doch nichts miteinander zu tun, ej.

(Eingebettet in einen wie immer wundervollen Artikel von alsmenschverkleidet)

Nein, Väter sind gar nicht per se meine Feinde. Warum auch? Sie sind Eltern wie ich. Na ja, sie könnten es sein. Wenn sie statt Artikel zu schreiben mal ein paar Windeln wechseln (oder waschen) würden.

Gute Nacht, Eure verbitterte männerhassende Oberemanze aus NichtalleVäter!hausen.

 

Zum Noch-Weiterlesen:

Antje Schrupp: Väter und ihre Option auf Elternarbeit

A++Ranting: Der schwere Stand der Privilegierten

Auf Zehenspitzen: Oh, Elternarbeit entmännlicht

Feminismus

Tor 14: Interviews Feminismus und Mutterschaft

Heute hole ich für den Adventskalender mal etwas aus meinem Archiv.

Die Reihe Feminismus und Mutterschaft – vielleicht erinnern sich Einige noch. Damals kam ich nicht darauf, eine Blogparade draus zu machen und wollte außerdem auch Müttern Raum geben, die keinen eigenen Blog haben. Die Fragen selber stehen hier, falls noch eine mitmachen will (ich veröffentliche das gerne. Die Fragen dienen als Anregung, nicht als Vorgabe. Oder ihr schreibt in Eurem Blog und verlinkt das ganze unter diesem Beitrag).

Im 1. Interview schreibt Stefanie über ihre deutsch-finnischen Erfahrungen:

Da das Thema Kita für mich gerade sehr present ist und ich Erfahrungen habe wie die ganze Sache in Finnland läuft, fühle ich mich doch fast in Deutschland  diskriminiert. Anscheinend ist es hier immer noch nicht sehr üblich, dass auch die Mutter arbeiten geht.
In unserem Städle gibt es ganze 2! Ganztagsgruppen, die aber erst für Kinder ab 3 Jahren ist. Da mein Mann in Schweden studiert und ich, hier in Deutschland, die Brötchen verdienen muss, ist die Kinderbetreuung reine Katastrophe.

Im zweiten Interview berichtet die kinderlose Janina warum sie sich Kinder zur Zeit nicht vorstellen kann:

ich verbinde derzeit mit mutterschaft nur einschränkungen, und das möchte ich für mich nicht. ich sehe nur wie es bei anderen frauen ist, sie sind alle zeitlich sehr eingespannt. die mutterschaft bedeutet für sie beruflich zurückstecken, und kaum zeit für sich.
mein partner wäre anundfürsich sehr entgegenkommend, nur sind wir beide selbstständig, ein berufliches zurückstecken wäre mit kind unumgänglich.
in gesprächen merke ich schon oft, dass man schnell verurteilt wird, nur wenn man sagt: ich will jetzt keine kinder weil ich mich selbst nicht aufgeben und/oder beruflich noch verändern oder weiterentwickeln möchte. als mann ist das nicht so.

Das dritte Interview bestreitet Rosalie vom Blog parentsdont:

Dass ich offensichtlich nie mit den oftmals zitierten Rollenmustern konfrontiert wurde merkte ich ganz eklatant in der Schule. In der 12. Klasse gab es eine Diskussion über Gesellschaft und Werte. Eine Doppelstunde lang ging es darum, was wir denn wohl für besser hielten: Mit Kindern zu Hause zu bleiben, oder ohne Kinder Karriere zu machen? Ich erinnere mich sehr genau, weil ich damals den gesamten Grundkurs Deutsch gegen mich hatte. Ich war tatsächlich die Einzige, die überhaupt nicht verstand, warum es nur entweder – oder geben kann, warum man nicht mit Kind arbeiten kann, warum Frau und nicht Mann zu Hause bleibt etc. Ich kam weinend (mit damals 17 Jahren) aus dem Unterricht, weil mich meine Klassenkameraden zum Teil sehr bösartig niedergeschrienen haben.

Im vierten Interview schreibt Luisa über ihre Erfahrungen als „untypisches“ Mädchen und wie sie ihre eigenen Kindern zu mehr Rollenvielfalt helfen möchte:

Ich erziehe meine Kinder, in dem ich versuche  ihnen Vorbild zu sein. Sie wissen, dass ich sie stets in allem Unterstütze und dass sie ok sind, genau so wie sie sind. Es gibt nichts, was sie nicht tun können oder dürfen, weil sie Jungen sind und das gleiche gilt für Mädchen. Sie sollen wissen, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist und auch nicht blau oder rosa. Dazwischen gibt es unendlich viele Farben und keine davon wird schöner, indem man eine andere abwertet.

Interview Nummer fünf wird von meiner Freundin Nadine von fashion, baby! bestritten und sie schreibt darüber, wie die neuen Herausforderungen als Mutter dann doch irgendwie unerwartet sind:

Wenn uns die Kollegen nämlich ein neidisches „ach, schon frei?“ hinterher rufen wenn wir deutlich vor 18 Uhr das Büro verlassen, wissen wir selbst nämlich, dass zu Hause niemand die Tonnen Wäsche gewaschen hat, die mit Kind wundersamerweise nie weniger werden. Dass niemand eingekauft hat, niemand neue Hosen für das Kind gekauft hat, weil es aus den alten schon wieder rausgewachsen ist. Niemand hat einen Termin für die nächste U gemacht hat, niemand das Paket zur Post gebracht, und die Frage „Sekt oder Selters?“ beantwortet sich von selbst wenn man Abend für Abend am liebsten um 20 Uhr gemeinsam mit seinem Kind ins Bett sinken würde.

Christina vom Familienreiseblog Reisemeisterei schreibt im sechsten Teil der Interviewreihe über die Schwierigkeit, den eigenen, richtigen Weg als Mutter in Sachen Vereinbarkeit zu finden:

Manche Mütter in meiner Umgebung machen mir etwas Angst mit ihrer Auslegung der Gleichberechtigung. Für beispielsweise Vollzeitarbeit 8 Wochen nach der Geburt bin ich wohl nicht gestrickt. Irgendwie setzt es mich auch unter Druck, nicht „tough“ genug zu sein. Andere Mütter wiederum haben nach vielen Jahren der Elternarbeit keine private Rente und vielleicht auch keine Chance für einen beruflichen Einstieg. Einige Mütter beeindrucken mich allerdings, wie sie kreative Wege finden, Muttersein und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Und wenn es mit einer Tätigkeit von zuhause ist. Nähen, Schreiben, Gründung eines kleinen Unternehmens, beruflicher Aufbau. Meine eigene Mutter unterstützt mich sehr auf meinem Weg, ebenso mein Mann und seine Mutter. Das gibt mir Sicherheit.

Im siebten Interview schreibt Sabine darüber, wie wichtig gute Rahmenbedingungen sind, um als Mutter auch noch Frau zu bleiben:

Ich bin mehr als glücklich mit meinem Dasein als Frau und Mutter, da ich das Glück habe, für mich perfekte Rahmenbedingungen zu haben: Eine funktionierende, gleichberechtigte Partnerschaft und ein sehr unterstützendes Umfeld, genügend finanzielle Mittel, eine gut funktionierende Selbstständigkeit, die mir ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität ermöglicht, gute, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Tagesmutter, KiTa, Großeltern) und nicht zuletzt ein hohes Maß an Gelassenheit.
Ich weiß, dass es viele Mütter und Familien nicht so leicht haben, wie ich/wir es habe/n. Meiner Meinung fehlt es vor allem an flexiblen Arbeitgebern und Arbeitszeitenmodellen, guter, sicherer und zuverlässiger Kinderbetreuung, einem generell offeneren Klima in der Gesellschaft (mehr Kinderfreundlichkeit, mehr Mütterfreundlichkeit, mehr Familienfreundlichkeit).

In Interview Nummer 8 beantwortet Maria vom Blog Me Myself and Child meine Fragen. Als Double Parent/Einelter/Alleinerziehende schreibt sie über die nötigen Bedingungen um Mutterschaft zu erleichtern:

also erstmal braucht es dafür ja nur mich, die sich entscheidet mit den vorhandenen bedinungen feministisch zu leben, um diese bedinungen jedoch zum besseren verändern zu können braucht es den austausch mit anderen menschen, die sich in ähnlichen situationen befinden um sich dann so gut es geht gemeinsam gehör zu verschaffen. gesellschaftlich (und damit auch politisch und wirtschaftlich) muss anerkannt werden, dass es nicht die eine wahre mutterschaft gibt sondern viele verschiedene elter(n)schaften und manche vielleicht nichtmal eine mutter beinhalten. wir müssen weg vom bild der klassischen heteronormativen kleinfamilie hin zu allen möglichen familienkonzepten, die mindestens ebenso unterstützendswert sind. vielleicht können wir anfangen mit dem verständnis dafür das nicht mütter* unflexibel sind sondern die gesellschaft.

Interview neun ist bisher der letzte Teil und da beantwortete mir Katja vom Blog lebenswichtige Erkenntnisse meine Fragen (zu dem Zeitpunkt noch schwanger mit ihrem ersten Kind und in Patchwork leben mit ihrem Freund und dessen Tochter):

Meine Hauptwünsche wären sicher erstens eine insgesamt gerechtere Verteilung des Einkommens auf Männer und Frauen, denn die Entscheidung, wer länger aussetzt, fällt ja oft genug mit dem Einkommen, und da stehen die Frauen oft schlechter da; zweitens eine gesellschaftliche Normalität, in der Väter so sehr Elternteil sind wie Mütter; und drittens – das ist aber zugegebenermaßen nicht zu Ende gedacht – ein Überdenken der Gesetzgebung zu Beruf, Mutterschaft und so weiter. Ich hatte den Eindruck, dass all der gut gemeinte Mutterschutz mit den entsprechenden Rechten oft dazu führt, dass Arbeitgeber regelrecht Angst vor Schwangeren oder Müttern im eigenen Betrieb haben, und sie dann lieber gar nicht erst einstellen, Verträge auslaufen lassen, etc. Das kann’s ja auch nicht sein. Ich habe jetzt so oft von qualifizierten, motivierten und guten Frauen gehört, die mit Bekanntgabe der Schwangerschaft fallen gelassen wurden, dass es eigentlich dazu einlädt, erst dann schwanger zu werden, wenn man gerade den Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und es beruflich gerade bestens läuft. Ich weiß nicht, wie man das lösen soll. Ich fände es schön, wenn sich mittelfristig eine Normalität etablieren würde, in der alle Leute familienverträgliche Arbeitszeiten haben, so dass Leute, die eine Familie haben, nicht als halbe Kräfte gelten, weil sie nicht immer und immer verfügbar sind.