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Feminismus

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Tor 21: Arme Väter

Den Titel hatte ich für diesen Termin schon eine ganze Weile geplant, dass mir der Spiegel jetzt ausgerechnet entgegen kommt und neues Futter liefert ist da sehr passend.

Der Artikel heißt „Sind Väter die besseren Mütter“ oder so (ich hab ihn nicht gelesen und werde es auch nicht tun). Ein Freund fragte mich gestern beim Klettern, ob er mir den Artikel aufbewahren soll und ich sagte sowas wie:

„Lass mich raten, was drin steht: Väter sind natürlich NICHT die besseren Mütter, aber die Mütter könnten sich schon was von denen abschneiden, von der Entspanntheit und unkonventionalistischen Herangehensweise, schließlich ist es egal ob die Kinder zueinander passende Socken haben oder beim Elternnachmittag der Kuchen 12farbig und selbstgebacken oder ausm Supermarkt gekauft ist. Und dann sagen die Väter noch so was wie: Nachdem ich mal ein Wochenende alleine mit dem Kind war, habe ich schon echt Respekt vor dem, was meine Frau so leistet. Also so ein engagierter Vater sein, das fordert einem schon viel ab und die Karriere liegt auch erst mal auf Eis“

Ob meine Vermutung richtig ist, konnte mir der Freund nicht sagen, er hatte den Artikel nämlich auch nicht gelesen. Aber ich bezweifle, das es inhaltlich weit darüber hinaus geht.

Alles gut und schön. Und ich hab nichts gegen Väter, eeecht nicht. Beweise?

jawoll, ich bin für die ‚erfindung‘ des vaterschutzes. mindestens drei wochen nach der geburt des kindes sollten auch für den vater drin sein – sofern er sich an der erziehung beteiligt. (vater kann auch mit ‚partnerin‘ ersetzt werden, sollten zwei frauen zusammen leben und das kind erziehen.) auch für diese person bleibt die welt ein paar tage stehen. und die mutter kann unterstützung gut gebrauchen. die familie muss erst mal zu einer solchen werden, eine neue infrastruktur geschaffen werden, die arbeitsteilung neu geregelt und gaaanz viel zeit miteinander verbracht werden. wie schnöde, wenn der vater kurz nach der geburt wieder arbeiten muss, als sei nichts gewesen. die ein, zwei tage sonderurlaub die manche firmen gewähren sind doch ein witz.

Ja genau, ich bin für Vaterschutz und Kündigungsschutz auch für Väter. Wenn sie sich denn gleichwertig an allen Aufgaben beteiligen.

Worüber ich mich dann wunder ist die Loyalität von Müttern für Väter, die einmal die Woche ihr Kind von der Kita holen. Oder mit den armen neuen Vätern um die Schwierigkeit ihrer neuen Rolle weinen! Mein armer Partner hat es nicht leicht, der Chef WILL nicht, dass er Elternzeit nimmt. Sonst droht die Kündigung, ratzfatz!

Mütter sind die beste Lobby von Vätern schrieb ich im März 2014.

wenn nun väter im arbeitsleben kundtun, dass sie ihren anteil an der elternschaft mehr als „erwartet“ übernehmen wollen, stößt das in der regel auf ablehnung. das ist kacke. aber auch nicht mehr, als die tatsache, dass es müttern schon quasi vorweg so geht. mir geht es nicht darum, vätern zu untersagen, dass sie sich beschweren (hätte ich überhaupt nicht die macht zu!), sondern ich wünsch mir, dass sie sich mit müttern zusammentun, vielleicht sogar mit ihren frauen und diese unterstützen? wenn so viele väter einspruch erheben würden, wenn mütter irgendwo diskriminiert werden, wie sich mütter bei mir über meine kritik an jammernden vätern beschwert hätten – dann nehm ich an, seh die welt bald besser aus!

War und ist meine Meinung. Darum werde ich heute und hier auch nicht die Artikel der handvoll Väter verlinken, die es grad mal schaffen sich selber und ihre Privilegien so oberflächlich zu hinterfragen, denn, wie Antiprodukt es so schön formulierte:

Diskriminierung ist, dass Frauen fast immer noch den Großteil der anfallenden Hausarbeiten erledigen. Diskriminierung ist, dass Kindererziehung “Frauensache” und damit automatisch minderwertige Arbeit ist, die nicht mal als solche gilt. Diskriminierung ist, dass es zwar hunderte Blogs von Müttern und ihren Erfahrungen gibt, aber weinende Väter publiziert werden.

Um dann abzuschließen mit: Einfach weiter machen mit dem Kümmern!

Jajaja, Taten statt Worte und so! Ich, also Eure verbitterte Oberfeministin applaudiert nicht, bevor diese Väter nicht mit Müttern in einer Reihe stehen (oder besser noch davor, schließlich müssen sie einiges nachholen!) und Betriebskitas fordern, ihren Arbeitgebern, die sie von der Elternzeit abhalten wollen den Mittelfinger zeigen und Hohelieder auf ihre Partnerinnen singen und 50% der Alleinerzieher ausmachen. Und wenn jetzt kommt: Den Job und die Karriere aufs Spiel setzen, wovon sollen wir dann leben??? – Also mein Eindruck ist echt nicht, dass die Neuen Väter, die so gerne zitiert werden und deren Partnerinnen am Hungertuch nagen. Meistens sind beide sehr gut ausgebildet und beruflich oft etabliert, das Schlimmste was da passieren kann ist einen Job unter dem bisherigen Niveau anzunehmen. Wer nämlich keine Kohle hat geht arbeiten, weil sie oder er es muss. Neue Väter – ein Klassenproblem! So what…

Ich applaudiere den Neuen Vätern vielleicht dann, wenn Situationen wie Folgende realistisch klingen:

„Es ist wirklich so toll, dass deine Frau euren Kleinen am Mittwoch Nachmittag abholt!“ sagt Peter begeistert zu seinem Freund Steve. Seiner Tanja ist das leider nicht möglich.

Sie ist Teamleiterin in einem großen Konzern. Auch wenn man da eigentlich auf Familienfreundlichkeit setzt, ab Teamleiterebene ist es einfach nicht mehr möglich schon am frühen Nachmittag nach Hause zu gehen. Tanja hat schließlich eine Vorbildfunktion, da sieht es einfach nicht gut aus, wenn sie schon um 16 Uhr verschwindet. Sie würde das wirklich gerne machen. Das ein oder andere Gespräch hatte sie mit ihrem Chef schon. Am Ende war aber klar: Es geht nicht.

Glücklicherweise waren sie so flexibel dass Peter zuhause bleibt. „Man hat die Kinder schließlich nicht um arbeiten zu gehen!“, sagt Peter. Trotzdem ist es natürlich toll, wenn auch die Mutter sich an der Kindererziehung beteiligt. Es ist ja außerdem nicht so, dass Tanja nichts tut. Wann immer es geht, kümmert sie sich um die Kinder. Abends, wenn sie um 20 Uhr müde und erschöpft von der Arbeit kommt, liest sie vor.

(Zum Weiterlesen rüber zum Nuf springen: Sind die neuen Mütter die besseren Väter)

Statt dessen ist – in linken aber auch anderen Kreisen – von den „Neuen Vätern“ eher so was zu hören:

Es ist doch nicht meine Schuld, wenn die Politdates immer abends sind und einer (sic!) von uns Beiden muss hingehen.

Du wolltest doch unbedingt stillen, ich kann das schlecht für dich tun. Ich hab’dir gesagt wie biologistisch ich das finde und wie unfrei dich das machen wird.

Was kann ich denn dafür, dass immer alle dich fragen, wo das Kind ist, wenn du ausgehst und mich aber mit Keksen bewerfen, sobald ich mit dem Kind zuhause bleibe. Warum sollte ich die Kekse nicht annehmen oder mal deren Backweise in Frage stellen…Kekse für alle und zwar umsonst ! Ok…du bekommst keine Kekse…aber seien wir ehrlich…du bist eben DIE MUTTER und wenn wir mal ganz ganz ganz tief in uns hineinhören bist du doch näher dran am Kind. Auf ganz NATÜRLICHE Art und Weise. Du SPÜRST eben genau, was das Kind braucht.

Ich hatte zwar keine Zeit dir bei der Suche nach einem Kindergarten zu helfen, aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, alles shice zu finden in diesem reaktionären Rattenloch das du am Ende für unser Kind ausgesucht hast.

Kinder sind die wahren Anarchisten, aber wehe das Kind hört keinen Punk später oder wählt und dann auch noch die Grünen…das ist dann deine Schuld, seit das Kind da ist, sieht dich eines ja kaum noch auf Demos.

Was wirst du denn schon wieder so wütend…ich hab’doch nur ein Foto bei FB gepostet und mich feiern lassen für “Cutecooler Punkpapa mit Kind” während du zufällig eben dieses Kind zuhause gesund pflegst. Das hat doch nichts miteinander zu tun, ej.

(Eingebettet in einen wie immer wundervollen Artikel von alsmenschverkleidet)

Nein, Väter sind gar nicht per se meine Feinde. Warum auch? Sie sind Eltern wie ich. Na ja, sie könnten es sein. Wenn sie statt Artikel zu schreiben mal ein paar Windeln wechseln (oder waschen) würden.

Gute Nacht, Eure verbitterte männerhassende Oberemanze aus NichtalleVäter!hausen.

 

Zum Noch-Weiterlesen:

Antje Schrupp: Väter und ihre Option auf Elternarbeit

A++Ranting: Der schwere Stand der Privilegierten

Auf Zehenspitzen: Oh, Elternarbeit entmännlicht

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Tor 14: Interviews Feminismus und Mutterschaft

Heute hole ich für den Adventskalender mal etwas aus meinem Archiv.

Die Reihe Feminismus und Mutterschaft – vielleicht erinnern sich Einige noch. Damals kam ich nicht darauf, eine Blogparade draus zu machen und wollte außerdem auch Müttern Raum geben, die keinen eigenen Blog haben. Die Fragen selber stehen hier, falls noch eine mitmachen will (ich veröffentliche das gerne. Die Fragen dienen als Anregung, nicht als Vorgabe. Oder ihr schreibt in Eurem Blog und verlinkt das ganze unter diesem Beitrag).

Im 1. Interview schreibt Stefanie über ihre deutsch-finnischen Erfahrungen:

Da das Thema Kita für mich gerade sehr present ist und ich Erfahrungen habe wie die ganze Sache in Finnland läuft, fühle ich mich doch fast in Deutschland  diskriminiert. Anscheinend ist es hier immer noch nicht sehr üblich, dass auch die Mutter arbeiten geht.
In unserem Städle gibt es ganze 2! Ganztagsgruppen, die aber erst für Kinder ab 3 Jahren ist. Da mein Mann in Schweden studiert und ich, hier in Deutschland, die Brötchen verdienen muss, ist die Kinderbetreuung reine Katastrophe.

Im zweiten Interview berichtet die kinderlose Janina warum sie sich Kinder zur Zeit nicht vorstellen kann:

ich verbinde derzeit mit mutterschaft nur einschränkungen, und das möchte ich für mich nicht. ich sehe nur wie es bei anderen frauen ist, sie sind alle zeitlich sehr eingespannt. die mutterschaft bedeutet für sie beruflich zurückstecken, und kaum zeit für sich.
mein partner wäre anundfürsich sehr entgegenkommend, nur sind wir beide selbstständig, ein berufliches zurückstecken wäre mit kind unumgänglich.
in gesprächen merke ich schon oft, dass man schnell verurteilt wird, nur wenn man sagt: ich will jetzt keine kinder weil ich mich selbst nicht aufgeben und/oder beruflich noch verändern oder weiterentwickeln möchte. als mann ist das nicht so.

Das dritte Interview bestreitet Rosalie vom Blog parentsdont:

Dass ich offensichtlich nie mit den oftmals zitierten Rollenmustern konfrontiert wurde merkte ich ganz eklatant in der Schule. In der 12. Klasse gab es eine Diskussion über Gesellschaft und Werte. Eine Doppelstunde lang ging es darum, was wir denn wohl für besser hielten: Mit Kindern zu Hause zu bleiben, oder ohne Kinder Karriere zu machen? Ich erinnere mich sehr genau, weil ich damals den gesamten Grundkurs Deutsch gegen mich hatte. Ich war tatsächlich die Einzige, die überhaupt nicht verstand, warum es nur entweder – oder geben kann, warum man nicht mit Kind arbeiten kann, warum Frau und nicht Mann zu Hause bleibt etc. Ich kam weinend (mit damals 17 Jahren) aus dem Unterricht, weil mich meine Klassenkameraden zum Teil sehr bösartig niedergeschrienen haben.

Im vierten Interview schreibt Luisa über ihre Erfahrungen als „untypisches“ Mädchen und wie sie ihre eigenen Kindern zu mehr Rollenvielfalt helfen möchte:

Ich erziehe meine Kinder, in dem ich versuche  ihnen Vorbild zu sein. Sie wissen, dass ich sie stets in allem Unterstütze und dass sie ok sind, genau so wie sie sind. Es gibt nichts, was sie nicht tun können oder dürfen, weil sie Jungen sind und das gleiche gilt für Mädchen. Sie sollen wissen, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist und auch nicht blau oder rosa. Dazwischen gibt es unendlich viele Farben und keine davon wird schöner, indem man eine andere abwertet.

Interview Nummer fünf wird von meiner Freundin Nadine von fashion, baby! bestritten und sie schreibt darüber, wie die neuen Herausforderungen als Mutter dann doch irgendwie unerwartet sind:

Wenn uns die Kollegen nämlich ein neidisches „ach, schon frei?“ hinterher rufen wenn wir deutlich vor 18 Uhr das Büro verlassen, wissen wir selbst nämlich, dass zu Hause niemand die Tonnen Wäsche gewaschen hat, die mit Kind wundersamerweise nie weniger werden. Dass niemand eingekauft hat, niemand neue Hosen für das Kind gekauft hat, weil es aus den alten schon wieder rausgewachsen ist. Niemand hat einen Termin für die nächste U gemacht hat, niemand das Paket zur Post gebracht, und die Frage „Sekt oder Selters?“ beantwortet sich von selbst wenn man Abend für Abend am liebsten um 20 Uhr gemeinsam mit seinem Kind ins Bett sinken würde.

Christina vom Familienreiseblog Reisemeisterei schreibt im sechsten Teil der Interviewreihe über die Schwierigkeit, den eigenen, richtigen Weg als Mutter in Sachen Vereinbarkeit zu finden:

Manche Mütter in meiner Umgebung machen mir etwas Angst mit ihrer Auslegung der Gleichberechtigung. Für beispielsweise Vollzeitarbeit 8 Wochen nach der Geburt bin ich wohl nicht gestrickt. Irgendwie setzt es mich auch unter Druck, nicht „tough“ genug zu sein. Andere Mütter wiederum haben nach vielen Jahren der Elternarbeit keine private Rente und vielleicht auch keine Chance für einen beruflichen Einstieg. Einige Mütter beeindrucken mich allerdings, wie sie kreative Wege finden, Muttersein und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Und wenn es mit einer Tätigkeit von zuhause ist. Nähen, Schreiben, Gründung eines kleinen Unternehmens, beruflicher Aufbau. Meine eigene Mutter unterstützt mich sehr auf meinem Weg, ebenso mein Mann und seine Mutter. Das gibt mir Sicherheit.

Im siebten Interview schreibt Sabine darüber, wie wichtig gute Rahmenbedingungen sind, um als Mutter auch noch Frau zu bleiben:

Ich bin mehr als glücklich mit meinem Dasein als Frau und Mutter, da ich das Glück habe, für mich perfekte Rahmenbedingungen zu haben: Eine funktionierende, gleichberechtigte Partnerschaft und ein sehr unterstützendes Umfeld, genügend finanzielle Mittel, eine gut funktionierende Selbstständigkeit, die mir ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität ermöglicht, gute, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Tagesmutter, KiTa, Großeltern) und nicht zuletzt ein hohes Maß an Gelassenheit.
Ich weiß, dass es viele Mütter und Familien nicht so leicht haben, wie ich/wir es habe/n. Meiner Meinung fehlt es vor allem an flexiblen Arbeitgebern und Arbeitszeitenmodellen, guter, sicherer und zuverlässiger Kinderbetreuung, einem generell offeneren Klima in der Gesellschaft (mehr Kinderfreundlichkeit, mehr Mütterfreundlichkeit, mehr Familienfreundlichkeit).

In Interview Nummer 8 beantwortet Maria vom Blog Me Myself and Child meine Fragen. Als Double Parent/Einelter/Alleinerziehende schreibt sie über die nötigen Bedingungen um Mutterschaft zu erleichtern:

also erstmal braucht es dafür ja nur mich, die sich entscheidet mit den vorhandenen bedinungen feministisch zu leben, um diese bedinungen jedoch zum besseren verändern zu können braucht es den austausch mit anderen menschen, die sich in ähnlichen situationen befinden um sich dann so gut es geht gemeinsam gehör zu verschaffen. gesellschaftlich (und damit auch politisch und wirtschaftlich) muss anerkannt werden, dass es nicht die eine wahre mutterschaft gibt sondern viele verschiedene elter(n)schaften und manche vielleicht nichtmal eine mutter beinhalten. wir müssen weg vom bild der klassischen heteronormativen kleinfamilie hin zu allen möglichen familienkonzepten, die mindestens ebenso unterstützendswert sind. vielleicht können wir anfangen mit dem verständnis dafür das nicht mütter* unflexibel sind sondern die gesellschaft.

Interview neun ist bisher der letzte Teil und da beantwortete mir Katja vom Blog lebenswichtige Erkenntnisse meine Fragen (zu dem Zeitpunkt noch schwanger mit ihrem ersten Kind und in Patchwork leben mit ihrem Freund und dessen Tochter):

Meine Hauptwünsche wären sicher erstens eine insgesamt gerechtere Verteilung des Einkommens auf Männer und Frauen, denn die Entscheidung, wer länger aussetzt, fällt ja oft genug mit dem Einkommen, und da stehen die Frauen oft schlechter da; zweitens eine gesellschaftliche Normalität, in der Väter so sehr Elternteil sind wie Mütter; und drittens – das ist aber zugegebenermaßen nicht zu Ende gedacht – ein Überdenken der Gesetzgebung zu Beruf, Mutterschaft und so weiter. Ich hatte den Eindruck, dass all der gut gemeinte Mutterschutz mit den entsprechenden Rechten oft dazu führt, dass Arbeitgeber regelrecht Angst vor Schwangeren oder Müttern im eigenen Betrieb haben, und sie dann lieber gar nicht erst einstellen, Verträge auslaufen lassen, etc. Das kann’s ja auch nicht sein. Ich habe jetzt so oft von qualifizierten, motivierten und guten Frauen gehört, die mit Bekanntgabe der Schwangerschaft fallen gelassen wurden, dass es eigentlich dazu einlädt, erst dann schwanger zu werden, wenn man gerade den Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und es beruflich gerade bestens läuft. Ich weiß nicht, wie man das lösen soll. Ich fände es schön, wenn sich mittelfristig eine Normalität etablieren würde, in der alle Leute familienverträgliche Arbeitszeiten haben, so dass Leute, die eine Familie haben, nicht als halbe Kräfte gelten, weil sie nicht immer und immer verfügbar sind.

 

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Von Putzfeen, Hauselfen und anderen Fabelwesen oder: Feministisch putzen 101

Feministisch putzen ist, wenn der Mann es macht!

Spaß beiseite. Schließlich ist nicht jede Frau – zum Teil aus guten Gründen – mit einem Mann zusammen. Und das bisschen Haushalt muss auch erledigt werden, wenn Frau alleine ist. Geht das, feministisch putzen?

Es ist etwa ein halbes Jahr her. Ich saß mit Kind2 in der Krabbelgruppe. Nach dem Begrüßungslied („Hallo Hugo hallo Hugo wo bist du? Wo bist Du? Wie geht’s Dir denn heute, wie geht’s Dir denn heute? Hoffentlich recht guuut, hoffentlich recht guuuuut!“ Nach der Melodie von Bruder Jakob. Dazu die passenden Handbewegungen mit Winkewinke und Daumen hoch) tauschen wir immer ein wenig Befindlichkeiten aus. Das Schlafen, das Essen, die Hoffnungen oder Ängste mit der Lohnarbeit. Eine Mitmutter setzt an und flüstert fast:

„Wir haben uns jetzt eine Putzfrau gegönnt. Einmal die Woche“

Und dabei geniert sie sich so offensichtlich als würde sie berichten, dass sie seit der Geburt inkontinent ist. Haushaltshilfen, das Tabu unserer Zeit?

Ich gebe zu: Ich war ein bisschen neidisch. Ich meine, sich einmal nicht um den Haushalt kümmern müssen? Ich bin auch nur ein Mensch! Ich hatte noch nie eine externe Putzkraft.

Es ist auch nicht so, als sei ich zu Hause alleine fürs Putzen zuständig. Ich streite mich auch nur selten mit dem Mann um den Haushalt. Wir machen etwa beide gleich wenig (wir streiten uns eher um die Sachen, die jede_r von uns ANDERS macht. Und um die Wäsche. Wer die machen darf und jetzt weiß ich, ist das Bild von mir als Freak komplett, aber Wäsche mach ich wirklich gerne!).

Deshalb geht es hier nicht um allgemeine Anklage, auch wenn ich mich wunder, wer in meiner feministischen Timeline alles auf die Fabelwesen Hauselfe und Putzperle zurück greift. Sondern eine kleine Analyse und Darstellung der Fragen und Möglichkeiten, die sich bei dem Thema für mich auftun. 

Manche brauchen Hilfe, können sich aber keine leisten

Und: es gibt natürlich total legitime Situationen und familiäre Rahmenbedingungen in denen Hilfe bitter nötig ist. Nur fände ich es schön, wenn auch da mitgedacht wird, dass das nicht für jede Mutter oder Familie umsetzbar oder wünschenswert ist:

  • Geldmangel. Egal wie „billig“ die Putzkraft ist. Auch wenig Geld muss man erst mal übrig haben. Da wird die Relation von „wieviel Geld bekomme ich für Lohnarbeit und wieviel bleibt übrig, um es für Aufgaben, die ich theoretisch selber machen kann, auszugeben“ schnell sichtbar.
  • Stigma. Bevor man jemanden zum Putzen rein lässt, muss man meistens aufräumen. Es gibt nicht wenige Leute, die damit ein echtes Problem haben.
  • Was sollen denn die anderen denken? Ist ähnlich wie das Stigma, aber es geht tatsächlich darum, wem man denn die Putzfeen und Hauselfen gönnt! Darf sich die Supermarktkassiererin jemanden zum Putzen leisten, woher hat die das Geld? Vielleicht ist das aber gerade die Zeit, die sie sich für eine Fortbildung „freikauft“? Und sollte nicht die Karrierefrau mit Kind wenigstens selber putzen, wenn sie schon die Kinderbetreuung deligiert?

Putzfeen, Putzperlen und Hauselfen: Fabelwesen und die nackte Wahrheit

Wer putzt dann eigentlich, wenn ich es nicht tue?* Oder der Mann es nicht tut (also in meinem Fall, wo einer da ist)? Wer sind diese Fabelwesen, die die Hausarbeit machen und, ganz unsichtbar, aus dem Saustall ein liebliches, bewohnbares zu Hause? Muss ich eigentlich sagen, dass ich die Begriffe nicht mag? ‚Fee‘ und ‚Perle‘ oder wie auch immer man die Frauen nennt, die den Dreck weg machen? Es hat was sehr verniedlichendes und macht die buchstäbliche Drecksarbeit dahinter unsichtbar.

Wer sind denn die putzenden Menschen? Ich weiß schon, klar. EURE Putzhilfe wird anständig bezahlt, ist angemeldet und überhaupt. Und putzt dann wie viele Stunden bei Euch? Ich meine: Meines Wissens darf man nur einen 450Euro-Job unversteuert machen. Also, wer bei Euch 4 Stunden á 10€ die Woche putzt verdient im Monat – 160€. Jetzt bin ich neidisch. Nicht.

Die wollen ja gar nicht angemeldet werden, die wollen so arbeiten“ – äh ja, siehe oben: Wer in einem Haushalt putzt, putzt meist auch noch in anderen, jedenfalls wenn ein nennenswertes Einkommen erwirtschaftet werden muss. Ein Job angemeldet, der Rest unter der Hand. Kein Verdienstausfall, kein Versicherungs- und Kündigungsschutz – nix.

Oder doch lieber die Putzkolonne? Drückerkolonne? Da kenne ich mich nicht aus, denn Zahlen dazu zu finden ist fast unmöglich.

Woher kommen Eure Putzfrauen? Nicht nur das delegierte Hausarbeit meist von Frauen erledigt wird, sie wird auch meistens von Frauen erledigt, die aus Gründen putzen: Weil ihre Ausbildung, wenn sie denn eine haben, in Deutschland nicht anerkannt wird. Oder ihnen sonst wie der Zugang zu qualifizierter Arbeit hier in Deutschland fehlt.

Machen wir weiter: Nicht nur, aber besonders wenn man mit Kindern Räume teilt entsteht unglaublich viel Haushalt. Der war vorher auch irgendwie da und im Nachhinein frage ich mich immer, warum meine kleine Alleinewohnung nicht immer tippitoppi war, denke ich doch: das hätte ich in FÜNF MINUTEN erledigen können!

Mit Kindern potenziert sich der Haushalt und es hilft nix: er muss halt gemacht werden. Ist also die naheliegende erste Frage: Wer macht es. Nee, eigentlich fängt die Frage vorher an:

Warum macht es keine_r gerne und freiwillig?

Sonst gäbe es ja den ganzen Streit und die Diskussionen darüber nicht, der Haushalt ist einer der größten Zündstoffe bei Heteropaaren (mit und ohne Kinder). So das sich manche Paare direkt für das getrennt Leben entscheiden:

Untersuchungen über Paare, die zusammen sind, aber nicht zusammen leben (=LAT: Living apart together) haben ergeben: Es sind oft Paare, bei denen es nicht die erste lange und feste Beziehung ist und bei der die Frauen das getrennt leben bevorzugen:

„Männer sind schliesslich dafür bekannt, nicht gerne alleine zu leben. Diesbezüglich kamen zwei deutsche Studien zum selben Schluss: Es sind tatsächlich die Frauen, die das getrennt leben bevorzugen. Sie sind in LAT-Beziehungen glücklicher als Frauen in klassischen Haushalten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: In der eigenen Wohnung liegen nur die die eigenen Socken rum, ist nur der eigene Abwasch nicht erledigt. In den meisten Partnerschaften bleibt der Haushalt an den Frauen hängen, ganz zu schweigen von der Kinderbetreuung- und erziehung. Ein gutes Einkommen garantiert einer Frau heute eine Selbständigkeit, die sie so schnell nicht mehr aufgeben möchte. Seltenere Streitereien sind nur ein weiterer Pluspunkt im Plädoyer für das LAT.“ (Quelle)

Putzen ist redundant, es wiederholt sich immer. Das Ergebnis weilt nur kurz, der Dreck kommt oft schneller wieder als man ihn beseitigen kann. Man hat hinterher nichts in der Hand, kein fertiges Gericht, das man gemeinsam mit der Familie essen kann, keinen Text, den andere lesen können – nichts. Hat man grade den Anblick einer sauberen Küche genossen stürmen die Kinder rein und ruinieren das Gesamtbild wieder. Der Mann hier sagt immer ganz pragmatisch: „Aber ich dusche doch auch jeden Morgen, obwohl ich danach nur dreckiger werde“. Ja, aber das Duschen hat noch irgendwie den selbstfürsorgerischen Effekt, es tut mir gut. Außerdem: Ich verlasse die Tür und bin für alle sichtbar, da ist Sauber-Sein ein Muss. Unsere Wohnung wird nicht ganz so oft betreten. Warum also putzen, wenn es außer mir keiner sieht? Das Schlimme an meiner aktuellen Arbeitslosigkeit ist auch: Ich verbringe sehr viel Zeit hier und sehe also wie es aussieht. Selbst wenn ich das vormittags, so lange Kind2 betreut wird (Kind 1 hat längere Betreuungszeiten) ausblende – ein kleiner Teil meines Gehirns nimmt den Dreck zur Kenntnis. Da ich aber mit Stellensuche, Bewerbungen schreiben und Auftragsakquise beschäftigt bin, versuche ich das auszublenden.

Wenn mal Besuch kommt, sagt dieser Besuch nicht anerkennend: Oh, hier sieht es aber sauber aus. Der Mann auch nicht (also wenn er arbeiten ist und ich zu Hause versuche, den Laden zu schmeißen. Wer lohnarbeitet, bekommt Feedback und idealerweise auch mal positives, wer hausarbeitet eher nicht). – Auch weil es selten stimmt. Es bleibt also Fakt: Putzen ist Sysiphosarbeit und findet keine Anerkennung.

Und grade hier in Deutschland hat Haushalt einfach den Muff der 50er Jahre. Auf pinterest habe ich eine Pinnwand mit Zusammenstellungen von Tipps für den Haushalt. Zugegeben, die ist noch recht überschaubar. Aber der Fundus ist riesig und er ist vor allen Dingen aus den USA stammend, da wo Martha Stewart, bis sie ins Gefängnis musste, mit ihren „Hausfrauensendungen“ fett Kohle machte. So was sucht man in Deutschland vergeblich.

Warum Putzen nicht gelernt wird

Habt ihr putzen gelernt? Also welches Putzmittel für was und mit welchem Lappen oder Schwamm? Ich nicht. Oder ehrlicher: Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern mir da was beigebracht haben, muss aber auch fairerweise sagen, dass ich vielleicht nicht empfänglich dafür war.

Hauswirtschaftsunterricht hatte ich keinen. Und ich mein, mal ehrlich: Putzen lernen?

Warum eigentlich nicht? In den Vereinigten Staaten gibt es einige Blogger_innen, die damit Geld verdienen. Ich selber versuche immer noch herauszufinden, ob man für jede Art von Schmutz (Kalk, Fett, Staub, Glas) und jedes Zimmer (Badreiniger, Küchenreiniger) ein eigenes Putzmittel braucht, oder ob es nicht auch ein Oldschool-Ansatz mit Essig, Zitronen und Natron tut.

Dass Putzen aber ein Job sein könnte, den man erlernen muss, glaubt wohl keine_r. Darum kann es auch jede_r (so der Gedanke).

Alternativen und Lösungsansätze:

Wie kommt man aus dieser misslichen Situation heraus und findet eine Lösung, die nicht auf dem Rücken anderer ausgetragen wird?

SCHWARZER**: Und die Hausarbeit? Was ist damit? Sollten Frauen sich weigern, mehr als die Männer im Haushalt und bei der Kindererziehung zu tun?

DE BEAUVOIR: Ja. Aber das genügt nicht. Für die Zukunft müssen wir andere Formen finden. Hausarbeit darf nicht mehr nur von Frauen, sondern muß von allen gemacht werden. Und — ganz wichtig! — sie muß aus der Isolierung heraus! Damit meine ich keine Vergesellschaftung der Arbeit des Stils, wie man ihn in der UdSSR zu einer gewissen Zeit praktiziert hat: nämlich Spezialtruppen, die dann die Arbeit machten. Das scheint mir sehr gefährlich zu sein, denn das Resultat ist eine noch schärfere Arbeitsteilung. Es gibt dann Leute, die ihr Leben lang kehren oder bügeln. Das ist keine Lösung. Sehr gut finde ich allerdings, was in einigen Gegenden von China zu existieren scheint, wo alle Leute — Männer, Frauen, sogar Kinder — sich an einem bestimmten Tag zusammentun und aus der Hausarbeit eine öffentliche Sache machen, die lustig sein kann. So waschen zum Beispiel alle zusammen zu einer bestimmten Stunde oder putzen. Es gibt ja keine Tätigkeit, die an sich erniedrigend ist. Alle Tätigkeiten sind gleichwertig. Es ist die Gesamtheit der Arbeitsbedingungen, die erniedrigend ist, Fenster putzen, warum nicht? Das ist genausoviel wert wie Schreibmaschine schreiben. Erniedrigend sind die Bedingungen, unter denen man das Fensterputzen verrichtet: in der Einsamkeit, der Langeweile, der Unproduktivität, der Nicht-Integration ins Kollektiv. Das ist es, was schlecht ist! Und auch diese Arbeitsteilung drinnen! draußen. Alles müßte sozusagen draußen sein! (Quelle)

Also: Warum nicht mal einen Putzmob statt eines Flashmobs? Oder die Putz- statt Tupperparty. Ja geht nicht, weil dann würden die Freund_innen ja sehen, wie dreckig es bei einer ist. Scham, das Stigma des Alltäglichen, des Dreckigen – will und darf doch keine_r sehen außer uns. Wir haben eher ein Verständnis dafür, dass auch Models ka*cken gehen, als dafür, dass auch Models putzen müssen.

Tauschringe: In manchen Städten und Regionen gibt es Tauschringe. Tauschen kann man dort Zeit. Dort ist eine Stunde putzen genau so viel wert, wie eine Stunde massieren oder Webdesign. Wer also irgendeine (Dienst-)leistung anbieten kann – von Hundesitting oder Einkaufsdiensten, Ablage, Steuererklärung – whatever, kann diese gegen Putzen als Dienstleistung eintauschen.

Architektur: Für den/die Einzelne schwierig. Aber in der zweiten Frauenbewegung gab es bereits Ansätze zum Thema „selbstreinigendes Haus“. Auch ein Grund, mehr Frauen in der Architektur zu fördern. Könnte praktischere Ergebnisse zeigen als das, was ich derzeit an Trends beobachte. Ich meine, schon schick wenn sich ein Haus selbst steuert, die Heizung zu einem bestimmten Zeitpunkt einschaltet oder der Kühlschrank sagt, dass die Milch alle ist. Aber wie viel geiler wäre es, wenn das Haus sich selber reinigte? Und ja, Staubwischroboter sind da ein Anfang. Aaaaanfang.

Minimalismus: In der Hinsicht werde ich hier boykottiert. Aber eigentlich ist es logisch: Je weniger irgendwo rumsteht, desto weniger muss man aufräumen und putzen. Downsizing nennen das auch Einige. An dem Ansatz habe ich zwar auch einige Kritikpunkte (im Kritisieren bin ich gut), aber es ist – theoretisch – für einige umsetzbar.

Quality-Time: In einer Nicht-repräsentativen Umfrage auf meiner facebook-Seite wurde als einer der häufigsten Gründe für eine Putzfrau genannt: Damit ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Und ich denk mir: Verbringt doch Zeit miteinander! Beim Putzen! Jaaaa, das macht vielleicht nicht ganzzzz so viel Spaß, aber wie ich hier schrieb, ist es in manchen Lebensphasen der Kinder gar nicht sooo schwierig. Es dauert nur zigfach so lange. ABER: Ich möchte auch meinen Kindern vorleben, dass das eben dazu gehört. Aufräumen, Putzen. Dass das nicht mal eben so ausgelagert wird. Sondern eine ganz selbstverständliche Aufgabe ist wie Zähneputzen. Na gut, ich seh die mangelnde Überzeugungskraft ein, aber UTOPIE!

Putzplan: Waren in Eurer WG schon doof? Machen aber vielleicht noch mal sichtbar, was alles zum Haushalt gehört. Man braucht ihn ja auch nicht, so lange alle Beteiligten das Gefühl haben, die Arbeit ist fair verteilt. Aber bei Lohnarbeit gibt es auch meistens Stellenbeschreibungen und klar definierte Aufgabenfelder. Ausgesprochen oder unausgesprochen gehört zum Haushalt mehr als Saugen und Wischen. Und dem_derjenigen, die es macht, fällt es meist viel mehr ins Auge, als die_dem es ein Rätsel ist, wann der Duschvorhang das letzte Mal gewaschen wurde, die Waschmaschine mal vorgerückt wurde um dahinter zu reinigen, die Spülmaschine mit Salz und Klarspüler befüllt wurde, dem Staubsauger ein neuer Beutel geschenkt wurde, die Kaffeemaschine entkalkt wurde…

Zum Abschluss: Was mich aber richtig ankotzt in der Rhetorik auch feministischer Gegner_innen von Putzfrauen: die Argumentation, dass (deutsche) Frauen ihre Emanzipation auf dem Rücken anderer Frauen ausleben. WHAT? Es sind meistens die Männer, die ihren Anteil in der Hausarbeit nicht leisten. Die tragen also ihren Privilegienerhalt auf dem Rücken anderer Frauen aus. Damit sie ihn nicht mit der eigenen Frau austragen müssen.

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* Ich rede nur vom Putzen im Privathaushalt, nicht in Unternehmen

** Isch bin keine Freundin von Schwarzer, nicht erst seit meinem semioffenen Brief. Aber sie führte viele Interviews mit Beauvoir und so war die Verbindung nahezu unvermeidlich.

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Weitere Links:

Deutsche schätzen ihre Putzfrau aber zahlen mies

Podcast: Heiter Scheitern – Das Putzen ist politisch

Wem gehört mei Dreck? makellosmag

Die Perfidität des Nicht-Aufräumens bei Aufzehenspitzen

Feminismus

Der Tag, an dem die rosa Brotdose meines Sohnes zu Hause bleiben musste

Die rosa Brotdose

Die rosa Brotdose

Montag morgen, der übliche Trubel. Ich schmiere Butterbrote. Minime besteht auf Erdnussbutter. Aber erstens finde ich, das Erdnussbutter eine Süßigkeit ist und fürs Wochenende und zweitens ist in seiner Nachbargruppe ein Kind mit Nussallergien. Sicher ist sicher, aber das erste Drama hat schon begonnen. Mit vier Jahren ist er momentan nicht sehr empfänglich für  „Argumente“.

Ich lege also das Brot und seine halbe Banane wie jeden Morgen in die heißgeliebte, rosa Brotdose. „Ich will die rosa Brotdose nicht mehr mitnehmen!“

Das kommt unerwartet. Erst neulich hatte er gesagt, die anderen Kinder würden ihn auslachen oder sagen, er sei ein Mädchen. Ich bin dann zu seiner Erzieherin gegangen und habe sie drauf angesprochen. Sie selbst war verwundert und versprach, das Thema in der Morgenrunde noch mal anzusprechen.

Nun war ich bei dieser Morgenrunde nicht dabei. Minime kam nachmittags fröhlich auf mich zu gerannt und sagte: „Mama, Jungs dürfen auch rosa Brotdosen haben!“ (Dass sein Papa und ich das vorher auch gepredigt haben und ich ein kleines bisschen meine Autorität schwinden sah, weil die Worte der Erzieherin wohl mehr Einfluss haben als meine, lasse ich mal außen vor).

Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt. Aber dem war wohl nicht so. Wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie die Erzieherin an die Sache gegangen ist. Vielleicht hat sie so was gesagt wie: „Wisst ihr Kinder, es gibt keine Jungs- oder Mädchenfarben. Jeder darf jede Farbe haben“. Das hat dann vermutlich den gleichen pädagogischen Effekt, wie wenn ich meinen Kindern das Zähneputzen predige: Nachhaltigkeit gleich null. Die Botschaft kam offensichtlich nicht bei allen Kindern an.

Und da stand ich nun am Montag morgen vor einem verzweifelten und enttäuschten Jungen, der Angst hat seine heißgeliebte rosa Brotdose mit in den Kindergarten zu nehmen. Alles Zureden half nicht: „Schatz, Du weißt doch, dass rosa ne super Farbe ist, für alle Kinder! Und wenn Dich jemand ärgert, dann ist das schlechtes Benehmen und Du kannst der Erzieherin Bescheid sagen.“

Hat das mal bei eine_m von Euch funktioniert? Dass das Kind damit umgestimmt wird? Ich packte also sein Butterbrot in eine andere Dose und brachte ihn zum Kindergarten.

Ähnliche Szenen gab es mit seinen rosa Glitzerschuhen, die ihr vielleicht noch aus diesem Beitrag kennt. Im Sommer habe ich ihm ein rosa Kleidchen gekauft, ganz schlicht. Seine Augen leuchteten erst. Dann schlug er wild um sich, als ich ihm helfen wollte, es anzuziehen. Vermutlich begreift man auch schon mit vier, dass es verschiedene Abstufungen von „rosa ist nicht ok für Jungs“ gibt. Ich frage mich, wie lange seine rosa Zahnbürste noch bleiben darf.

rosa Zahnbürste

Die rosane ist von Minime

Ich geb es ja zu: Nach meinem Studium der Gender Studies war mir klar, das es nicht einfach werden würde, meine Kinder, in einer Welt, in der alle Menschen in Männer und Frauen unterteilt werden und unterschiedliche Rollen zugewiesen bekommen, geschlechtsneutral* zu erziehen.

Man hat mal eine kleine Umfrage gemacht und Eltern von Neugeborenen gefragt, für wie groß und schwer sie ihr Baby schätzen. Die Eltern von Mädchen schätzten ihre Babys kleiner und leichter ein, als sie 1. tatsächlich waren und 2. als gleich große und schwere Jungs, die man ihnen zeigte. Bei den Eltern von neugeborenen Jungen war es umgekehrt: Sie hielten ihre Babys für größer und schwerer als vergleichbar große Mädchen und auch, als sie tatsächlich waren.

Und jetzt sagt mir noch mal, dass die Gesellschaft keine Rolle spielt? Dass alles angeboren sei, was Mädchen zu Mädchen und Jungen zu Jungen macht. Immer wenn Eltern sagen: Also wiihir erlauben unseren Söhnen auch mit Puppen zu spielen oder unseren Mädchen mit Autos“ muss ich an Szenen denken wie

  • die Mama in der Krabbelgruppe, die vor Entzückung quietscht, weil ihre 18 Monate alte Tochter ihre Schuhe holt und gleich noch ein paar andere die dort rumstehen mit. „Sie steht auch schon auf Schuhe, ganz die Mutter“
  • der Vater auf dem Bolzplatz, der mit seinem zwei Jahre alten Sohn Tore schießt, während die ca. vierjährige Tochter am Rande steht und sehnsüchtig zu den Beiden rüber schaut, aber nicht dazu gerufen wird.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht von anderen Eltern im Kindergarten, auf dem Spielplatz, im Turnverein oder bei der Krabbelgruppe Sätze höre wie „typisch Mädchen/Junge“.

Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich Überzeugungsarbeit leisten musste, damit Minime eine Puppe und einen Puppenwagen bekommt. Oder mal was aus der Elfen- und Feen-Serie von Playmobil, nicht nur Ritter und Piraten. Oder als beim Kindergeburtstag die Seifenblasen mit Cars-Motiv automatisch in seinem GoodieBag landen, obwohl er viel lieber die Eiskönigin gehabt hätte.

Und auch der Kindergarten bietet auf dem Weg zu einer geschlechtsneutralen (oder sagen wir besser: -sensiblen) Erziehung Stolpersteine. Minime erzählt, dass sie in der Mittagsruhe (in der die kleinen Kinder noch Mittagsschlaf machen, die größeren eine „Pause“) oft von den Kindern mitgebrachte CDs hören oder Bücher lesen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Medien nicht danach geprüft werden, ob sie Genderklischees (von Rassismus und Co. ganz zu schweigen) reproduzieren. Zu Hause halte ich es oft wie Suse und lese Bücher mit vertauschten Rollen vor. Dann erst fällt auf, wie eklig 50er Jahre-mäßig nicht nur die Hauptcharaktere in ihren Geschlechterrepräsentationen sind. Und das bei recht aktuellen Büchern. Ich habe das mal bei den Olchis ausprobiert.

Im Kindergarten braucht es mehr als eine Morgenrunde, in der eine Erzieherin die Kinder ermahnt, niemanden für seine rosa-Vorliebe auszulachen. Deswegen muss nicht gleich die Puppenecke abgeschafft werden. Aber es gibt – siehe unten – tolle Tipps und Anregungen um eine offene Atmosphäre zu schaffen, in der alle Kinder ihre Interessen und Vorlieben ausleben können.

Ob ich da ein bisschen überempfindlich reagiere? Wenn mein Sohn einfach fröhlich oder genervt seine rosa Brotdose liegen lassen würde – damit käme ich zurecht. Aber am Montag morgen, da war er nicht fröhlich oder genervt, sondern zutiefst traurig und enttäuscht. Und das kann ich weder als Mutter, noch als Pädagogin gutheißen.

Es ist mir ein Rätsel, dass ich mit meinen Studienabschlüssen in Sozialpädagogik und Gender Studies nicht schon eher drauf gekommen bin. Zumal ich bereits für den Bereich Berufsorientierung von Jugendlichen solche Workshops für pädagogisches Personal konzipiert und durchgeführt habe und ja schon eine Weile als Freiberuflerin unterwegs bin. Vielleicht war es zu naheliegend und mein Sohn musste mich erst darauf bringen, aber:

Wer mich für Vorträge und Workshops zur gendersensiblen Pädagogik in Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Schule oder zur geschlechtersensiblen (andernorts wird geschlechterneutral verwendet) Erziehung einladen will: Ich freue mich auf Eure Nachricht an

gluecklichscheitern @ gmail.com

– und hier noch ein bisschen zu meinem fachlichen Hintergrund


Wer sich ebenfalls für geschlechtersensible Pädagogik interessiert, findet hier einige Literaturhinweise, Links und Materialien:

Bücher:

Almut Schnerring und Sascha Verlan (2014): Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees

Melitta Walter (2005): Jungen sind anders, Mädchen auch. Den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung


* geschlechtsneutral heißt für mich nicht, dass ich mein Kind als „Neutrum“ erziehen will, sondern das ich ihm alle Optionen offen halte.

 

Feminismus

Warum ich meine Kinder erst aus dem Lebenslauf strich, und dann wieder rein schrieb

Jobsuche mit Kind

Das mit den Bewerbungen ist bei mir gefühlt Dauerzustand. Ende 2013, als mein letzter Vertrag auslief war ich grade schwanger. Ich hatte wenig Hoffnung und Motivation in dem Zustand eine Stelle zu finden. Zaghafte Versuche gab es dann wieder kurz nach Cashews Geburt. Aus der – relativ? – luxuriösen Situation namens Elternzeit.

Mein Lebenslauf ist lang und bunt. Nach meinem Studium der Sozialpädagogik, Soziologie und Gender Studies war ich eine Weile an der Uni, als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Das war der Plan: an der Uni „Karriere“ machen. Doktorarbeit, Post-Doc-Phase, Frau Professor. Ja, ihr dürft lachen.

Ich habe mich entschieden diesen Weg nicht mehr zu gehen. Bilde mich jetzt in BWL und Management fort. Bin derweil freiberuflich unterwegs, weil ich finde: Ich weiß was, das kann ich anderen erzählen.

Kinder in den Lebenslauf oder nicht?

Nun hätte ich gern wieder eine Anstellung. Früher hätte ich die Kinder definitiv nicht erwähnt. Ja, ich habe sogar allen, die in der gleichen Situation sind, davon abgeraten, ihre Kinder zu erwähnen (jedenfalls wenn sie eine Frau sind). Als Argumente „dafür“ hörte ich dann oft:

Aber wenn mein_e Arbeitgeber_in das erst erfährt, wenn ich die Zusage habe, denkt man, ich lüge. Und wenn ich dabei lüge, lüge ich ja vielleicht auch bei anderen Sachen in meinem Lebenslauf.

Man lügt nicht, wenn man die Kinder nicht erwähnt. Man muss Familienstand und Co. nicht (mehr) im Lebenslauf erwähnen. Rechtlich ist man auf der sicheren Seite und schließlich sollten – aus fachlicher Sicht – die Familienverhältnisse auch keine Rückschlüsse auf meine Qualifikation zulassen. Ich argumentierte also, überzeugte aber selten.

Ich ließ die Kinder weg. Und erwähnte sie manchmal erst im persönlichen Gespräch. Und egal, wie sehr ich wusste, dass es ok ist, fühlte es sich blöd an. Nicht weil ich ein schlechtes Gewissen meinem möglichen zukünftigen Arbeitgeber gegenüber hatte.

Warum meine Kinder jetzt wieder im Lebenslauf stehen

Sondern weil ich, nach allem, was ich über die Arbeitswelt weiß, was ich darüber weiß, wie motiviert, qualifiziert und engagiert berufstätige Mütter sind, den Gedanken nicht mehr ertragen kann, bei einer Arbeitgeberin angestellt zu sein, für die mein Muttersein ein Problem ist. Ja, es ist vielleicht naiv. Weil die Personaler_in nicht immer das Gleiche denkt, wie die_er Vorgesetzte. Weil ich mir so vielleicht Chancen verbaue.

Kinder im Lebenslauf als Bullshitdetector

Vor einigen Wochen hatte ich ein Telefonat mit einer Personalvermittlerin. Es war sehr nett, sehr offen und ich sprach sie deshalb drauf an, fragte was ihre Kunden von Müttern hielten. Sie sagte, dass die das erstmal nicht interessiert, da es oft um Zeitarbeit bzw. Arbeitnehmerübernahme geht. Das heißt: Über die Personalvermittlung können die Arbeitgeber_innen die Angestellten erst mal unverbindlich testen. Wenn man da nicht besteht, geben die Unternehmen die Kandidatin einfach wieder zurück an die Personalvermittlung (jetzt mal etwas lapidar verfasst). Ich dankte ihr für das Gespräch und grübelte nach.

Was, wenn meine Kinder der Bullshitdetector für meinen zukünftigen Arbeitsplatz sind? Will ich in einem Unternehmen arbeiten, dass Bewerberinnen aussortiert, weil sie Kinder haben – Mütter sind? Bei EditionF schreibt Alu vom Blog großeköpfe über ihre dreisteste Erfahrung in, bzw. nach einem Vorstellungsgespräch. Solche Geschichten sind so oder so ähnlich Legion. Ich möchte sie in Zukunft sammeln, ebenso Geschichten von verhinderter Rückkehr nach Elternzeit. Diesem Drama, das in der Politik kleingeredet wird Sichtbarkeit verschaffen. Wenn ihr mir Eure Geschichte schreiben wollt, schickt mir Post an gluecklichscheitern@gmail.com.

Bis dahin stehe ich zu meinen Kindern, im Leben sowieso, im Lebenslauf ab jetzt auch.

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P.S.: Manche können es ich auch gar nicht leisten, ihre Kinder zu „verschweigen“. Entweder, weil die Lücken im Lebenslauf zu groß sind oder weil die Rahmenbedingungen eine_n verständnisvolle_n Arbeitgeber_in nötig machen.

Feminismus

KonsensKarneval – Mein Kostüm ist keine Einladung!

Mitten in den Sommerferien denkt vielleicht grade Keine_r an Karneval bzw. Fasching. Aber Kampagnen brauchen etwas Vorlaufzeit und ich nutze grade die Zeit, in der ich zwei freie Hände habe um an einer zu arbeiten: KonsensKarneval – eine Präventionskampagne gegen sexuelle Übergriffe während der Karnevals-/Faschingsaktivitäten, die sich nicht an die möglichen „Opfer“, sondern an die Täter richtet.

Bisher heißt es auch während der Karnevalszeit an die Frauen gerichtet: „Zieh Dich nicht zu sexy an!“ (Und wenn doch wunder Dich nicht, wenn Du blöd angemacht, begrapscht oder eben Schlimmeres wirst), „Geh nicht alleine!“, „Trink nicht zu viel“ und so weiter.

Es wird Zeit, den Fokus auf die zu richten, die Übergriffe begehen und auch: ermöglichen.

The only thing that causes rape: rapists

The only thing that causes rape: rapists

(Übersetzung: „Sachen, die Vergewaltigungen verursachen: – flirten, – was ich anhabe, – zu viel Alkohol, + Vergewaltiger)

Die Kampagne könnte noch Unterstützung brauchen: Ideen für Slogans, Erfahrungsberichte (oder tweets unter #konsenskarneval), Fotos mit Euch im Kostüm und Schildchen „Mein Kostüm ist keine Einladung“ – was immer Euch einfällt.

Natürlich gibt’s auch eine facebook-Seite und einen twitter-Account (@konsenskarneval) sowie eine E-Mail Adresse für Anfragen/Einsendungen: konsens.karnevalATgmailPUNKTcom

Auch sonst freu ich mich über Euer Feedback!