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Interviews Feminismus und Mutterschaft

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 10: Mehr Solidarität und Unterstützung!

Ein Text von Kulturereignis , ein Blog über das Große im Kleinen

Neulich fiel mir das Buch „Feindbild Mutterglück: Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“ von Antje Schmelcher in die Hände. Beim Querlesen war ich, trotz der ein oder anderen überlegenswerten Aussage darin, teilweise doch sehr befremdet – insbesondere, was ihren Zugang zur Genderthematik betrifft. Das Buch hat mich aber immerhin dazu gebracht, meine eigene Haltung zum Thema noch mal neu zu reflektieren. Und so kam der Aufruf zu diesem Beitrag genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Das Kind

Mein Mann und ich, wir haben einen dreijährigen Sohn. Er ist, wie man so schön sagt, ein absolutes Wunschkind, entsprechend haben wir uns damals bewusst dafür entschieden, Nachwuchs zu bekommen. Wie wahrscheinlich bei den meisten, war diese Entscheidung durchaus auch von Zweifeln geprägt:

Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt? Sollen wir noch warten? Warten wir zu lange?

Klar, man weiß ja, den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht und so… aber diese Frage kommt automatisch, wenn man zumindest über die Verhütung einer Schwangerschaft selbstbestimmt entscheiden kann. Und es braucht vielleicht auch ein bisschen Anlauf, um von vielen Jahren „jetzt bloß nicht schwanger werden“ auf „jetzt aber schnell schwanger werden“ umzuschalten.

Zu klären war auch: Ein Kind – wollen wir das beide gleich stark? So etwas kann ja beziehungsgefährdend werden – ein ungleich stark ausgeprägter Kinderwunsch. Irgendwann war es mir, glaube ich, ein wenig wichtiger als meinem Mann. Der Klassiker: Ich war zwar Anfang dreißig, hörte aber doch langsam die berühmte biologische Uhr ticken. Wer weiß, wie lange das dauert, bis ich schwanger werde? Ob mein Körper das überhaupt kann? Wir haben dann bewusst darauf gewartet, dass mein Arbeitgeber mich entfristet – was länger dauerte, als gedacht, im Nachhinein aber die richtige Entscheidung war. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich sonst noch meinen Job hätte.

Eine wichtige Frage war auch: Habe ich, haben wir genug Kraft für die Elternschaft? Ich habe eine chronische Erkrankung, die mich schon lange begleitet und das vermutlich auch noch länger tun wird. Für mich war nicht absehbar, was das in einer Schwangerschaft und dann nach der Geburt, mit kleinem, bedürftigen Kind bedeuten würde. Ich hatte Angst davor, wünschte mir aber ein Kind, deshalb war ich mutig genug. Vielleicht war diese Ausgangssituation aber auch der Grund dafür, dass ich schon in unseren Gesprächen vor der Schwangerschaft mit meinem Mann zusammen abglich, was ich und was wir brauchen, damit es mit uns und Kind als Familie funktionieren würde: Er kannte mich ja schon eine Weile und wusste, ich würde manchmal vielleicht mehr Unterstützung brauchen als die ein oder andere – wobei mein Anliegen nach wie vor ist, das so wenig wie möglich einzufordern. Ob das nun gesund ist, sei mal dahingestellt. Uns war auch klar, dass sich der bisherige Reiseanteil im Job meines Mannes in jedem Fall nicht erhöhen sollte.

Ich glaube, wir haben damals ziemlich viel im Vorfeld besprochen: Wie wir es mit der Hausarbeit halten würden, wer wann und wie lange Elternzeit nehmen sollte… das war gut, denn so blieb uns später, als unser Sohn dann tatsächlich bei uns war, die ein oder andere Überraschung erspart. Genügend andere zu bearbeitende Themen poppen dann ja ohnehin noch auf.

Der Mann

Gerade war ich versucht zu schreiben, ich habe „Glück“ mit meinem Mann und seiner Rolle in unserer Familie. Beim Tippen spürte ich aber, wie mir ein Petticoat aus der Hüfte wuchs, deswegen habe ich das schnell wieder gelöscht. Ja, natürlich habe ich Glück, denn er ist klug und nett und lustig und fürsorglich und verlässlich und hat mich außerdem auch noch gern, glaube ich. Dass er sich aber auch um unseren Sohn kümmert, putzt und regelmäßig die Wäsche zusammenlegt, würde ich eher als wünschenswerten Normalzustand bezeichnen. Ich honoriere das durchaus, wie er es auch bei mir tut, aber das Ganze rutscht doch schnell in eine merkwürdige Schiene, wenn man es vor dem Hintergrund der Männer- und Vaterrolle thematisiert.

Derzeit wird für mich allerdings noch einmal wirklich deutlich, dass mein Mann sich sehr bereitwillig für uns als Familie einsetzt: Vor einigen Monaten musste unsere Tagesmutter aus gesundheitlichen Gründen die Betreuung für unseren Sohn aufgeben. Das war ein ziemlicher Einschnitt für uns alle, weil wir so schnell niemand Neues auftreiben konnten und auch kein Kitaplatz in Sicht war. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch einige Probleme mehr, und schon da war sofort spürbar: Ich muss das nicht alleine stemmen. Zwar bin ich klassisch diejenige, die Teilzeit arbeitet, aber mein Mann versuchte gleichermaßen, Betreuungslücken und die Situation aufzufangen. Auch unsere Familien helfen aus, sie wohnen aber beide nicht wirklich in der Nähe, und hätten mein Mann und ich hier nicht als Team funktioniert, wäre es wirklich schwierig geworden. Bis wir im Sommer einen Kitaplatz haben, ist unser Sohn nun bei uns zu Hause und einen Tag in der Woche bei den Großeltern. Dafür habe ich meine Stundenzahl im Job reduziert, mein Mann nimmt dafür jede Woche mehrere hundert Kilometer Fahrzeit auf sich und hat seine Arbeitszeiten angepasst. Bei mir laufen zudem gerade parallel zum Job mehrere private Weiterbildungen, zum Teil sehr umfangreich. Mein Mann war sofort bereit, das zu unterstützen, was wiederum Einschränkungen in seiner Arbeitszeit, aber auch eine intensivere Betreuung unseres Sohnes zu den Fortbildungszeiten mit sich bringt. Ich weiß das sehr zu schätzen, das, und dass eine Weiterbildung ohne seine finanzielle Unterstützung gar nicht möglich wäre.

Die Sache mit dem Geld empfinde ich bei uns generell als sehr egalitär. Zwar haben wir auch ein gemeinsames Konto, wir tracken aber dauerhaft penibel alle unsere Kosten und Ausgaben, die dann nach dem aktuellen Einkommensschlüssel wieder aufgeteilt werden. Am Ende des Monats gibt es entsprechende Ausgleichzahlungen. Mittlerweile spielen in dieses Konglomerat noch Ratenzahlungen für Hauskredite, Altersvorsorge und mehr hinein – ohne die Liebe meines Mannes zu Exceltabellen wären wir wohl aufgeschmissen (da sind wir ganz klassisch verteilt: Ich hasse das Management von Geldangelegenheiten. Mein Mann hat immerhin zu Urzeiten mal eine Banklehre absolviert. Also sein Revier). Für uns funktioniert es aber gut, denn so können erst gar keine Diskussionen aufkommen, wer denn vielleicht zu oft das Klopapier bezahlen musste. Zudem haben wir mit der Geburt des Sohnes beschlossen, dass ich diejenige sein werde, die erst in Eltern- und dann in Teilzeit gehen würde. Auch ein Klassiker: Ich verdiene in meinem Job einfach weniger (Augen auf bei der Berufswahl). Mit unserem Modell besteht die Chance, dass es finanziell trotzdem fair für mich läuft.

Der Job

Wie schon angedeutet: Ich bin nach einem Jahr Elternzeit von einer Vollzeit- auf eine Halbzeitstelle gewechselt. Das war zum Glück problemlos möglich, sogar ohne Einbuße interessanter Arbeitsfelder. Tatsächlich ist es für mich persönlich derzeit nur schwer vorstellbar, Vollzeit zu arbeiten – Vollzeitmutterdasein hat mich zwar in der Elternzeit so auch nicht glücklich gemacht – aber Vollzeit im Erwerbsjob, das wäre im Moment einfach zu viel Zeit, die mir von meinem Kind abgezogen würde. Mein Mann hingegen arbeitet Vollzeit, was in finanzieller Hinsicht derzeit auch notwendig ist. So ok diese Regelung auch für mich ist – meine Träume sehen irgendwie anders aus. Und zwar ungefähr so:

Ich hätte gerne ausreichend Zeit für unser Kind, ohne es wegen Termindruck durch die Gegend hetzen zu müssen. Ich möchte viel Zeit mit ihm verbringen, möchte aber auch Zeit haben, um anderen Aufgaben und Interessen nachgehen zu können. Es wäre toll, wenn auch mein Mann nicht Vollzeit arbeiten müsste, sondern dafür ebenso noch mehr Zeit mit unserem Sohn hätte, wir uns also einerseits die Sorgearbeit stärker teilen könnten als bisher, andererseits aber auch mehr Zeit für uns gemeinsam als Familie bliebe. Und ja, ich würde mir wünschen, meine Familie wäre in der Nähe. Die Eltern meines Mannes wohnen rund 100 Kilometer entfernt, das ist eine noch machbare Strecke, bis zu meinen Eltern sind es 400 Kilometer. Mir wurde vor der Geburt prophezeit, dass ich mir oft wünschen würde, meine Eltern wohnten um die Ecke, und verdammt: Das stimmt. Es braucht einfach Menschen, die einen mit Kind unterstützen, die einem mal Zeit und Raum verschaffen, und es braucht mehr Bezugspersonen als allein die Mutter, und das dürfen dann gerne auch mehr als der Vater sein.

Ich habe im letzten Absatz unverhältnismäßig oft das Wort „Zeit“ benutzt. Aber so ist es halt: Zeit ist ein rares Gut und gleichzeitig so furchtbar wichtig, wenn man Kinder hat. Für einen selbst, aber auch für die Kinder. Slow Parenting und so…

Die Mutterschaft

Was bedeutet Mutterschaft für mich? Der Begriff „Mutter“ ist so unglaublich beladen, besetzt, mit Erwartungen angefüllt, finde ich. Man muss ja nur an Freud denken. Aber auch sonst: Wenn es um Mütter geht, schwingen oft gleichermaßen hehre Ideale und böse Beschimpfungen mit. Man bekommt ein Kind und steckt plötzlich mittendrin. Für mich ist dabei es keine Frage, ob ich gerne Mutter bin: Das bin ich, und ich bin fest davon überzeugt, dass Mutterschaft in keinem Konflikt zu einer feministischen Haltung stehen muss. Aber es ist fast schon ein Kampf, mich selbst aus meiner eigenen Perspektive heraus als Mutter zu definieren, bevor es nicht schon andere für mich getan haben.

Unter anderem spielen hier ja auch unterschiedliche Sichtweisen mehrerer Genrationen (und natürlich auch Kulturen) eine Rolle. Mir kommt dabei eine Situation bei meiner Schwiegerfamilie in den Sinn: Wir waren dort zu Besuch, es war der Abend des 24. Dezember. Und, das ist in der Familie meines Mannes gerne mal so: Der Beginn des Abendessens zog sich immer weiter nach hinten. Irgendwann war das Kind so müde, dass es ins Bett musste. Was bei unserem Sohn gerne mal heißt: Man liegt zusammen ein bis zwei Stunden im abgedunkelten Raum bevor er einschläft. Ich schlief in diesem Fall hungrig mit ein, was bedeutete: kein Abendessen für mich an diesem Heiligabend. Meine Schwiegermutter kommentierte das am nächsten Morgen mit dem Satz: „So ist das halt als junge Mutter!“

Mutter – ein entbehrungsreicher, aber bloß nicht zu beklagender Job! Wirst Du Mutter, zählst Du als Person mit Deinen Bedürfnissen erst einmal nicht mehr wirklich. Jemand muss zurückstecken? Mutti ist doch da!

Ich vermute, das ist in der Generation unserer Eltern trotz Aufbegehrens noch immer fest verwurzelt. Und mir kann keiner erzählen, dass es sich innerhalb einer weiteren Generation komplett verloren hat. Ich befürchte vielmehr, dass es zu einer Art Sprachlosigkeit hinsichtlich der Rolle von Müttern und Frauen gekommen ist, weil es eben nicht wirklich en vogue ist, über den adäquaten Umgang mit Frauen und Müttern zu sprechen. Braucht ja keiner mehr wirklich, diese feministischen Diskussionen der siebziger und achtziger Jahre. Und vielleicht braucht es die wirklich nicht, sondern etwas anderes, noch weiter Gefasstes. Mir persönlich geht es tatsächlich auch mehr um die Würde, die jeder Einzelne, jede Einzelne verdient hat.

Das nivelliert nicht die Besonderheit und Schönheit, die das jeweilige Geschlecht (und davon darf man sich dann gerne mehrere denken) mit sich bringen kann. Aber auf einer darüber liegenden Ebene wünsche ich mir, dass allen Menschen erst einmal grundlegend Respekt entgegen gebracht wird; dass allen Menschen Bedürfnisse und auch das Anrecht auf ihre Erfüllung zugestanden wird. Das ist eine Haltung, die ich meinem Sohn, die ich aber gleichzeitig auch allen anderen Menschen entgegen bringen möchte. Wenn ich mich bemühe, das im Alltag zu leben, bin ich – mit all meinen Schwächen dabei – gleichzeitig auch Vorbild für meinen Sohn und ich hoffe, dass er durch die Erfahrung von Respekt und Angenommensein diese Erfahrung gleichzeitig auch weitertragen kann.

Das Geschlecht

Ich bemühe mich also als Mutter, meinen Sohn möglichst unvoreingenommen so wahrzunehmen, wie er ist – auch unabhängig von Geschlechterstereotypen. Um die kommt man aber letztlich nicht herum, ich musste mir also auch dazu eine Haltung aneignen. Das finde ich gar nicht mal so einfach. Ich will nicht alle Unterschiede zwischen Geschlechtern per se nivellieren. Ich mag aber auch keine sinnlosen Zuschreibungen. Konkret im Alltag bedeutet das, dass ich erstmal versuche, die Angebotspalette breit zu halten, ihn also zum Beispiel bunt und nicht nur blau anzuziehen. Er besitzt einen Puppenbuggy, meine alte Babypuppe, unglaublich viele kleine Autos, eine Kochecke und eine Eisenbahn. Er guckt sich „Tom der Abschleppwagen“ an und verkleidet sich mit Engelsflügeln.

Ich bin mir aber bewusst, wie beeinflusst ich dennoch tagtäglich von Klischees bin. Es ist also alles eine wackelige Angelegenheit. So ertappe ich mich dabei, wie ich ihm zwar jederzeit die blinkenden lila Gummistiefel mit Blümchen kaufen würde, wenn er sie möchte, wie ich aber parallel mittlerweile eher nicht zu pink in der Oberbekleidung greife, um blöde Kommentare oder Fragen auszuschließen. Als er noch sehr klein war, war mir das egal, und oft wurde ich auf dem Spielplatz gefragt, wie alt die Kleine denn sei, nur, weil er eine rote Hose und die Haare nicht stoppelkurz trug. Zunehmend aber entwickelt sich seine persönliche Wahrnehmung seiner Identität, und obwohl die noch offen für vieles ist, will ich ihn nicht durch Reaktionen von außen brüskieren. Außerdem will ich ihm nicht extra ein rosa T-Shirt anziehen, nur um es anders zu machen. Dann wäre er nur ein Instrument für mich.

Die Mutterschaft und der Feminismus

Mutterschaft hat für mich eine ganz spezielle Komponente: Erst als Mutter erlebe ich eine neue Dimension von Liebe, von Hingabe, von Verlustängsten, von Tiefe. Das hätte ich mir vorher so nicht vorstellen können. Ich glaube, das geht einher mit einer großen Kraft und gleichzeitig auch mit einer großen Schwäche. Das klingt jetzt latent metaphysisch, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, dass die Erfahrung von Schwangerschaft, Geburt und auch der Begleitung von Kindern etwas ganz Besonderes freisetzt. Ob dies für Väter auch zutrifft, kann ich nicht beurteilen, ich für mich persönlich kann aber feststellen, dass Mutterschaft mich in Kontakt mit etwas, sagen wir, sehr Ursprünglichem gebracht hat und bringt. Und das hat für mich etwas zutiefst Feministisches, denn Feminismus heißt für mich auch: Dass Frauen nah an sich selbst sein dürfen, dass sie sich nicht verstellen müssen, dass sie mit allen ihren Anteilen in der Gesellschaft willkommen sind – auch mit ihren mütterlichen – was auch immer das jeweils für sie bedeutet.

Und, ganz ehrlich: Ich habe nicht den Eindruck, dass dies gerade richtig gut möglich ist. Die Dinge standen sicherlich schon einmal schlechter, aber schon allein als Frau an sich ist es manchmal schwierig inmitten all der Erwartungen und Standardvorstellungen vom angemessenen Frausein. Ich bin zum Beispiel über 1,80 m groß. Das reicht eigentlich schon, um ausreichend aus der Norm auszubrechen und das auch immer wieder zu spüren. Und das ist vergleichsweise nur eine Kleinigkeit. Bei Männern mag das gar nicht so viel anders sein. Bei Frauen, die auch Mutter sind, potenziert sich die Situation aber: Ich verstehe zum Beispiel, dass Arbeitgeber es nicht gerne mögen, wenn Arbeitskräfte wegfallen. Aber das, was Frauen häufig noch im Job begegnet, wenn sie schwanger werden, ist einfach ein Unding! Meine Güte, wir bringen die Menschen auf die Welt, aus denen sich unsere komplette Gesellschaft überhaupt erst zusammensetzt, wir ziehen sie meist auch groß! Das gilt übrigens auch für Familien im Allgemeinen und deren Sorgearbeit. Wieso sollte ich schuldbewusst aus der Wäsche gucken, wenn ich mit dem völlig natürlichen Lebensfluss schwimme und Kinder auf die Welt bringe?

Wieso sollte das mein Privatvergnügen sein? Es braucht hier eine komplett andere Haltung gegenüber Müttern und Familien im Allgemeinen. Das meint keine Aufwertung von Menschen, die Kinder großziehen gegenüber Kinderlosen. Bewahre. Bewertung ist ohnehin ein großes Problem, da aber auch gerne unter Müttern: Ich persönlich erlebe das vielzitierte Mütterbashing ja wirklich selten, sondern habe in meinem Umfeld doch weitgehend unterstützende und tolerante Menschen. Ich weiß aber wohl, dass es auch anders geht, und, Mädels: Das ist so kontraproduktiv, wenn Ihr Euch gegenseitig erzählt, wer es angeblich schlechter und besser macht. Meist dient die Abwertung eines anderen Lebensmodells ja ohnehin nur zur Rechtfertigung des eigenen. Aber mal ehrlich: Nur, weil man als Mutter so häufig suggeriert bekommt, es nie wirklich richtig zu machen, ist es noch längst keine gute Idee, krampfhaft aufeinander rumzuhacken, um sich selbst irgendwie zu erhöhen.

Muttersein ist derzeit nicht einfach: Die Erziehungsideale sind verschieden, aber gleichermaßen hoch. Es gibt wenig „richtig“ und „falsch“. Als Mutter soll ich gleichermaßen für meine Kinder da sein, aber auch noch andere Hobbys, einen Job und immer eine tolle entspannte Beziehung haben. Jeder weiß um den Utopiegehalt dieses Bildes, trotzdem ist es irgendwie da – und unerreichbar. Und dann die Betreuungsfrage: Wenn ich meine Kinder von anderen betreuen lasse, ist das für viele Menschen ganz schlimm – wenn ich das nicht tue, für ungefähr genauso viele Menschen ebenso furchtbar. Und nicht wenige davon scheuen sich auch nicht, das offensiv mitzuteilen; zu Müttern kann halt jeder irgendwie eine Meinung haben. Ich schlage hier keine neuen Töne an, auch nicht, wenn ich sage, dass das Themen sind, mit denen sich Männer meist nur marginal auseinandersetzen müssen. Das wird sich auch nicht ad hoc ändern lassen, was man aber recht schnell ändern kann: Das Maß an Solidarität, dass sich Frauen und Mütter einander entgegen bringen. Seid nett zueinander! Sprecht Euch Mut zu! Sagt Euch, wie gut Ihr das macht! Das stimmt nämlich meistens sogar!

Wenn es dann noch gelingt, das nicht als Abgrenzung gegen die Männer in der Gesellschaft zu verstehen, wäre schon einiges gewonnen, finde ich. Denn wenn wirklich der Wunsch besteht, dass wir alle eine gerechte Behandlung erfahren, Frauen wie Männer, dann geht das nur gemeinsam. Dann muss man dafür sorgen, dass es normal wird, dass Väter ebenso wie Mütter für ihre Kinder in der Erwerbsarbeit kürzer treten. Dass es nicht an ihrem Selbstverständnis als Mann rüttelt, wenn sie Fürsorge zeigen. Dass auch sie untereinander im Hinblick auf Elternschaft solidarisch und unterstützend sind.

Und vielleicht ist das tatsächlich eine wichtige Rahmenbedingung für ein gutes Leben als Mutter und Feministin, aber auch als Vater und letztlich als Familie, in welcher Form auch immer: Solidarität und Unterstützung.

Interview Feminismus und Mutterschaft 10

Feminismus und Mutterschaft: Mehr Solidarität und Unterstützung

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 9: Für eine Gesellschaft, in der Väter so sehr Elternteil sind wie Mütter

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Katja – bloggt als vitalinsights auf lebenswichtigeerkenntnisse.com

 

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Mein erstes Kind kommt planmäßig im Dezember zur Welt; dazu gibt es schon die Tochter meines Freundes – zweieinhalb und super. Kinder wollte ich tatsächlich immer, zumindest war das immer Teil der vagen Zukunftsvorstellungen. So ganz konkrete Pläne wiederum hatte ich in der Hinsicht nicht so sehr, auch weil Freiberuflertum und Finanznöte, tausend Ideen und Projekte, eine Trennung nach sehr langer Beziehung, und dann die Patchworkkomplikationen nach neuem Verlieben nie die Ruhe gebracht hatten, in der man sich umguckt und denkt: So. Erst mal alles erledigt. Dann kann’s ja losgehen. Aber vielleicht existiert dieser Moment auch nur in unrealistischen Wunschträumen. – In unserem Fall haben wir zumindest darüber gesprochen und sind übereingekommen, dass wir mit einer Schwangerschaft ‚irgendwann im Lauf des nächsten Jahres’ schon einverstanden und auch froh wären. Dann ging es sehr hopplahopp.

Dass es jetzt so ist, finde ich super und freue mich sehr. Irgendwie auch darüber, dass es alles anders gekommen ist als ich mir hätte vorstellen können. Die wenigsten malen sich ja in Pubertätsfantasien eine Patchworkfamilie aus, noch dazu eine nicht ganz unkomplizierte mit relativ hohem Konfliktpotenzial. Und ich bin sicher, es wird eine ordentliche Herausforderung, und es war bestimmt auch keine astreine Vernunftentscheidung, auch was die finanzielle Situation betrifft. Sicherheit ist was anderes. Aber mit den beiden – Freund und Tochter – stimmt es auf der emotionalen Ebene so sehr, dass ich zuversichtlich bin, das gemeinsam wuppen zu können. Also: Die Voraussetzungen, von denen ich dachte, dass ich sie gern erfüllt sehen würde, um Kinder zu bekommen, sind auf der Harte-Fakten-Ebene nicht besonders umfassend gegeben. Aber entweder macht man es wohl irgendwann, oder halt nicht.

 

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Große Rolle: seine Tochter ist die Hälfte der Zeit bei ihm, demnächst uns, und das Verhältnis der beiden ist eng und liebevoll. Ich würde mich freuen, wenn das bei Kind 2 ähnlich wäre. Für mich ist er Geliebter und Partner; es gibt noch reichlich zusammenzuraufen, gerade jetzt, wo sich die Dinge verändern – wir ziehen erst jetzt in eine gemeinsame Wohnung; das Kind ist unterwegs; beruflich ist es öfter mal eine Zitterpartie -, und wir rasseln nicht selten aneinander. Aber tief drin wollen wir, glaube ich, schon noch viel Zeit miteinander verbringen, und das mit möglichst viel Solidarität und Spaß an der Sache.

 

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Ja, mein Freund und ich werden das sicher gemeinsam machen. Das ist auch meine Lieblingslösung. Für seine Tochter ist er naturgemäß im Moment die Hauptbezugsperson, auch wenn ich Teil der Sache bin. Ich bin gespannt, wie sich das auch auf der Seite mit der Zeit entwickelt. Wichtig wäre mir, dass es nicht nur darum geht, wer die Kinder nimmt, damit der andere Freiraum hat, seinen Kram zu machen – das natürlich auch! Aber dass es eben auch das tatsächliche Teilen gibt; die Zeit, die alle zusammen oder auch wir als Paar verbringen, und in der man sich gegenseitig erlebt. Eine wesentliche Rolle werden bestimmt auch meine Freunde spielen. Das ist ein fantastischer Haufen; ein Netz, in dem sich alle aufeinander verlassen können. Ich glaube, das ist unschätzbar wertvoll und wichtig, um nicht durchzudrehen.

 

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Ich bin gespannt, wie es sich letztlich genau gestalten wird. In den ersten zwanzig Minuten nach dem positiven Schwangerschaftstest haben wir beim Kaffee die grundlegenden Fragen auf den Tisch geschmissen und die meisten auch gleich beantwortet: welcher Nachname, werden wir zusammenziehen, wer nimmt wie viel Elterngeldmonate – und da geraten wir aber ins Schwimmen. Zwei Selbständige, das ist eine wacklige Sache, und bei meinem Freund, der bei seinem ersten Kind noch ganz selbstverständlich die Hälfte der Zeit genommen hat, und der sicher auch nicht der klassische Ernährervatertyp ist, habe ich unmittelbar miterlebt, wie unfassbar hart es war, den Betrieb danach wieder aufzubauen, zumal bei ihm als Handwerker die physische Präsenz im Laden entscheidender ist als bei mir, die ich das allermeiste vom Rechner aus mache. Ich habe kein Interesse daran, ihn noch mal in so eine Situation zu bringen – aber natürlich auch nicht, selbst reinzugeraten. Am Ende wird man’s wohl sehen müssen: wir werden uns schon viel teilen, und es wird sicher nicht das 12+2-Modell, sondern etwas gleichmäßiger verteilt, aber viel wird davon abhängen, wer wann wie viele Aufträge reinbekommt, wie viel wir damit erwirtschaften können, und wann es bei wem ruhiger zugeht. Ich nehme an, wir werden grob von Monat zu Monat schauen, das alles idealerweise besser kommunizieren und vorbereiten als bei seinem ersten Mal, und für den jeweiligen Elterngeldbezieher Raum für Dinge wie Akquise schaffen, damit es hinterher wieder Anknüpfungspunkte gibt, und keiner von uns ganz rausfliegt. Längerfristig werden wir sicher beide arbeiten und beide für die Kinder da sein wollen. Und wahrscheinlich auch da immer wieder mal sprechen und verhandeln müssen.

 

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Erst mal bedeutet es für mich, eine unauflösbare und lebenslange Bindung zu einem anderen Menschen einzugehen, für ihn Verantwortung zu tragen, und halt alle Freuden und Konflikte, die damit einhergehen. Dass damit auch Kompromisse kommen – finanziell, partnerschaftlich, beruflich etc. – und man nicht unbedingt ein lupenreines Egoding durchziehen kann, steht für mich nicht unbedingt im Widerspruch zu irgendeinem Feminismusverständnis, sondern höchstens im Widerspruch zu Illusionen, die man sich in einem Optimierungswahn darüber macht, was in 24 Stunden so zu schaffen ist. Dass es darüber hinaus Aspekte von Mutterschaft gibt, die unglaublich ideologisch aufgeladen diskutiert werden – Stillen, „Fremdbetreuung“, etc. -, ist natürlich wahr, aber ich hoffe, dass ich mich davon einigermaßen freihalten und nach jeweils meinem Gewissen entscheiden kann. Wobei natürlich die Bedürfnisse des Kindes maßgeblich sind, aber eben auch meine und die meines Partners eine Rolle spielen.

 

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-SEin” leben zu können? 

Ich glaube, feministische/emanzipatorische Werte oder eine Idee von Unabhängigkeit, von Gleichberechtigung und derlei kann man weitergeben und braucht dafür gar nichts weiter. Wirtschaftlich und gesellschaftlich ist es schon anders, was die konkrete Organisation betrifft. Dass Väter, die eine Auszeit nehmen, noch zu oft verständnislos angeguckt werden, ist blöd; dass das Elterngeld für Selbständige so blöd geregelt ist, auch – maßgeblich ist beispielsweise nicht das Einkommen der 12 Monate vor Geburt des Kindes, sondern das letzte abgeschlossene Kalenderjahr, also für ein Ende Dezember 2014 geborenes Kind das Jahr 2013, in dem man noch nicht im Traum dran gedacht hat. Dazu kommen verschiedene andere Fallen, wo man schnell durch verschiedene Raster fällt, so dass ich schon fast wieder denke: ach egal, ich werde einfach bis zum Schluss arbeiten und dann so bald wie möglich wieder, und halt keine Pause machen, weil’s sich nicht finanzieren lässt. Und ich bin sehr gespannt, ob ich mich da nicht maßlos überschätze. Das könnte wirklich besser sein, hat aber nicht unbedingt mit Feminismus zu tun, sondern mit dem Beschäftigungsmodell. Was ich für eine Verbesserung halte, was die Gleichstellung betrifft, ist das neue Elterngeldmodell, nach dem beide Eltern Teilzeit arbeiten können. Leider trifft auch das zeitlich noch nicht auf uns zu.

Meine Hauptwünsche wären sicher erstens eine insgesamt gerechtere Verteilung des Einkommens auf Männer und Frauen, denn die Entscheidung, wer länger aussetzt, fällt ja oft genug mit dem Einkommen, und da stehen die Frauen oft schlechter da; zweitens eine gesellschaftliche Normalität, in der Väter so sehr Elternteil sind wie Mütter; und drittens – das ist aber zugegebenermaßen nicht zu Ende gedacht – ein Überdenken der Gesetzgebung zu Beruf, Mutterschaft und so weiter. Ich hatte den Eindruck, dass all der gut gemeinte Mutterschutz mit den entsprechenden Rechten oft dazu führt, dass Arbeitgeber regelrecht Angst vor Schwangeren oder Müttern im eigenen Betrieb haben, und sie dann lieber gar nicht erst einstellen, Verträge auslaufen lassen, etc. Das kann’s ja auch nicht sein. Ich habe jetzt so oft von qualifizierten, motivierten und guten Frauen gehört, die mit Bekanntgabe der Schwangerschaft fallen gelassen wurden, dass es eigentlich dazu einlädt, erst dann schwanger zu werden, wenn man gerade den Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und es beruflich gerade bestens läuft. Ich weiß nicht, wie man das lösen soll. Ich fände es schön, wenn sich mittelfristig eine Normalität etablieren würde, in der alle Leute familienverträgliche Arbeitszeiten haben, so dass Leute, die eine Familie haben, nicht als halbe Kräfte gelten, weil sie nicht immer und immer verfügbar sind.

 

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Es bedeutet hoffentlich in erster Linie Gelassenheit. Ich habe nicht vor, einer Tochter Rosa zu verbieten oder aufzuschwätzen, und wenn ein Sohn ein Blümchenkleid anziehen möchte, bitteschön. Ansonsten finde ich, so ein bisschen Zugehörigkeitsgefühl zum einen oder anderen Geschlecht schadet per se erst mal nicht. Was ich wirklich gern vermeiden will ist allerdings, dass ein Mädchen den Eindruck hat, in bestimmten Disziplinen nicht gut sein zu können, weil es ein Mädchen ist. Die Tochter meines Freundes hat Werkbank und Babypuppe und spielt mit beidem, und ich hoffe, es geht so weiter. Was ich außerdem gern vermeiden will, zumal ich selbst darunter zu leiden hatte, ist dieser immense Druck, was Äußerlichkeiten und Sexiness betrifft, der ab einem bestimmten Alter auf Mädchen ausgeübt wird. Ich weiß nicht, ob das gelingen kann, weil es so allgegenwärtig ist. Aber ich hoffe, dass Jungs wie Mädchen halbwegs unabhängige und freie Personen werden können, die sich auch in der Lage fühlen zu rebellieren, wenn sie etwas als ungesund oder unpassend empfinden.

 

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

 

Mit den wenigsten Müttern in meinem Umfeld tausche ich mich auf theoretischer Ebene über Feminismus aus, aber die allermeisten leben einen den Umständen entsprechend gleichberechtigten Entwurf, haben eigene Interessen und Ziele und verfolgen diese auch nach der Niederkunft weiter.

 

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ist wichtig. Für die Finanzen, für die Unabhängigkeit, fürs Ego. Wenn es beruflich gerade nicht gut läuft, ist die Versuchung groß, sich nun alternativ in Schwanger- und Mutterschaft auf Sinnsuche zu begeben. Auch deshalb habe ich, glaube ich, gerade das riesige Bedürfnis, noch mal so viel wie möglich in die Wege zu leiten, was meinen Beruf betrifft. Im Muttersein aufgehen möchte ich nämlich nicht, weil ich schon ahne, dass es weder mich noch mein Kind besonders froh machen wird, wenn all mein Ehrgeiz in diese Sache fließt. Abgesehen davon arbeite ich einfach gerne und möchte aus diesem Flow nicht rausfliegen.

 

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Gesellschaftlich erst mal keine großen, oder keine, denen ich mich so aussetzen möchte. Was Politik und Fiskus betrifft, spannt es schon eher. Ich bin bestimmt finanziell weniger erfolgreich als erwünscht und bekomme entsprechend keine nennenswerte Unterstützung. Überhaupt fühle ich mich als Freiberuflerin mit diesen sehr grobschlächtigen Rastern nicht wirklich vertreten oder unterstützt. Das ist wie bei der Altersvorsorge. Am Ende führt das zu einer Entfremdung – die Haltung zum Staat wird halt zu einem diffusen ‚Ich lass euch in Ruhe, also lasst mich bitte auch in Ruhe, und wir haben einfach nichts miteinander zu tun’. Ich weiß nicht, ob das im allgemeinen Interesse ist.

 

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 7: Selbstverwirklichung und Muttersein schließen sich nicht aus

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Sabine

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Ich bin 37 Jahre alt und habe einen inzwischen fast vierjährigen Sohn. Hätte man mich mit 30 gefragt, ob ich Kinder möchte, hätte ich mit NEIN geantwortet. Irgendwann kam das Thema Kinder zwischen meinem fast 13 Jahre älteren Mann und mir dann aber doch auf. Er hatte bereits einen fast erwachsenen Sohn aus einer früheren Beziehung und hatte für sich das Thema eigentlich auch ad acta gelegt. Da wir versuchen, ein bewusstes Leben zu führen und offen für alles zu sein, haben wir uns lange über das Kinderkriegen Gedanken gemacht und waren uns irgendwann einig, uns auf das Abenteuer einzulassen. Es war eine sehr bewusste Entscheidung, die wir, obwohl es eine ganze Weile gedauert hat, bis es geklappt hat, nie in Frage gestellt haben. Letztendlich war für mich der Zeitpunkt auch beruflich richtig (gut funktionierende Selbstständigkeit, aber auch der Wunsch nach Veränderung) und wir sind der Herausforderung Kind aus einem ausgefüllten, gefestigten Leben heraus begegnet.

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Mein Mann arbeitet Vollzeit in einer Führungsposition und ist dementsprechend zeitlich sehr gebunden. Er ist oft traurig, dass er nur wenig Zeit mit seinem Sohn verbringen kann, nutzt aber dafür die Zeit mit ihm bewusst und intensiv. Morgens nimmt er sich Zeit zum Spielen und Frühstücken und fährt ihn anschließend zur Tagesmutter (bald Kindergarten). Abends ist er meist gegen 19 Uhr zu Hause und die letzte Stunde vor dem Zubettgehen sowie das Abendritual mit Zähneputzen, Umziehen, Vorlesen, Kuscheln etc. ist in der Regel Papas Job. Auch am Wochenende unternehmen die Herren gerne mal etwas alleine. Was Erziehungsfragen, Entscheidungen etc angeht, sind wir uns meist einig und immer im Dialog. Ich finde, mein Mann ist ein toller Vater.

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Mein Mann verdient als in Vollzeitangestellter deutlich mehr als ich, was für uns aber nie ein Thema war. Wir haben ein gemeinsames Konto, auf das alle Einnahmen fließen und auf das jeder uneingeschränkt zugreifen kann. Zusätzlich haben mein Mann und ich jeder ein eigenes „Taschengeldkonto“, auf das jeder von uns jeden Monat den gleichen Betrag überwiesen bekommt und mit dem jeder tun und lassen kann, was er mag. Irgendwie sind diese Konten vor allem ein Symbol für unsere individuelle Unabhängigkeit und wir behalten es bei aus eher nostalgischen Gründen. Mein Mann bezahlt damit meistens unsere Weinbestellungen und ich unsere Urlaubsflüge ;-), also fließt das meiste sowieso zurück in den Familienkreislauf.

Ansonsten teilen wir die private Arbeit (Hausarbeit, Sorgearbeit, Buchhaltung etc.) wie es eben geht: Jeder packt an wie und wo es möglich ist. Er bringt den Müll weg, ich wasche die Wäsche und mache die Buchhaltung, jeder räumt mal auf. Fürs Grobe leisten wir uns eine Putzhilfe. Der samstägliche Großeinkauf war schon vor unserem Sohn eine für uns schöne, gemeinsame Unternehmung – jetzt sind wir dabei eben zu dritt.

In meiner Selbstständigkeit bin ich zeitlich mal mehr, mal weniger beansprucht. Mein Sohn geht, seit er etwas über ein Jahr alt war, zur Tagesmutter, derzeit 25 Stunden in der Woche. Diese Zeit ist meine Arbeitszeit. In Zeiten mit höherer Arbeitsbelastung habe ich sehr nette Schwiegereltern in der Nähe, die bereits in Rente und somit zeitlich flexibel sind – sowohl tagsüber als auch abends -, was mir, und auch uns als Paar, wunderbare Freiräume schafft.

Da ich (im Schnitt) weniger Stunden im Job arbeite, verbringe ich (im Schnitt) auch etwas mehr Zeit mit Haus- und Sorgearbeit als mein Mann.

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, Mutter zu werden. Ich war gerne schwanger, ich habe gerne und sehr lange gestillt, ich liebe meinen Sohn von ganzem Herzen und bin immer wieder begeistert, diesen kleinen Menschen heranwachsen zu sehen.

Das Muttersein jedoch ist auch nur ein Aspekt meiner Persönlichkeit. Ein wichtiger. Ein zeitaufwändiger. Ein schöner. Aber eben nur ein Aspekt von vielen. Es ist ein Aspekt, der dazugekommen ist, zu den vielen anderen, die schon da waren und auch durch das Mutter werden trotzdem geblieben sind.

Als mein Sohn gerade acht Wochen alt war, habe ich meinen ersten Kundenauftrag abgewickelt. Zu einem wichtigen Geschäftstermin ist mein Mann mitgefahren. Ich habe meinen Sohn noch mal im Auto gestillt, bin dann zum Termin, während mein Mann mit meinem Sohn spazieren gegangen ist. Für mich schließen sich Selbstverwirklichung und Muttersein nicht aus. Natürlich müssen dafür die inneren und äußeren Voraussetzungen gegeben sein.

Nur, weil ich Mutter geworden bin, hat sich mein Verständnis von Feminismus, von Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit, meine Ziele und Wünsche nicht verändert. Verändert hat sich die Organisation des Alltags, der Tagesablauf, der Wert von Zeit.

Seit ich Mutter bin, bin ich zielgerichteter geworden, verdödel nicht mehr so viel Zeit mit Nichtigkeiten. Ich nutze meine Zeit intensiver: Bin intensiver im Job, pflege leidenschaftlich meine Hobbies, genieße bewusst die Zeit mit meinem Kind und meinem Mann – und auch gerne mal alleine.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-Sein” leben zu können?

Ich bin mehr als glücklich mit meinem Dasein als Frau und Mutter, da ich das Glück habe, für mich perfekte Rahmenbedingungen zu haben: Eine funktionierende, gleichberechtigte Partnerschaft und ein sehr unterstützendes Umfeld, genügend finanzielle Mittel, eine gut funktionierende Selbstständigkeit, die mir ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität ermöglicht, gute, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Tagesmutter, KiTa, Großeltern) und nicht zuletzt ein hohes Maß an Gelassenheit.

Ich weiß, dass es viele Mütter und Familien nicht so leicht haben, wie ich/wir es habe/n. Meiner Meinung fehlt es vor allem an flexiblen Arbeitgebern und Arbeitszeitenmodellen, guter, sicherer und zuverlässiger Kinderbetreuung, einem generell offeneren Klima in der Gesellschaft (mehr Kinderfreundlichkeit, mehr Mütterfreundlichkeit, mehr Familienfreundlichkeit).

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Das Thema Rollenvorbild – sowohl auf männlicher als auch auf weiblicher Seite – ist für mich sehr spannend. Als Kind hatte ich lediglich „negative“ weibliche Rollenvorbilder, es gab keine Frau in meinem Umfeld, die für mich als Vorbild getaugt hätte. Natürlich bin ich deshalb besonders sensibel für das Thema männliches Rollenvorbild für meinen Sohn. Ich habe das Glück, dass sowohl mein Mann als auch mein Vater meiner Meinung nach gute Vorbilder sind.

Sowohl ich als auch mein Mann sind äußerst liberal, was andere Lebensentwürfe angeht, wir engagieren uns ehrenamtlich und künstlerisch, sind offen für neue Erfahrungen und Bekanntschaften, haben einen großen, bunten Freundes- und Bekanntenkreis und hoffen, dass unsere Art zu leben, zu diskutieren, zu handeln, zu lieben ein gutes Vorbild für unseren Sohn ist. Für mich heißt es nicht Erziehung, sondern Beziehung.

Was Kleidung und Spielzeug angeht, darf er selbst entscheiden, was ihm gefällt: Er besitzt sowohl „weibliches“ als auch „männliches“ Spielzeug und Bücher. Er spielt gerne mal wild, liest aber auch gerne mal ganz in Ruhe ein Buch, er spielt viel mit Mädchen und ist insgesamt nicht ganz so stürmisch wie viele andere Jungs in seinem Alter. Ich freue mich über seine Eigenheiten, seine Einzigartigkeit und lasse ihn sein, wie er ist.

Ich bin gespannt, wie es im Herbst in unserem katholischen Landkindergarten wird, welche Einflüsse, Ansichten, Überzeugungen dort herrschen und wie wir damit ungehen werden.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

Ich lebe in der bayerischen Provinz, in der mein Mann und ich ohnehin (als Zugezogene) ein wenig als Exoten gelten. Die meisten Frauen mit Kleinkindern in meinem Umfeld leben in meist traditioneller Rollenverteilung, meine Freundinnen mit älteren oder erwachsenen Kindern leben oft emanzipierter. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Frauen mit dem klassichen Rollenmodell unglücklich mit ihrem Lebensentwurf wären. Ebenso fühle ich mich gefestigt, was meine Art zu Leben angeht. Ich versuche, andere Frauen zu unterstützen, wo ich kann, wenn es gewünscht ist – mit einem offenen Ohr oder Rat und Tat und finde auf der anderen Seite auch immer ein offenes Ohr, wenn ich mal eins brauche.

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ich mag meine Arbeit. Ich freue mich, dass ich – finanziell und ideell – erfolgreich bin, mit etwas, das ich gut kann und (meistens) auch gerne mache. Mir war es schon immer wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen und das Gefühl zu haben, selbst für mich sorgen zu können.

Ebenso wichtig ist es für mich, Tätigkeiten zu haben, die mich ausfüllen, wo mir allein die Tätigkeit Belohnung genug ist. Ich habe das Glück, zusätzlich zu meiner Erwerbsarbeit zwei Herzenshobbys zu haben, die mich sehr glücklich machen und die sich inzwischen sogar selbst finanzieren.

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Ehrlich gesagt ist es mir inzwischen ziemlich egal, was die „Gesellschaft“ (sei es die große, allgemeine oder die ganz spezielle) von mir erwartet. Ich habe lange Jahre damit verbracht, mich zwischen Erwartungen, die meine Eltern, meine Freunde oder die „Gesellschaft“ an mich hatten, aufzureiben – so sehr, dass ich mit Mitte 20 in einer tiefen Depression steckte und gar nicht wusste, was ICH eigentlich will.

Inzwischen kann ich die Erwartungen anderer gut dort lassen, wo sie hingehören: Beim anderen! Ich versuche, so zu leben, wie ich es für richtig halte und andere so leben zu lassen, wie sie es gerne möchten. Ich denke, es ist vielleicht meine Gelassenheit diesbezüglich die dazu führt, dass inzwischen viele Frauen meinen Rat suchen. Mein Mann sagt immer, dass ich ein gutes Rolemodel für andere Frauen bin. Ich bin stolz, dass er so über mich denkt und möchte zumindest dieser einen „Erwartung“ gerne gerecht werden 😉

Was ich persönlich sehr schade finde, ist, dass sich manche Frauen gegenseitig das Leben schwer machen, in dem sie ihren persönlichen Lebensentwurf oder die persönliche Meinung als allgemeingültige Wahrheit darstellen, sich gegenseitig anfeinden für unterschiedliche Ansichten oder Entscheidungen. Ich kenne viele, vor allem jüngere Mütter, die sich nachhaltig von anderen Frauen verunsichern lassen und sehr darunter leiden.

Ich wünsche mir eine größere Solidarität unter Frauen, eine größere Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensentwürfen und mehr Offenheit für die Andersartigkeit eines jeden einzelnen. Ich bin dankbar, dass ich in meinem Umfeld viele offene, tolerante Menschen habe und hoffe, selbst etwas dazu beitragen zu können, dass die Menschen sich immer mehr und besser unterstützen. Und ich hoffe, diesen Samen auch in der Beziehung zu meinem Sohn pflanzen zu können.

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 6: Zwischen Job und Kind zerrissen?

Dein Name

Christina vom Familienreiseblog „Reisemeisterei“

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Mein Mann Sven und ich dürfen eine eigene Tochter von fast 2 Jahren zu unserer Familie zählen. Voraussetzung war, dass zumindest einer in einer gefestigten beruflichen Position steht. In diesem Fall waren das sogar dankbarerweise beide.

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Sven spielt eine sehr große Rolle für mich und unsere Tochter. Aufgrund eines Rechtsstreits mit seinem früheren Arbeitgeber war er gezwungen, länger nicht zu arbeiten. Das hat ihm die einmalige Chance gegeben, Vollzeit für seine Tochter da zu sein und das Zusammensein mit ihr zu genießen. Ich denke vor allem dadurch haben die beiden ein sehr enges Verhältnis zueinander. Wir haben fast 9 Monate zu dritt verbracht, bis ich wieder in meinen Beruf eingestiegen bin.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Die Kita und ich teilen uns tagsüber die Sorgearbeit. Einmal in der Woche ist „Oma-Nachmittag“ und Am Wochenende und abends teilen Sven und ich uns die Erziehung. Wobei er gefühlt den größeren Anteil trägt. Mein Familienreiseblog braucht mich als zweites „Baby“ schließlich auch noch. Und ich den Blog auch 😉 Ich fühle mich oft zwischen Job und Kind zerrissen. Am liebsten wäre ich später wieder in den Beruf eingestiegen. Das habe ich allerdings erst feststellen können, als es soweit war. Der Blog ist eher Ausgleich und Leidenschaft, obwohl ich ihn als Gewerbe und halb-professionell betreibe. Schreiben, posten, reisen! Das geht immer!

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Mein Mann arbeitet 100% und ich 50%. Wobei ich insgesamt mit Blog-„arbeit“ auch 100% erreiche. Das dann aber eher abends und am Wochenende. Wir haben offen mögliche Konstellationen abgewogen. Die Tatsache, dass ich beruflich am „Ende der Fahnenstange“ angekommen bin und mein Mann auf ähnlichem Gehalts- und Positionsniveau noch Luft „nach oben“ hat, hat uns die Entscheidung leicht gemacht. Zudem arbeitet er mit wesentlich mehr persönlicher Leidenschaft…

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Meine Einstellung früher: Alles komplett gerecht teilen. Erwerbsarbeit, Erziehungsarbeit, Hausarbeit. Und dann kommt dieses kleine Geschöpf zu uns und die Hormone sprudeln nur so. Feminismus bedeutet für mich auch: Mich nicht abhängig zu machen. Das kann heißen, beispielsweise seine Rente im Blick zu behalten und den Mutter-bedingten Ausfall durch eine private Rente auszugleichen. Oder: Durch den Blog eine berufliche Seite zu leben, die in Vollzeit nicht möglich wäre.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-SEin” leben zu können?

Ich bräuchte einfach 48 Stunden pro Tag. Oder eine gerechte Berentung für die Kindererziehung. Es ist einfach (für mich!) nicht möglich, sowohl im Beruf als auch in der Kindererziehung jeweils 100% zu geben und damit jeweils den Vollzeitmüttern und Vollzeitarbeitenden auf gleicher Augenhöhe in Bezug auf die „Leistung“ gegenüber zu stehen. Beispiel: Mit 50% kann ich beruflich keine ganztägigen Seminare mehr leiten oder bei weit entfernten Terminen bis in den Abend hinein mein Bestes geben. Genauso habe ich weniger Kapazitäten für Singgruppen, basteln, Erziehungsratgeber wälzen, schöne Kleidung auswählen. Das fühlt sich oft ziemlich zerrissen an, weil ich überall erfolgreich sein möchte.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Nach der Geburt unserer Tochter habe ich mich beispielsweise geweigert, Ihr rosa Kleidung anzuziehen. Dies ganz bewusst nicht zu tun, ist allerdings genauso stereotyp, denke ich inzwischen. Wir versuchen, Ihr nun einfach offen Dinge anzubieten. Das Traktorbuch steht neben dem rosa Kinderklavier. Sie wählt und soll ihren eigenen Weg finden.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

Manche Mütter in meiner Umgebung machen mir etwas Angst mit ihrer Auslegung der Gleichberechtigung. Für beispielsweise Vollzeitarbeit 8 Wochen nach der Geburt bin ich wohl nicht gestrickt. Irgendwie setzt es mich auch unter Druck, nicht „tough“ genug zu sein. Andere Mütter wiederum haben nach vielen Jahren der Elternarbeit keine private Rente und vielleicht auch keine Chance für einen beruflichen Einstieg. Einige Mütter beeindrucken mich allerdings, wie sie kreative Wege finden, Muttersein und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Und wenn es mit einer Tätigkeit von zuhause ist. Nähen, Schreiben, Gründung eines kleinen Unternehmens, beruflicher Aufbau. Meine eigene Mutter unterstützt mich sehr auf meinem Weg, ebenso mein Mann und seine Mutter. Das gibt mir Sicherheit.

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ausgleich zur Elternarbeit. Unabhängigkeit. Sicherung meiner Rente. Nutzung meiner beruflichen Ausbildung. NICHT: „Rauskommen“.

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Die Frage ist: Hat die Gesellschaft die Erwartungen oder ich? Wer ist die Gesellschaft? Mein Arbeitgeber? Der möchte, dass ich pünktlich erscheine und hochkonzentriert arbeite, auch wenn meine Tochter in der Kita gebockt hat oder die Nacht schrecklich war. Andere Mütter? Die sind häufig ebenso verunsichert in ihren Modellen. Ich spüre die Spannung, dass ich von Rolle zu Rolle springe, je nachdem, wo ich mich gerade befinde. Und meine Kapazität einfach manchmal nicht ausreicht, um alles von Impfterminen bis hin zu Gesetzestexten, Jahrestagen und Einkaufslisten, Finanzplanung, gesunder Kinderernährung und Haushalt zu jonglieren.

Familie, Feminismus, Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 5: Eine unmögliche Beziehung?

Meine Freundin Nadine kennt ihr vielleicht schon von ihrem Blog „fashion, baby“ – dort schreibt sie über den Alltag mit Kind, Mode für Groß und Klein und ihre (Dienst! *Neid*)Reisen. Hier ihre Gedanken zum Thema meiner Interviewreihe:

Ich behaupte, dass die Mutterschaft für viele Frauen die erste Begegnung mit der Notwendigkeit zum Feminismus überhaupt ist.

Klar sind wir als Kinderlose alle irrsinnig moderne Frauen – und moderne Frauen sind doch automatisch emanzipiert (welch altmodisches Wort) und damit Feministinnen. Schließlich gehen wir arbeiten, und mehr als das, wir stehen im Beruf unseren Mann (eine Formulierung, die sich hartnäckig hält, als wäre die Orientierung an der Arbeit des Mannes die einzig wertige Messgröße). Manchmal recken wir sogar triumphierend die Faust in die Höhe, wenn wir uns im Job mal gegen reaktionäre Vorurteile und althergebrachte Verhaltensweisen so richtig durchgesetzt haben und sagen „das lass ich mir von dir nicht gefallen, du Mann, du!“.

Wir haben Beziehungen auf Augenhöhe, auch wenn der Partner in der Praxis häufig nur den Müll rausbringt und im Sommer die Steaks auf dem Grill wendet, bei der restlichen Hausarbeit aber eher geringfügig beschäftigt ist. Wir sind gut ausgebildet, reisen um die Welt und treffen wen wir wollen wann wir es wollen. Bei all dem glauben wir, die völlige Gleichberechtigung der Frau sei längst Realität und alles, wofür die Frauen früherer Generationen gekämpft haben erreicht.

Und dann werden wir schwanger.

Das Mantra der (erstmalig) Schwangeren lautet „Es bleibt alles wie es ist!“ (später ersetzt durch „es ist alles eine Phase!“). Wir wollen so cool bleiben wie vorher, werden weiterhin eine gute Freundin sein, natürlich nachts durch die Clubs tingeln („schließlich hat das Baby ja einen Vater!“) und natürlich nach spätestens einem Jahr wieder in den Beruf einsteigen. Wie genau insbesondere letzteres von statten gehen soll überlassen wir gerne dem Zufall – und begehen damit den ersten Fehler. Denn wir haben uns ja bislang viele Jahre lang in unseren Jobs bewiesen, glauben, dass unsere Arbeitgeber uns kennen und schätzen und dies natürlich auch weiterhin tun werden, wenn wir in Teilzeit und ohne klaren Plan wieder in den Beruf zurückkehren. Und sind dann überrascht, wenn das nicht der Fall ist, obwohl Arbeiten für eine Mama ganz klar das neue Frei ist. Dabei passiert es doch gar nicht so oft, dass unser Babysitter ausfällt, das Kind krank wird und/ oder wir selbst, wenn wir zu müde sind, um unsere Arbeit jeden Tag mit dem gleichen Elan zu tun wie vorher, auch weil wir wissen, dass dies nur die erste Schicht eines langen Tages ist.

Wenn uns die Kollegen nämlich ein neidisches „ach, schon frei?“ hinterher rufen wenn wir deutlich vor 18 Uhr das Büro verlassen, wissen wir selbst nämlich, dass zu Hause niemand die Tonnen Wäsche gewaschen hat, die mit Kind wundersamerweise nie weniger werden. Dass niemand eingekauft hat, niemand neue Hosen für das Kind gekauft hat, weil es aus den alten schon wieder rausgewachsen ist. Niemand hat einen Termin für die nächste U gemacht hat, niemand das Paket zur Post gebracht, und die Frage „Sekt oder Selters?“ beantwortet sich von selbst wenn man Abend für Abend am liebsten um 20 Uhr gemeinsam mit seinem Kind ins Bett sinken würde.

Wie konnte es soweit kommen?

Nun, zum einen sagt einem niemand vorher wie sehr man dieses kleine Wesen, das man so (relativ) nonchalant im Bauch herumgetragen hat lieben wird. So sehr, dass man nicht mehr ohne es sein will, dass Freundschaften und selbst die Partnerschaft in den Hintergrund treten vor dieser neuen, großen Liebe.

Dann die ganzen Zwänge, de facto, eingebildet oder selbst geschaffen. Man ist nämlich mit einem kleinen Kind tatsächlich nicht mehr so flexibel und mobil wie vorher. Klar, vieles geht im Prinzip schon, so wir uns das vorher ja auch überlegt hatten. Aber dabei hatten wir übersehen, dass wir es ja nicht mit einem Gegenstand zu tun haben, sondern mit einem kleinen, hilfsbedürftigen und manchmal ganz schön nervigen Menschen. Und dann geht man eben doch nicht mit dem Baby im Tuch zum Konzert, weil es sich zu wuselig anfühlt, und sowieso zu laut ist. Und man tanzt auch nicht mit der Freundin die Nächte durch, weil man einfach keinen weiteren Müdigkeitsfaktor mehr ertragen kann, Elternzeit hin oder her. Ausschlafen war früher.

Auf einmal steht man auch vor völlig neuen Herausforderungen. Stillen oder nicht? Tragetuch oder Kinderwagen? Und was ist überhaupt Attachment Parenting? Ich behaupte, wenn Frauen sich mit der gleichen Energie, die sie dabei aufwenden zum Beispiel das Stillthema im Netz zu kommentieren, ihren Karriereplänen widmen würden, stünde es um die Rolle der Frau in Führungspositionen in Deutschland deutlich besser.

Nun hat man ja, wie bereits vielfach beschworen, im Allgemeinen noch eine zweite Person am Start. Diese Person nennt sich nun Papa, liebt uns – warum sonst hätte er mit uns ein Kind gemacht? – und ist immer für uns da. Leider beinhaltet dies nicht unbedingt, dass er auch da ist, also physisch. Denn wenn wir uns auf die Rolle der Teilzeitmutti zurückziehen (weil wir das so wollen, nicht weil wir in irgendwelche Rollenklischees verfallen wären, neeeeee!), muss ja schließlich auch einer fürs Geld sorgen. Und da kommt er, der böse Satz: „Mein Partner verdient ja ohnehin mehr als ich, also geht er arbeiten und ich bleibe zu Hause.“. Ich will da nicht einfach drüber hinweg gehen, schließlich ist Geld kein überflüssiger Luxus. Trotzdem, eins ist sicher: Mit dieser Haltung bleibt der Mann derjenige, der mehr verdient, und spätestens ab dem zweiten Kind ist die klassische Rollenverteilung verfestigt, mit allem was dazu gehört.

Und dann ist es passiert, man ist eine von diesen „Muttis“, eine von denen, wie die man nie werden wollte. Es ging schnell, lautlos und hat nicht mal wehgetan. Denn man hat ja auch etwas bekommen: Viele schöne Stunden mit dem Kind, Vormittage mit den neuen Krabbelgruppenfreundinnen beim Brunch, Sommernachmittage mit den Füßen im Spielplatzsand. Das Leben mit Kind ist schön, manchmal verführerisch schön, so dass das fröhliche Kindergelächter ganz leicht die kleine Stimme übertönt, die sagt: „Du hast nicht mehr die gleichen Rechte wie früher, aber dafür viel mehr Pflichten. Ist das gerecht? Warum lässt du das zu?“.

Und dann wird eben nicht dafür gekämpft, dass sich etwas ändert. Nicht beim Partner, dass er mehr übernimmt, als während der zweimonatigen Elternzeit das Kinderzimmer mit Biofarbe zu streichen, nicht beim Arbeitgeber, damit er qualifizierte Arbeit zulässt und auch bezahlt, obwohl man um 13 Uhr gehen muss und vor allem nicht bei sich selbst. Denn man hat es ja so gewollt und schließlich gibt es nichts auf der Welt was einen so glücklich macht wie das eigene Kind.

Mit Feminismus hat das leider nichts zu tun, so wie es das Leben „davor“ auch nicht hatte, denn worauf man mal so stolz war, ist längst gesellschaftliche Selbstverständlichkeit.

Deshalb bedeutet Mutterschaft vielleicht zum ersten Mal, dass wir wirklich für unsere Rechte kämpfen müssen – und wenn wir das tun, dann werden wir auch etwas erreichen. Kämpfen heißt übrigens nicht unbedingt auch gewinnen. Es ist anstrengend und man wird manchmal verletzt. Trotzdem: Ich glaube fest daran, dass man Mutter sein und Mensch bleiben kann, aber von selbst geschieht das ganz sicher nicht.

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 4: Den Rollenerwartungen widersprechen

Hallo,

ich habe deinen Blogeintrag gelesen und möchte gern mitmachen. Ich heiße Luisa, bin 32 Jahre alt und habe zwei Söhne (5 und 1 Jahr alt). Ich und mein Mann studieren beide und teilen die Familien- und Hausarbeit egalitär. Neben dem Studium engagiere ich mich als Frauenbeauftragte im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an meiner Hochschule aktiv für Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit. Ich bin also professionelle Feministin 😉

Für mich beudeutet Feminismus, den Menschen hinter der äußeren Schale zu sehen und danach zu bewerten, wer sie oder er ist und nicht danach, was sie oder er sein sollte. Wir alle haben ein genaues Schema dessen im Kopf, wie bestimmte Personengruppen sein sollten. Das ist völlig normal und per se nichts schlechtes. Es führt aber dazu, dass wir Tatsachen im Zusammenhang mit unterschiedlichen Personengruppen unterschiedlich bewerten.

Beispiel: Ein Mädchen trägt lieber blau als rosa. Manche würden für ein Mädchen rosa bevorzugen, akzeptieren den Wunsch des Mädchens aber blaue Kleidung zu tragen. Gleiches Beispiel nun aber mit einem Jungen statt eines Mädchens: Der Junge findet rosa schön. Er mag alles, was rosa ist. Am liebsten würde er auch rosa Kleidung tragen. Sofort macht sich die gesamte Umgebung des Jungen sorgen, was mit ihm nicht stimmen könnte. Wird er als erwachsener vielleicht schwul? Und was werden wohl andere denken, wenn ich meinem Sohn rosa Kleidung anziehe? Werden andere Kinder ihn hänseln?

Die Situation ist eigentlich dieselbe. Ein Kind entscheidet sich für eine Farbe, die gesellschaftlich dem anderen Geschlecht zugeordnet wird. Doch ist es weniger problematisch, wenn sich ein Mädchen für eine Farbe entscheidet, die als typisch männlich assoziiert wird, als wenn ein Junge eine typische Mädchenfarbe wählt. Genau dasselbe gilt bei Spielzeug oder Art der Kleidung generell. Hosen für Mädchen sind ok, Kleider für Jungs nicht. Das setzt sich auch in Verhaltensweisen fort, die als typisch jungen- oder mädchenhaft assoziiert werden. Das beste Beispiel dafür ist meine eigene Kindheit und Jugend:

Vor 30 Jahren galt zumindest in den alten Bundesländern ein noch sehr konservatives Familienbild als heute und so waren die Erwartungen, die man an Mädchen und Jungen stellte, recht deutlich. Mein Bruder und ich waren von unserer Art her schon immer wie Tag und Nacht. Während ich extrovertiert und durchsetzungsstark war, ist er introvertiert, ruhig und zurückhaltend. Beides war für meine Eltern damals Anlass zur Sorge. Wir waren beide gut erzogen, machten keinen Ärger und verstanden uns wirklich gut. Aber ich war eben kein typisches Mädchen. Ich wollte immerzu raus mit meinen Freunden spielen, hatte stets eine Meinung, die ich vertrat und hielt mich damit auch nicht vor älteren zurück. Mich musste man schon immer mit Argumenten überzeugen, wobei „isso!“, das Alter meines Gegenübers oder dessen Geschlecht nicht als Argumente akzeptiert wurden. Ein Umstand, den man in einem italienisch-chinesischem Haushalt nicht gewöhnt war. In beiden Kulturen herrschten zumindest damals noch sehr strenge Vorstellungen davon, wie Frauen und Männer sein sollten und ältere Menschen hatten schon aus Prinzip recht. Dass ich Erklärungen für alles mögliche einforderte schickte sich nicht für ein Mädchen und galt als respektlos. Davon abgesehen hatte ich nie Interesse an Haushalt öder ähnlichen typisch weiblichen Aufgaben. Meine Eltern konnten damit gut Leben. Sie haben nie ernsthaft versucht mich zu verbiegen und standen stets hinter mir. Dafür mussten sie aber auch einiges an Gegenwind aushalten, wenn wieder einmal Außenstehende meinten, ihnen mitteilen zu müssen, wie frech ihre Tochter sei und dass man mir längst den Hintern versohlt hätte, wenn ich ihre Tochter wäre. Irgendwann war ich es, die sich hinstellte und diesen Personen mitteilte, sie sollen sich aus den Erziehungsangelegenheiten meiner Eltern raushalten. Meine Mutter hätte sich nie getraut, soetwas laut auszusprechen, auch wenn sie es sicher häufig dachte und mein Vater hatte nicht oft Gelegenheit dazu, da er viel arbeiten musste, um die Familie zu ernähren.
Oft wünschten sich meine Eltern, ich wäre mehr wie mein Bruder und er mehr wie ich. Schüchtern und zurückhaltend war für Mädchen ok, aber ein Junge, der sich nicht durchsetzt, schüchtern und ängstlich ist, das passt nicht so recht zusammen. Was soll aus dem denn mal werden? Ein Weichei? Sollten Männer nicht durchsetzungsstark sein und einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben? Und sollten Mädchen nicht zurückhaltend und gehorsam sein? Sollte ich also nicht lieber der Junge und mein Bruder das Mädchen sein?

Genau dieses Bild verfolgt meinen Bruder und mich bis heute. Während man mir im späteren Berufsleben an verschiedenen Stellen immer wieder sagte, ich sei keine typische Frau (das war als Kompliment gemeint!), so hat mein Bruder Probleme eine Freundin zu finden. Die Frauen, die er mag, stehen halt auf die bösen Jungs. Er ist deshalb der typische beste Freund, aber niemals „der eine“.

Feminismus bedeutet für mich deshalb, sich frei davon zu machen, was Frauen und Männer sein sollten. Feminismus ist für mich, andere Menschen so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und dazu gehört für mich, mein eigenes Verhalten und meine Denkmuster zu reflektieren. Nur wenn mir das bewusst ist, kann ich aufhören in Schubladen zu denken und das Individuum dahinter sehen. Deshalb ist Feminismus für mich nichts altmodisches und erst recht nichts gegen Männer. Ich bin davon überzeugt, dass Männer davon nur profitieren können. Solange wir in einer Gesellschaft leben, die „weibliche“ Merkmale abwertet und „männliche“ aufwertet, wird keiner von uns glücklich.

Ich erziehe meine Kinder, in dem ich versuche  ihnen Vorbild zu sein. Sie wissen, dass ich sie stets in allem Unterstütze und dass sie ok sind, genau so wie sie sind. Es gibt nichts, was sie nicht tun können oder dürfen, weil sie Jungen sind und das gleiche gilt für Mädchen. Sie sollen wissen, dass die Welt nicht schwarz oder weiß ist und auch nicht blau oder rosa. Dazwischen gibt es unendlich viele Farben und keine davon wird schöner, indem man eine andere abwertet.

Feminismus ist deshalb für mich auch, mir und anderen Frauen zuzugestehen, ihren eigenen persönlichen Lebensweg zu wählen und ihnen zuzutrauen, dass sie dazu selbstständig in der Lage sind. Ja, ich werde wohl niemals hauptberufliche Hausfrau und Mutter sein. Das passt ein fach nicht zu mir. Diese wirklich einseitige und vorherrschende Berichterstattung, die suggerieren soll, dass arbeitende Mütter nun das Non+Ultra sein sollen, nervt mich aber auch. Denn es suggeriert wieder ein Bild dessen, wie Frauen sein sollen und wie nicht. Zum Feminismus und echter Gleichberechtigung gehört eben auch die freie Partnerwahl und die freie Entscheidung für ein Lebensmodell dazu. Und es gehört auch dazu, dass wir endlich über das Feindbild „Mann“ hinwegkommen. Es ist nämlich nicht „der Mann“, der die Frau diskriminiert, sondern die Gesellschaft insgesamt.

Ich bin froh, einen Mann an meiner Seite zu haben, für den all das wirklich kein Thema ist. Wir sahen uns gegenseitig schon immer als Partner auf Augenhöhe. Daran dass er das Sorgerecht für unseren bei der Geburt noch unehelichen Sohn bekommen würde, stand für uns nie zur Debatte, auch wenn sogar das Standesamt uns davon abriet. Meinen Nachnamen trägt er seit unserer Hochzeit mit Stolz und er lässt sich darin auch nicht beirren. Unser Nachname ist halt etwas besonderes und schön und die Entscheidung dafür meinen Mädchennamen als Familiennamen zu tragen hatte nichts damit zu tun, dass einer von uns den anderen dominiert. Dass wir beide zur Finanzierung unseres Studiums arbeiten würden, war auch immer klar, genauso, dass wir beide Elternzeit nehmen würden. Die Hausarbeit haben wir nach (Ab-)Neigung und Begabung gleichmäßig verteilt. Wir bringen beide jeden Abend je ein Kind ins Bett. Wir halten uns Gegenseitig den Rücken frei, damit der andere Arbeiten, Studieren oder eigenen Interessen nachgehen kann. Mein Mann ist mein bester Freund und ich glaube gleichberechtigter kann eine Ehe kaum sein. Davon profitieren wir beide. Ohne mich, hätte er sich seinen Traum von einem IT-Studium wahrscheinlich nie erfüllt und ohne ihn hätte ich mein Potenzial im Beruf nie ausschöpfen können. Ich glaube, wir sind beide sehr zufrieden mit unserem Leben und das überträgt sich auch auf unsere Kinder. Ich hoffe, dass ihre Welt durch unser Vorbild größer für sie wird. Dass sie weniger Grenzen im Leben überwinden müssen, um dahin zu kommen, wo sie glücklich sind. Und dass ihnen immer klar ist, dass Grenzen sie nicht davon abhalten sollten, ihren eigenen Weg zu gehen.

Ich finde es toll, dass du das Thema aufgreifst und aus verschiedenen Perspektiven beleuchten willst! Ich habe auch schon daran gedacht, einen solchen Text auf meinem eigenen Blog zu veröffentlichen, allerdings beschäftigt der sich schwerpunktmäßig mit Beauty. Da einen Bezug herzustellen, der nicht polarisiert oder zu oberflächlich wird, finde ich nicht leicht. Hier passt es jedoch hervorragend und ich bin schon sehr gespannt auf die Antworten, die du bekommst.