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Philosophie am Wickeltisch

Philosophie am Wickeltisch

2017 – Rückblick und Ausblick. Oder so.

Hallo und – darf man noch wünschen oder? – Frohes Neues Jahr!

Der erste Blogbeitrag in diesem Jahr und generell der erste seit Langem. Das macht Druck. Also mir, albern aber wahr. Denn zu den vielen guten Vorsätzen die ich habe, gehört es auch wieder regelmäßiger zu schreiben. Also hier.

Ein paar Hindernisse gibt es noch: Als ich nämlich damals von wordpress.com zu meiner eigenen Domain gezogen bin wusste ich nicht, dass ich ab sofort auch für diesen ganzen Technikkram zuständig bin. Bei wordpress.com läuft Vieles wie von Selbst, Aktualisierungen etc. Jetzt muss ich das alles selber machen. Im vergangenen November rief ich also – naiverweise – bei meinem Host an und sagte, Plug-In xy mache wohl mal wieder Probleme, ob man das Löschen könne. Und statt mir zu sagen „Na gut, mache ich, aber eigentlich ist das jetzt ihre Aufgabe“ rächte sich der gute Mann einfach, in dem er mir mit dem problematischen Plug-In auch alle anderen löschte, plus die Möglichkeit überhaupt je wieder Plug-Ins zu installieren oder Fotos hochzuladen. Keine Ahnung wieso. Als ich darauf dann eine freundliche Mail schrieb und um Behebung des Problems bat forderte man meine Passwörter. Komischerweise waren die nicht nötig, als ich mit der Hotline telefonierte. Auf nochmal Hotline hatte ich aber kein Bock, wer weiß was als Nächstes passiert wäre, vielleicht hätte der nächste Mitarbeiter mir den kompletten Blog gelöscht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich schau mich grad nach Jemandem um, der das alles für mich übernimmt und hab da auch ein paar Empfehlungen bekommen und kann mich hoffentlich bald auch wieder darauf konzentrieren, mit Freude zu schreiben.

2016

2016 ist um und war für mich ein sehr anstrengendes Jahr, praktisch wie emotional. Ich will da nicht im Detail drauf eingehen, aber um das Positive im Blick zu behalten: Ich habe daraus auch viel gelernt. Konsequenzen gezogen und Entscheidungen getroffen. Neue Projekte auf die ich mich freue und von denen ich euch die nächsten Tage nach und nach berichten werde.

Weihnachten und Sylvester haben wir gemütlich verbracht. Wobei zugegeben, gemütlich ist ein dehnbarer Begriff ^^. Will sagen: Weihnachten hat für mich wenig Stresspotential, ganz besonders seit ich Kinder habe. Der Fokus konzentriert sich nämlich auf diese und ich selber muss keine Gespräche über mich führen, falls ihr versteht was ich meine. Was weiterhin das Ganze sehr entstresst: Wir schenken uns nix! Also wir Erwachsenen. Die Kinder bekommen etwas, diesmal gab es viel Schönes über das sie sich freuten. Ein weiterer Entspannungsfaktor: Meine Eltern sind leidenschaftslos wann wir sie besuchen, der Termin bei meiner Tante steht seit Jahren und ja, darum war es alles in allem entspannt (gut, die aufgedrehten Kids selber…aber das versteh ich ja, dass das aufregende Tage für sie sind).

Noch kurz zu meinen Plänen (nicht Vorsätzen, auf den Unterschied komm ich ein andern mal zurück)

2017 werde ich:

  • beruflich neue, zu mir und meinen Qualifikationen aber auch zu meinen Lebensumständen passende Wege gehen
  • mit den Kindern zelten
  • hoffentlich noch mal Urlaub am Mittelmeer machen
  • meiner ehemaligen Grundschul- und meiner früheren Musikschullehrerin schreiben. So Oldschool als Brief
  • den Alltag mit Kindern etwas besser planen und strukturieren. 2016 lebte ich gefühlt von Tag zu Tag und war darum öfter gehetzt und schlecht vorbereitet.
  • anfangen, ein Buch zu schreiben
  • viele nette Menschen aus dem digitalen wie analogen Leben öfter treffen (auch das am besten mit Planung ^^)
  • mich ehrenamtlich engagieren
  • mehr loben, aufmuntern, mich („laut“) freuen

Empfehlungen

Eine Linkübersicht mit meinen Netz- und Blogfunden will ich wieder regelmäßig gegen Ende eines Monats posten, aber fürs neue Jahr hab ich noch zwei dicke Klickempfehlungen:

Die Corinne vom makellosmag kann man jetzt auch hören! Corinne schreibt seit längerem einen feministischen Lifestyleblog, hat den GrimmeOnlineAward gewonnen und schreibt jetzt ein Buch. Auch wenn sie nicht direkt verrät, worum es da geht, kann man es vielleiiiicht ahnen. Und wie das so ist mit dem Schreiben an sich, welche Hürden und Freuden das mit sich bringt, das erzählt sie wunderschön im Podcast. Die ersten zwei Folgen sind bereits da und hier verrät sie euch, wie ihr den Podcast abbonieren könnt.

Die liebe (kchkch) Frau Najn, die unter memyselfandchild bloggt und die Reihe #ohneVaeter führt hat jetzt einen Shop!!! Was man da kaufen kann? Die coolsten T-Shirts die man als Mutter so braucht:

So bald die Technik hier im Blog wieder läuft wie geschmiert verlose ich zwei Exemplare eurer Wahl!!!

So, macht es gut! Bis bald, Melanie

Philosophie am Wickeltisch

Wie ein kleiner Internethype mich zum Nachdenken brachte

Irgendwann Ende letzter Woche startete ein neuer Internethype. Zumindest schien es in meiner twitter-Timeline so.

Tellonym ging an den Start. Dort kann man sich registrieren, den Link zu seinem Profil posten und dann Warten. Auf anonyme Kommentare. Wie bitte? fragt ihr vielleicht…also nochmal: Man registriert sich dort mit einem Benutzernamen und der E-Mail, dann postet man den Link zum Profil auf twitter oder Facebook und sagt in etwa: Hey, schreibt mir mal was ihr mir immer schreiben wolltet! Tja, warum sollte man das tun? Sowohl ein Profil dort anzulegen als auch – jemandem was zu schreiben.

Ich gebe zu: Ich bin relativ schnell auf den Zug aufgesprungen. Die ersten Erfahrungen mit tellonym waren jedenfalls nach dem was ich gelesen hab positiv-überrascht. Und dann dachte ich, ich probiers. Und ja, es kamen tatsächlich sehr nette Kommentare.  Ich wunderte mich etwas, nicht weil die Kommentare nett waren, sondern weil sie jetzt auch nicht sooo spezifisch waren, dass man denken könnte, jemand könnte so was nicht „in echt“ sagen. Also leider kamen keine Geständnisse wie „damals in der 7. Klasse fand ich dich soooo toll aber hab mich nicht getraut was zu sagen“

Und dann dachte ich: Ich schreib jede_r/m der einen Link zu tello postet direkt auf twitter was Nettes, ganz unanonym. Und dann fand ich auch das wieder doof. Und fing laut an zu denken. Also auf twitter. Und um das mal ein bisschen zu strukturieren sammel ich hier mal die Pro/Cons sowohl für tellonym als auch für „offen gezeigte Liebe“

Pro Tellonym:

Warum sagt man anderen Leuten (nette) Dinge lieber anonym als in echt? Und warum freut man sich drüber?

Also mir fiel es auf tellonym leichter auch Leuten nette Sachen zu sagen, die ich sonst nicht so gut kenne. Ich finde es bei Komplimenten immer schwer, ins Schwarze zu treffen. Ein gutes Kompliment ist für mich eins, dass die Person auch wirklich gut umschreibt.

Jemandem anonym was Nettes zu schreiben bietet einerseits die Gewissheit, dem anderen eine Freude gemacht zu haben. Andererseits gibt es einer auch die Sicherheit, dass das Gegenüber sich nicht genötigt fühlt zu antworten. Wer weiß,  vielleicht kennt mich dieses Gegenüber kaum, hat mich (wenn wir jetzt hier bei twitter bleiben) noch gar nicht zur Kenntnis genommen oder findet mich eigentlich doof? Dann sagt man da offen auf twitter was man so toll findet und das andere Menschi da weiß gar nicht wer Du bist? Tellonym bietet halt einfach ein bisschen die Möglichkeit Nettes zu sagen ohne den anderen in Verlegenheit zu bringen, selber zu reagieren, geschweige denn, selber was Nettes sagen zu müssen.

So war es nämlich auch ein bisschen bei den wirklich netten Komplimenten die mir einige schrieben: Alles Menschen die ich wirklich gerne mag, aber so spontan aus dem Stegreif was Nettes zu erwidern – puh, das erforderte einige Anstrengung meiner Gehirnzellen. Nur ein bisschen und ich glaube ich habe immer eine passende und wirklich Ernst gemeinte Erwiderung finden können. Ich  musste auch ein bisschen grübeln, denn offensichtlich bin ich selber nicht so die überschwenglichste in Sachen Komplimente verteilen. Und so finde ich es einerseits schade, dass sich viele nur in der Anonymität trauen, was Nettes zu sagen, kann es aber auch sehr gut verstehen. Und: vielleicht ist es auch das:

Viele sagten dann: Aber ich sag immer offen was Nettes! Für manche braucht es aber vielleicht einen Anlass. So wie ich den Mann auch meistens ganz nett finde, ihn aber nicht jeden Tag zum Essen einlade, sondern nur am Jahrestag, oder seinem Geburtstag…falls ihr versteht (nein, um was nettes zu sagen brauchen der Mann und ich wirklich keinen Anlass, aber nicht jedem steh ich so nahe).

Und jetzt zu den „Gegenbewegungen“: Einige – ich auch – gingen dann in die Vollen und wollten ihre Nettigkeiten lieber direkt sagen. Fand ich am Anfang auch ne gute Idee…

#Tellosönlich #Opentell #tellopen

Diverse Hashtags (das sind diese Worte mit dem # davor ^^) kamen auf. Welches sich jetzt zuletzt durchgesetzt hat weiß ich nicht. Dort sagen also (ich bin immer noch auf twitter) Leute anderen nette Dinge. Ganz offen. Wie gesagt, am Anfang fand ich eine schöne Idee…

Dann klopfte (hier herzzerreißendes gif einsetzen ) mein komplexbehaftetes, selbstmitleidiges früheres Teenie-Ich an, dass in den frühen 90ern den anderen Kids beim Sammeln und Verteilen von Diddl-Karten zusah. Für die, die den Hype nicht mitbekamen: Diddl-Karten waren so eine Art Währung jugendlicher Zuneigung unter – hauptsächlich – Mädchen. Ich beobachtete sehr genau, wer wie viele Diddl-Karten bekam und von wem. Zwei Dinge stellte ich damals ebenso wie bei #tellopen fest:

  1. Der Teufel scheißt auf den größten Haufen.

Die Klassenlieblinge waren schon beliebt und bekamen ihre Zuneigung in Diddl-Karten noch mal ausgezahlt. Ist logisch und nicht meine Kritik, ich finde es einfach nur ein wenig…redundant.

2. Die meisten stehen ungesehen am Rand und gucken zu.

Ja, verdreht ruhig die Augen oder glaubt aus mir spreche der Neid. Aber seid beruhigt: Ich habe meinem früheren Ich über den Kopf gestreichelt und ihm gesagt, dass hat nichts mit Dir zu tun (jedenfalls nicht das, was man mit 12 so denkt). Aber zum einen denk ich: Puh, wen vergess ICH denn, wenn ich jetzt versuche meiner Timeline gerecht zu werden und allen, die ich mag, was Nettes zu sagen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich grade die vergesse, die leise Töne anschlagen ist sehr hoch. Dabei fände ich es nur gerecht, nein nötig, den Introvertierten und leisen mal ganz  laut zu sagen, wie sehr sie meine Timeline bereichern.

Wie fühlen sich all die, die warum auch immer grad am Rand stehn und zugucken? Auch da kann man Einwände gegen bringen oder die Augen verdrehen, aber mir macht das Bauchschmerzen.

Und wie viel Zeit geht dabei drauf? Wenn ich wirklich allen was Nettes schreiben wollte?

Und zuletzt auch die Frage: Was will ich eigentlich zeigen/beweisen, wenn ich auf diesem Wege, also ganz öffentlich Komplimente mache? Nicht dass ich hier allen niedere Beweggründe unterstelle, überhaupt nicht, aber will ich damit nicht auch ein bisschen Aufmerksamkeit auf mich lenken? Mich beliebt machen? Nein, das ist es nicht bei allen, aber ganz ausschließen kann mans wohl auch  nicht hier und da.

Hass durch tello?

Einige äußerten Besorgnis, dass negative Kommentare grade durch die Anonymität gefördert werden. Grade diejenigen, die damit auch bereits Erfahrung gemacht haben. Mein Eindruck ist: Ja, doofe Kommentare und Beleidigungen gab/gibt es auch, aber eine große Hasswelle hat es meines Wissens nicht gegeben. Dazu diesen tollen tweet und folgende:

Und jetzt wäre ich gespannt: Könnt ihr die Gedanken nachvollziehen? Oder klingt das für euch nach Teenie-mimimi? Seid ihr selber eher sehr ausdrucksstark was Komplimente und Nettigkeiten angeht oder fällt es euch selber schwer, Positives zu äußern? Wirklich, mich interessiert dieses Phänomen!