Familie

Die coolste Mom der Welt…(Synapsenkurzschluss)

Die coolste Mom der Welt…wollte ich werden und ich war mir sooo sicher, dass das ganz einfach wird! Ich mein, entspannte Schwangerschaft, entspanntes Kind – was will ich mehr? Tagsüber würden Minime und ich so durch die Gegend spazieren, natürlich lässig mit Tragetuch oder -rucksack. Bei Sonne im Park liegen, ich les ein Buch, Minime schläft und schenkt mir sein strahlendes Lächeln. Abends sitzen der Mann und ich auf der Couch, der Kleine in unserer Mitte und wir schauen uns tief ganz verliebt in die Augen. Ja ehrlich, so hab ich mir das vorgestellt (manchmal…). Und tatsächlich, diese Momente gibt es auch…

Bis jetzt habe ich, wenn im Fernsehen wieder mal berichtet wurde, dass eine Mutter ein kleines Baby geschüttelt hat, bis es ins Krankenhaus kam gedacht, ‚wie kann man nur sowas tun, ein so unschuldiges Wesen das niemandem etwas zu leide tut und völlig hilflos ist, schütteln?’… Sollte ich jetzt wieder eine solche Nachricht hören würde ich denken: Die Arme.

Schlafmangel

DENN ich habe nicht geahnt, was chronischer Schlafmangel aus mir machen würde. Und aus Minime. Der hat natürlich aus seiner Sicht keinen Schlafmangel. Aber Nachts wird aus dem süßesten, unschuldigsten Baby ein kleines Monster. Schlafmangel soll ja auch zu Halluzinationen führen. Meine gehen so: tiiief in meinem Schlaf versunken vernehmen meine Ohren ein Quäken. Ignoriert. Noch eins. Etwas lauter. Das Hirn zuckt kurz, der Körper schläft weiter. Irgendwann kann man das Geräusch, inzwischen zu einem fiesen Weinen mutiert, nicht mehr ignorieren. Hirn versucht Körper zum Aufstehen zu bewegen. Nach drei Anläufen ist es geschafft. Wurd auch höchste Zeit denn das Weinen ist jetzt Geschrei. Zehnmal lauter als tagsüber (find ich).

Minime hochgehoben. Aus dem ist inzwischen ein Monster geworden, das Aliens geschickt haben um die Belastbarkeit der weiblichen, menschlichen Spezies zu erkunden, da sie selbst vor dem Aussterben bedroht sind und ihre Fortpflanzung nun von uns Menschen abhängt. Minime trinkt. Wird wieder etwas menschlicher. Und möchte jetzt bespaßt werden. Oder macht plötzlich ein Geräusch, wie wenn man mit einem nassen Stiefel auf eine Kröte tritt – Windel voll. Alles wieder sauber gibt Minime immer noch keine Ruhe. Sagt mir aber auch nicht, was er möchte.

Repeat

Das ganze geht zwei Stunden später wieder von vorne los. Dann (Speikind halt) spuckt er sich voll. Und mich. Und meine Bettwäsche. Und ich verstehe diese Frau, die total verzweifelt gewesen sein muss. Vermutlich war sie gar nicht so viel anders als ich. Aber vielleicht kam zu dem Schlafmangel auch noch die ein oder andere Sorge. Ums Geld, um den Job, dass der Mann sie verlässt (wenn er nicht schon über alle Berge ist). Vielleicht war das Kind zu diesem Zeitpunkt und mit diesem Mann nicht gewollt. Vielleicht hat sie sich aber auch nichts mehr als dieses Baby gewünscht und dann ist da so gar nix mit Friede, Freude, Eierkuchen. Was auch immer. Natürlich rechtfertigt nichts auf dieser Welt diese Tat. Aber vielleicht sollte man die Mütternotrufnummer bei der Geburt direkt mit aushändigen. Allerdings sollte die 24/7 besetzt sein, nicht wie die folgende:

Elterntelefon
Telefon kostenfrei; bundesweite Sondernummer:
0800 / 111 0 550
(Auskunftszeiten: Mo und Mi 9.00 bis 11.00 Uhr, Di und Do 17.00 bis 19.00 Uhr)

Und keine Sorge, es muss jetzt niemand das Jugendamt informieren. Wenn es schlimm wird reicht es schon eine Stimme zu hören, die nicht schreit, sondern spricht. Und schlauerweise lernen Babies genau zu dem Zeitpunkt einen anzulächeln, wenn der Akku fast leer ist…

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5 Comments

  • Reply noch so ne supermom 22. Mai 2011 at 23:05

    Hab dich gerade über die Mädchenmannschaft gefunden.
    Ich wünschte ich hätte einen Artikel wie Deinen vor ca. einem Dreivierteljahr gelesen, als mein „entspanntestes Kind der Welt“ und ich uns so durch die Nächte gekämpft haben. Inzwischen schlafen wir beide nachts viel (meistens ;-)) und überhaupt alles viel entspannter als in den ersten Monaten, überhaupt mehr so wie ich mir das *eigentlich* alles so ausgemalt hatte, aber die Zeit wo ich mich babyschüttelnden Müttermonstern verbunden gefühlt habe, ist noch nicht lang genug her.
    Danke darum für den schönen Blogeintrag.

  • Reply MeA 23. Mai 2011 at 23:16

    Danke für diesen wunderbar ehrlichen Artikel!

  • Reply inFemme 25. Mai 2011 at 14:37

    Ich unterscheide inzwischen auch zwischen den Schütteleltern und denen, die ihr Kind mit Absicht (klar, ist auch pathologisch, aber trotzdem) quälen.
    Mir ging es ganz genauso, als meiner so klein war und ich finde großartig, dass du so ehrlich damit umgehst. Damit hilfst du anderen Müttern, die das lesen auch tausendmal mehr als irgendein bekloppter Ratgeber!
    Mein Kind hat mich nachts schon so in den Wahnsinn getrieben, dass ich ein Loch in die Wand getreten habe und den Mann gebeten habe, mich zur Spontan-Sterilisation SOFORT ins Krankenhaus zu fahren.
    Ich drück dir fest die Daumen, dass Minime bald besser schläft!

    • Reply gluecklichscheitern 25. Mai 2011 at 18:46

      ich hau dann schon mal aufs stillkissen. als ‚wutkissen‘ würde es sich wohl besser verkaufen, hätte aber ein schlechteres image…

  • Reply Minime-Update (16 1/2 Monate) | glücklich scheitern 3. August 2012 at 23:10

    […] ich ging beinahe wieder aufm zahnfleisch, plus kein mittagsschlaf wegen zu viel inputs (wenn ich lese, wie ich mich da in der anfangszeit gefühlt hab – wie hat man das überlebt?). naja, am […]

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