Familie

ErziehungistdieHöllesinddieAnderen

Lange habe ich mir um Erziehung keine Gedanken gemacht. Ich war da pragmatisch: Ein bisschen Bauchgefühl und „so lang es funktioniert“ – das wird schon reichen. Ich hab keine Erziehungsratgeber gelesen und wenn, dann erschrocken zur Seite gelegt. Den Juul zum Beispiel. Drei oder sogar vier Bücher hatte ich zur Hand und bin der Meinung, man muss eigentlich nicht mal Feministin sein um sich zu fragen, welches Problem Juul mit Mädchen/Frauen/Müttern hat. Wenn ich mal Zeit ohne Ende habe lege ich Euch gern meine analysierten Textstellen aus seinen Büchern vor.

Im Studium habe ich ein paar „Klassiker“ gelesen und mich auch mit Jean Liedloff und co. beschäftigt (Continuum-Prinzip, sagt vielleicht einigen mehr). Aber auch da Skepsis, wie bei aller ethnologischer Forschung: Der durch eigene Erfahrungen und Sehnsüchte geprägte Blick aufs „Andere“ gelenkt, der Blick, der zu finden sucht, was er bei sich vermisst…  falls ihr versteht. Überhaupt diese Romantik gegenüber „Naturvölkern“ (darf man das überhaupt noch schreiben, auch wenns in Anführungszeichen ist?). Na ja.

Aber irgendwie haben sich im Alltag so viele unbefriedigende …Kommunikationsmuster? Verhaltensweisen? eingeschlichen, die ich selber nicht mehr ertragen habe. Das „Wenn Du nicht…dann…“ was mir gespiegelt mal besonders auffiel, als ich Minime im Kindergarten abholte und ihn in einer Situation traf, wo ein Mädchen zu ihm sagte „wenn Du  jetzt nicht mit mir spielst, lad ich Dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“. Puh, Treffer! Woher haben die Kids das denn, wenn nicht von ihren Eltern und anderen Erwachsenen? Wie sehe ich überhaupt meine Kinder? Diese beiden Wirbelwinde, die mein Leben so bereichern, mich glücklich machen und doch so fordern? Wie finde ich einen guten Weg zwischen ihren und meinen Bedürfnissen? Ich glaube, das ist der Kern meiner Frage und warum, will ich ein bisschen konkretisieren:

Am Donnerstag fuhr der Mann beruflich weg und kommt erst Mittwoch nachmittag/abend wieder. Ich selber arbeite grade mit 30 Stunden und mache seit Donnerstag morgen nichts anderes, als zu lohnarbeiten oder Kinder zu betreuen. Klar, Müttern brauch ich nicht sagen was das heißt. Sehr früh aufstehen, weil es schon mal zweieinhalb Stunden dauern kann, bis man zwei Kinder und sich so weit hat, dass man das Haus verlassen kann. Und meist habe ich danach das Bedürfnis nach dem ersten Schnaps. Dann kommt aber der Berufsverkehr und ein Job der…naja, an anderer Stelle vielleicht. Dann die Kinder an zwei verschiedenen Orten abholen, einkaufen, bei gutem Wetter auf den Spielplatz, die Kinder nach Hause bringen, baden, essen…. ihr kennt das Programm. Seit der Zeitumstellung ist hier vor 21Uhr/21Uhr30 keine Ruhe. Anschließend Wäsche aufhängen, Küche putzen, aufräumen. Denn: es ist ja sonst keine_r da der das übernimmt. Vor 22:30 sitze ich selten und dann lieg ich auch wieder im Bett. Neben zwei schnarchenden Kindern. So süß und trotzdem wäre ich gern mal wieder einfach allein. Und dann klingelt der Wecker wenige Stunden später und es geht von vorne los.

Da schleudert man gerne mal Sätze im Stakkatoton gegen die Kinder, mein aktueller Lieblingssatz war „darüber diskutier ich doch jetzt nicht!“ Himmel! Ja, ich habe in den letzten Wochen viel über alternative Wege nachgedacht. Von beziehungsorientiert bis zu unerzogen und gewaltfreier Kommunikation, Adultismus undundund. Aber soll ich Euch was sagen? Die meisten Texte die ich dazu fand klangen, als seien sie entweder von Robotern oder von Menschen mit Heiligenschein geschrieben worden!

So…perfekt, so lieblich, so frei von diesem Kurzschluss den ich manchmal in meinem Kopf herannahen sehe, wenn hier wieder alle was von mir wollen und ich nur meine Ruhe. Da frag ich mich, in welchen Zaubertrank die als Kinder gefallen sind! Man solle in solch stressigen aber doch wohl wirklich normalen Situationen – es sind halt Kinder! – einfach mal durchatmen.

ICH ATME SO SCHNELL DURCH DASS ICH HYPERVENTILIERE!

Ja, solche Texte sind für mich keine Hilfe, sie frustrieren mich noch mehr. Ist natürlich meine Schuld, denn die Texte sind hübsch zu lesen, klingen so einleuchtend und sooo leicht umzusetzen. In der Theorie.

Und dann ist Wochenende. Ich nehme mir vor, gaaaanz gelassen vorzugehen. Die Kinder wollen MausSesamstraßeSendungmitdemElefantenPeppaWutz gucken? Nehme ich gelassen. Die Musik-CD auf volle Pulle? Ich bitte höflich drum, etwas leiser zu machen da es mich stört. HAHA. Der Große möchte Süßigkeiten? Na gut, kommen die Kammelle von Karneval endlich weg. Beim Kleinen bahnt sich die Mittagsmüdigkeit an und ich versuche alles runterzufahren:

Kommt, wir legen uns ins Bett, gucken uns ein Buch an. Statt dessen wird das Bett zum Trampolin. Ich weise zum gefühlt 1000. Mal daraufhin, dass das Bett kein Trampolin ist, ich jetzt Ruhe brauche und wer nicht schlafen möchte, sich wenigstens mit einem Buch oder einer Flasche ruhig hinlegt. NAAAANANANAAAANA. Gut, dass haben die Kinder nicht gesungen, ich höre aber eine laute Stimme in meinem Kopf. Die Kinder machen weiter. ARRRRRGH. Ich brauche diese Mittagsruhe! ICH brauche sie. Ja, der Kleine eigentlich auch, sonst wird es spätestens ab 16 Uhr ungemütlich hier.

Kind2 klettert auf die Fensterbank und springt aufs Bett. Erster Ausraster meinerseits. Und wo ich schon mal dabei bin kann ich auch ein bisschen rumfluchen. Ich verlasse fluchtartig das Schlafzimmer, in die Küche. Ich brülle noch: „Ich brauch ne Auszeit!“ Tja, Kind1 kommt feixend hinterher, Kind2 weint, weil mein Verhalten ihn ängstigt. Tolle Wurst. Das hab ich super hingekriegt! Ich könnte jetzt weiter ins Detail gehen, aber ich glaube, das Prinzip ist klar? Ach ja: Nachdem ich den Gedanken mit dem Mittagsschlaf aufgegeben habe wollte ich rausgehen. Eine Freundin lud ein, das Wetter war schön und generell ist draußen und mit anderen (Erwachsenen) alles viel leichter zu ertragen. Tja, direkt nachdem ich sagte „Minime, zieh Dich bitte an, wir wollen raus“ fiel dem Kind, dass sich angeblich den ganzen Morgen langweilte ein, dass es jetzt unbedingt spielen müsste. (Als wir draußen waren, war alles super, aber die anderthalb Stunden bis wir so weit waren möchte ich hier nicht im Detail wieder geben).

Ist unerzogen jetzt gescheitert? Vielleicht. Vielleicht hab ichs nicht verstanden. Ganz sicher passen unsere aktuellen Rahmenbedingungen nicht dazu. Aber in meinem Kopf ist so vieles nicht mehr wie vorher, dass ich auch nicht mehr (ganz) zurück kann. Prinzipiell sehe ich meine Kinder nicht als Gegner oder Tyrannen. Ich sehe grade nur keine Luft für mich! Und ich sehe sie auch noch nicht als kooperierende Menschen auf Augenhöhe.

Es werden ja immer gerne diese Beispiele herangezogen a la: So würdest Du doch auch nicht mit Deinem Partner_in sprechen, wieso sprichst Du dann so mit Deinem Kind?“ Aber ganz ehrlich? Würde mein Partner mich anschreien würde ich bestimmt nicht so viel Geduld aufbringen, als wenn meine Kinder mich anschreien. Würde mein Partner mein Essen kommentieren mit: Das ist blödes Kackessen! dürfte er ab sofort ganz allein für sich kochen. Ich rede mit meinem Partner anders, weil er sich anders verhält als meine Kinder.  Man kann doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen? Kinder müssen doch auch Kinder sein dürfen und nicht Erwachsene? Wo ist dieser Grat?

Nachdem ich diesen Text anfing zu schreiben, flog mir ein anderer in die Timeline, in der eine „unerzogen-Mutter“ darüber schreibt, dass sie eben weder Roboter noch Engel ist. Und ich hoffe, dass es mehr solcher Texte geben wird. Und habe auf twitter schon mal rumgefragt nach anderen unerzogenen, ob sie mir Rede und Antwort stehen wollen, bei meinen ganz konkreten Fragen zu ihrem Alltag. Wie man mit Geschwisterstreit umgeht, mit verschiedenen Bedürfnissen der Familienmitglieder und dem Gefühl das man kriegt, wenn man die einzige Mutter auf dem Spielplatz ist, deren Kinder barfuß laufen und Schokolade essen dürfen…falls ihr auch so jemand seid, schreibt mich gerne an, ich sammle die nächsten Tage ein paar Fragen für die Interviews zusammen!

Und hier noch ein paar Bilder vom Wochenende. Schön war es nämlich doch:

Frühling in der Südstadt! <3 #köln #cologne #liebedeinestadt

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Und bei euch so? #instakids #wochenendeinbildern #manbekommtkindernurdamitmanmalwiederspielenkann

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Mittagessen der Kinder…

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Glitzerkugel oder was? #Dailymakro

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Der Spielplatz hat gerufen #wochenendeinbildern #lebenmitkindern #instakids

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28 Comments

  • Reply hahu 10. April 2016 at 22:27

    Stehts zu Diensten! *salutier* Also, wenn du jemanden zum interviewen brauchst, gern. 🙂
    & Wie sympatisch du schreibst! Genau wegen, wirklich exakt genau wegen diesem Gefühl das du da oben abbildest, habe ich den Text geschrieben. Manchmal denkt Muddi eben „Fresse jetzt!“, wenn die Kinder wieder alles wollen. Auch unerzogene. Auch erzogene.

    • Reply Melanie 11. April 2016 at 8:45

      Und es tat sehr gut, Deinen Text zu lesen! Und wegen der Fragen komme ich gerne auf Dich zu!

  • Reply Tristia 11. April 2016 at 6:29

    Erstmal vorweg, ich kenne diese ‚Ausraster‘, die einen überrollen weil man über längere Zeit jenseits seiner eigenen Grenze versuchen muss zu funktionieren. Ich finde dein Urteil über Ratgeber aber ein bisschen hart, sie sind ja keine Bedienungsanleitungen, nichts was man eins zu eins übernehmen kann/ sollte. Auch wenn man sich in Überforderung Zeitten so etwas wünscht, zu mehr als sich seinen Teil rauszufiltern taugen sie nicht. Die schreibst von einer Situation, du mit zwei Kindern alleine, es fehlt ein Familienmitglied, die Routine ist durcheinander. Da kannst du auf Dauer gar nicht deinen Ansprüchen genügen, und da helfen keine erziehung bzw unerziehung Tips, da hilft nur Entlastung. Ich habe leider keine Zeit meinen Gedanken weiter auszuführen, und hoffe das klingt nicht allzu dahingepfeffert, wollte dir nur ans Herz legen nicht so streng mit Dir zu sein, du tust schon Menschenunmögliches und trägst Verantwortung für zwei Mini Menschen und Dich und das ohne Dorf ( ich mag den Spruch: zum Kinder aufwachsen lassen braucht man ein ganzes Dorf). Liebe grüße und viel Kraft!

    • Reply Melanie 11. April 2016 at 8:46

      Danke Dir für Deine Worte. Ja, es ist schwer ohne Dorf, aber das kann ich mir halt nicht (immer) zaubern, deshalb weiß ich auch noch nicht, wie die perfekte Lösung aussieht.

  • Reply Anna 11. April 2016 at 8:52

    Oh, ich fühle das häufig ganz genauso! Es gibt Zeiten, da habe ich ANGST vor den paar Stunden, die ich nach Arbeit mit Kind alleine sein MUSS (ja, so empfinde ich das) bis der Mann nach Hause kommt, und Urlaub ist für mich mittlerweile eigentlich nur, wenn ich alleine bin. Mir hilft nur das Wissen, dass alles nur eine Phase ist. Erziehungsmäßig bin ich auch Bauchgefühl- Pragmatiker und bislang reicht das, denn sie ist meistens toll. Andererseits wird sie hauptsächlich in der Kita erzogen, also ist es wohl doch nicht mein Verdienst..? Und es ist wirklich viel einfacher, wenn man unter Menschen ist. Gestern hatte ich wieder ein Gespräch mit einer Mutter von der Seite „Ich krieg keine Kinder, um die dann abzugeben“. Das ist toll, wenn Leute das so empfinden, aber ich krieg keine Kinder, um mit ihnen allein zuhause zu sein (sondern damit sie sich später um mich kümmern, wenn ich alt bin^^), denn ja, das finde ich anstrengend. Und eine Analyse zu Herrn Juul würde mich sehr interessieren, ich hab nichts gelesen, aber alle finden den doch so toll?

  • Reply Hannah C. Rosenblatt 11. April 2016 at 9:20

    Ich glaub ja auch nicht, dass irgendein pädagogisches Wunderregelwerk es schafft einen zweiten Erwachsenen zu ersetzen. Die Kinder könnten auch megalieb und artig sein – trotzdem müsstest du eine Zilliarde nervige Handgriffe extra tun, extra Bespaßung einlegen, extra dies, extra das

    Ganz ehrlich: Ich glaube, Leute, die Erziehungsbücher oder -ratgeber schreiben, teilen ihre Routinen mit oder ihre Wege dahin vielleicht noch. Aber Routine hast du grad nicht und haben die Kinder auch grad nicht.
    Vielleicht ist so ein „unerzogen“-Versuch einfacher zu verstoffwechseln, wenn der Mann wieder da ist, oder halt einfach ein zweiter erwachsener Mensch da ist.

    Als Idee. 🙂

    • Reply Melanie 11. April 2016 at 10:29

      Naja, die berufsbedingte Abwesenheit ist gewissermaßen schon Routine, zu seinem Job gehört das irgendwie dazu. Und der Mann ist glaub ich nicht so ein Fan meiner „Erziehungsexperimente“, also weiß ich nicht, wie wir das gemeinsam gestalten 😉 Aber generell könnte ich mir für solche Versuche entspanntere Gesamtsituationen aussuchen, da hast Du Recht!

  • Reply Mama notes 11. April 2016 at 10:03

    Danke für diesen Text und die Ehrlichkeit. Mir helfen ja zählen und atmen auch nicht und ich frage mich bei „atme doch einfach mal durch“-Texten immer, wie unterschiedlich Menschen doch sind. :D.
    Ich bin niemand aus der unerzogen-Fraktion, dafür habe ich die mentale Stärke nicht. Ohne Quatsch. Ich finde aber auch, dass Kinder lernen können, auf Ruhebedürfnisse von Eltern Rücksicht zu nehmen. Kommt aufs Alter an, und darauf wie lange es dauern soll. Ich bin übrigens eine Kackamama.

    • Reply Melanie 11. April 2016 at 10:28

      Ja, das mit den Ruhebedürfnissen steht für mich gar nicht zur Diskussion. Ich glaube die Frage ist: Wie kommt man da hin ohne diese „Wenn Du nicht…dann…“-Sätze. Ich bin schon recht lange dabei, dass mir z.B. egal ist, was und wann und wieviel sie essen (dadurch habe ich höchstens gelernt, auf ein ausgewogeneres Angebot bei uns im Hause zu achten – wo keine Schokolade ist, kann keine gegessen werden) oder ob sie im T-Shirt über den Spielplatz jagen. Aber ganz oft stellt sich mir die Frage: Wie sehr darf ich mein NEIN über ihr Nein stellen. Vielleicht führ ich das später noch mal aus

      • Reply Katharina 11. April 2016 at 15:21

        „Wie kommt man da hin ohne diese „Wenn Du nicht…dann…“-Sätze“
        Ich kann da ein hochpädagogisches, ziemlich lautes „Jetzt mal Ruhe sonst brülle ich so laut, dass dir die Ohren explodieren“ anbieten. Funktioniert ganz wunderbar und ist erst noch ein „Ich“-Satz 😉

      • Reply Katharina 11. April 2016 at 15:35

        Das Thema „Wut“ und der Umgang damit ist bei mir auf „Mama hat jetzt keine Zeit“ auch gerade hochaktuell. Irgendwie sind wir ja auch immer Vorbilder (vor allem in den Momenten, in denen wir absolut nicht als Vorbilder taugen).
        Ich stehe gern für ein Interview zur Verfügung… vielleicht hättest du ja Lust, bei mir ein Gastartikelchen über die Wut zu schreiben?
        Ich lese ja laufmeterweise Ratgeberliteratur. Vieles von Juul finde ich durchaus alltagstauglich. Aber seine Thesen über Männer und Frauen….. *schüttel* Zur Ratgeberliteratur: Das angelesene Wissen nützt leider nur in gelassenen Momenten, denn wenn die Wut kommt, man übermüdet ist etc. oder alles zusammen, springt das Reptilienhirn an und das kennt praktisch nur Flucht oder Kampf. Da müsste man daran arbeiten…

  • Reply Nahtkäfer 11. April 2016 at 10:11

    Du bist nicht alleine mit den Gedanken!
    Oh was ich gemeckert habe in den letzten Tagen. Das will ich schon gar nicht mehr aufschreiben 😉

    Aber deswegen bist du noch lange nicht gescheitert. Ganz im Gegenteil: Du siehst ja , dass du meckerst, schimpfst und fluchst. Was übrigens total Menschlich ist. Jetzt musst du nur noch raus finden wie du da wieder raus kommst.

    Vielleicht findest du ein Ritual für dich, dass du Abends einlegen kannst zwischen „Endlich ist Ruhe!“ und „Och ne. Die Wäsche…!“ Ein Weg um wieder Kraft zu schöpfen und die unruhige Nacht zu überstehen. Denn ganz ehrlich: unausgeschlafen sind wir alle keine Engel.

    Ich freue mich schon auf den Fragebogen. Habe heute meiner Mama davon erzählt und die fragte mich, was denn „unerzogen“ sei, ob das die neue Bezeichnung für „anti-autoritär“ sei. Und ich war echt glücklich sagen zu können: „Na..so wie du uns halt nicht erzogen hast!“ Hier wird nämlich schon in 2. Generation nicht erzogen 😀

    • Reply Melanie 11. April 2016 at 10:25

      Ja, ich sehe schon sehr lange, dass ich mecker und schimpfe. Aber ob das mit unerzogen besser wird, weiß ich auch noch nicht ^^ – bin gespannt auf Deine Antworten (Fragebogen kann noch was dauern, Zeit ist grad so knapp ;-))

  • Reply Tina 11. April 2016 at 11:05

    Diese Situationen kenne ich auch. Manchmal verbeißt es sich über Wochen, manchmal kann ich es schon nach Minuten wieder auflösen.
    In einem Satz zusammen gefasst versuche ich die Umstände anzupassen, damit es von selbst läuft. Logischerweise hilft das in der konkreten Krise kein Stück, aber jede Krise hilft die nächste abzuschwächen.
    Als Beispiel für Erziehung von uns Eltern: Wir haben den Mülleimer in unserer Küche umgestellt, damit er nicht mehr am Ende vorm Fenster steht sondern man sich nur umdrehen muss um den Müll von der Arbeitsplatte weg zu werfen. So haben wir es geschafft etwas mehr Ordnung in die Küche zu bringen.

  • Reply Eve 11. April 2016 at 11:54

    Nach meinem Ausraster gestern und dem nagenden schlechten Gewissen hinterher, tat es einfach nur gut, deinen Text zu lesen. Danke. Sorry, kann nicht mehr schreiben, Kind 2 quäkt in der Wiege…

  • Reply minulinu 11. April 2016 at 11:56

    ich brauche gerade Kohle und denke darüber nach einen Erziehungsratgeber zu schreiben. das scheint echt ein guter Markt zu sein für jeden Firlefanz. und wenn es nicht passt, ist das eben individuell unterschiedlich.

    btw: ich betrachte den Jesper auch seeeeehr skeptisch. vor allem, seit der Vater meiner Kinder mir von irgendwo einem Männerbuch von dem gelesen hat. da drin stand die Empfehlung, seine Kinder doch per Wunsch aufzufordern. „Kind, ich wünsche mir, dass Du Dich jetzt ausziehst für die Badewanne!“

    <<der Effekt ist fast so grandios wie der, wenn Dir einfällt zwischen den Wutschüben nochmal tief durchzuatmen. ^^

    "you have my sword!"

    Minusch

  • Reply lareine 11. April 2016 at 12:44

    Der Text spricht mir aus dem Herzen.
    Wir mit unseren vier Kindern bräuchten ohnehin eine ganz eigene Art von Erziehungsratgeber…
    Sehr gerne würde ich Deine Interviewfragen beantworten 🙂

    Liebe Grüße

    Lareine (vom Familienblog Essential Unfairness)

  • Reply Sophie (Kinder haben ...und trotzdem leben) 11. April 2016 at 13:06

    Finde mich 1-zu-1 wieder! Und ja, bitte nimm doch mal diesen Herrn Juul auseinander, ich finde den auch so furchtbar und wundere mich immer, warum den alle so toll finden.

    • Reply lareine 11. April 2016 at 21:02

      Kann Sophie nur zustimmen: Bitte gerne mal etwas analytische Juul-Kritik. Ich kann mit ihm auch nur bedingt etwas anfangen ….

  • Reply Nadja Z. 11. April 2016 at 14:02

    Hallo,

    auf dem blog Buntraum hab ich vorhin eine coole Aktion entdeckt, die eigentlich gut zum Thema passt. Ich hoffe, es ist ok, das hier zu verlinken? http://buntraum.at/termine/workshops/in-21-tagen-alte-erziehungsmuster-fallen-lassen/

    Meine Mädels sind in einem ähnlichen Alter und auch ich empfinde mich selbst als ziemlich „lässige“ Mutter und habe oft das Gefühl, meine Kinder „freier“ zu erziehen als andere Eltern und ihnen viel weniger Grenzen zu setzen. Ich wische ihnen nicht pausenlos die Hände ab, wenn sie draußen was angefasst haben. Beim Thema Ernährung mache ich keine Vorschriften und handhabe es so wie du 🙂

    Deine ehrlichen Texte tun so gut. Bitte mehr davon!

    Viele Grüße
    Nadja

  • Reply Kirsten 11. April 2016 at 21:00

    Es wird irgendwann besser! Irgendwann sind die Kinder vielleicht am selben Ort abzuholen. Irgendwann kommen sie alleine nach Hause und haben sogar einen Schlüssel! Ich hätte es nicht geglaubt, aber zack, ist es soweit 🙂

    Aber natürlich hilft Dir das jetzt im Moment nicht.

    Meine Tipps (falls du überhaupt welche sind, Ratschläge können ja auch Schläge sein): Wir kaufen möglichst nur 1x die Woche ein. Ich liebäugel auch mit dem Lebensmittel-Bringdienst. Wir baden nicht jeden Tag (aber vielleicht ist das bei Euch ja Ritual zum Runterkommen). Wir sind eher selten auf dem Spielplatz (haben allerdings auch einen Garten, das ist also nicht unbedingt vergleichbar). Mittagspause am Wochenende brauch ich auch, da gibt es da meist die Mediendröhnung für die Kinder. Einiges an Hausarbeit klappt mit den Kinder zusammen (oder sie können sich in der Zeit zumindest halbwegs zerstörungsfrei beschäftigen)

  • Reply Irma Lapinskaite 12. April 2016 at 0:06

    Jesper Juul finde ich gut, weil er kein Theoretiker ist. Er ist für mich eher ein Handwerker, der Tipps gibt, für die er sein ganzes Leben gebraucht hat. Sie sind gut überlegt, sie funktionieren. Ob man sie umsetzt oder umsetzen kann oder schon reif dafür ist- das ist eine andere Frage. Gegen spontane Reaktionen wie Schreien oder Schimpfen ist er an sich nicht (wenn es nicht zur Regel wird): das fällt in die Rubrik „authentisch sein“ ;). Ich bin übrigens so gelassen, weil ich eine Woche alleine verbringen durfte. Mein Mann mit unseren zwei Kindern (2 und 4 Jahre alt) war über Ostern bei der Oma.
    An den seltenen Abenden, an denen mein Mann ausgeht, denke ich an die Alleinerziehenden und bewundere sie.

  • Reply Anja 12. April 2016 at 9:59

    Hallo.

    Ich lande gerade durch Zufall in dieser Diskussion, obwohl ich gerade sicher „Wichtigeres“ ;-p zu tun hätte als Mutter von vier…bald fünf Kindern.

    Hätte hätte Fahrradkette…was mir auffällt an vielen Kommentaren sowie auch bei dir ist eine große Unsicherheit.
    Zum Einen möchtet ihr (so wie ich natürlich auch) coole, lässige Mamis sein…nicht streng und dominierend.
    Andererseits lasst ihr euch verunsichern von Bilderbuch- Erziehungsratgebern, deren Autoren einfach ihren ganz eigenen, persönlichen Umgang und Erfolg bei der Erziehung ihrer Kinder darlegen und natürlich auch verherrlichen.

    Ich muss sagen, es wundert mich, dass es euch so fertig macht, dass ihr auch mal schreit und weint und wütend seid. Dass ihr eure Kinder teil haben lasst an euren Gefühlen … an den Guten und Schlechten…das gehört doch dazu, oder?

    Lernt man als Kind so nicht :“ überschreite ich diese Grenze, dann verletze oder beleidige oder provoziere mein Gegenüber“ ???
    Ich meine damit natürlich nicht, dass man ausrastet, weil dem Kind ein Becher aus der Hand fällt… ich rede von „unserer“ Ansicht von Zusammenleben…uns coolen und aufgeklärten, reflektierten Mamas.

    Ich finde, ab dem Moment, wo man sich sicher ist, dass gewaltfreie Erziehung ein MUSS ist, sollte man sich klar sein, dass Kinder auf einer ganz anderen Ebene kommunizieren als Erwachsene. Auf der Gefühlsebene nämlich…und nicht auf der verbalen.
    Und ich finde, dass ein gelegentlicher (Gefühls) Ausbruch der Eltern in extremen Situationen einfach zum Leben dazu gehören.

    Kinder lernen meiner Meinung so auch, dass man natürlich angst hat, wenn man angebrüllt oder angeschimpft wird oder eben auch mal rausgeworfen wird, wenn man die anderen pisakt…aber gleichzeitig lernen sie dadurch auch, dass jeder Mensch seine eigene, persönliche Grenze hat…die man einhalten sollte.

    Soll ich euch mal meinen Trick verraten? Beobachtet eure Kinder unter Kindern. Und dann werdet ihr merken…wir alle sich nur Menschen, wir alle fühlen, atmen, leben. Wir als Erwachsene haben auch die Aufgabe uns nicht zu ernst zu nehmen, uns nicht über unsere Kinder zu stellen nach dem Motto : die sind noch so jung…noch so primitiv…wir zeigen wie es richtig geht.

    Richtig ist, dass jede Familie ihr eigenes, kleines Universum ist, wie ein Lebewesen, dass sich immer bewegt.
    Akzeptanz und Toleranz in jeder Hinsicht, kann man seinen Kindern nur vermitteln, wenn man sich selbst liebt, sich nimmt wie man ist und Fehler mal zulässt und dann auch dazu steht.
    …das ist übrigens nur meine fanz eigene Theorie. ..kann bei Anderen auch anders sein…jedem wie er damit zurecht kommt.

    Liebe Grüße Anja

  • Reply Alina 12. April 2016 at 17:57

    ICH LIEBE DIESEN TEXT!

    Endlich hat es mal jemand geschafft, dass ich mich in seinen Worten so aufgehoben gefühlt habe wie in Mamas Schoß. Ich habe jede Zeile gelesen. Ich habe jedes Wort verschlungen und mir nur gedacht. Thats it! Die Frau hats drauf.

    So lange habe ich mich gefragt, also eigentlich immer – gerade heute als ich unter der Dusche stand und auf einmal sah das Mini mit seiner Zahnbürste in die Steckdose bürstete und ich einen wirklich hysterischen Schreianfall bekam, weil ich mit dem dicken Bauch nicht so schnell aus der Dusche kam, ob ich die einzige auf diesem Planeten bin, die irgendwie anders ist. Nicht schlecht, aber auch nicht so ruhig und so verständnisvoll wie manch anderer.

    Nun ja und nun dein Text und ich denke mir, dieser Text ist mein Schoß und ich glaube nicht das deine Kinder unglücklich sind. Erziehung ist eben menschlich und unser Verhalten auch.

    DANKE DIR!

    Liebe Grüße vom Rathenauplatz 🙂
    Alina

    • Reply Melanie 14. April 2016 at 10:19

      Oh jetzt wird ich rot!

  • Reply Katrin 26. April 2016 at 13:45

    Wohoo, toller Text. Ich hab gerade Alfie Kohn gelesen. Fatal. Das große Kind ist 2,5 Jahre, das Kleine 8 Wochen. Manchmal kann ich gar nicht vernünftig mit der Großen sprechen, weil das Kleine so laut schreit, dass ich selber schreien müsste um mich selber zu hören. Da mal locker bleiben…
    Daher scheitere ich jeden Tag. Leider im Moment unglücklich, da ich ja die Verzweiflung der Großen sehe…
    Kannst mich auch gerne interviewen. Vielleicht hat jemand gute Tipps.
    Die, die ich interviewt habe, bevor das Zweite Kind kam meinten: das geht IRGENDWIE. Ja toll, danke…irgendwie war das jetzt nicht mein Ziel. Aber das hat wirklich JEDE Mutter zu mir gesagt.

    Danke für deinen Text. Ich bin nicht allein…wie schön!
    Viele Grüße Katrin

    Ach ja falls ich mal Zeit habe google ich unerzogen…was es nicht gibt.

    • Reply Melanie 2. Mai 2016 at 8:05

      Danke für Deinen Kommentar – ja die tipps, das ist so ne Sache, denn die müssen ja auch zu einer selbst passen. Da raus zu finden was geht und was nicht dauert wohl. Für mich hab ich vorerst „beschlossen“: Mein Tag mit den Kindern braucht eine gewisse Rahmenstruktur. Für mich. Die Struktur ist anpassungsfähig (seit der Zeitumstellung bspw. sind die Kinder jeden Abend eine Stunde später im Bett. Da mach ich mich ja selber nur unglücklich, wenn ich mir vornehme, um acht abends Feierabend zu haben) aber vorhanden. Innerhalb dieser Rahmenstruktur gibt es verschiedene Alternativen, die die Kinder „wählen“ können, z.B. welcher Spielplatz am Nachmittag, ob Eis essen etc. Aber ich werde mich nicht so oft von meinen Kindern „treiben“ lassen. MICH macht das wahnsinnig und da haben dann auch die Kinder nichts von. Rücksicht aufs Miteinander und so.

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