Familie

Es ist genug für alle da!

Unter diesem Motto (siehe Überschrift) stand das Wochenenende. Irgendwie habe ich den Eindruck, bei Geschwisterkindern ist mein Job aktuell weniger, den beiden Kindern in ihrer individuellen Art gerecht zu werden, als mich zwischen ihnen gerecht aufzuteilen.

Wir liegen im Park, auf der Picknickdecke. Ein Kind kuschelt sich an mich, zieht die Decke rüber. Das andere Kind kuschelt sich nachdrücklich auch an mich und schimpft, weil es nicht genau so viel Bein als Kopfkissen hat wie das andere Kind.

Oder heute. Da sagt Kind2 unterwegs, dass es Durst hat. Ich reiche ihm die auf dem Weg zum Kindergarten gekaufte Flasche Saftschorle. Kind1 aus dem Rückenmark: „Das ist gemein!“ Ich sage zum gefühlt 235. mal, dass er auch was zu Trinken haben kann, er hat doch aber von Durst noch gar nichts gesagt. Ist das wirklich so ein Geschwisterkindreflex? Dieses automatisch „gemein!“ rufen, wenn das andere Kind etwas bekommt, selbst wenn es eine Kopflaus wäre?

Und dieser Tage denke ich, dass auch so viele Erwachsene diese „gemein!“-Haltung haben. Flüchtlinge kriegen Unterkunft? GEMEIN! Leute die keine Arbeit finden oder nicht in der Lage sind zu arbeiten kriegen Hartz IV? GEMEIN! Leute, die weniger verdienen zahlen weniger Steuern (ha!)? GEMEIN!

Ach Leute, möchte ich sagen, es ist genug für Alle da, wirklich! Euch wird nichts weg genommen, nur weil wer Anderes einen kleinen Krümel vom Kuchen abkriegt…

Anyway…

Der Große ist heute alleine zur Schule gegangen! 400 m Luftlinie, keine Ampeln, dafür 30 Zone und Zebrastreifen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wär er ja schon letzte Woche los marschiert. Als ich dann auf dem Weg nach Hause mich zu ihm beugte, ja sogar ein wenig auf die Knie ging um ihm zu sagen, dass seine arme Mutter noch ein paar Tage bräuchte um zu akzeptieren, dass sie jetzt ein großes Kind hat…“MAMA ICH WILL ABER ALLEINE!!!“… Ja, ok, das Kind hat keine Lust auf meine emotionalen Theatereinlage.

Aber genau heute Morgen ging ein Regenschauer nieder, als Kind1 los musste. Einen Regenschirm hatte ich. Aber ist er auch trocken angekommen? Sagt mir irgendwer Bescheid, ob er gut in seiner Klasse ankam? Könnte ich ihm vielleicht doch ein Handy mit GPS-Tracker in den Tornister…ja gut, er wirds schon schaffen.

Hat er dann natürlich auch. Und war stolz, sowas von!

Nächster Diskussionspunkt ist jetzt Taschengeld. Er hat letzte Woche das erste Mal welches bekommen, 1 Euro…reicht das heutzutage noch? Wie/was gebt ihr denn euren Kindern?

Auf facebook gerate ich in eine Diskussion über die „naiven“ Mütter, die ihre Arbeit aufgeben um sich um die Kinder zu kümmern und anschließend über die ausbleibende Rente zu jammern. Ähm ja. Jemand erklärt mir, dass man zur Not auch eben dahin ziehen muss, wo ausreichend Kinderbetreuung und flexible Arbeitgeber sind. Und dieses „man muss nur xy, dann …und wenn Du nicht bereit bist xy zu tun, dann biste selber Schuld“ bringt mich inzwischen so in Rage. Denn:

Ich bin keineswegs erstaunt, wenn in 30 Jahren mein Rentenbescheid kommt. Ich hab jetzt schon eine Ahnung, was da drauf steht. Aber was ist die Alternative? Ist ja nicht so, als hätten wir uns nicht um gute Kinderbetreuung bemüht. Aber was macht man, wenn die Erzieherinnen (zu Recht) streiken? Wenn Kinder von 12-24 Monaten bei Tagesmüttern (und -vätern) sind, die selber krank werden, Urlaubsanspruch haben und in seltensten Fällen 40 Stunden arbeiten? Wie soll man eine 40 Stunden Woche arbeiten, Wenn sogar die städtische Kita maximal 45 Stunden/Woche Betreuung bietet, wir noch Pendelzeit und Mittagspause aufschlagen…Ihr wisst glaub ich, was ich sagen will.

Ich glaube manchmal, es ist wahrscheinlicher im Lotto zu gewinnen, als die perfekten Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu finden. Oder um es mit Oktober zu sagen: Am 2.10. fällt Schule inklusive Offener Ganztag aus wegen beweglichem Ferientag (der als Fortbildung des Lehr- oder pädagogischen Personals getarnt wird ;-)), am 23.10. hat die Kita zu, wegen interner Fortbildung oder Personalversammlung. Dann sind auch schon wieder Ferien in der Schule…

Alternativ kann ich mich mit meinem Partner streiten, weil er einen Job ohne feste Arbeitszeiten und ohne freie Wochenenden hat. Oder mich wieder in einen Job begeben, wo der Bore Out wartet. In dieser facebook-Diskussion wird dann gesagt, ich solle nicht jammern…Nun, ich finde ich jammer gar nicht. Ich mache das beste aus der Situation. Ich freue mich über die Zeit mit den Kindern, auch wenn ich nach einem Wochenende alleine mit ihnen gerne einen freien Montag hätte. (Heute, also Montag, stand aber schon wieder ein Augenarztbesuch an, Morgen muss der Kleine zum Impfen und im Oktober stehen Zahnarzttermine an).

Ich schweife schon wieder ab…ich freue mich über die Projekte, mit denen ich meine Freiberuflichkeit angehe – aber de facto komme ich auf maximal auf 20 Stunden die Woche und das auch nur in den Wochen, in denen keine Ferien oder sonstige Ausfälle sind. Ja, ich weiß, dass viele Mütter mehr schaffen. Mehr schaffen…müssen? Und finden die, die das müssen nachahmenswert? Das ist doch die Frage, die man sich stellen muss. Wer glücklich ist mit seiner Vollzeittätigkeit ist aus dieser Diskussion hier sowieso außen vor. Wenns bei euch klappt, freu ich mich mit euch! Wenn ihr müsst: Würdet ihr euch das für Alle wünschen? Oder als das NonplusUltraModell vorstellen?

 

Dass ich selber nicht Vollzeit arbeite tue ich nicht aus „Naivität“. Und wenn wir finanziell drauf angewiesen wäre oder ich alles alleine stemmen müsste…dann würde es irgendwie womöglich gehen. Aber dann wäre ich beim Eintritt ins Rentenalter auch schon so ausgelaugt, dass ich mit meiner Rente auch  nichts Schönes mehr machen könnte.

Na und dann schreibt Kerstin darüber, wie sie im klassischen Familienmodell gelandet ist. Ich kann sie zu gut verstehen und habe ja auch mal geschrieben, wie das 50/50 Modell hier so läuft…hust…Kinder sind ein Job „on Top“. Je nach Anzahl, Alter und Persönlichkeit fordern sie Aufmerksamkeit, Zeit und Energie, die man selber irgendwo auch wieder „auftanken“ muss. Und wo soll das sein bei zwei Vollzeitjobs pro Paar? Wo ich aber Kerstin – widersprechen ist übertrieben, denn hier lief es ganz ähnlich – noch was mit zum Nachdenken geben möchte: Ich kenne genug Paarkonstellationen, in denen die Lohnarbeitsverhältnisse andersrum waren (Er – Freiberufler, Sie – Angestellt, auch mehr verdienend), und die „Konsequenz“ trotzdem aufs Gleiche rauslief. Dass der Mann Vollzeitverdiener blieb und sie die Elternzeit/Teilzeit übernahm. Dafür gibt es einige Gründe, vielleicht schreibe ich an anderer Stelle mal mehr darüber.

 

 

 

 

 

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8 Comments

  • Reply Kerstin 11. September 2017 at 21:04

    Manchmal schreibst du konfuser als ich. 😀 Aber ja, oft wird die Selbstständigkeit als Grund angeführt, warum genau derjenige weiterarbeiten MUSS. Gerne der Mann.

    Wir waren da möglicherweise naiv. Aber es war auch eben bzw ist auch eben eine freiberufliche Arbeit, die sich rein in der Theorie super flexibel von daheim machen lässt, keine Angestellten und kein Geschäft was geführt werden muss.

    Ach es ist kompliziert und vielleicht auch gar nicht. Oft genug Frage ich mich, ob ich was falsch gemacht habe. Dabei bleibt es jammern auf hohem Niveau. Denn ich müsste nicht arbeiten. Ich will es nur. Bzw ich will anders arbeiten als jetzt. Ach auch das war konfus und nicht wirklich was ich schreiben wollte, aber lassen wir das einfach mal so stehen.

    Übrigens kenne ich diese Eifersucht. Die haben hier aber nur zwei. Meine Söhne. Die Zwillinge sind da untereinander entspannter und auch die Tochter stört sich wenig, was der Kleine bekommt oder nicht.

    • Reply Melanie 11. September 2017 at 21:06

      „Falsch gemacht“ ist sicher nicht der richtige Ausdruck 😉 Ich verstehe Dich voll und finde es trotzdem wichtig, bestimmte Rahmenbedingungen nicht auszublenden

  • Reply Lisa 12. September 2017 at 8:46

    Liebe Melanie,

    ja, ich kenne das! Aber mittlerweile bin ich fast erleichtert, dass die Kleine nun auch in „ihr habt meinen Bruder viel mehr lieb als mich!“ -Phase kommt. Weil ich es dadurch als Phase sehen kann und mich nicht fragen muss, ob der einfachere Zugang zu meiner Kleinen im Großen tatsächlich Nicht-Geliebt-Fühlen auslöst. Aber es strengt an, jede Aufmerksamkeit und auch jeden Konflikt immer wieder zu rechtfertigen und deutlich machen zu müssen, dass dadurch niemand bevorzugt wird!
    Wir haben übrigens eine im Großen und Ganzen gut funktionierende 50/50-Teilung. Trotzdem haben wir oft furtchbaren Streit über das mental-workload, dass ich hauptsächlich bei mir und der Mann hauptsächlich durch mich verursacht sieht….und trotzdem werde ich bei Nr. drei ein volles Jahr zu Hause bleiben und der Mann anschließend kürzer, aber das ist eher meinem Job mit 24-Std-Diensten geschuldet, die ich mir mit kleinem Baby nicht vorstellen kann. Ich finde es aber immer wieder erschreckend, wie selbstverständlich auch in mein gut bezahlten Job Frauen immer wieder ganz selbstverständlich ins klassische Rollenmodell gehen und erst Jahre später merken, wie unglücklich sie damit sind oder alternativ sehr spät/keine Kinder bekommen, weil sie sich nicht vorstellen können, beruflich so zurückzustecken und ein anderes Modell nicht denkbar finden!
    Oh, und hier gibt es auch seit der ersten Klasse 1€, eigentlich wollten wir jetzt zur dritten auf 1,50€ erhöhen, aber da das Kind es bisher nicht erwähnt hat haben wir es bislang nicht getan. Er hat eigentlich genug Geld, wir helfen aber auch z.B. beim Verkauf von Spielzeug auf Kleinanzeigen oder stellen uns mit den Kindern auf den Flohmarkt. Insgesamt finden wir beide den Konsumrausch, in den die Kinder schnell geraten ganz schwierig und da ist es eigentlich ganz gut wenn die Finanzen begrenzt sind ( hier in der Umgebung wird teilweise auch Geld zum Geburtstag geschenkt/gewünscht *grusel*)

    Liebe Grüße, Lisa

    • Reply Melanie 12. September 2017 at 10:04

      Ja, ich find auch, eigetlich bekommt er genug. Aktuell lässt er sein Taschengeld, wenn er es nicht direkt ausgibt, meist irgendwo liegen – auch das muss er wohl alles erst üben ^^

  • Reply Kerstin 12. September 2017 at 14:40

    Taschengeld! Wir machen es so: Unsere beiden Kinder bekommen gleich viel (5 und 6 Jahre alt) und zwar 50 Cent pro Tag (passt auch in das Thema gerecht – eigentlich denke ich nicht, dass beide gleich behandelt werden müssen, um gerecht behandelt zu werden, aber bei Taschengeld schon. Denn die Wünsche von beiden sind ja gleich teuer…) Im Moment wollen sie es wöchentlich ausgezahlt bekommen. Damit habe sie eine realistische Chance auf ihre Wünsche hin zu sparen (z.B. Dragon Playmobil gerade aktuell, da kostet das billigste Teil 12 Euro). Bei 1 Euro pro Woche wäre es ja nie möglich so etwas selbst zu kaufen. Dafür kaufen wir aber auch nichts nebenher (früher, ohne Taschengeld, haben wir auch mal kleine Dinge für die beiden nebenher gekauft: Zeitschriften z.B.). Das Model haben wir jetzt seit einem Jahr und wir haben es gleich mit dem Konzept Taschengeld eingeführt. Bisher gab es schon viele unterschiedliche Phasen: Am Anfang haben sich beide Dinge gekauft, die wir Eltern richtig Klasse fanden. Dann sind sie mit ihrem Geld in den nahegelegenen Tedi und haben Ramsch gekauft (was wir natürlich doof fanden). Danach gab es eine Süßigkeiten-Phase. Die haben wir aber abgebremst und bestimmt, dass Süßigkeiten zum Posten „Essen“ gehören und von uns Eltern gekauft und verwaltet werden 😉 Und gerade sparen sie wieder toll – eben für Playmobil. Wir Eltern müssen daher wirklich oft abwägen, ob wir kommentieren und eingreifen, oder nicht. Die Idee für das Konzept Taschengeld habe ich von der Tofufamily.

    • Reply Melanie 14. September 2017 at 19:11

      Was meinst Du mit „Konzept Taschengeld“? Also das Prinzip Taschengeld ist ja alt? Also hier bekommen die Kinder eh viel „nebenbei“, auch wenn wir versuchen, diesen ganzen Ramsch zu vermeiden. Aber das Prinzip Geld an sich muss er ja erst mal verstehen und ein Gefühl dafür bekommen, was was kostet. Das find ich schon spannend, wenn er die tolle Playmo-Eisenbahn sieht und ich sage, dafür müsste er 70 Wochen Taschengeld sparen 😉

  • Reply Kirsten 12. September 2017 at 21:37

    Taschengeld: Wir halten uns eher an der unteren Grenze auf. Die Kleine (7) kriegt noch gar nichts fest (oder 1 EUR, wenn die Großen ihr monatliches Taschengeld kriegen), dafür ab und an (oft) 1 EUR für den Eiswagen. Die Großen (11 und 13) kürzlich erhöht auf 10 und 15 EUR im Monat. Die kriegen aber so viel extra (Geburtstagsgeld, Zeugnisgeld von den Großeltern, von der Tante), der Große hat Glück und kann sich als Trainer-Helfer schon richtig was dazuverdienen, es muss also keiner darben. Wir wohnen in einer Gegend, wo generell wenig Kinder hohes Taschengeld kriegen, da fänd ich es komisch, wenn meine jetzt so viel kriegen würden.

    • Reply Melanie 14. September 2017 at 19:13

      Spannend, ich hab eher die „Befürchtung“, dass wir hier an der unteren Grenze liegen. Geld für den Eiswagen oder mal was Süßes kommt eh oben drauf. Ich hoffe, dass er so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommt, was die schönen Dinge kosten. Wenn er sieht, dass die Spielsachen, die er sich zum Geburtstag wünscht ein paar Wochen Sparen heißen etwa

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