Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 10: Mehr Solidarität und Unterstützung!

Ein Text von Kulturereignis , ein Blog über das Große im Kleinen

Neulich fiel mir das Buch „Feindbild Mutterglück: Warum Muttersein und Emanzipation kein Widerspruch ist“ von Antje Schmelcher in die Hände. Beim Querlesen war ich, trotz der ein oder anderen überlegenswerten Aussage darin, teilweise doch sehr befremdet – insbesondere, was ihren Zugang zur Genderthematik betrifft. Das Buch hat mich aber immerhin dazu gebracht, meine eigene Haltung zum Thema noch mal neu zu reflektieren. Und so kam der Aufruf zu diesem Beitrag genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Das Kind

Mein Mann und ich, wir haben einen dreijährigen Sohn. Er ist, wie man so schön sagt, ein absolutes Wunschkind, entsprechend haben wir uns damals bewusst dafür entschieden, Nachwuchs zu bekommen. Wie wahrscheinlich bei den meisten, war diese Entscheidung durchaus auch von Zweifeln geprägt:

Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt? Sollen wir noch warten? Warten wir zu lange?

Klar, man weiß ja, den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht und so… aber diese Frage kommt automatisch, wenn man zumindest über die Verhütung einer Schwangerschaft selbstbestimmt entscheiden kann. Und es braucht vielleicht auch ein bisschen Anlauf, um von vielen Jahren „jetzt bloß nicht schwanger werden“ auf „jetzt aber schnell schwanger werden“ umzuschalten.

Zu klären war auch: Ein Kind – wollen wir das beide gleich stark? So etwas kann ja beziehungsgefährdend werden – ein ungleich stark ausgeprägter Kinderwunsch. Irgendwann war es mir, glaube ich, ein wenig wichtiger als meinem Mann. Der Klassiker: Ich war zwar Anfang dreißig, hörte aber doch langsam die berühmte biologische Uhr ticken. Wer weiß, wie lange das dauert, bis ich schwanger werde? Ob mein Körper das überhaupt kann? Wir haben dann bewusst darauf gewartet, dass mein Arbeitgeber mich entfristet – was länger dauerte, als gedacht, im Nachhinein aber die richtige Entscheidung war. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich sonst noch meinen Job hätte.

Eine wichtige Frage war auch: Habe ich, haben wir genug Kraft für die Elternschaft? Ich habe eine chronische Erkrankung, die mich schon lange begleitet und das vermutlich auch noch länger tun wird. Für mich war nicht absehbar, was das in einer Schwangerschaft und dann nach der Geburt, mit kleinem, bedürftigen Kind bedeuten würde. Ich hatte Angst davor, wünschte mir aber ein Kind, deshalb war ich mutig genug. Vielleicht war diese Ausgangssituation aber auch der Grund dafür, dass ich schon in unseren Gesprächen vor der Schwangerschaft mit meinem Mann zusammen abglich, was ich und was wir brauchen, damit es mit uns und Kind als Familie funktionieren würde: Er kannte mich ja schon eine Weile und wusste, ich würde manchmal vielleicht mehr Unterstützung brauchen als die ein oder andere – wobei mein Anliegen nach wie vor ist, das so wenig wie möglich einzufordern. Ob das nun gesund ist, sei mal dahingestellt. Uns war auch klar, dass sich der bisherige Reiseanteil im Job meines Mannes in jedem Fall nicht erhöhen sollte.

Ich glaube, wir haben damals ziemlich viel im Vorfeld besprochen: Wie wir es mit der Hausarbeit halten würden, wer wann und wie lange Elternzeit nehmen sollte… das war gut, denn so blieb uns später, als unser Sohn dann tatsächlich bei uns war, die ein oder andere Überraschung erspart. Genügend andere zu bearbeitende Themen poppen dann ja ohnehin noch auf.

Der Mann

Gerade war ich versucht zu schreiben, ich habe „Glück“ mit meinem Mann und seiner Rolle in unserer Familie. Beim Tippen spürte ich aber, wie mir ein Petticoat aus der Hüfte wuchs, deswegen habe ich das schnell wieder gelöscht. Ja, natürlich habe ich Glück, denn er ist klug und nett und lustig und fürsorglich und verlässlich und hat mich außerdem auch noch gern, glaube ich. Dass er sich aber auch um unseren Sohn kümmert, putzt und regelmäßig die Wäsche zusammenlegt, würde ich eher als wünschenswerten Normalzustand bezeichnen. Ich honoriere das durchaus, wie er es auch bei mir tut, aber das Ganze rutscht doch schnell in eine merkwürdige Schiene, wenn man es vor dem Hintergrund der Männer- und Vaterrolle thematisiert.

Derzeit wird für mich allerdings noch einmal wirklich deutlich, dass mein Mann sich sehr bereitwillig für uns als Familie einsetzt: Vor einigen Monaten musste unsere Tagesmutter aus gesundheitlichen Gründen die Betreuung für unseren Sohn aufgeben. Das war ein ziemlicher Einschnitt für uns alle, weil wir so schnell niemand Neues auftreiben konnten und auch kein Kitaplatz in Sicht war. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch einige Probleme mehr, und schon da war sofort spürbar: Ich muss das nicht alleine stemmen. Zwar bin ich klassisch diejenige, die Teilzeit arbeitet, aber mein Mann versuchte gleichermaßen, Betreuungslücken und die Situation aufzufangen. Auch unsere Familien helfen aus, sie wohnen aber beide nicht wirklich in der Nähe, und hätten mein Mann und ich hier nicht als Team funktioniert, wäre es wirklich schwierig geworden. Bis wir im Sommer einen Kitaplatz haben, ist unser Sohn nun bei uns zu Hause und einen Tag in der Woche bei den Großeltern. Dafür habe ich meine Stundenzahl im Job reduziert, mein Mann nimmt dafür jede Woche mehrere hundert Kilometer Fahrzeit auf sich und hat seine Arbeitszeiten angepasst. Bei mir laufen zudem gerade parallel zum Job mehrere private Weiterbildungen, zum Teil sehr umfangreich. Mein Mann war sofort bereit, das zu unterstützen, was wiederum Einschränkungen in seiner Arbeitszeit, aber auch eine intensivere Betreuung unseres Sohnes zu den Fortbildungszeiten mit sich bringt. Ich weiß das sehr zu schätzen, das, und dass eine Weiterbildung ohne seine finanzielle Unterstützung gar nicht möglich wäre.

Die Sache mit dem Geld empfinde ich bei uns generell als sehr egalitär. Zwar haben wir auch ein gemeinsames Konto, wir tracken aber dauerhaft penibel alle unsere Kosten und Ausgaben, die dann nach dem aktuellen Einkommensschlüssel wieder aufgeteilt werden. Am Ende des Monats gibt es entsprechende Ausgleichzahlungen. Mittlerweile spielen in dieses Konglomerat noch Ratenzahlungen für Hauskredite, Altersvorsorge und mehr hinein – ohne die Liebe meines Mannes zu Exceltabellen wären wir wohl aufgeschmissen (da sind wir ganz klassisch verteilt: Ich hasse das Management von Geldangelegenheiten. Mein Mann hat immerhin zu Urzeiten mal eine Banklehre absolviert. Also sein Revier). Für uns funktioniert es aber gut, denn so können erst gar keine Diskussionen aufkommen, wer denn vielleicht zu oft das Klopapier bezahlen musste. Zudem haben wir mit der Geburt des Sohnes beschlossen, dass ich diejenige sein werde, die erst in Eltern- und dann in Teilzeit gehen würde. Auch ein Klassiker: Ich verdiene in meinem Job einfach weniger (Augen auf bei der Berufswahl). Mit unserem Modell besteht die Chance, dass es finanziell trotzdem fair für mich läuft.

Der Job

Wie schon angedeutet: Ich bin nach einem Jahr Elternzeit von einer Vollzeit- auf eine Halbzeitstelle gewechselt. Das war zum Glück problemlos möglich, sogar ohne Einbuße interessanter Arbeitsfelder. Tatsächlich ist es für mich persönlich derzeit nur schwer vorstellbar, Vollzeit zu arbeiten – Vollzeitmutterdasein hat mich zwar in der Elternzeit so auch nicht glücklich gemacht – aber Vollzeit im Erwerbsjob, das wäre im Moment einfach zu viel Zeit, die mir von meinem Kind abgezogen würde. Mein Mann hingegen arbeitet Vollzeit, was in finanzieller Hinsicht derzeit auch notwendig ist. So ok diese Regelung auch für mich ist – meine Träume sehen irgendwie anders aus. Und zwar ungefähr so:

Ich hätte gerne ausreichend Zeit für unser Kind, ohne es wegen Termindruck durch die Gegend hetzen zu müssen. Ich möchte viel Zeit mit ihm verbringen, möchte aber auch Zeit haben, um anderen Aufgaben und Interessen nachgehen zu können. Es wäre toll, wenn auch mein Mann nicht Vollzeit arbeiten müsste, sondern dafür ebenso noch mehr Zeit mit unserem Sohn hätte, wir uns also einerseits die Sorgearbeit stärker teilen könnten als bisher, andererseits aber auch mehr Zeit für uns gemeinsam als Familie bliebe. Und ja, ich würde mir wünschen, meine Familie wäre in der Nähe. Die Eltern meines Mannes wohnen rund 100 Kilometer entfernt, das ist eine noch machbare Strecke, bis zu meinen Eltern sind es 400 Kilometer. Mir wurde vor der Geburt prophezeit, dass ich mir oft wünschen würde, meine Eltern wohnten um die Ecke, und verdammt: Das stimmt. Es braucht einfach Menschen, die einen mit Kind unterstützen, die einem mal Zeit und Raum verschaffen, und es braucht mehr Bezugspersonen als allein die Mutter, und das dürfen dann gerne auch mehr als der Vater sein.

Ich habe im letzten Absatz unverhältnismäßig oft das Wort „Zeit“ benutzt. Aber so ist es halt: Zeit ist ein rares Gut und gleichzeitig so furchtbar wichtig, wenn man Kinder hat. Für einen selbst, aber auch für die Kinder. Slow Parenting und so…

Die Mutterschaft

Was bedeutet Mutterschaft für mich? Der Begriff „Mutter“ ist so unglaublich beladen, besetzt, mit Erwartungen angefüllt, finde ich. Man muss ja nur an Freud denken. Aber auch sonst: Wenn es um Mütter geht, schwingen oft gleichermaßen hehre Ideale und böse Beschimpfungen mit. Man bekommt ein Kind und steckt plötzlich mittendrin. Für mich ist dabei es keine Frage, ob ich gerne Mutter bin: Das bin ich, und ich bin fest davon überzeugt, dass Mutterschaft in keinem Konflikt zu einer feministischen Haltung stehen muss. Aber es ist fast schon ein Kampf, mich selbst aus meiner eigenen Perspektive heraus als Mutter zu definieren, bevor es nicht schon andere für mich getan haben.

Unter anderem spielen hier ja auch unterschiedliche Sichtweisen mehrerer Genrationen (und natürlich auch Kulturen) eine Rolle. Mir kommt dabei eine Situation bei meiner Schwiegerfamilie in den Sinn: Wir waren dort zu Besuch, es war der Abend des 24. Dezember. Und, das ist in der Familie meines Mannes gerne mal so: Der Beginn des Abendessens zog sich immer weiter nach hinten. Irgendwann war das Kind so müde, dass es ins Bett musste. Was bei unserem Sohn gerne mal heißt: Man liegt zusammen ein bis zwei Stunden im abgedunkelten Raum bevor er einschläft. Ich schlief in diesem Fall hungrig mit ein, was bedeutete: kein Abendessen für mich an diesem Heiligabend. Meine Schwiegermutter kommentierte das am nächsten Morgen mit dem Satz: „So ist das halt als junge Mutter!“

Mutter – ein entbehrungsreicher, aber bloß nicht zu beklagender Job! Wirst Du Mutter, zählst Du als Person mit Deinen Bedürfnissen erst einmal nicht mehr wirklich. Jemand muss zurückstecken? Mutti ist doch da!

Ich vermute, das ist in der Generation unserer Eltern trotz Aufbegehrens noch immer fest verwurzelt. Und mir kann keiner erzählen, dass es sich innerhalb einer weiteren Generation komplett verloren hat. Ich befürchte vielmehr, dass es zu einer Art Sprachlosigkeit hinsichtlich der Rolle von Müttern und Frauen gekommen ist, weil es eben nicht wirklich en vogue ist, über den adäquaten Umgang mit Frauen und Müttern zu sprechen. Braucht ja keiner mehr wirklich, diese feministischen Diskussionen der siebziger und achtziger Jahre. Und vielleicht braucht es die wirklich nicht, sondern etwas anderes, noch weiter Gefasstes. Mir persönlich geht es tatsächlich auch mehr um die Würde, die jeder Einzelne, jede Einzelne verdient hat.

Das nivelliert nicht die Besonderheit und Schönheit, die das jeweilige Geschlecht (und davon darf man sich dann gerne mehrere denken) mit sich bringen kann. Aber auf einer darüber liegenden Ebene wünsche ich mir, dass allen Menschen erst einmal grundlegend Respekt entgegen gebracht wird; dass allen Menschen Bedürfnisse und auch das Anrecht auf ihre Erfüllung zugestanden wird. Das ist eine Haltung, die ich meinem Sohn, die ich aber gleichzeitig auch allen anderen Menschen entgegen bringen möchte. Wenn ich mich bemühe, das im Alltag zu leben, bin ich – mit all meinen Schwächen dabei – gleichzeitig auch Vorbild für meinen Sohn und ich hoffe, dass er durch die Erfahrung von Respekt und Angenommensein diese Erfahrung gleichzeitig auch weitertragen kann.

Das Geschlecht

Ich bemühe mich also als Mutter, meinen Sohn möglichst unvoreingenommen so wahrzunehmen, wie er ist – auch unabhängig von Geschlechterstereotypen. Um die kommt man aber letztlich nicht herum, ich musste mir also auch dazu eine Haltung aneignen. Das finde ich gar nicht mal so einfach. Ich will nicht alle Unterschiede zwischen Geschlechtern per se nivellieren. Ich mag aber auch keine sinnlosen Zuschreibungen. Konkret im Alltag bedeutet das, dass ich erstmal versuche, die Angebotspalette breit zu halten, ihn also zum Beispiel bunt und nicht nur blau anzuziehen. Er besitzt einen Puppenbuggy, meine alte Babypuppe, unglaublich viele kleine Autos, eine Kochecke und eine Eisenbahn. Er guckt sich „Tom der Abschleppwagen“ an und verkleidet sich mit Engelsflügeln.

Ich bin mir aber bewusst, wie beeinflusst ich dennoch tagtäglich von Klischees bin. Es ist also alles eine wackelige Angelegenheit. So ertappe ich mich dabei, wie ich ihm zwar jederzeit die blinkenden lila Gummistiefel mit Blümchen kaufen würde, wenn er sie möchte, wie ich aber parallel mittlerweile eher nicht zu pink in der Oberbekleidung greife, um blöde Kommentare oder Fragen auszuschließen. Als er noch sehr klein war, war mir das egal, und oft wurde ich auf dem Spielplatz gefragt, wie alt die Kleine denn sei, nur, weil er eine rote Hose und die Haare nicht stoppelkurz trug. Zunehmend aber entwickelt sich seine persönliche Wahrnehmung seiner Identität, und obwohl die noch offen für vieles ist, will ich ihn nicht durch Reaktionen von außen brüskieren. Außerdem will ich ihm nicht extra ein rosa T-Shirt anziehen, nur um es anders zu machen. Dann wäre er nur ein Instrument für mich.

Die Mutterschaft und der Feminismus

Mutterschaft hat für mich eine ganz spezielle Komponente: Erst als Mutter erlebe ich eine neue Dimension von Liebe, von Hingabe, von Verlustängsten, von Tiefe. Das hätte ich mir vorher so nicht vorstellen können. Ich glaube, das geht einher mit einer großen Kraft und gleichzeitig auch mit einer großen Schwäche. Das klingt jetzt latent metaphysisch, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, dass die Erfahrung von Schwangerschaft, Geburt und auch der Begleitung von Kindern etwas ganz Besonderes freisetzt. Ob dies für Väter auch zutrifft, kann ich nicht beurteilen, ich für mich persönlich kann aber feststellen, dass Mutterschaft mich in Kontakt mit etwas, sagen wir, sehr Ursprünglichem gebracht hat und bringt. Und das hat für mich etwas zutiefst Feministisches, denn Feminismus heißt für mich auch: Dass Frauen nah an sich selbst sein dürfen, dass sie sich nicht verstellen müssen, dass sie mit allen ihren Anteilen in der Gesellschaft willkommen sind – auch mit ihren mütterlichen – was auch immer das jeweils für sie bedeutet.

Und, ganz ehrlich: Ich habe nicht den Eindruck, dass dies gerade richtig gut möglich ist. Die Dinge standen sicherlich schon einmal schlechter, aber schon allein als Frau an sich ist es manchmal schwierig inmitten all der Erwartungen und Standardvorstellungen vom angemessenen Frausein. Ich bin zum Beispiel über 1,80 m groß. Das reicht eigentlich schon, um ausreichend aus der Norm auszubrechen und das auch immer wieder zu spüren. Und das ist vergleichsweise nur eine Kleinigkeit. Bei Männern mag das gar nicht so viel anders sein. Bei Frauen, die auch Mutter sind, potenziert sich die Situation aber: Ich verstehe zum Beispiel, dass Arbeitgeber es nicht gerne mögen, wenn Arbeitskräfte wegfallen. Aber das, was Frauen häufig noch im Job begegnet, wenn sie schwanger werden, ist einfach ein Unding! Meine Güte, wir bringen die Menschen auf die Welt, aus denen sich unsere komplette Gesellschaft überhaupt erst zusammensetzt, wir ziehen sie meist auch groß! Das gilt übrigens auch für Familien im Allgemeinen und deren Sorgearbeit. Wieso sollte ich schuldbewusst aus der Wäsche gucken, wenn ich mit dem völlig natürlichen Lebensfluss schwimme und Kinder auf die Welt bringe?

Wieso sollte das mein Privatvergnügen sein? Es braucht hier eine komplett andere Haltung gegenüber Müttern und Familien im Allgemeinen. Das meint keine Aufwertung von Menschen, die Kinder großziehen gegenüber Kinderlosen. Bewahre. Bewertung ist ohnehin ein großes Problem, da aber auch gerne unter Müttern: Ich persönlich erlebe das vielzitierte Mütterbashing ja wirklich selten, sondern habe in meinem Umfeld doch weitgehend unterstützende und tolerante Menschen. Ich weiß aber wohl, dass es auch anders geht, und, Mädels: Das ist so kontraproduktiv, wenn Ihr Euch gegenseitig erzählt, wer es angeblich schlechter und besser macht. Meist dient die Abwertung eines anderen Lebensmodells ja ohnehin nur zur Rechtfertigung des eigenen. Aber mal ehrlich: Nur, weil man als Mutter so häufig suggeriert bekommt, es nie wirklich richtig zu machen, ist es noch längst keine gute Idee, krampfhaft aufeinander rumzuhacken, um sich selbst irgendwie zu erhöhen.

Muttersein ist derzeit nicht einfach: Die Erziehungsideale sind verschieden, aber gleichermaßen hoch. Es gibt wenig „richtig“ und „falsch“. Als Mutter soll ich gleichermaßen für meine Kinder da sein, aber auch noch andere Hobbys, einen Job und immer eine tolle entspannte Beziehung haben. Jeder weiß um den Utopiegehalt dieses Bildes, trotzdem ist es irgendwie da – und unerreichbar. Und dann die Betreuungsfrage: Wenn ich meine Kinder von anderen betreuen lasse, ist das für viele Menschen ganz schlimm – wenn ich das nicht tue, für ungefähr genauso viele Menschen ebenso furchtbar. Und nicht wenige davon scheuen sich auch nicht, das offensiv mitzuteilen; zu Müttern kann halt jeder irgendwie eine Meinung haben. Ich schlage hier keine neuen Töne an, auch nicht, wenn ich sage, dass das Themen sind, mit denen sich Männer meist nur marginal auseinandersetzen müssen. Das wird sich auch nicht ad hoc ändern lassen, was man aber recht schnell ändern kann: Das Maß an Solidarität, dass sich Frauen und Mütter einander entgegen bringen. Seid nett zueinander! Sprecht Euch Mut zu! Sagt Euch, wie gut Ihr das macht! Das stimmt nämlich meistens sogar!

Wenn es dann noch gelingt, das nicht als Abgrenzung gegen die Männer in der Gesellschaft zu verstehen, wäre schon einiges gewonnen, finde ich. Denn wenn wirklich der Wunsch besteht, dass wir alle eine gerechte Behandlung erfahren, Frauen wie Männer, dann geht das nur gemeinsam. Dann muss man dafür sorgen, dass es normal wird, dass Väter ebenso wie Mütter für ihre Kinder in der Erwerbsarbeit kürzer treten. Dass es nicht an ihrem Selbstverständnis als Mann rüttelt, wenn sie Fürsorge zeigen. Dass auch sie untereinander im Hinblick auf Elternschaft solidarisch und unterstützend sind.

Und vielleicht ist das tatsächlich eine wichtige Rahmenbedingung für ein gutes Leben als Mutter und Feministin, aber auch als Vater und letztlich als Familie, in welcher Form auch immer: Solidarität und Unterstützung.

Interview Feminismus und Mutterschaft 10

Feminismus und Mutterschaft: Mehr Solidarität und Unterstützung

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