Feminismus

Feministin und Mutter Sein – Müssen nur wollen?

(Edit 27.03.2013: Ich freue mich, diesen Artikel noch bei der Blogparade von BerlinFreckles verlinken zu dürfen – „Jede Mutter zählt“ heißt die und weil das eben so ist mach ich mit)

Wie geht das, Feministin und Muttersein?

Das war für mich vor Minimes Geburt gar keine Frage. Was sollte sich schon ändern? Ich bin Feministin, dann werd ich eben auch noch Mutter. Gehe weiter meiner Karriere in der Wissenschaft (ich hätts ja eher Berufung genannt) nach, liebe ganz bestimmt mein Kind und werde glücklich.
Und ja, mein Bild war schon sehr eingeschränkt. Ich dachte, wer Feministin ist und Mutter, muss genau so denken – Berufstätigkeit unbedingt! Man muss nur genug wollen…
Dann kam das Kind und ich merkte: Wollen und Können sind nicht ein und dasselbe. Deshalb wundert es mich eher, dass nicht alle Mütter Feministinnen sind, oder jedenfalls mehr. Wenig legt die patriarchale Struktur dieser Gesellschaft so offen, wie das Muttersein, find ich.

Um ganz subjektiv ein paar Ereignisse zu schildern: Ich wurde schwanger als ich grade einen Arbeitsvertrag hatte, der anderthalb Jahre lief. Ich ging ein halbes Jahr in Elternzeit und erfuhr währenddessen, das mein Vertrag nicht verlängert würde. Obwohl die Stelle durchaus weiterläuft. Da der Vertrag einfach auslief, und ich nicht mal gekündigt werden musste, gab es weder aussagekräftige Gründe der Arbeitgeberin, noch die Möglichkeit, einen Personalrat einzuschalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Mitten in der Doktorarbeit in einem anderen Projekt einsteigen? Von vorne anfangen? Dafür in eine andere Stadt, mit befristetem Vertrag? Nein Danke. Will ich also nicht genug?
Ich schrieb Bewerbungen. Wenn ich in der Bewerbung das Kind erwähnte, kam es gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Wurde ich zum Vorstellungsgespräch geladen und erwähnte dann mein Kind gab es unverschämte Reaktionen. Letzen Endes bekam ich eine auf vier Monate befristete Teilzeitstelle. Das Gehalt liegt unter dem, was ich an ALG I bekomme. Und so sehr ich auf die naiven Mütter mit ihren Milchmädchenrechnungen geschimpft habe – ich gestehe, dass die Gleichung in der letzten Zeit bei mir immer öfter aufging. Ich werde müde.
Ja, ich hab mich auch auf volle Stellen beworben. Die vollen, unbefristeten Stellen sind ja eher die Nadel im Heuhaufen. Und erst dann hätte es Sinn gemacht, mit meinem Partner über die Reduktion seiner Stunden zu sprechen. Was in seiner Branche immer noch nicht einfach gewesen wäre. Denn Minime wird nur in Teilzeit bei einer Tagesmutter betreut. Was Anderes war hier in Köln nicht zu finden.
Unabhängig davon: Wenn ich schon nicht in der Wissenschaft arbeite, will ich auch gar nicht Vollzeit arbeiten. Von diesem Modell des Gleichheitsfeminismus, der immer vom männlichen Normalarbeitsverhältnis ausgeht, habe ich mich längst verabschiedet.

Denn ob man als Mutter feministisch ist, hat nichts (oder meist nur sehr wenig) damit zu tun, ob man als Ehe-/Hausfrau und dreifache Mutti oder als in Vollzeit berufstätige Managerin glücklicher ist. Es hat auch nichts damit zu tun, ob man acht Wochen oder drei Jahre Elternzeit nimmt, ob und wie lange man stillt oder nicht, ob man ein Kind oder fünf Kinder hat. Sofern dies “individuelle” Entscheidungen sind. Vielmehr macht sich das “Feministin und Muttersein” in einem Bewusstsein deutlich, dass es neben individuellen Entscheidungen auch strukturelle Ungleichheiten und Notwendigkeiten gibt, die eine_n daran hindern, so zu leben, so Mutter zu sein, wie man möchte:
Die Eine hätte gerne fünf Kinder. Kann aber keine bekommen, warum auch immer, jedenfalls nicht ‘auf natürlichem Wege’. Adoption steht aber nicht jeder offen. Schon gar nicht, wenn sie Single, Lesbe, Frau mit Behinderung, arm…* ist. Eine Andere wollte nie Kinder, wird ungewollt schwanger und treibt aufgrund des gesellschaftlichen Drucks in ihrem sozialen Umfeld nicht ab.
Die eine wäre gerne Hausfrau, weil aber der Hausbau, das neue Auto, die Hobbies der Kinder oder schlichtweg die Haushaltskasse das nicht zulassen, arbeitet sie in einem unbefriedigendem Job. Die andere hätte gerne weiter ihre Karriere verfolgt. Da sie aber immer nur auf befristeten Projektstellen arbeitet, die Kinderbetreuungssituation schlecht ist und ihr_e Partner_in dagegen den unbefristeten Vollzeitjob hat, bleibt sie länger als geplant zu Hause, findet in ihren alten Job nicht zurück und muss sich beruflich umorientieren. Und da wir hier in Deutschland sind: es mögen doch bitte nur Deutsche Kinder kriegen. Von „den Anderen“ gibts ja eh schon genug, die mögen sich bitte nicht auch noch vermehren (Sarkasmus off).

Drei Punkte, die ich für eine feministische Mutterschaft wichtig finde:

  1.  Sich kein X für ein U vormachen lassen! Man müsse nur genug wollen, so wie auch Frau Schröder gerne jeder weiß machen will, dann klappt das schon, ts. Wahlfreiheit? Das ich nicht lache! Ich kenne viele Mütter, und habe mich manchmal auch so gefühlt, die ihr Scheitern (an den ursprünglichen Plänen fest zu halten) als persönliches Scheitern erleben. Keine Frau oder Mutter scheitert am Wollen. Zwar stellt man manchmal fest, dass man plötzlich etwas anderes will – das ist in Ordnung. Aber in dieser Gesellschaft liegen zwischen dem Wollen und dem Können immer noch mehr strukturkonservative Menschen als man meint.
  2.  Naivität kann sich keine leisten. Denn die Milchmädchenrechnung bleibt eine Milchmädchenrechnung. Es kann ja jede gerne Hausfrau und Vollzeitmutter werden. Aber bitte – wenn möglich – an die eigene Absicherung denken. Vielleicht so, wie Rike das mit ihrem Mann getan hat.
  3.  Statt das eine Muttermodell über das andere zu stellen gemeinsam gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände stellen. Ob man sich dafür in einer Partei organisiert, oder bloß die Parteiprogramme genau durchliest und sein Kreuzchen dementsprechend an der richtigen Stelle macht. Oder einen Verein gründet (ich denke da grade drüber nach. Einen Namen habe ich schon – Wahlverwandtschaft e.V. Wenn ich ein paar ruhige Minuten finde, mehr dazu auf meinem Blog).

Hauptsache gemeinsam, statt gegeneinander!

Previous Post Next Post

You Might Also Like

40 Comments

  • Reply Schwiegermutter inklusive 19. November 2012 at 10:50

    Gut gebrüllt, Löwe! Und wenn ich erst anfange, darüber nachzudenken, fallen mir noch jede Menge andere Dinge ein, bei denen die Feministin in der Frau leider von der Realität kläglich erstickt wird…ob man will oder nicht..

  • Reply Miriam 19. November 2012 at 10:53

    Volle Zustimmung! Es ärgert mich auch immer ziemlich, dass mir als vollzeitarebitende Mutter und bekennender Feministin unterstellt wird, dass ich mein Modell für alle Frauen fordere. Nö, jede wie sie meint. Aber dass viele der als individuell dargestellten Entscheidungen eben doch strukturell bedingt sind und man eben sehr sehr doll wollen muss, um aus diesen Strukturen auszubrechen, das nervt mich.

    • Reply Käthe 20. November 2012 at 20:32

      „Aber dass viele der als individuell dargestellten Entscheidungen eben doch strukturell bedingt sind“

      This! Bei den allermeisten Frauen geht doch mit der Schwangerschaft sofort die Schere im Kopf auf: Kinder und arbeiten GEHT HALT NICHT, bevor sie überhaupt ihre Wünsche überlegt und ihre Chancen ausgelotet haben.

      • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 20:36

        naja, das ist sehr vereinfacht gesagt. sowohl miriam (schickste mir noch mal den link?) als auch ich können ja lieder vom gescheiterten wollen singen, bzw. dass einem steine in den weg geworfen werden.

      • Reply Käthe 20. November 2012 at 20:48

        Nein, dass einem Steine in den Weg gelegt werden wollte ich damit nicht in Abrede stellen.
        Ich meinte, dass es Frauen gibt, die auch schon die Strukturen allein als so übermächtig empfinden, dass sie ihre Lage als aussichtslos sehen.

  • Reply Miriam 19. November 2012 at 11:01

    Und strukturell bedingt ist z.B. auch, dass Vollzeit arbeiten die männliche Norm, teilzeit die weibliche Norm ist. Und dass nur mit 40 Jahre vollzeit eine Chance auf eine einigermaßen angemessene Rente besteht. Undundund…

  • Reply Esthi 19. November 2012 at 12:57

    Hallo.
    Danke für den Post. Spricht mir aus der Seele.

    War es nicht eine gängige Behauptung des 2. wave Feminismus, dass die Zerstörung der Solidarität zwischen Frauen ein Grundpfeiler des Patriachats ist? Der Grundpfeiler sozialer Ungleichheit ala Schröder ist ja dagegen die absolute Nihilisierung von strukturellen Bedingungen. Wenn alles individualisiert wird, ist das bequem für Priviligierte und identitätszermartend je ärmer und benachteiligter man ist.
    Mir persönlich hängt diese ganze Kind-und-Karriere-Leier zum Hals raus. Seit Jahren hatte ich keine Arbeit, die ich nicht zum kotzen fand. Von Karriere mal gar nicht zu sprechen… Wer spricht eigentlich mal darüber, wenn immer so munter Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern gefordert wird: nicht nur dass es selbst für viele Männer inzwischen sauschwer ist einen unbefristeten Vollzeitvertrag zu bekommen, so bekommen Frauen doch auch immer gern die eher unspaßige Arbeit zugeschanzt. Klar, liebe I. von K., wenn ich sonne Arbeit hätt wie Du, würde ich mich auch auf die Rückkehr in die Vollzeit freuen.

    • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 12:52

      Wer ist I. von K.?

      • Reply JR 26. November 2012 at 13:16

        Ich tippe auf Ildikó von Kürthy, Schriftstellerin mit Sonne im Herzen, Geld im Portemonaie und keinen weiteren Sorgen als dem nächsten Skiurlaub oder einem gelungenen Outfit, die selbstverständlich spurenden Kinder versorgen sich bei solchen Autorinnen immer wie von allein… 😉

        • Reply glücklich scheitern 26. November 2012 at 13:18

          hm, ich hab ihr buch noch nicht gelesen. klar ist die ausgangssituation bei ihr eine andere. aber ob mehr geld immer alles (bestimmt aber vieles, so naiv bin ich auch nicht mehr) einfacher macht?

  • Reply Doreen 19. November 2012 at 13:11

    Ich stimme auch voll zu. Ich selbst fing ehrlich gesagt erst mit der Mutterschaft an, mich mehr für Feminismus zu interessieren, eben weil in dieser Situation so sehr deutlich wird, wie nötig das tatsächlich noch ist und wie festgelegt sowohl gesellschaftlich als auch innerhalb der Beziehung (zumindest in meiner damaligen Beziehung) die Strukturen rund ums Mutter-sein noch sind.

  • Reply thisis 19. November 2012 at 13:12

    Ja, das Wollen und das Können sind zwei grundverschiedene Dinge. Auch und gerade was das Thema Erwerbsarbeit angeht, aber nicht nur. Ich habe auch verdammt viel gewollt und gewünscht und nur wenig davon realisieren können, was an fehlendem Willen sicher weniger lag als an fehlenden Möglichkeiten (Zeit, Geld, Kraft, Betreuung. Begriffe die auf unangenehme Weise synonym werden als Mutter.). Im Nachhinein muss ich sagen, dass das, was ich mir gedacht hatte bevor ich Kinder bekommen habe eine Milchmädchenrechnung war. Den schwarzen Peter kriegst du als Mutter nämlich bevorzugt. Egal ob und wie du arbeitest. Und egal ob und wie du alleine oder in Partnerschaft erziehst. Und das hatte ich nicht einkalkuliert. Das tut glaub ich keine, die ein Kind in die Welt setzt.
    Die gründlich drüber nachdenken kriegen nur oft keine Kinder mehr.

  • Reply Ka 19. November 2012 at 13:37

    Aus einem Frauenjahrbuch von 1976:
    „Die bürgerliche Gesellschaft hat Schwangerschaft, Geburt und Kinder als Lust propagiert, weil sie die Unterdrückung der Frauen verewigen will. Aber wir wissen, auf den Inseln unserer Köpfe und Herzen, dass wir nicht Schwangerschaft, Geburt und Kinder haben bekämpfen müssen, sondern die Zustände, die sie zur Last machen.“ So wahr und danke für diesen Blog, ich erlebe mich schon manchmal dabei, wie ich rechne: in 5 Jahren oder 10 Jahren sind meine Mädels groß und dann kann ich das und das beruflich angehen, kanns ja irgendwie auch nicht sein…

  • Reply Ein Warum und eine Folgefrage « aufZehenspitzen 19. November 2012 at 14:56

    […] legt die patriarchale Struktur dieser Gesellschaft so offen, wie das Muttersein”, schreibt Glücklichscheitern und fragt sich, warum eigentlich nicht alle Mütter Feministinnen sind. Das frage ich mich in […]

  • Reply Mila 19. November 2012 at 16:26

    Wunderbarer Blogpost. Danke.
    Das Schlimmste, was ich in den harten ersten Jahren meiner feministischen Mutterschaft (Mein Anspruch: Möglichst genau zur Hälfte verantwortlich für Kinder & für den Lebensunterhalt sein, bzw. die Verantwortlichkeit für beides zur Hälfte abgeben zu können) empfand, war die Verbitterung. Ich war verbittert über meine extrem anstrengende Situation, auch wenn ich sie mir weitesgehend selber ausgesucht hatte, und ich fragte mich immer wieder, ob der Preis das überhaupt wert wäre. Ich war verbittert darüber, dass ich auch noch weniger Anerkennung als andere Mütter bekam (Sprüche wie „Wenn du mal in meinem Alter bist, wirst du auch sehen, dass es besser gewesen wäre mit Kindern als Frau nicht zu arbeiten“ & „Wie du gibst das Kind jetzt schon wieder nach der Erkältung in den Kindergarten. Warte doch lieber noch eine Woche.“ & „Musst du denn arbeiten? Also ich bin ja lieber für meine Kinder da anstelle sie an Fremde abzugeben.“ waren leider nicht selten).
    Jetzt, ein paar Jahre später, ist es nicht nur mit den Kindern leichter geworden, was natürlich angenehm auf meine Arbeitssituation abfärbt, auch habe ich die Verbitterung glücklicherweise überwunden und weiß jetzt, dass das mit dem „Feministin sein UND Mutter sein“ geht – wenn auch leider nicht ohne Kampf.
    Viele Grüße, Mila

  • Reply inneres Stimmchen 19. November 2012 at 23:21

    Feminismus beschreibt das Bekenntnis zur Gleichheit der Geschlechter (auf allen Ebenen)… was Frauen (und Mütter) aber einfordern wenn sie verdammich noch eins arbeiten wollen und gleichzeitig für den Fortbestand der Menscheit sorgen möchten, ist ein Menschenrecht…Nämlich das Recht darauf sich zu versorgen und zu schützen.
    Verabschieden sie sich von der Kategorie die ihnen soziale Ungerechtigkeiten mittels Biologie erklären will… und zack eröffnen sich noch mehr Möglichkeiten ohne wie dereinst eine Alice oder Simone durch den (Medien)Wolf gedreht zu werden, während sie um ihre Zukunft (und die ihrer Kinder) kämpfen!

    • Reply 0234kunst 19. November 2012 at 23:34

      Wunderbar… Danke für den post und die kommentare! Nur: was tun? Ich weiß schon vorher, dass die rechnung nicht aufgeht – also keine kinder?

      • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 12:48

        Keine Kinder ist auch keine Lösung 😉 Jedenfalls nicht, wenn man welche will. Ich versuche momentan für mich zu sagen, diese Situation ist – wie mein Arbeitsvertrag – befristet. (Auch wenn fuckermothers so schön sagte, ein Kind ist nun mal nicht befristet). Es wird nicht ewig klein sein und darum werden die Rahmenbedingungen vielleicht (!!!) mal besser…

    • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 12:49

      Mir erklärt keine_r soziale Ungerechtigkeiten mittels Biologie. Trotzdem bietet die Realität Erfordernisse, mit denen ich nicht gerechnet habe. Und ich weiß, was Feminismus heißt. Die konkrete Frage war: Was heißt es für ein Muttersein in dieser nicht-feministischen Realität.

  • Reply Manuela 20. November 2012 at 10:05

    Ein guter Post, den ich voll nachvollziehen kann. Als ich in der Mitte des PhD (Naturwissenschaften) schwanger wurde hat mir keiner gratuliert. Nein, der erste Kommentar von meiner Professoren (hat selbst 2 Kinder) war eine Frage: Wirst du es behalten?
    Ähnliche Reaktionen habe ich mehrmals erlebt – von Frauen und Männern – in der Wissenschaft. Mein Mann (war damals ebenfalls Doktorand) allerdings nie. Frustrierend war, dass es mir überhaupt nicht geholfen hat, mich aufzuregen. Seither hab ich so einige Kapriolen mit Wissenschaftlern und Kindern erlebt. Ich bekam schon Verspannungen vom vielen Kopfschütteln. Ich erlebe auch in letzter Zeit öfters, dass sich Frauen ganz bewusst in absolute existenzielle Abhängigkeit nach einer Hochzeit begeben. Und es fällt mir sehr schwer das zu akzeptieren.
    Ich hab aber mittlerweile auch verstanden, dass nicht jeder so leben kann wie ich: 2 Vollzeit-Wissenschaftler + Kleinkind
    Das ist anstrengend. Ich bin abends todmüde. Und ich bin zum Superorganisationstalent geworden.
    Meiner Tochter verdanke ich aber auch wunderbare neue Fähigkeiten. Um 17 Uhr schließe ich mein Labor ab und dann ist Familienzeit. Ohne Diskussion. Wenn die Kleine krank ist, bleib ich zu Hause. Oder mein Mann… Ich muss Entscheidungen treffen und Prioritäten setzen, effizient sein und all das macht mir das Leben viel leichter. Kinderlose Kollegen quälen sich mit den kleinsten Dingen. Das habe ich nicht. Und zum Thema Feminismus: Meine Tochter sieht, dass ich stark genug bin, Entscheidungen zu fällen und damit zu leben. Das soll sie später auch mal von sich sagen können!

    • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 12:47

      Ja, dass effizienter gearbeitet wird, sagen mir viele Eltern. Und mich wundert, dass das bei den Arbeitgeber_innen nicht geschätzt wird? Oder ob es aufgewogen wird von all den jahrelangen Fehlzeiten wegen Kinder betreuen und krank und überhaupt. Ist mir bisweilen ein Rätsel..

      • Reply Käthe 20. November 2012 at 20:40

        zum Effizient arbeiten fällt mir noch was anderes ein: ich arbeite ja 100%.
        Ich könnte sicher auf Antrag auch 80% arbeiten. Das gilt ja vielen als ideal, weil entlastend. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden, denn ich habe a) genug Kolleginnen gesehen, die damit einfach ihre eigene Stelle abgewertet haben – plötzlich ist es eine 80% Stelle und die 100% kriegt man nicht zurück. Und siehe da: man schafft ja trotzdem alles – nur eben in weniger Zeit. Deswegen arbeite ich 100% und nehme mir Zeit auch mal zu trödeln wie jeder gute Arbeitnehmer 😉

        • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 20:43

          auch ne kreative lösung 😉 es kommt ja auch immer sehr drauf an, wie stark auf präsenz geachtet wird. meine „wunschvariante“: eine 30std/woche, variabel. also wenn ich kann 40 std/woche arbeiten und dafür laaaaaaange urlaub machen. achach

      • Reply Manuela 21. November 2012 at 11:28

        Effizient oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob es darauf ankommt. Ich kann mich auch nicht 8 Stunden am Tag voll konzentrieren. Man muss eben lernen, was man genau und was man etwas schludrig erledigen kann. Mein Tag hat ja auch nur 24 Stunden. Und Perfektionismus muss man sich abgewöhnen – spätestens mit dem ersten Kind. Meine Arbeit ist darum auch kein bisschen schlechter, nur weil ich Prioritäten anders setze als mein Chef das würde. Ich hab natürlich auch den Vorteil, dass ich eigenständig und projektorientiert arbeite an der Uni.
        Allerdings hab ich damit auch keinen Traumjob. Ich hatte dieses Jahr nur 4 halbe Tage Urlaub und ein freies Wochenende. Und Überstunden aufschreiben oder sowas gibt’s nicht. Zudem leb ich in der Schweiz. Da gibt’s keine Elternzeit, keinen Kündigungsschutz nach der Geburt, keinen Anspruch auf Teilzeit und die Kita kostet 100% umgerechnet ca. 2300 Euro pro Monat. Man arbeitet bis die Wehen einsetzen und dann hat man 14 Wochen. Danach bleibt man entweder ganz daheim, oder man geht zur Arbeit. All das soll m.M.n. eher ein klassisches Rollenmodell festigen.
        Man muss schon wirklich wollen, um das Programm durchzuziehen.

  • Reply norafernandez 20. November 2012 at 11:45

    wieso zahlt der Vater keinen Unterhalt? Das ist ja echt sehr hart!

    • Reply glücklich scheitern 20. November 2012 at 12:46

      Hä? Welcherwessen Vater jetzt?

      • Reply norafernandez 20. November 2012 at 13:33

        der vater von deinem kind. das wäre denke ich eine große entlastung oder man bräuchte statt ner frauenquote eine mütterquote!

  • Reply Tolle Texte über feministisches Mutter-Sein « fuckermothers 20. November 2012 at 12:11

    […] Anfang – in meiner Chronologie – machte ‘glücklichscheitern’ mit ‘Feministin und Mutter Sein – Müssen nur wollen?‘ Sie schildert ihre eigenen Erfahrungen mit beiden Identitäten und deren Kombination, mit […]

  • Reply Dummerjan 21. November 2012 at 10:36

    Wenn „Feministin“ heißt, dass Frauen sich entscheiden und dann das auch durchziehen, dann wurde das Zeit und bin ich sehr dafür.
    Dals Dummerjan ist dieses „Für das Weibchen Entscheidenmüssen“ und dann „Das Jammern und die Vorwürfe ertragen“ nervig.
    Hehe, mehr davon.

  • Reply Karl 21. November 2012 at 13:41

    Toller Post! Genau das Thema geht mir gerade ständig im Kopf herum.
    Das sind meine drei sehr persönlichen Maßnahmen, die mir (bisher)
    geholfen haben Feminismus und Mutterschaft zu vereinbaren:
    1. Vorsorgen. Seit ich auf meiner jetzigen Stelle angefangen habe (IT
    Arbeit im Rechenzentrum einer Uni), interessiere ich mich für
    Feminismus. Mich hat die Diskriminierung auf Grund meines Geschlechts
    so erschüttert (hier arbeiten 90% Männer, fast alle
    Informatiker der ersten Generation), dass ich sehr schnell meine
    rosarote Brille aus dem Studium abgelegt habe. Dadurch habe ich, als
    ich noch frei und unabhängig war, einen festen Vertrag mit der
    richtigen Bezahlung aushandeln können. Dafür musste ich zwar ein
    Gutachten, ein „Vorstellungsgespräch“ bei der Kanzlerin und Anfeindung
    vom Personalrat (!) und Personalabteilung über mich ergehen lassen,
    aber das ist es wert. Frauen entscheiden leider noch viel zu oft schon
    vor einem Kind zu ihren Ungunsten. Bei der Ausbildungs- und
    Berufswahl, bei Gehaltsverhandlungen oder Verhandlungen um eine feste
    Stelle, bei der Frage wer welche Steuerklasse nimmt…
    2. Absprachen. Bei beiden Kindern haben wir sofort mit dem positiven
    Schwangerschaftstest angefangen zu planen, zu organisieren und zu
    vereinbaren. Unsere Absprachen waren: Elternzeit genau gleich lang,
    meinen Mutterschutz habe ich zur Elternzeit gezählt. Kita, abhängig
    vom Angebot spätestens nach der Elternzeit. Zum Glück haben wir schon
    vorher einen Platz ergattert (ich weiß, riesen Glück!). Mein Mann
    bringt das Kind zur Kita, ich hole es ab, mindestens einmal pro Woche
    holt er es ab, damit ich auch ein paar Überstunden aufbauen kann
    (leider sind die bei uns so ein Statussymbol…). Hausarbeit wird genau
    geteilt, wir lassen uns helfen wo es geht (Reinigungshilfe,
    Gartenhilfe, Pizzaservice). Beim zweiten Kind genauso und bis jetzt
    haben wir uns an alles gehalten.
    3. Abgeben. Im Herzen bin ich ein Hippie und stehe total auf
    Attachement Parenting. Unser erstes Kind habe ich in den ersten
    Monaten nur getragen, gestillt, Stoff gewickelt und bei uns im
    Elternbett schlafen lassen. Zum Glück hat mir nach 5 ½ Monaten der
    Wechsel von Vollzeit-Mama zu Vollzeit-Erwerbstätigkeit nicht das Herz
    gebrochen, sondern gut getan. Bei unserem zweiten Baby haben wir die
    Elternzeiten umgedreht, mein Mann macht gerade die ersten sechs
    Monate, ab April 2013 darf ich dann 😉 Ab und zu muss ich mich daher
    darauf hinweisen: Ich bin nicht die einzige, die die Kinder liebt!
    Und: nur weil der Papa die Kinder anders behandelt als ich, heißt das
    nicht dass er es schlechter macht (das gleiche gilt für Erzieher und
    Großeltern, Freunde…).
    Das sind meine Punkte, bei denen sich Feminismus und Mutterschaft bei
    mir noch nicht vereinbaren lassen:
    1. Tradiertes Rollenbild. Meine Mama war und ist eine tolle Hausfrau
    und Mutter und hat immer betont, dass ihr diese Aufgaben wichtiger
    sind als die Unabhängigkeit durch Erwerbstätigkeit. Vieles was ich zu
    Hause erfahren habe, versuche ich in meinem Alltag auch zu leben:
    immer ein offenes Ohr und Zeit für die Kinder, Deko und Blumen fürs
    Haus, Gemüse aus dem Garten, selbstgemachte Geschenke zu Weihnachten
    (Panik!!!!). Das reibt mich auf und von diesem Bild kann ich mich
    leider noch nicht emanzipieren.
    2. Bequemlichkeit. Ich höre oft „Jeder soll machen, was er am besten
    kann“. Dann nicke ich immer ganz begeistert und lasse meinen Mann das Holz hacken. Ich verpacke ja auch schließlich die
    Geschenke, ha! Aber wenn ich mal ehrlich die Aufgabenverteilung
    durchsehe (nicht die großen Posten wie Wäsche, Kochen, Putzen und
    Einkaufen, die teilen wir gleich), dann stelle ich fest,
    dass mein Mann mehr Verantwortung und Kraft für seine Sachen
    aufbringen muss, als ich für meine…
    3. Frauenzeitschriften. Jetzt ehrlich. Seit ich Mutter bin, sind Frauenzeitschriften mein Trash-Ausgleich zu der ganzen alltäglichen Anstrengung. Schön bunt und mit Versprechen, die mich sofort anmachen. Ich merke leider immer mehr, wie sehr mich das beeinflusst. Haare, Gewicht und Nägel bestimmen mittlerweile mein Selbstbewusstsein mit, Sport ist nicht mehr nur Spaß, sondern der Weg zum Ziel Traumfigur… Natürlich weiß ich, wie ich das am besten abstelle: Nicht mehr so was lesen! Aber jeder Verzicht braucht einen Ausgleich, meinen habe ich noch nicht gefunden.

  • Reply hannadampf 22. November 2012 at 12:56

    Hallo Gluecklichscheitern,

    dein Post beschäftigt auch mich, obwohl ich in einer ganz anderen Situation stecke. Als Studentin der höheren Semester und als Hilfskraft wurde ich mit dem Thema Schwangerschaft konfrontiert. Aus einer Reihe ganz persönlicher Gründe, für die ich mich nicht rechtzufertigen veranlasst sehe, habe ich mich gegen eine Weiterführung dieser Schwangerschaft entschieden. In der Entscheidungsfindung habe ich mich erstmal mit einer imaginären Mutterrolle für mich auseinandergesetzt. Obwohl die beruflichen Perspekten jetzt für mich persönlich nicht den Ausschlag gegeben haben, war es extrem ernüchternd zu sehen, dass, sollte ich mich anders entscheiden, ich schnell auf dem Abstellgleis lande. Ich habe meine beruflichen Optionen, die ich in erster Linie in der Wissenschaft sehe, durchgespielt. Und mit Kind ist es schwierig bis unmöglich. Das einzige Postive das ich dem Beratungsgespräch abgewinnen kann, ist die Erkenntnis, dass Mütter in der Wissenschaft durch alle Netze fallen, eine Realität die mir bisher verborgen blieb. Ich zitiere jetzt aus dem Gedächntisprotokoll die Beraterin: Ich erlebe es immer wieder, gerade Studentinnen und Doktorandinnen müssen sich eindeutig zwischen Kind und Karriere entscheiden!
    Diese Aussage stimmte mich nachhaltig traurig. Wie viele Frauen entscheiden sich dann für einen Weg, den sie nicht aus innerer Überzeugung gehen? Seitdem kann ich den Plakaten mit der Werbung für die kinderfreundliche Uni und kinderfreundliche Stadt nur noch mit Sarkasmus begegnen.

    • Reply glücklich scheitern 22. November 2012 at 13:27

      Hallo, ja ich kann Dich gut verstehen. Bei mir ging es um ein Wunschkind und ich wusste, wenn ich in der Wissenschaft bleiben wollte, wäre die nächsten Jahre jeder Zeitpunkt gleich schlecht: Vor der Doktorarbeit weil eben Doktorarbeit, nach der Doktorarbeit weil eigene Forschungsprojekte ins Laufen bringen und wenn dann irgendwann die Professur winkt wars das mit der Fruchtbarkeit. Aber ja, das es so hart kommt…und es gibt ja dann immer die positiven Gegenbeispiele die einem gegen gehalten werden. Meine Kollegin, die die Stelle hätte Vollzeit weiter führen sollen (sie hat selber gekündigt) hat ja auch Kinder. Dann kann das Kind ja kein Grund für meine Nichtweiterbeschäftigung gewesen sein…Die Uni gab sich auch recht bemüht – man hat mir sogar eine Agentur zur Seite gestellt, die mir beim Finden einer Tagesmutter hilft. Das wars dann aber auch. Dass ich neben dem de facto mehr als Teilzeitjob (und nur Teilzeitkinderbetreuung) auch noch meine Doktorarbeit schreiben soll, eigene Drittmittelprojekte (natürlich mit dem Namen von Prof drauf) einwerben sollte um meine Stelle zu verlängern, natürlich (international) mobil und flexibel undundund. Naja, wir werden sehen wie es weiter geht. Dir alles Gute!

  • Reply Sophie 22. März 2013 at 16:45

    Liebe Melanie,

    du hattest ja gefragt, ob dieser Artikel zur Blogparade http://www.berlinfreckles.de/blogparade/jede-mutter-zaehlt/ passt. Ja, sehr sogar. Du kannst gern die Links ergänzen und deinen Artikel direkt hinzufügen.

    Beste Grüße,
    Sophie

  • Reply Anneke 17. Juni 2014 at 10:07

    Danke für diesen Beitrag 🙂 Meine Wunschkarriere endete bereits im Studium: der Mentor in dem naturwissenschaftlichen Fach fragte mich tatsächlich, ob ich das denn wirklich studieren wolle, ich würde doch bestimmt Kinder haben wollen. Das stimmt und weil für jede im 4. Semester erkennbar war, dass der Weg zu einer Professur übers Labor mit 60 h/Woche nicht mit Mutterschaft kompatibel ist, hat diese übergriffige Frage zu eine Lebenskrise ausgelöst, an deren Ende der Fachwechsel in die Gesellschaftswissenschaften stand. So klar habe ich den Konflikt allerdings erst jetzt vor Augen- in dem Moment, in dem ich wirklich schwanger bin. Was bleibt ist immerhin ein unbefristeter Vertrag und die Chance, wirklich flexibel wieder einsteigen zu können (öD). Die Berufung findet sich dann hoffentlich.

  • Reply (mindestens) 10 Gründe, warum Arbeit ein wichtiges Thema für feministische Perspektiven auf Elternschaft ist | fuckermothers 30. April 2015 at 11:34

    […] Verträge: Im Falle einer Schwangerschaft werden befristete Verträge erfahrungsgemäß nicht verlängert  (auch wenn ‘Schwangerschaft’ dann nicht Teil der offiziellen Begründung ist). Das […]

  • Schreibe einen Kommentar zu glücklich scheitern Cancel Reply