Familie

Ganz normales Chaos

Der Urlaub war wunderwunderschön und ich hab es immer noch nicht wieder geschafft im Alltag anzukommen. „Alltag“ ist ja auch ein Witz bei unserer Familien-/Jobkonstellation: Ein Tag, nachdem wir aus dem Urlaub zurück waren musste der Mann wieder arbeiten und war direkt für 12 Tage fort. Wer mir auf twitter folgt weiß, dass ich auf dem Zahnfleisch ging. Natürlich war da auch Murphy und versüßte mir die Zeit:

  • Kind 1 war verschwunden!

Kind 1 ist fünf und hält sich für sehr selbstständig. Ich finde selbstständige Kinder toll und versuche ihm, wie und wo es geht Dinge, die es alleine kann oder will auch tun zu können. Er holt beim Büdchen selber sein Eis oder kauft andere Kleinigkeiten. Er darf im Park alleine mit dem Rad um den Teich fahren. Was Fünfjährige eben so wollen und können.

Also gingen wir nach dem Kindergarten zur Apotheke. Kind1 braucht nämlich neue Augenpflaster. Da sein eines Auge etwas schwach in den Muskeln ist, muss das gute Auge abeklebt werden. Kind1 lief vor, den Kinderwagen für Kind2 habe ich stehen gelassen, denn Kind2 kann ja Laufen und will sich nicht fahren lassen. An der Hand will es auch nicht gehen und ich wünsche mir sehr oft diese Hundeleinen für Kinder, die es in England öfter zu sehen gibt und über die sich alle gern empören. Aber für Kind2 und mich wären sie eine Lösung. Kind2 hat nämlich einen sehr geringen Selbsterhaltungstrieb, auch stark befahrene Straßen hindern ihn nicht, hinzurennen wenn eine Pfütze sich in deren Mitte befindet. Oder eine Taube die man jagen kann.

Aber ich schweife ab: Die nächstgelegene Apotheke konnte diese Pflaster nicht liefern. Also hätte können ja, aber die haben keinen Vertrag mit den Pflasterlieferanten und der Krankenkasse oder so. Also sind wir aus der Apotheke raus. Ich fragte Minime, ob er mit dem Rezept zur nächsten Apotheke gehen könnte (keine 200 Meter entfernt, aber am vielbefahrenen Kreisverkehr vorbei) und das Rezept dort abgeben um dann auf mich und Kind2 zu warten. Minime war von dieser Idee begeistert und rannte los. In dem Moment rannte Kind2 in die andere Richtung. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie Minime am Kreisverkehr links abbog statt rechts (so bildete ich es mir zumindest ein). Ich drehte mich zu Kind2 um ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen und lief dann mit ihm den Weg nach, den Kind1 gegangen ist. Stimmt ja, links herum am Kreisverkehr ist auch noch eine Apotheke. Da sah ich aber kein Kind1 und auch die Apothekerin hatte kein Kind gesehen.

Also rechts herum zur Apotheke, die ich meinte. Die in der wir oft was holen. Mit Kind2 im Schlepptau, das 100Mal „AUTO!“ rief. Ja, es waren wirklich viele Autos unterwegs. In der Apotheke in der ich Minime erhoffte war es voll, aber weit und breit kein Minime. Ok, jetzt wird’s eng dachte ich. Ich lief noch mal links herum, wenn man da die Straße weiter geht ist noch die Apotheke neben dem Kinderarzt, die kennt er vielleicht auch…dazu immer wieder Kind2 animieren, weiter zu laufen und nicht jede Taube in Sichtweite zu erschrecken. Auch in jener Apotheke kein Minime. Inzwischen wurde ich unruhig und ließ meine Telefonnummer da, falls er dort auftauchen sollte. Noch mal zurück zur Apotheke wo wir die Pflaster sonst bekommen haben. Immer noch voll, immer noch kein Minime.

Das Ding ist: Ich bekam keine Panik, ich stand vor einer logistischen Schwierigkeit! Minime läuft nicht einfach auf die Straße und ich glaube auch nicht daran, dass überall böse Menschen darauf lauern, kleine Kinder mit nach Hause zu nehmen um sie in einen Keller zu sperren. Aber in der vollen Kölner Südstadt ein Kind wieder zu finden dürfte schwierig werden. Auf welchen Gedanken würde Minime denn auch kommen, wenn er mich nicht findet? Warum war er nicht in der Apotheke geblieben? Würde er zum nächsten Spielplatz gehen? Nach Hause und dort warten?

Glücklicherweise wohnte J. in der Nähe und ist im Mutterschutz. Sie rief ich an und bat sie, unsere Einkaufsstraße hoch- und runterzugehen und nachzusehen. Die Straße auf der die erste Apotheke lag. Dann rief ich S. an, der mit Minimes Kindergartenfreundin beim Turnen in der nahe gelegenen Grundschule sein musste. Ihn bat ich, vor unserem Haus zu gucken. Ich versuchte es noch bei A., der direkt neben unserem Lieblingsspielplatz wohnt aber er nahm nicht ab. Ich selber lief die große Straße runter…

S. rief zurück, dass kein Minime vor unserem Haus stünde. Kurze Zeit später meldete sich aber J., die Minime an der Hand eines Mannes entdeckt hatte, der ihn Richtung Kindergarten bringen wollte.

Huihuihui. Das war knapp. Kindergarten, auf die Idee wär ich gar nicht gekommen (er ist nah an unserer Wohnung und an der allerersten Apotheke in der wir noch gemeinsam waren). Ich fand also J. und Minime an der Ecke zwischen Einkaufsstraße und Kindergarten und zeigte meine Freude und Erleichterung ihn wieder zu haben. Er reichte mir wortlos den Abholschein aus der Apotheke und ich schaute ziemlich doof. Er war genau in der Apotheke, die ich meinte. Aber offensichtlich ist er nicht sitzen geblieben sondern…ja das weiß ich bis heute nicht. Denn rein wegetechnisch hätte ich ihn ja sehen müssen. Vielleicht ist er nicht den gleichen Weg zurück gelaufen, sondern dann einmal im Bogen gegangen – so richtig konnte er mir das nicht mitteilen.

Der Mann, an dessen Hand Minime da Richtung Kindergarten lief fragte ihn auch, ob er J. wirklich kenne und sie auch wisse, wo die Mama ist. Das fand ich schon mal sehr nett. Leider habe ich ihn nicht mehr getroffen und danken können.

Minime scheint diese Szene nicht mehr zu belasten, er hat kein Wort mehr davon erwähnt.

  • Der Abfluss ist verstopft

Was in Abwesenheit des Mannes auch gut kommt sind handwerkliche Schwierigkeiten. In diesem Fall lief Sonntag abend, nachdem ich die Kinder badete, das Wasser nicht mehr ab. In die Badewanne fließt aber auch das Abwasser der Waschmaschine und der Abfluss der Badewanne ist mit dem der Dusche verknüpft. Und mit dem der Spülmaschine in der Küche, wie sich am nächsten Tag zeigte…Ich pümpelte also Sonntag abend noch fröhlich vor mich hin, während die Kinder um frühe 21.30 einschliefen. Es tat sich aber nichts. Montag bat ich P. ob er abends vorbei kommen könnte um es auch noch mal zu probieren oder ob er andere Ideen hätte. Ich kaufte eine Flasche Cola und ein paar Packungen Soda, das, las ich im Internet, hilft auch bei verstopften Rohren. Abends kam P., pümpelte und pümpelte aber auch hier tat sich nichts. Dienstag rief ich also den Klempner unseres Vertrauens an der mir aber erst einen Termin für Mittwoch nachmittag geben konnte.

Ich hatte also seit Sonntag nicht mehr Wäsche waschen, spülen oder duschen können. Die Laune war bestens.

  • Kinder krank oder so

Mittwoch beschwerte sich Kind1 über Bauchweh. Meine Vermutung ist ja, er hat keine Lust auf Kindergarten, da ist nämlich auch alles grade chaotisch: Eine der Erzieherinnen aus seiner Gruppe hat gekündigt (nicht die Erste) und es gab einen Rohrbruch, weshalb sie in anderen Räumen sind. Aber da ja auch die Möglichkeit bestand, dass er wirklich Bauchweh hatte, meldete ich auf der Arbeit an, dass ich heute nicht käme (aber morgen ganz sicher, jaja). Immerhin konnte ich so den Klempner anrufen und er hatte netterweise schon mittags Zeit. Nach dem er sehr viel fluchte und schimpfte und irgendwann das Wort „Rohrbombe“ fiel sah ich uns schon umziehen. Aber nach zwei Stunden war er mit seinem Werk zufrieden und ich konnte endlich duschen und Wäsche waschen.

Am Donnerstag machte ich beide Kinder fertig, packte meine Sachen und bekam, als ich grad in der Tür stand eine Nachricht von den Tageseltern: „Bei M. (ihre 4jährige) in der Gruppe ist Verdacht auf Windpocken und M. hat auch zwei Pickel im Gesicht. Wahrscheinlich eher nicht Windpocken, willst Du Kind2 bringen?“ Äh , nein. Also ja also nein. Orrr. Wieder auf der Arbeit angerufen, man wird ja immer leiser und verhaltener. Auch wenn meine Chefin total Verständnis hat. Es fühlt sich trotzdem doof an. Naja, wir verbrachten den Tag dann draußen, war ja auch der einzige heiße und sonnige Tag in der Woche, es hätte also streng genommen schlimmer kommen können.

Freitag war Sommerfest im Kindergarten. Es war auch Sommerfest auf der Arbeit. Da ich mich nicht zerteilen kann, ging ich zum Sommerfest im Kindergarten…

Und jetzt? Diese Woche ist der Mann zu Hause. Ich versuche ein paar Minusstunden abzuarbeiten und den Akku ein wenig aufzuladen. Wer weiß, wann ich ihn wieder brauche.

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4 Comments

  • Reply Dr. Mo 27. Juni 2016 at 9:45

    Oh Mensch. Das Leben gibt dir aber die volle Ladung. Bin schon beim Mitlesen gestresst. Ich wünsche dir viel Ruhe in dieser Woche und dass du schaffst was du dir wünscht, ohne dass eine Katastrophe dazwischen kommt!
    Liebe Grüße Dr. Mo

    • Reply Melanie 27. Juni 2016 at 10:12

      Danke fürs Feedback. Ich denk in solchen Zeiten immer: Na komm, das kriegste doch hin! Und wunder mich, warum ich alle mit meiner schlechten Laune beglücke oder Samstags früh nicht, aber so gar nicht aus dem Bett komme und den Kindern erst mal die Glotze anmache :-/

  • Reply Anne 27. Juni 2016 at 18:33

    Respekt vor der Ruhe und Besonnenheit im Fall des verschwundenen Kindes. Ich kenne solche Situationen und denke meist auch weniger an Autos und böse Menschen als an die schiere Unmöglichkeit, sich wiederzufinden… Bei uns hat sich seit den ersten „Unfällen“ dieser Art die Regel bewährt: wir treffen uns da wieder, wo wir uns zuletzt beide gesehen haben. Denn oft scheitert es eben auch an einer einhellig getroffenen Entscheidung, wo man jetzt hingeht, um sich am besten wiederzufinden.

    • Reply Melanie 28. Juni 2016 at 10:35

      Ja, das ist ein guter Ansatz. Ich werde mit Kind1 auch noch mal besprechen, wie wir da verfahren!

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