Nachhaltiges Familienleben

Interview Green Living: Anne

Stelle Dich (und ggf. Deinen Blog) bitte vor

Ich heiße Anne, bin 31 und lebe mit zwei Kindern und Mann in Berlin. Ich bin gelernte Hebamme, studiere derzeit Ökolandbau (zumindest besitze ich ein Semesterticket), mache gern etwas mit meinen Händen und schreibe als Krähenmutter in ziemlich unregelmäßigen Abständen über einige Dinge in meinem Leben, die mich bewegen.

Welches Thema/Unterthema aus dem Bereich „nachhaltig Leben“ (vegane Ernährung, plastikfrei, Minimalismus….) ist Dir besonders wichtig und warum?

An erster Stelle recht klar der Veganismus. Seit 2013 ernähre ich mich (mit etlichen Ausrutschern in der Schwangerschaft mit meinem zweiten Kind) vegan, seit meinem 12. Lebensjahr war ich vegetarisch unterwegs (einem Bericht in BravoTV sei Dank). An erster Stelle steht bei mir das Tierleid, ganz knapp dahinter kommt die Rettung unseres Planeten. Auch im Ökolandbau kann ich die Ausbeutung anderer Lebewesen nicht für gut befinden, das Leid der Tiere ist groß.

Das die konventionelle Landwirtschaft uns langfristig nicht wird ernähren können, predigen uns im Studium sämtliche Dozenten. Daher unterstütze ich durch Kaufentscheidungen die Biobranche, wir sind Mitglieder einer CSA und möchten irgendwann zumindest zum Teil selbstversorgt leben.

Müllreduktion ist derzeit meine größte Baustelle, da war ich schon mal deutlich besser und möchte da gern auch wieder hinkommen. Mit einem Bioladen in 5min Entfernung lief das einfacher, als wenn ich jetzt aus Bequemlichkeit zu Kaufland gehe.

Daher versuche ich zumindest bei Gegenständen, Kleidung usw. die 5 R‘s (refuse, reduce, reuse, recycle, rot) anzuwenden.

Aus ganz persönlichen Gründen interessiert mich: wie ist das mit deinem Partner/Deiner Partnerin: ziehen die am gleichen Strang, musstest Du Überzeugungs- oder Aufklärungsarbeit leisten?

Mein Freund war ebenfalls schon lange Vegetarier, zwischendrin auch einige Jahre vegan, daher gab es in dieser Hinsicht keinen Diskussionsbedarf.

Was die Themen Bio-Lebensmittel, Müllreduzierung und Ressourcenschonung angeht, geraten wir immer noch ab und zu aneinander. Mein kleinkarierter Mülltrennungswahn trifft da auf ziemliches Unverständnis (vielleicht auch kulturell bedingt).

Bio-Lebensmittel findet mein Partner grundsätzlich überteuert, das alte Dilemma also. Da ich allerdings die Einkäufe zu 95% übernehme, kann ich halbwegs mit seiner negativen Attitüde dazu leben.

Was ist mit dem Rest der Familie (vor allem den Kindern) und Freund_innen…backst Du Dir beispielsweise einen veganen Kuchen für Einladungen woanders, dürfen die Kinder das Grillwürstchen nicht essen, gibt es keine Mitgebsel am Kindergeburtstag…

Die Kinder (6 Jahre, 6 Monate) leben ebenfalls vegan, der Große entscheidet dies jedoch selbst. Bei geschenkten Süßigkeiten, Überraschungseiern und Marshmallows macht er Ausnahmen, fragt sonst aber bei Kuchen u.ä. immer nach, ob es vegan ist und bleibt da in der Regel strikt.

Fleisch haben beide Kinder noch nie gegessen, das wäre für mich auch schwer mit anzusehen, da es mich wirklich ekelt. Allerdings möchte ich meinen Kindern nicht Dinge verbieten oder vorenthalten, die ich ja auch als Kind getan habe, sie sollen da ihre eigenen Erfahrungen machen um dann wirklich selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Ich glaube auch nicht, dass ein Gefühl von sozialer Ausgrenzung und persönlicher Begrenzung langfristig dazu führt, dass die Kinder an nachhaltigkeit interessiert sind.

Auf Feiern gebe ich vegane Optionen mit und informiere mich vorher, was es sonst so gibt, damit es halbwegs ähnlich ist.

Was plastikfreies Leben betrifft sind das große Kind und ich nicht auf einer Wellenlänge, er steht auf den größten Plastikschrott, ich versuche immer noch meine Ostheimer-Tiere ans Kind zu bringen. Zumindest das Baby lutscht sie ab und zu mal ab, während es zum Lego rüberschielt.

Mitgebsel sind in unserem Freundes- und Bekanntenkreis nicht so das Thema, wenn gestalten wir aber mit den Kindern zusammen etwas Schönes zusammen, zum Beispiel ein Badesalz, bemalter Stoffbeutel oder ähnliches.

Bisher kommen wir auch mit gebrauchter Kleidung für die Kinder gut aus, da gibt es noch keine Einwände. Mal schauen, wie lange das noch so bleibt.

Was sind die Fragen oder Einwände, die Dir am häufigsten zu Deiner/Eurer Lebensweise begegnen und was erwiderst Du darauf? Was ist z.B. mit Einwänden wie „ist mir u aufwändig/zu teuer/zu viel Verzicht“?

Meist antworte ich da nicht drauf, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die wenigsten ein ernsthaftes Interesse daran haben, sondern eher rumstänkern wollen. Sehe ich zumindest etwas fruchtbaren Boden, diskutiere ich gern darüber und erläutere meine Beweggründe.

Wenn Einwände kommen, dann meist aus der Richtung „vegan ist nicht gesund“, „Fleisch schmeckt halt einfach so gut“, „dafür gibt es Tiere nun mal“. Das ist in meinem näheren Umfeld allerdings selten, die haben sich schon zu genüge an mir abgearbeitet und sind Kummer gewohnt (Auch nach fast 20 Jahren werde ich deinen liebevoll gebratenes Schwein nicht essen Oma, sorry..).

Die erstmal höheren Kosten für bio-Lebensmittel kann ich recht gut wegdiskutieren, das studiere ich ja und kann daher einfach die Zusammenhänge aufzeigen. Ist vielen letztendlich dann aber auch egal.

Was findest Du am Bereicherndsten an Eurer Lebensweise?

Wir ernähren uns verhältnismäßig gesund, gehen sorgsam mit Ressourcen um, sparen Geld.

Auf ebay Kleinanzeigen Dinge loszuwerden, gibt mir ein befreiendes Gefühl, dort Dinge zu kaufen ist in vielerlei Hinsicht ratsam.

Ansonsten habe ich das Gefühl nicht so verbohrt im Kopf zu sein, also auch kreative Alternativen für Nahrungsmittel/Kleidungsstücke/xyz suchen zu können, statt mit empörtem Blick auf den Teller meines Gegenüber starren zu müssen.

Ich verzweifle oft am Leid der Welt und habe zumindest ein bisschen das Gefühl, aktiv etwas tun zu können.

Was sind die einfachsten Dinge, die jeder umsetzen kann um (vegan_minimalistisch_plastikfrei) zu leben – wenn jemand Dich fragt, wo si_er anfangen soll, welche Tipps würdest Du geben?

Tatsächlich einfach loslegen, ohne Absolutheitsansprüche und mit möglichst wenig Angst vor Rückschlägen. Jeder kleine Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist ein Fortschritt.

Verbündete suchen, das Vorhaben öffentlich machen, zum Beispiel online.

Immer einen Stoffbeutel dabei haben.

Vor jedem Kauf überlegen: brauche ich das wirklich? Kann ich das nicht einfach selbst machen? Wie lange werde ich es benutzen? Bekomme ich das auch gebraucht für weniger Geld?

Einfach keine tierischen Produkte mehr kaufen, dafür musst du nicht einmal etwas tun, sondern kannst etwas weglassen. (Nicht hungrig einkaufen gehen, das führt bei mir immer zu erhöhtem Müllaufkommen.)

Sich immer wieder den eigenen Reichtum vor Augen halten.

Einen Dauerauftrag für eine gemeinnützige Organisation anlegen, egal wie hoch die Summe ist.

Spenden schenken, dazu ein selbstgebasteltes Windlicht, egal was das Gegenüber daran rumzukritteln hat.

Das Herz weit machen, sich die Einzigartigkeit dieses Planeten bewusst machen, teilen, was du hast.

Nicht aufgeben.

Zum Schluss: Deine Literatur-, Blog- und Filmtipps für den Aus-/Umstieg?

Filmtipps:

Gabel statt Skalpell
Plastic planet
More than honey
Food inc.
Earthlings habe ich nie gesehen, weiß aber, dass das für viele der Einstieg war.

Buchtipps:

„Einfach vegan“ von Roland Rauter
„Vegan, regional, saisonal“ von Lisa Pfleger (Anmerkung glücklich scheitern: Hab ich auch! Und mag es zusammen mit ihrem Vegan Homemade anderen sehr empfehlen!)
Alle Bücher von Peter Wohlleben – für ein bisschen Demut. 😉

Blogs zu dem Thema gibt es ja etliche, meine kleine Auswahl:

Wastelandrebel

Experiment Selbstversorgung

Laubfresser

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