Nachhaltiges Familienleben

Interview Green Living: Ramona von Jademond

Während meiner Fastenzeit stelle ich euch hier jeden Montag jemanden vor, die_der mit Familie ein nachhaltiges Familienleben lebt. Mein Gedanke dabei ist zu zeigen, auf wie vielfältige Weise man sich sein Leben nachhaltiger gestalten kann und das ganz bestimmt jeder ein paar einfache Möglichkeiten findet, hier und da den eigenen ökologischen Fußabdruck noch ein wenig zu verkleinern! Ach ja, und tolle Leute/Blogs möcht ich euch damit auch gern vorstellen.

Stelle Dich (und ggf. Deinen Blog) bitte vor

Ich bin Ramona, Mutter, Designerin, Schönschreiberin und Lebensbejaherin. Ich schreibe auf dem Blog Jademond.de über meinen Alltag, meine Gedanken und Ideen.

Ramona von Jademond

Ramona von Jademond

Welches Thema/Unterthema aus dem Bereich „nachhaltig Leben“ (vegane Ernährung, plastikfrei, Minimalismus….) ist Dir besonders wichtig und warum?

Hm, noch vor paar Jahren hätte ich ganz klar „Ernährung“ genannt. Momentan bin ich in einer Lebensphase angekommen, wo alles bisschen verschwimmt. Das heisst, ich hab mir alle Unterthemen mal angeschaut und meine Essenz daraus entnommen und die in den Alltag integriert. Keines davon habe ich extrem betrieben. Hin und wieder rappelt es mich und ich knöpfe mir wieder einen Bereich vor. Dann finde ich, ist es wieder Zeit, minimalistischer, plastikfreier, veganer oder ökologischer zu Leben und Dinge, die sich eingeschliffen haben, zu prüfen. Ich glaube, demnächst ist mal wieder plastikfrei dran. Die Tochter hat den Impuls neulich aus der Schule mitgebracht, weil sie mit der Klasse den Film Plastic Planet geschaut haben. Das hat echt Eindruck hinterlassen.

Aus ganz persönlichen Gründen interessiert mich: wie ist das mit deinem Partner/Deiner Partnerin: ziehen die am gleichen Strang, musstest Du Überzeugungs- oder Aufklärungsarbeit leisten?

Wir ziehen am gleichen Strang, aber aus unterschiedlicher Motivation und es kam auch nicht zur gleichen Zeit. Manchmal finde ich Themen sehr spannend und trage sie an den Mann heran. Er ist aber vielleicht gerade an einer ganz anderen Stelle. Dann mache ich einfach bei mir weiter. Irgendwann kommt er und beschäftigt sich plötzlich mit einem Thema, was ich schon vor einem halben Jahr hatte. Aber seine Inspiration und Motivation kam wo ganz anders her als bei mir. Das ist immer sehr spannend. Dann erzählt er mir Dinge, die ich ihm früher schon mal erzählt hab, als hätte er sie grad frisch entdeckt (hat er ja auch). Dann können wir gut ins Gespräch kommen und gemeinsam schauen, was für alle passt.

Was ist mit dem Rest der Familie (vor allem den Kindern) und Freund_innen…backst Du Dir beispielsweise einen veganen Kuchen für Einladungen woanders, dürfen die Kinder das Grillwürstchen nicht essen, gibt es keine Mitgebsel am Kindergeburtstag…

Da hab ich schon eine Entwicklung hinter mir. Ich war da mal viel extremer. Aber da waren die Kinder auch kleiner und die Umstände anders. Jetzt ist es so: zuhause gibts vegan bzw vegetarisch. Die Kinder dürfen alles essen, Fleisch und Wurst kaufen wir aber nicht. Ich bin keine besonders gute Bäckerin. Meine veganen Kuchenexperimente werden von der Familie nicht gutgeheissen, weshalb ich sehr selten überhaupt backe. Das ging so weit, daß sich die Tochter sogar von der Nachbarin den Geburtstagskuchen backen lassen wollte. Mittlerweile backt die Tochter selbst oder ich bin auch bereit, auch mal Kuchen mit Ei für die Kinder zu backen, wenn ich weiss, daß sie den mögen.

Ich selber esse kein Ei, weshalb ich woanders einfach auf Kuchen verzichte. Ich bin eh kein großer Kuchen-Fan. Wenn ich weiss, daß es keine Alternativen geben wird, nehme ich mir selbst was mit. Ein paar Kekse, Obst oder Riegel. Sowas hab ich eigentlich immer in der Tasche.

Kindergeburtstage versuche ich so einfach wie möglich zu halten. Ich hab keine Lust, massig viel Gel für unnötigen Krimskrams auszugeben. Entweder sind die Mitgebsel Teil der Geburtstagsfeier (einmal zum Beispiel gab es eine Schatzsuche und der Schatz war eine Kette zum Selberbasteln. Dann war die Kette das Mitgebsel) oder es beschränkt sich auf Seifenblasen. Bisher wurde es aber auch nicht vermisst (oder niemand hat sich getraut, was zu sagen 😉

Was sind die Fragen oder Einwände, die Dir am häufigsten zu Deiner/Eurer Lebensweise begegnen und was erwiderst Du darauf? Was ist z.B. mit Einwänden wie „ist mir u aufwändig/zu teuer/zu viel Verzicht“?

Hm. Interessanterweise sind mir noch nie Einwände begegnet. Wir sind viel von Gleichgesinnten umgeben, sodass es mir eher immer auffällt, wenn ich mich mal aus meiner Blase heraus bewege. Manchmal kommt tatsächlich Geld als Einwand. Da schrauben wir ja selbst ständig nach. Momentan zB wachsen uns unsere Ausgaben fürs Essen über den Kopf. Deshalb probieren wir jetzt einen Speiseplan und hoffen, daß wir durch gezielteres Einkaufen und bessere Planung die Kosten da etwas minimieren können.

Was findest Du am Bereicherndsten an Eurer Lebensweise?

Das ist eine interessante Frage. Denn mittlerweile ist das ja für uns total normal und ich denke da nicht mehr drüber nach. Ich merke das immer erst, wenn ich mal über den Tellerrand hinaus schaue, egal in welche Richtung. Zum einen, wo wir schon sind. Zum anderen, wo es noch hingehen kann. Bereichernd ist also, und das hat nichts mit der Lebensweise, sondern mit einer gewissen Grundeinstellung zu tun, daß es immer wieder Chancen zum Wachstum gibt.

Was sind die einfachsten Dinge, die jeder umsetzen kann um (vegan_minimalistisch_plastikfrei) zu leben – wenn jemand Dich fragt, wo si_er anfangen soll, welche Tipps würdest Du geben?

Glasflaschen statt Plastikflaschen kaufen (oder Leitungswasser trinken und zum Mitnehmen selbst abfüllen. Wir nutzen dafür Edelstahlflaschen)

Essen statt in Plastikbehälter in Gläser füllen (von Brotaufstrichen, Marmeladen, sauren Gurken…)

Vegetarische bzw vegane Tage in der Woche einrichten. Den Anteil an veganen/vegetarischen Sachen erhöhen, dann reduziert sich der Fleischanteil automatisch und es fühlt sich nicht nach Verzicht an.

Beim Einkaufen Impulskäufe vermeiden. Dich fragen, ob du das wirklich brauchst. Dinge, die man braucht erstmal auf einer Liste sammeln und schauen, ob sie später immer noch so wichtig sind.

Ins Gespräch gehen. Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Es gibt zB in vielen Städten Repaircafés und Initiativen zu nachhaltigerem Leben (Transition Towns). Bibliotheken nutzen. Gemeinschaften finden.

Zum Schluss: Deine Literatur-, Blog- und Filmtipps für den Aus-/Umstieg?

Ich finde, Caro hat immer schöne und vorallem unaufdringliche Impulse: Naturkinder
Dann gibt es eben eine Sammlung von Transition Initiativen
Es gibt Mundraub.org (Frei zugängige und erntbare Obstbäume)
Foodsharing (Lebensmittel teilen statt wegwerfen)
Apfelmädchen und Sadfsh haben immer wieder gute Impulse und Tipps für weiterführende Lektüre

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