Familie, Feminismus

Liebe Frau Schröder, wir haben nicht mehr 1976!!!

putzgutscheine jetzt also, hm? mir hat’s ja die sprache verschlagen, deshalb kam ich bisher gar nicht dazu, meinen senf dazu zu geben. ich versuche ja auch immer nachsichtig zu sein, mich in andere leute hineinzuversetzen. was also könnte frau schröder und konsorten auf die idee gebracht haben, putzgutscheine könnten dabei helfen, frauen den ‚wiedereinstieg‘ zu erleichtern??? ich mein, ICH war nur ein halbes jahr in elternzeit, da find ich den begriff wiedereinstieg irgendwie unangebracht. trotzdem gab es natürlich hindernisse. und ICH bin immer davon ausgegangen, mir würden folgende punkte helfen:

1. ausreichend kinderbetreuungsplätze, wohnortnah, großzügige öffnungszeiten und mit bestens ausgebildeten und empathischen erzieher_innen (oder tagespflegemenschen).

2. arbeitgeber_innen, die nicht beim begriff „mutter“ direkt an ausfallzeiten und mangelnde flexibilität denken

3. arbeitszeiten, bei denen „flexibel“ heißt, ICH kann mir aussuchen wann ich arbeite und idealerweise gibt es dazu mehr „vollzeitnahe teilzeitstellen“ (liebe frau schröder, war auch ihre idee, oder?)

tja. putzhilfe, darauf wäre ich gar nicht gekommen. der herzensmensch und ich sind relativ gleich gleichgültig gegenüber dreck (auch wenn wir unterschiedliche lieblings- und hassaufgaben haben, so dass wir es natürlich trotzdem schaffen, uns anzumoppern). ich hab mir dann so ein heteropaar vorgestellt,  dass folgenden dialog führt:

sie: „schatz, die kinder gehen jetzt zur schule, ich habe tagsüber so ein leeres gefühl von langeweile. ich glaub, ich geh wieder arbeiten“

er: „ja schatz, das klingt nach einer guten idee. dann könntest du ein bisschen unsere urlaubskasse auffüllen. dann könnten wir mal auf die malediven, statt auf die kanaren. ABER: wehe, hier sieht es nach einiger zeit aus wie in einer studentenbude. dann verbiete ich dir, arbeiten zu gehen“

UND DANN FIEL ES MIR WIE SCHUPPEN VON DEN AUGEN: frau schröder ist in den siebzigern hängen geblieben! gut, wenn man ihre backlash-politik kennt, verwundert das eigentlich nicht. aber mir fiel wieder dieses gesetz ein, was erst 1977 abgeschafft wurde: da musste der ehemann der frau noch ERLAUBEN, dass sie arbeiten gehen darf. und ich glaub im wortlaut (den ich grad auf die schnelle nicht gegoogelt habe) stand da auch noch was von „sofern die ehefrau ihre familiären pflichten nicht vernachlässigt, also haushalt, kindererziehung und regelmäßigen geschlechtsverkehr

also liebe leute, habt nachsicht mit frau schröder und ihrer partei. die scheint seit 1976 im dornröschenschlaf zu sein. liebe piratenpartei: ich drück euch die daumen, dass das mit der zeitmaschine noch klappt. ich empfehle frau schröder als erste reisende. von der vergangenheit in die gegenwart, bitte.

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21 Comments

  • Reply Nervzwergin 3. Dezember 2012 at 10:35

    2. arbeitgeber_innen, die nicht beim begriff “mutter” direkt an ausfallzeiten und mangelnde flexibilität denken

    So einen Arbeitgeber hätte ich auch gern.

    • Reply glücklich scheitern 3. Dezember 2012 at 10:44

      den hätten wir alle gern 😉 nee, aktuell habe ich immerhin in dieser hinsicht glück.

  • Reply spreemieze 3. Dezember 2012 at 10:45

    Toller Text und ja, Frau Schröder, ein (…) Ausfall. Wo die Frau lebt, man weiß es nicht. Ich bin ja immer für Crosstraining. 6 Monate mit Kind ohne Mann und Personal von HartziV leben un d versuchen einen job zu finden.

    • Reply glücklich scheitern 3. Dezember 2012 at 10:49

      jaaaaa, lebensrealität und so. die fehlt leider den meisten politiker_innen. auch von parteien, mit denen ich sonst eher sympathisiere. sage nur: volle rente für menschen, die 45 berufsjahre haben. vielleicht dazu ein andern mal mehr…

      • Reply maja 3. Dezember 2012 at 11:00

        achso, ich habe 40 Berufsjahre in Vollzeit. Heut hab ich meine Pension, die ich nicht missen möchte und bin von keinem mann abhängig, auch nicht von meinem, finanziell gesehen, sonst eigentlich auch nicht.

  • Reply maja 3. Dezember 2012 at 10:57

    war Frau Schröder 1976 überhaupt schon geboren, ich glaube es nicht. ich möchte mal kurz was sagen
    ich hab einen Sohn bekommen im jahr 1972
    ich bin 63 jahre heute im jahr 2012
    damals ging man arbeiten bis 6 wochen vor der Geburt und 8 Wochen nach der geburt. Kindergeld gabs kaum, 50 DM, wenn ich mich erinnere,
    Elternzeit überhaupt keine. Entweder man ging wieder arbeiten oder
    man kündigte, wenn man keine andere Möglichkeit hatte. So. das wars schon. Danke. Kindertagesstätten gab es auch keine, man musste auf die Oma zurückgreifen, sofern man eine hatte.

    • Reply glücklich scheitern 3. Dezember 2012 at 11:10

      ??? was willst du damit AUSsagen? versteh ich nicht.

    • Reply spreemieze 3. Dezember 2012 at 13:55

      naja, wir könnten jetzt sagen, dass es damals auch keien emails gab und keine handys von wehen 24/7 Sklavendienst.
      Ja, früher war es nicht besser, aber eben anders. Deshalb können wir doch weiter verbessern, oder nicht?

  • Reply aufZehenspitzen 3. Dezember 2012 at 11:14

    „ich habe tagsüber so ein leeres gefühl von langeweile“ … was für ein schöner dialog 🙂 ich will jetzt auch putzgutscheine!! vielleicht werde ich samt familie nach deutschland ziehen, um in den genuss dieses super innovativen sozialsystems für eltern und kinder zu kommen. sagenhaft! oder ich starte eine petition für eine parallelaktion in österreich? rettet den haushalt? rettet die hausfrau? rettet die ehe? putzgutscheine … wirklich. DIE idee. kinderbetreuungsplätze, flexible arbeitszeiten … liebe glücklichscheitern, das sind ja auch absurde forderungen. tss

    • Reply glücklich scheitern 3. Dezember 2012 at 11:18

      ich weiß!!! vielleicht war ich die ganze zeit total aufm holzweg! ich tausche dann meine putzgutscheine gegen einen shoppingassistenten (der noch erfunden werden muss, wenn es die csu drauf hat…wobei, wäre ja wirtschaftsfördernd, vielleicht die fdp?), weil einkaufen mit kind unterm arm und einkaufstasche unter der anderen und dann noch treppen hoch – wo kommen wir da hin?

      • Reply aufZehenspitzen 3. Dezember 2012 at 11:23

        oh ja! aber warum die anfallenden aufgaben auf mehrere personen verteilen? da wünsch ich mir doch gleich eine magd. oder einen knecht. diese berufe sind doch wiedereinführenswert, wenn man sich das genau überlegt. so ein haushalt ist eben kein ponyhof.

        • Reply glücklich scheitern 3. Dezember 2012 at 11:27

          ABER: hier bekommen ja bald großeltern großelternzeit. dann ist alles wieder im lot und omi, die direkt um die ecke wohnt und topfit ist, kann enkelkindbespaßen, putzen, einkaufen, opa kümmert sich um reperaturen – tataaaa

  • Reply Andrea 3. Dezember 2012 at 13:23

    Tut mir leid, das geht auch nicht denn: Unsere Gesellschaft wird ja, huiuiui , immer älter und da die eh schon zu wenigen Jungen alle arbeiten müssen und keine Zeit und Lust mehr am Kinderkriegen haben, müssen da ja wohl wieder die „Alten“ ran ( ist ja heutzutage alles kein Problem mehr …). Somit müssen die ihre eigenen Kleinen bespaßen.

  • Reply Keine (Aus-)zeit | La vie est belle! 4. Dezember 2012 at 20:53

    […] höre ich dann gerne das hier und da ich trotzdem auch immer wieder gerne Blogs lese, bin ich über diesen Text hier gestolpert. Es geht um die neue “Herdprämie”, interessanter Gedankengang von […]

  • Reply crocodylus 4. Dezember 2012 at 21:20

    Frau Schröder meinte das ganz bestimmt anders. Und jetzt bin ich mal ein bißchen gemein. Sie dachte es sich sicher so, dass die Gutscheine für männliche Nacktputzer gelten. So als Gleichberechtigung auf allen Gebieten und als emotionaler Einsteig ins Arbeitsleben gedacht. Als Bonbon.
    Ansonsten müsste man ja denken, die Ministerin ist eine doofe Nuss, die immer noch nicht begriffen hat, wo die Probleme liegen. Und eine doofe Nuss als Ministerin für Frauenfragen, das kann doch nicht sein. Das kann uns unsere Knazlerin nicht antun. Sie ist doch auch ein Mädchen.

  • Reply Mia 5. Dezember 2012 at 22:25

    Liebe Politiker, backt euch eure Kinder selbst! Natürlich möchten wir modernen Frauen viel zu viel erreichen…vielleicht sind wir da auch etwas naiv, aber was eine Mutter so alles erTragen muss, ist schon unglaublich.

  • Reply spalterin 6. Dezember 2012 at 16:19

    Jippie, und bald darf man dann auch Kitaplätze einklagen, wo mann doch heutzutage nicht mal einen bekommt, auch wenn man ihn selbst bezahlen wollen würde. Uns haben die Kitas vorgeschlagen, wir sollten das Kind doch das nächste mal bitte anmelden, bevor wir es zeugen.

    Manchmal würde eine solide Wurzelbehandlung am Problem doch mehr helfen, als den sozialdienstlichen Notstand mit viel Blut und Schweiß schön zu reden… ganz deiner Meinung-

  • Reply Karin 6. Dezember 2012 at 21:55

    mich wundert nur, wo Ursula von der Leidens Vorschlag bleibt. Schleckerfrauen werden zu Schröders Putzfrauen
    😉

  • Reply Kopfrechnen | glücklich scheitern 7. Dezember 2012 at 13:14

    […] da hat sich das studieren ja richtig gelohnt, wa? aber hauptsache, zu hause ist aufgeräumt. […]

  • Reply Mädchenmannschaft » Blog Archive » Unterstützen statt vereinnahmen – die Blogschau 8. Dezember 2012 at 12:00

    […] scheitern zeigt auf, dass die angeblichen Reformvorschläge Kristina Schröders für den “Wiedereinstieg” von Müttern ins Berufsleben höchstens in den 1970er Jahren […]

  • Reply Mädchenmannschaft » Blog Archive » Ich werde keine Tränen weinen, Kristina! 1. Oktober 2013 at 9:06

    […] Wiedereinstieg in den Job zu vereinfachen, schlug dann Kristina Schröder Anfang Dezember 2012 noch Putzgutscheine vor. Vielleicht ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für einige? Und auch hier bleibt die Frage: […]

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