Nachhaltiges Familienleben

Nachhaltiges Familienleben: Rahel von mamadenkt

Ihr Lieben, das ist der (vorerst) letzte Interviewbeitrag zum nachhaltigen Familienleben und ich freue mich umso mehr, dass Rahel den Abschluss macht!

Stelle Dich (und ggf. Deinen Blog) bitte vor

Mein Name ist Rachel, ich bin Mitte 30 und lebe mit meiner Familie im Hunsrück. Auf MamaDenkt geht es um Minimalismus, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Themen, die uns alle etwas angehen. Unser Alltag als Familie, unsere Versuche, Projekte und Abenteuer rücken hier immer wieder in den Fokus.
Mein Wunsch ist, die Welt positiv, fair und nachhaltig zu gestalten. Als Familie sieht das manchmal etwas anders aus, als wenn ich alleine oder nur mit meinem Partner in Sachen Green Living unterwegs bin. Wir haben andere Kompromisse zu finden und einzugehen. Bestimmte Frage stellen sich uns nicht oder aber ganz besonders, weil wir eben Familie und damit mehrere sind.
Auf meinem Blog stelle ich in Frage, erzähle von unseren aktuellen Experimenten, berichte von Rückschlägen und was für uns dabei heraus kam. Außerdem gebe ich wertvolle Internet-Fundstück an meine Leserschaft weiter.

Rahel bloggt auf mamadenkt über Minimalismus als Familie

Rahel bloggt auf mamadenkt über Minimalismus als Familie. Bei mir im Interview erzählt sie warum Minimalismus für sie Freiheit bedeutet

Welches Thema/Unterthema aus dem Bereich „nachhaltig Leben“ (vegane Ernährung, plastikfrei, Minimalismus….) ist Dir besonders wichtig und warum?

Ich persönlich habe über das Reduzieren, das einfache Leben und den Minimalismus den Wunsch nach mehr Green Living entwickelt. Für mich bedeutet das, mit meiner Familie ein grüneres, nachhaltigeres und einfacheres Leben zu gestalten als voher.
Plastikfreier zu leben, weniger Müll zu produzieren, meinen ökologischen Fußabdruck einzugrenzen und die Konsequenzen eines vermeintlich komfortableren Lebens bewusst zu machen.
 Ich bin in spätestens 60 Jahren nicht mehr hier. Meine Kinder unter Umständen sehr wohl. Und deren Kinder auch. Ich fühle mich verantwortlich für das, was ich als Erbe hinterlasse. Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass meine Kinder Persönlichkeiten werden, die Selbstbewusstsein und Verantwortlichkeit entwickeln und einsetzen.

Aus ganz persönlichen Gründen interessiert mich: wie ist das mit deinem Partner/Deiner Partnerin: ziehen die am gleichen Strang, musstest Du Überzeugungs- oder Aufklärungsarbeit leisten?

Ich hatte das große Glück, dass mein Partner und ich gleichzeitig in eine ähnliche Richtung losgegangen sind. Wir haben gemeinsam entschieden, unseren Besitz zu reduzieren. Gemeinsam haben wir uns über Themen, wie Selbstversorgung, reduziert Leben, vegane Ernährung oder plastikfreies Leben ausgetauscht und ausprobiert.
Natürlich sehen wir manche Dinge anders. Mein Mann findet den Kauf von Apfelsaft in Flaschen viel mühseliger als ich. Dafür bin ich schnell rückständig, was das Aufzeichnen von Ausgaben für unseren Haushalt betrifft. Dennoch versuchen wir am Ball und vor allem im Gespräch zu bleiben. Insbesondere über scheinbare Banalitäten.

Was ist mit dem Rest der Familie (vor allem den Kindern) und Freund_innen…backst Du Dir beispielsweise einen veganen Kuchen für Einladungen woanders, dürfen die Kinder das Grillwürstchen nicht essen, gibt es keine Mitgebsel am Kindergeburtstag…

Wir haben uns entschieden, niemandem unseren Lebensstil aufzuoktruyieren. Ich glaube, dass das zu Abschreckung führt und das ist das Letzte, was ich durch unsere Art zu leben erreichen möchte. 
Ich bin davon überzeugt, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie wir leben und wir unsere Kinder und Enkelkinder später leben können und wollen. Natürlich färben meine alltäglichen Entscheidungen auf meine Kinder ab. Sie werde ohne Fernseher groß und bekommen mit, dass ich knauserig bin, was den Kauf von Süßigkeiten in doppelten Plastikvepackungen angeht.
Meinen eigenen veganen Kuchen würde ich nicht mitbringen. Wahrscheinlich würde ich anbieten auch einen Kuchen zu backen und der würde vermutlich vegan sein, ohne dass jemand davon Wind bekommt.
Mitgebsel am Kindergeburtstag sind auch bei uns Thema. Ich weigere mich diese Mini-Plastiktüten zu kaufen. Nichtsdestotrotz lasse ich mir ein anderes nachhaltigeres Give away für meine Jungs einfallen. Ich bin daher vermutlich sehr viel häufiger und länger auf der Suche nach Alternativen.

Was sind die Fragen oder Einwände, die Dir am häufigsten zu Deiner/Eurer Lebensweise begegnen und was erwiderst Du darauf? Was ist z.B. mit Einwänden wie „ist mir zu aufwändig/zu teuer/zu viel Verzicht“?

Am häufigsten mussten wir uns schon den Hinweis anhören, dass wir Bescheid geben, wenn wir auch unsere Stühle wegreduziert haben. Soweit sind wir noch nicht, daher mussten wir die Info noch nicht durchgeben.
Wenn wir uns unterhalten, dann gibt es diese Einwände kaum bis gar nicht. Ich komme also gar nicht dazu, mir Antworten auf diese Einwände zu überlegen.
Zu aufwändig – Menschen, die uns kennen würden vermutlich nicht auf die Idee kommen, dass unser Leben aufwändiger ist. Denn sie wissen, dass zumindest ich es einfach mag. Ich mag es, wenn ich nicht mit zu viel Aufwand beschäftigt bin, denn unser Leben als fünfköpfige Familie ist trubelig genug. Jedes Projekt, jeder Versuch muss umsetzbar bleiben. Das ist das A und O für mich.
Zu teuer – bei unserem Lebensstil stimmt das so einfach nicht mehr. Wir haben keinen Fernseher, keine teuren Entertaining-Geräte, wir gehen nicht zum Friseure, reparieren Geräte und Besitz selber, sofern nötig und schaffen nicht neu an. Wir sparen an vielen Stellen viel Geld ein, das wir dann tatsächlich gut für ökologisch hergestellte Produkte einsetzen können.
Verzicht – das Empfinden habe ich nicht. Vielleicht kommt das bei unserem Gegenüber auch so an. Ich glaube, ich wirke sehr viel glücklicher als so manch anderer, obwohl wir nur ein Gehalt zur Verfügung haben, mein Mann an einem BurnOut leidet und wir auf bestimmte Dinge sehr gerne verzichten.
Womit wir eher immer mal wieder konfrontiert werden, dass wir so gut wie kein Fleisch und wenig Milchprodukte zu uns nehmen. Dass das doch total ungesund ist und unsere Kinder unterversorgt seien, was wichtige Vitamine angeht. Dabei handelt es sich eher um Nährstoffe, nicht so sehr Vitamine, die uns abhanden kommen könnten, wenn wir nicht mehr Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Gemüse verzehrten. Was die Nährstoffversorgung angeht, habe ich das Gefühl oft informierter zu sein als so manch anderer.
Dennoch: Ich stelle genau das meinen Kindern frei. Wenn sie mal Joghurt essen wollen, dann dürfen sie das. Allerdings kommen sie nicht umhin, auch ehrliche Antworten von mir zu bekommen, wenn die Frage aufkommt, woher die Milch kommt.

Was findest Du am Bereicherndsten an Eurer Lebensweise?

Ich liebe die Einfachheit, die sich für uns daraus ergibt. Wir haben viel Raum und viel Zeit freigeschaufelt. Für uns, als Familie, für Freunde. Bei meinen Kindern und bei mir erlebe ich viel Ausgeglichenheit, wenn wir draußen unterwegs sind oder Zeit als Familie miteinander verbringen. Das finde ich persönlich das wertvollste an diesem etwas anderen Lebensstil.

Was sind die einfachsten Dinge, die jeder umsetzen kann um (vegan_minimalistisch_plastikfrei) zu leben – wenn jemand Dich fragt, wo sie_er anfangen soll, welche Tipps würdest Du geben?

Auf Anhieb fallen mir ein:
– in Bad und Küche aufbrauchen, was da ist
– dreimal überlegen, was wirklich neu eingekauft werden muss
– Stoffbeutel in der Handtasche, Klappbox im Auto
– Joghurt, Milch, Saft, Konserven – aus dem Glas
– Stoffbinden oder Lady-Cup
– Vorher/Nachher-Fotos von Ecken machen, die entrümpelt werden …
Zwei grundsätzliche Tipps für die Umsetzung der einfachen Dingen:
Einfach anfangen. Sich nicht abhalten lassen, denn die kleinen Schritte bringen einen überhaupt erst einmal auf den Weg.
Nicht stressen. Rückschläge und Irrtümer gehören dazu. Na und? Daraus lässt sich lernen. Wenn etwas nicht gleich so funkioniert, wie ich mir das vorstelle, dann stampfe ich nicht gleich alles ein, was ich bislang erreicht habe, sondern überlege: „Ok, das war nicht zielführend. Das hat mich gestresst. Wie und was könnte ich anders machen?“

Zum Schluss: Deine Literatur-, Blog- und Filmtipps für den Aus-/Umstieg?

Mich haben weniger Dokus mit erschreckenden Infos zum Umstieg getrieben. Es waren tatsächlich Menschen hinter diversen Blogs oder auch bestimmte Bücher.
Zunächst ein paar Literaturtipps:
•    Widerstand ist zweckmäßig von Harald Welzer
•    Vegan Homdemade von Lisa Pfleger (An ihren Büchern gefällt mir besonders ihre Einfachheit und Umsetzbarkeit)
•    Organized simplicity von Tsh Oxenreider (gibt es leider nur im englischen)
Außerdem lande ich immer wieder auf folgenden Webseiten und Blogs:
•    Experiment Selbstversorgung (tolle Tipps zum Selbermachen)
•    Frau DingDong (Hier fing für mich das Green Living im Netz überhaupt erst an)
•    Apfelmädchen (Svenja und Marc haben in ihren Netzhighlights auch immer wertvolle Linktipps oder kommen auf die ein oder andere neue Challenge-Idee)
•    Fräulein im Glück (anregende Bildaufnahme, nachhaltiges Leben mit Familie)
•    Greenpeace Magazin (print und online)

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