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Nachhaltiges Familienleben

Interview Green Living als Familie: Kathrin von ÖkoHippieRabenmütter

Während meiner Fastenzeit stelle ich euch hier jeden Montag jemanden vor, die_der mit Familie ein nachhaltiges Familienleben lebt. Mein Gedanke dabei ist zu zeigen, auf wie vielfältige Weise man sich sein Leben nachhaltiger gestalten kann und das ganz bestimmt jeder ein paar einfache Möglichkeiten findet, hier und da den eigenen ökologischen Fußabdruck noch ein wenig zu verkleinern! Ach ja, und tolle Leute/Blogs möcht ich euch damit auch gern vorstellen.

Stelle Dich (und ggf. Deinen Blog) bitte vor

Ich bin Kathrin, zweifache Mutter und Bloggerin bei www.oeko-hippie-rabenmütter.de Dort schreibe ich über die Themen, die unsere Familie und unser Leben ausmachen: bindungsorientierte Elternschaft, den Verzicht auf klassische Erziehungsmethoden, Hochsensibilität, die mich und meinen großen Sohn betrifft, und unser Leben als vegane, „grüne Familie“. Wir haben einen wundervollen bioveganen Garten, in dem ich mit sehr viel Liebe und Vision unser Gemüse selbst anbaue, wir uns also selbst versorgen. Wir leben nachhaltig und Umwelt- und Ressourcenschonend so gut es geht – und es geht eigentlich ganz gut. Auf dem Blog stelle ich oft und gerne nachhaltige Bücher, Produkte oder Ideen vor, die mich begeistert haben und unsere eigene Umstellung fördern.

Kathrin ÖkoHippieRabenmütter

Kathrin vom tollen Blog ÖkoHippieRabenmütter

Welches Thema/Unterthema aus dem Bereich „nachhaltig Leben“ (vegane Ernährung, plastikfrei, Minimalismus….) ist Dir besonders wichtig und warum?

Aktuell ganz wichtig: plastikfrei. Leider als Veganer echt gar nicht so leicht. Außer, man verzichtet auf sehr viel, was mit Kindern nicht immer so praktisch ist, da sie ja noch viel mehr auf eine konstante und umfangreiche Nährstoffversorgung angewiesen sind, als wir. Vegane Ernährung ist in (Achtung Wortwitz) FLEISCH und Blut übergegangen, ich bin seit 16 Jahren Vegetarier, seit 4 Jahren Veganer und die Kinder seit immer. Deshalb ist es uns natürlich wichtig, aber fast auch nicht mehr präsent, weil einfach so selbstverständlich.

Das aller-, allerwichtigste ist aber tatsächlich ein möglichst naturnahes Leben. Wir leben mitten in der Großstadt und das überfordert mich manchmal maßlos. Es geht mir auf den Keks, überall hin mit dem Auto fahren zu müssen oder den Bus zu nutzen, nicht überall barfuß laufen zu können, so wenig Grün und Natur zu sehen…. Weshalb wir, wann immer wir können, im Grünen sind. Meine Kinder lernen hier von klein auf, welche Werte im Umgang mit Tieren und der Natur mir sehr wichtig sind, wir sind draußen Zuhause, oft im Wald, ständig im Garten, bauen selbst an (was die Kinder mit ihren 3 und 1,5 Jahren schon mitmachen), produzieren wenig Müll, vermeiden Fahrten mit dem Auto, gehen zu Fuß oder nehmen das Rad, sparen Wege und Ressourcen ein, wo wir können. Mir ist einfach wichtig, dass unsere Kinder lernen, dass wir nur diesen einen Planeten haben.

Aus ganz persönlichen Gründen interessiert mich: wie ist das mit deinem Partner/Deiner Partnerin: ziehen die am gleichen Strang, musstest Du Überzeugungs- oder Aufklärungsarbeit leisten?

Aufklärungsarbeit: Ja. Überzeugungsarbeit: nein. Das widerspräche auch meinen Glaubenssätzen, keine Menschen in irgendwelche Richtungen zu ziehen. Mein Mann und ich sind nun 10 Jahre zusammen, davon ist er 7 Jahre ungefähr Vegetarier. Veganer war er nie. Er hat auch geraucht, als wir uns kennen lernten.

Sowohl die Entscheidung nicht mehr zu rauchen als auch die, kein Fleisch mehr zu essen, kam von ihm. Er hat die ersten Jahre „zugeguckt“ und mal ein paar Fragen gestellt. Klar, wir haben viel darüber gesprochen aber nie darüber gestritten. In meiner Wohnung (als wir noch nicht zusammen wohnten) und später in unserer gemeinsamen Wohnung habe ich nur dringlichst darum gebeten, kein Fleisch zuzubereiten, weil mir das wirklich psychischen Schmerz bereitet, ein Tier zuzubereiten oder dabei zuzusehen. Und das war okay für ihn. Wenn wir essen waren, hat er gegessen, was er wollte, immer schon. Da er nicht gut kochen kann, war das Thema Fleisch Zuhause zubereiten sehr sehr schnell vom Tisch 😉

Vor 5 Jahren haben wir komplett vegetarisch geheiratet, dass die Kinder Vegetarier werden war auch klar, ohne dass wir dann darüber sprechen mussten.
Er achtet sehr auf seinen Konsum, ist nicht verschwenderisch, plant und kauft auf Vorrat, geht logisch und mit Bedacht vor und mit allem um. Grundsätzlich lebt auch er selbst sehr nachhaltig, im Vergleich. Vieles fällt ihm noch schwer, aber eine Umstellung ist immer irgendwie Arbeit.

Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass wir uns größtenteils immer mit den Dingen einig sind und dann auch an einem Strang ziehen, ohne, dass sich jemand dafür verbiegen müsste.

Was ist mit dem Rest der Familie (vor allem den Kindern) und Freund_innen…backst Du Dir beispielsweise einen veganen Kuchen für Einladungen woanders, dürfen die Kinder das Grillwürstchen nicht essen, gibt es keine Mitgebsel am Kindergeburtstag…

Ich bringe meistens überall hin Kuchen mit, ja. Außer zu meinen veganen Freunden, die wären wohl eher beleidigt 😉

Die Kinder dürfen die eigentlich nicht essen, das stimmt schon, ich würde das aus gesundheitlichen und ethischen Gründen tatsächlich ganz ganz schrecklich finden. Aber das Spannende ist: sie wollen das auch gar nicht. Sie haben noch nie danach gefragt, obwohl sie Menschen Fleisch essen sehen. Ihre Großeltern zum Beispiel. Aber für sie ist das einfach völlig selbstverständlich, keine Tiere zu essen.

Kindergeburtstage haben wir bisher noch nicht gefeiert, aber doch, es gäbe welche: in vegan. Es gibt so wahnsinnig viele wunderbare und kinderfreundliche vegane Rezepte – meine Kinder selbst sind total die Naschkatzen. Es gibt leckere vegane Schokolade im Versandhandel, vegane Weingummi… Gerade bei Süßigkeiten lasse ich meine Kinder aber selbst entscheiden, ob sie die veganen oder die vegetarischen nehmen. Die mit Gelatine kauft in ihrem Umfeld eigentlich schon automatisch keiner mehr.

Was sind die Fragen oder Einwände, die Dir am häufigsten zu Deiner/Eurer Lebensweise begegnen und was erwiderst Du darauf? Was ist z.B. mit Einwänden wie „ist mir u aufwändig/zu teuer/zu viel Verzicht“?

Ich kriege die meisten Fragen zur Ernährung meiner Kinder. Darüber hab ich mal einen Artikel geschrieben – und sie alle auch mal beantwortet.  Eine weitere, sehr beliebte Frage ist die nach dem „Warum“ und „Wie sagst du es den Kindern?“ Auch dazu hab ich was geschrieben, also zu meiner ethisch-moralischen Argumentation.

Was unseren nachhaltigen Stil angeht, da werd ich eigentlich immer nur als Öko oder Hippie tituliert – aber davon kann ich mich ganz gut abgrenzen. Oder eben auch nicht, wie man es nimmt 😉

Was findest Du am Bereicherndsten an Eurer Lebensweise?

Ganz ehrlich: jedes Mal, wenn ich ein Samenkorn in selbst gemischte Aussaaterde stecke, streife ich tagelang um die Pflanzschale herum und betrachte jeden noch so kleinen Fortschritt. Wenn der Schössling sich dann langsam durch die Erde wühlt, sehe ich jedes Mal wieder live – und ja das klingt extrem kitschig – wie Leben entsteht. Aber so ist es und das machen wir uns zu selten bewusst: wir haben das in der Hand. Wir können unser Essen selbst anbauen, unseren Planeten gut behandeln, Leben schützen, anstatt es einfach nur zu benutzen, weil es eben da ist.

Meine Kinder sollen nicht denken, Zucchini wachsen in grünen Kisten im Supermarkt. Sie sollen das sehen und säen. Sie sollen daneben stehen und dabei sein können. Sie sollen wissen, dass DAS der Kreislauf ist und nicht: Kühlschrank alle – einkaufen gehen. Auch wenn ich das nicht verteufele, natürlich gehen auch wir einkaufen. Das ist nun mal unser heutiges Leben und alles andere wäre ja auch weltfremd. Das mit meiner Familie so erleben und selbst umsetzen zu können, im Garten eine reife Zucchini von der Pflanze zu ernten und sie dann direkt über dem Feuer zu rösten, äh also, auf den Grill zu legen – das ist unglaublich bereichernd.

Was sind die einfachsten Dinge, die jeder umsetzen kann um (vegan_minimalistisch_plastikfrei) zu leben – wenn jemand Dich fragt, wo si_er anfangen soll, welche Tipps würdest Du geben?

Babysteps. Kleine Schritte machen, jede Woche einen Schritt mehr. Lieber Erfolgsmomente einheimsen, als an den eigenen Ansprüchen zu scheitern.
Nicht gleich Cold Turkey, wenn man kein Fleisch mehr essen will, sondern erstmal eine Woche vegetarisch probieren. Dann schauen: was ging super, was war doof? Immer an super anknüpfen und weiter machen.

Nicht direkt Selbstversorgung im schwedischen Niemandsland, wenn man nachhaltig leben will. Sondern eben erstmal Baumwoll-Tragetaschen kaufen und keine Tüten mehr nehmen. Den Bon nicht mehr drucken lassen. Einmal pro Woche mit dem Bus fahren, anstatt das Auto zu verkaufen. Die kleine Blume am Wegesrand ehren und nicht gleich das Stadtleben verteufeln. In den eigenen Möglichkeiten und Bedingungen Chancen finden und die nutzen. Sich fest beißen und dran bleiben – eben in kleinen Schritten. Sich selbst belohnen und auch mal auf die Schulter klopfen, selbst wenn andere schon längst am Ziel sind und man gar nicht schnell genug selbst dort ankommen kann.

Und auch, sich nicht zu geißeln, wenn etwas einfach nicht klappen will. Wir geben alle immer unser Bestes. Einfach auch mal verständnisvoll für sich selbst sein und sich die Zeit geben, die es eben braucht. Langsam, behutsam, achtsam – ich glaube, nur so kommt man selbst an den erhofften „Erfolg“.

Zum Schluss: Deine Literatur-, Blog- und Filmtipps für den Aus-/Umstieg?

Film: Earthlings. Ich hab nur Ausschnitte gesehen und (emotional) nicht mehr geschafft. Wer aber die Wahrheit sehen will, kommt um den Film nicht herum.
Literatur: „Green Parenting“ von Kate Blincoe, „Slow Family“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt, „Peaceful Gardening“ von Susanne Heine, „Urban Gardening“ von Anja Klein und Andreas Lauermann, „KinderGartenGlück“ von Matthew Appleby
Blog: meinen 😉 Und die hier: http://www.oeko-hippie-rabenmuetter.de/10-gruene-blogs-die-einen-besuch-wert-sind-teil-1/ und http://www.oeko-hippie-rabenmuetter.de/10-gruene-blogs-die-einen-besuch-wert-sind-fortsetzung-teil-2/

Richtig toll find ich übrigens den Kalender hier