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Feminismus

Feministin und Mutter Sein – Müssen nur wollen?

(Edit 27.03.2013: Ich freue mich, diesen Artikel noch bei der Blogparade von BerlinFreckles verlinken zu dürfen – „Jede Mutter zählt“ heißt die und weil das eben so ist mach ich mit)

Wie geht das, Feministin und Muttersein?

Das war für mich vor Minimes Geburt gar keine Frage. Was sollte sich schon ändern? Ich bin Feministin, dann werd ich eben auch noch Mutter. Gehe weiter meiner Karriere in der Wissenschaft (ich hätts ja eher Berufung genannt) nach, liebe ganz bestimmt mein Kind und werde glücklich.
Und ja, mein Bild war schon sehr eingeschränkt. Ich dachte, wer Feministin ist und Mutter, muss genau so denken – Berufstätigkeit unbedingt! Man muss nur genug wollen…
Dann kam das Kind und ich merkte: Wollen und Können sind nicht ein und dasselbe. Deshalb wundert es mich eher, dass nicht alle Mütter Feministinnen sind, oder jedenfalls mehr. Wenig legt die patriarchale Struktur dieser Gesellschaft so offen, wie das Muttersein, find ich.

Um ganz subjektiv ein paar Ereignisse zu schildern: Ich wurde schwanger als ich grade einen Arbeitsvertrag hatte, der anderthalb Jahre lief. Ich ging ein halbes Jahr in Elternzeit und erfuhr währenddessen, das mein Vertrag nicht verlängert würde. Obwohl die Stelle durchaus weiterläuft. Da der Vertrag einfach auslief, und ich nicht mal gekündigt werden musste, gab es weder aussagekräftige Gründe der Arbeitgeberin, noch die Möglichkeit, einen Personalrat einzuschalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Mitten in der Doktorarbeit in einem anderen Projekt einsteigen? Von vorne anfangen? Dafür in eine andere Stadt, mit befristetem Vertrag? Nein Danke. Will ich also nicht genug?
Ich schrieb Bewerbungen. Wenn ich in der Bewerbung das Kind erwähnte, kam es gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Wurde ich zum Vorstellungsgespräch geladen und erwähnte dann mein Kind gab es unverschämte Reaktionen. Letzen Endes bekam ich eine auf vier Monate befristete Teilzeitstelle. Das Gehalt liegt unter dem, was ich an ALG I bekomme. Und so sehr ich auf die naiven Mütter mit ihren Milchmädchenrechnungen geschimpft habe – ich gestehe, dass die Gleichung in der letzten Zeit bei mir immer öfter aufging. Ich werde müde.
Ja, ich hab mich auch auf volle Stellen beworben. Die vollen, unbefristeten Stellen sind ja eher die Nadel im Heuhaufen. Und erst dann hätte es Sinn gemacht, mit meinem Partner über die Reduktion seiner Stunden zu sprechen. Was in seiner Branche immer noch nicht einfach gewesen wäre. Denn Minime wird nur in Teilzeit bei einer Tagesmutter betreut. Was Anderes war hier in Köln nicht zu finden.
Unabhängig davon: Wenn ich schon nicht in der Wissenschaft arbeite, will ich auch gar nicht Vollzeit arbeiten. Von diesem Modell des Gleichheitsfeminismus, der immer vom männlichen Normalarbeitsverhältnis ausgeht, habe ich mich längst verabschiedet.

Denn ob man als Mutter feministisch ist, hat nichts (oder meist nur sehr wenig) damit zu tun, ob man als Ehe-/Hausfrau und dreifache Mutti oder als in Vollzeit berufstätige Managerin glücklicher ist. Es hat auch nichts damit zu tun, ob man acht Wochen oder drei Jahre Elternzeit nimmt, ob und wie lange man stillt oder nicht, ob man ein Kind oder fünf Kinder hat. Sofern dies “individuelle” Entscheidungen sind. Vielmehr macht sich das “Feministin und Muttersein” in einem Bewusstsein deutlich, dass es neben individuellen Entscheidungen auch strukturelle Ungleichheiten und Notwendigkeiten gibt, die eine_n daran hindern, so zu leben, so Mutter zu sein, wie man möchte:
Die Eine hätte gerne fünf Kinder. Kann aber keine bekommen, warum auch immer, jedenfalls nicht ‘auf natürlichem Wege’. Adoption steht aber nicht jeder offen. Schon gar nicht, wenn sie Single, Lesbe, Frau mit Behinderung, arm…* ist. Eine Andere wollte nie Kinder, wird ungewollt schwanger und treibt aufgrund des gesellschaftlichen Drucks in ihrem sozialen Umfeld nicht ab.
Die eine wäre gerne Hausfrau, weil aber der Hausbau, das neue Auto, die Hobbies der Kinder oder schlichtweg die Haushaltskasse das nicht zulassen, arbeitet sie in einem unbefriedigendem Job. Die andere hätte gerne weiter ihre Karriere verfolgt. Da sie aber immer nur auf befristeten Projektstellen arbeitet, die Kinderbetreuungssituation schlecht ist und ihr_e Partner_in dagegen den unbefristeten Vollzeitjob hat, bleibt sie länger als geplant zu Hause, findet in ihren alten Job nicht zurück und muss sich beruflich umorientieren. Und da wir hier in Deutschland sind: es mögen doch bitte nur Deutsche Kinder kriegen. Von „den Anderen“ gibts ja eh schon genug, die mögen sich bitte nicht auch noch vermehren (Sarkasmus off).

Drei Punkte, die ich für eine feministische Mutterschaft wichtig finde:

  1.  Sich kein X für ein U vormachen lassen! Man müsse nur genug wollen, so wie auch Frau Schröder gerne jeder weiß machen will, dann klappt das schon, ts. Wahlfreiheit? Das ich nicht lache! Ich kenne viele Mütter, und habe mich manchmal auch so gefühlt, die ihr Scheitern (an den ursprünglichen Plänen fest zu halten) als persönliches Scheitern erleben. Keine Frau oder Mutter scheitert am Wollen. Zwar stellt man manchmal fest, dass man plötzlich etwas anderes will – das ist in Ordnung. Aber in dieser Gesellschaft liegen zwischen dem Wollen und dem Können immer noch mehr strukturkonservative Menschen als man meint.
  2.  Naivität kann sich keine leisten. Denn die Milchmädchenrechnung bleibt eine Milchmädchenrechnung. Es kann ja jede gerne Hausfrau und Vollzeitmutter werden. Aber bitte – wenn möglich – an die eigene Absicherung denken. Vielleicht so, wie Rike das mit ihrem Mann getan hat.
  3.  Statt das eine Muttermodell über das andere zu stellen gemeinsam gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände stellen. Ob man sich dafür in einer Partei organisiert, oder bloß die Parteiprogramme genau durchliest und sein Kreuzchen dementsprechend an der richtigen Stelle macht. Oder einen Verein gründet (ich denke da grade drüber nach. Einen Namen habe ich schon – Wahlverwandtschaft e.V. Wenn ich ein paar ruhige Minuten finde, mehr dazu auf meinem Blog).

Hauptsache gemeinsam, statt gegeneinander!