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Familie

Ruhe

Der Montag ist toll. Ich kann den ganzen Tag arbeiten, da der Mann zu Hause ist. Ich sitze in der Bibliothek und freue mich über den Flow, den ich bekomme, wenn ich mich richtig in ein Thema vertiefen kann.
Wenn ich fürs Kinderbringen, Kinderabholen, Einkäufe, Haushalt alleine zuständig bin klappt es einfach nie, mich in diesen Zustand zu versetzen. Der größte Teil meines Gehirns fährt in der Zeit Karrussell. Mit vielen blinkenden Lämpchen und 90er Jahre Disco-Musik.

Am Dienstag bleibt mir schon weniger Zeit – aber für ein bisschen Flow reicht es noch. Kind1 hat um 15 Uhr Schule aus (bzw. Offene Ganztagsbetreuung) und darf inzwischen alleine nach Hause. Ein Weg für den ich 2 Minuten brauche. Um 15.27 Uhr schreib ich dem Mann was ich tun soll. Um 15.29 Uhr ist Kind1 zu Hause. Puh.

Kind1 darf gegenüber im Theater „Das doppelte Lottchen“ gucken, ich hole Kind2 aus dem Kindergarten ab. Er ist so müde, dass er kurz nach der Rückkehr von Kind1 und ohne nennenswertes Abendessen einschläft. Um 18:00 Uhr.

Heute bringen der Mann und ich Kind2 in den Kindergarten. Der Mann fährt zur Arbeit während ich die Zeit bis zum Treffen mit dem Steuerberater im Café sitze.

Irgendwie geht es mir vor solchen Terminen wie vorm Zahnarztbesuch. Keine Ahnung wieso. Der Zahnarzt tut mir ja auch meistens nicht weh. Ist es dieses Gefühl a la „Sie müssen öfters Zähne putzen?“ Es geht um einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit, die mir ja eh viel zu langsam voran geht.

Die coolsten Wegbegleiter

Der Termin ist natürlich halb so wild, ich bin fasziniert von diesem Steuerberater, der offensichtlich Spaß an seinem Job hat. Ich hatte ja ein bisschen Sorge, er ist genervt, weil ich ihn wegen dieser – für ihn – bestimmt „Kleinigkeiten“ konsultiere. Aber erklärt in Ruhe und das meiste so verständlich, dass auch ich mich informiert fühle.

Anschließend fühle ich mich trotzdem erschöpft und beschwingt zugleich. Irgendwie habe ich für den ganzen Papier- und Behördenkram nur einen minimalen Akku und der ist nach diesem Termin leer. Nichtsdestotrotz hab ich gelernt, auch kleine Erfolge, oder Schritte, auf dem Weg zur Selbstständigkeit zu feiern und so lade ich mich heute selbst auf ein indisches Essen ein.

Und beim Essen stelle ich fest, dass ich trotz meiner wetterbedingten Gefühlsschwankungen (als Teenie mochte ich den Herbst und die damit bei mir einkehrende Melancholie. Sehr sogar. Damals hatte ich aber auch Zeit und Muße um im Bett rumzugammeln und in dicken Büchern zu schmökern. Oder um mit Freundinnen Tee zu trinken. Jetzt bin ich Mutter) sehr happy bin mit dem Weg, den ich grade gehe.

Und so langsam merk ich da einen Bereich in meinem Bauch, der ruhig bleibt, auch wenn mein Gehirn wieder Karussell fährt. Beruflich wird alles gut, auch wenn längst alles anders, als ich es mir früher mal gedacht habe. Im schlimmsten Fall suche ich mir wieder eine halbe Stelle und bleibe nebenberuflich selbstständig. Aber mit etwas mehr Optimismus wird das gar nicht nötig werden. Alles ist gut, zumindest was den Teil meines Lebens angeht, sagt mir dieses neue Bauchgefühl.

Familie

Vom Großen Ganzen und dem Klein Klein des Alltags

Neulich abend setzte ich mich hoch motiviert an den Rechner und wollte loslegen. Endlich wieder schreiben. In meinem Hirn waren bestimmt ein Dutzend Blogbeiträge fast fertig geschrieben. Tolle Ideen habe ich, die ich nur endlich in die Tastatur hauen müsste.

Aber wen interessiert das Alles? Fragt dann ein fieser kleiner Gnom in meinem Hinterstübchen.

Äh, wie bitte? kontert mein Ich, also Ich-Ich. Aber im Prinzip ist damit mein Grundkonflikt gut zusammen gefasst.

Ich öffne den Rechner und lese Nachrichten. Öffne Links aus meiner Timeline bei facebook oder twitter. Und fühle mich erstarrt. Es sind selten gute Nachrichten, dieser Tage, die man liest und nein, damit meine ich nicht den Xten Promi der gestorben ist. Ich meine Flucht, Vergewaltigung, AfD und Donald Trump. Um nur einen klitzekleinen Ausschnitt zu nennen.

Ich sitze auf der Arbeit und frage mich: Was mache ich hier eigentlich? Das, was ich tue, ändert nichts. Niemand stirbt, wenn ich jetzt meinen Stift fallen lasse und gehe! Daraus wird in nullkommanix eine Frage zum Sinn des Lebens.

Dramatik kann ich! 

Also versuche ich mich zu erden. Atme ein, atme aus. Suche Ankerpunkte in meinem Alltag. Überlege wie ich im Kleinen vielleicht nicht die Welt retten kann. Aber den Schmetterlingseffekt nutzen: Das mir Bestmögliche tun, im Kleinen, damit es vielleicht Kreise zieht. Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise…

Keine Ahnung, warum das hier so melodramatische, philosophische Züge annimmt. Eigentlich suchte ich nur nach einer Erklärung dafür, warum diese ganzen Texte in meinem Kopf nicht raus wollen. Und das ich mir vorgenommen habe, statt dessen einfach ein bisschen Alltag zu verbloggen, damit ich das Schreiben nicht verlerne. Über einen ganz normalen Montag zum Beispiel:

Benachrichtigung an der Kita-Tür

Die Kita öffnet erst ab 9:00 Uhr

Ich stehe um halb sieben auf. Der Mann und die Kinder schlafen und das tun sie auch noch, als ich eine Stunde später das Haus verlasse und mich aufs Fahrrad schwinge. Fünf Minuten später eine Nachricht in der Kita-Whats-App Gruppe von Kind1: Aufgrund Personalmangels kann die Kita erst um Neun öffnen, also wenn die anderen Erzieherinnen da sind. Und dann gilt: Wer zuerst kommt, malt zuerst. Ich bin zum x.ten Mal seit wir in dieser Kita sind dankbar, dass wir nicht beide Vollzeit arbeiten. Grade erst letzte oder vorletzte Woche konnte wegen eines Wasserschadens dort erst um 9:30 geöffnet werden. Eine der Gruppen musste sogar für einige Tage in die Räumlichkeiten eines anderen Kindergarten umziehen. Die Gruppe von Kind1 ist seit dem Wasserschaden in der Turnhalle untergebracht… Der Mann fragt in der WhatsApp Gruppe rum, wer noch mit in den Zoo käme (man macht ja schließlich das Beste draus), aber die anderen Eltern müssen dann doch irgendwie den Arbeitstag organisiert kriegen.

 

Der Rhein und der Dom von der Rodenkirchener Brücke

Der Rhein und der Dom – mein Arbeitsweg vom Fahrrad aus – #LiebeDeineStadt

Ich schmunzle noch über die TeufelWutKackeSmileys die in der KindergartenWhatsappGruppe verschickt werden um die Laune mitzuteilen und fahre am Rhein entlang zur Arbeit.

Gestern Abend, als ich mal wieder das Gefühl hatte, eine grauen Arbeitswoche vor mir zu haben fasste ich einen Beschluss:

 

Mit knalligem Pink trug ich im Kalender all die kleinen Highlights ein, die mich in dieser Woche erwarten würden:

Die Mittagspause mit spannendem Buch zum Beispiel. Yoga am Montag Abend. Dienstag Abend kommt meine Schwester und ich werde ihr Unbreakable Kimmy Schmidt zeigen. Nachdem ich in der Zeit, als der Mann beruflich weg war Orphan Black durchgeguckt habe, brauchte ich jetzt was Witziges. Meine Schwester könnte den Humor mögen. Am Mittwoch die Teamsitzung mit den netten Kolleginnen aus der anderen Einsatzstelle. Am Donnerstag mit dem Mann klettern…ihr versteht? Manchmal erwarte ich vom Leben, dass es mir das große Gesamtbild zeigt. Aber das ist ein bisschen viel verlangt und es hilft (mir), sich auf das Hier und Jetzt zu besinnen. Binsenweisheit, I know, aber im Alltag eine echte Herausforderung für mich.

Ich lese grade Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer

Ich lese grade Laufen. Essen. Schlafen. von Christine Thürmer

Als ich neulich in der Buchhandlung „nur“ einen Reiseführer für unseren Kroatienurlaub holen wollte, fielen mir auch ein paar andere, spannende Reisebücher ins Auge. Das obige nahm ich spontan mit. Ich meine, ich tauge wohl nicht zum Wandern, schon gar nicht zum Ultraleichtwandern. Aber mich faszinieren Reiseberichte aller Art und ich interessiere mich für die Motive und Erlebnisse, die Menschen bei solchen Touren machen. In der Mittagspause lese ich ein paar Seiten. Schlimm, dieses Fernweh! Die restlichen Minuten meiner Mittagspause nutze ich noch um unsere Unterkünfte für die Zwischenstopps auf dem Weg nach und von Kroatien zu buchen. Wir haben letztes Jahr so gute Erfahrungen mit Jugendherbergen gemacht, dass wir diesmal wieder dort übernachten wollen. Auf dem Hinweg bei Salzburg, auf dem Rückweg in München. Die Jugendherberge in München ist so günstig, dass ich überlege dort als Familie mal ein Wochenende zu planen.

Der Mann schickt mir ein Foto zur Arbeit: Eine Überraschung für mich...

Was ist es? Schenkt mir der Mann wirklich ein neues MacBook???

Pling, macht mein Handy, ein Foto vom Mann. Also ein Foto, welches der Mann geschickt hat. Zu sehen ist…ein MacBook? Unterm Foto steht: Überraschung ist angekommen! Ah ja, hat er sich ein Neues gegönnt? Frag ich auch umgehend. Nee nee, das sei für mich.

Oooookay. Der Mann ist nicht geizig, aber zu überteuerten Geschenken neigt er auch nicht. Zumal mir kein aktueller Anlass bewusst ist. Hat er was kaputt gemacht? Er antwortet aber nicht auf meine Nachfragen. Statt dessen schickt er Fotos aus dem Zoo:

Der Spielplatz im Kölner Zoo

Kind2 und Kind1 auf den Schaukeln im Zoo. Die eigentliche Attraktion ist nämlich der vor zwei oder drei Jahren komplett erneuerte Spielplatz


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Um fünf verlasse ich das Büro und radele eine Stunde zurück. Ich habe anderthalb „Über“stunden gemacht, damit ich in anstehenden Stresszeiten oder wenn Kind2 im August in den Kindergarten kommt ein wenig Puffer habe falls die Zeit mal knapp wird. Vereinbarkeit ist in meinem aktuellen Job glücklicherweise kein Thema.

Ich treffe den Mann und die Kinder vorm Supermarkt. Kind1 kommt auf mich zugerannt und nimmt meine Hand und lässt sie, bis wir zu Hause sind nicht mehr los. Obendrauf sagt er noch im Supermarkt: Ich liebe Dich, Mama!

Hachzmomente, die man nicht auf dem Foto festhalten kann! Ich freue mich und denke: Es hat auch wirklich Vorteile, wenn man selber die Person ist, die morgens das Haus verlässt um arbeiten zu gehen. Erhält die Sehnsucht auf beiden Seiten 😉

Ich tue so, als hätte ich die Überraschung fast vergessen. Und sehe dann das:

Ein Taschenspiegel im MacBook Design

Das vermeintliche MacBook entpuppt sich als MacTaschenspiegel!

Das vermeintliche MacBook entpuppt sich als Taschenspiegel! Mehr müsst ihr über den Humor vom Mann nicht wissen.

Der Erstgeborene meines besten Freundes hat Geburtstag, er wird vier. Da der beste Freund für mich zu meiner (Wahl)familie gehört, nenne ich seine Kinder auch meine Neffen. Kind1 und ich rufen also meinen Neffen an um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Ein Hoch auf FaceTime, ich glaub für Kinder ist diese visuelle Kommunikation ein Traum. Kind1 liebt seinen „Cousin“ und fragt, wann wir endlich dort hinfahren. Ja doch Kind, bald, am Wochenende schon. „Ich liebe meinen Onkel, Mama“ – Kind1 ist heute also voll der Liebe und neiiiiiin, das entwertet seine Liebe für mich kein bisschen.

Der Mann macht Kartoffelpü, Spinat und für die Kinder Fischstäbchen, für mich gibt es veganes Gebratenes. Aber nur ein bisschen, denn ich geh ja noch zum Yoga.

Yoga – it’s worth it.

Ich überlege schon länger, meinen sportlichen Aktivitäten einen eigenen Beitrag zu widmen. Nach vielen Versuchen, für mich einen passenden Sport zu finden habe ich zwei Sportarten gefunden, die mich dauerhaft begeistern (und ich befürchte, im letzten Urlaub hab ich eine dritte gefunden, dazu ein andern mal mehr): Klettern und Yoga. Warum grade diese Sportarten kann ich mir so erklären:

Beim Klettern muss man sich voll konzentrieren und beschäftigt fast alle Muskelpartien. Da ich  mich wirklich voll darauf fokussieren muss, wo ich mit Beinen oder Händen als nächstes Halt finde, komme ich nicht zum Denken. Und das wünsche ich mir beim Sport. Darum klappt bei mir Laufen zum Beispiel nicht: Da dreht und dreht sich das Gedankenkarussell.

Beim Yoga zwar auch, aber nachdem ich mich durch verschiedene Stile probiert habe und bei einem dynamischen Vinyasa-Yoga hängen geblieben bin habe ich zumindest anschließend das Gefühl mein Hirn würde runter fahren. Während der Yogastunde selber schreibe ich – im Kopf – Einkaufslisten, Blogbeiträge, Kapitel meiner Doktorarbeit…aber schon bei der anschließenden Entspannung schlafe ich beinahe ein.

Ein weiterer Faktor für mich beim Sport: Meine Leistung darf nicht die der anderen beeinflussen (darum ist Teamsport wie Volley- oder Basketball nichts für mich), meine Leistung soll nicht „bewertet“ werden (sowas wie Laufzeiten und Co.) und Körperkontakt mit anderen sollte möglichst vermieden werden (wie zum Beispiel beim Kampfsport oder Capoeira). Ich habe mich durch wirklich viele Sportarten probiert bis ich all diese Faktoren für mich raus hatte. Jetzt weiß ich, was ich beim Sport will und kann somit eine Menge Sportarten schon mal vorneweg ausschließen.

Vor einigen Wochen fragte bei twitter Jemand in etwa sowas wie:

Wie motiviert ihr euch zum Sport?

Ich musste Schmunzeln. Denn zu fragen, wie ich mich zum Yoga oder zum Klettern motiviere ist in etwa so, wie ein Kind zu fragen wie es sich zum Eis essen motiviert. Man muss sich zu etwas motivieren, wenn es keinen Spaß macht! Zum Yoga oder Klettern muss ich mich nicht motivieren, da muss ich nur Zeit schaffen oder einen Babysitter organisieren um hinzugehen. Motivieren musste ich mich zu den Sportarten, die nicht zu mir passten. Motivieren muss ich mich zum Sport, wenn ich Sport mache um ein abstraktes Ziel zu erreichen: Abnehmen, fit werden weil die Orthopädin das gesagt hat…

Vom Yoga zurück geh ich schnell duschen, esse meine zweite Dinnermahlzeit und setz mich zum Mann auf die Couch. Der guckt Walking Dead, dessen Handlung ich nicht kenne. Das Geschrei, das ich mit einem Ohr höre interpretiere ich immer als: Kreischende Frau weint um ihr zum Zombie gewandeltes Kind, das von einem jungen Mann aus dem noch guten Menschenteam erschossen werden muss. Oder geht’s da noch um mehr?

Ich blogge, der Mann guckt zum runter kommen nach den Zombies noch ein paar Katzenvideos und teilt sie auf meiner Facebook-Pinnwand.

Und ich bin überrascht, was an einem ganz normalen Montag eigentlich so los ist. Und bei euch?