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Arbeitsorganisation im Homeoffice – Elternedition (#Blogparade)

Gestern, während ich bis 20:40 Uhr die Kinder in den Schlaf begleitete twitterte ich folgende Frage

Denn ich wusste: wenn die Kinder schlafen wartet noch der Haushalt (also zumindest das Nötigste wie Spülmaschine, Wäsche, Katzenklo, einmal Küche durchsaugen und gucken ob die Kinder genug Anziehsachen für den nächsten Tag im Schrank haben). Und dann wollte ich noch arbeiten, aber ich sah meine Motivation mit jeder Minute, in der die Kinder sich doch noch regten, schwinden.

Meine To Do Liste wird aber nicht kleiner und gestern kam hinzu, dass ich „spontan“ Kind2 tagsüber dabei hatte, weil er partout nicht in den Kindergarten wollte. Das hat er ab und zu, besonders wenn seine Bezugserzieherin nicht da ist und nein, ich mach mir keine Sorgen, dass ich ihn jetzt immer zu Hause habe weil er einmal nicht möchte…

Jedenfalls twitterte ich das so in den Abend und dachte, das wird einer meiner tweets, der mal wieder so im Raum verhallt, aber tatsächlich bekam ich ein paar Dutzend antworten darauf, er wurde retweetet und ich dachte: Uh, da habe ich einen Nerv getroffen.

Die Antworten waren vielfältig und reichten von „Gute Frage, wüsste ich auch gern“ bis zu konkreten Tipps was Prioritäten und Arbeitsstruktur anging.

Wie organisiert ihr euch im Homeoffice?

Ich las das so und las und dachte: Scheint ein spannendes Thema zu sein! Also mich interessiert es eh. Eine der für mich wichtigsten Fragen bei meiner beginnenden Selbstständigkeit ist die nach der Arbeitsorganisation, aber auch danach: Welches Setting haben andere? Was für Aufgaben werden delegiert? Bringt woanders di_er Partner_in die Kinder ins Bett, so das man wenigstens von 20-22 Uhr arbeiten kann und nicht erst um zehn anfängt? Gerne lese ich darum auch bei Die Anderl rein oder der kleinen Reihe von Familieberlin über Selbstständigkeit. 

Ich will ja die ganze Zeit selber über meinen Weg in die Selbstständigkeit bloggen – aber da beißt sich die Katze in den Schwanz: Ich habe keine Zeit!!!

Aber ich habe nach einigem hin und her-Schreiben mit der BlogparadenQueen herself, aka Mama on the rocks beschlossen, eure Erfahrungen zu sammeln und hoffe, dass ihr reichlich mitmacht!

In der Gestaltung seit ihr natürlich frei: Ob ihr einen ganz normalen „Arbeitstag“ schildert, mit Kinderbetreuung, Haushalt und reiner Arbeitszeit oder ob ihr uns eure Lifehacks fürs Homeoffice liefert – ich freue mich über viele Beiträge!

Wer keinen eigenen Blog hat, kann gern die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine Nachricht oder Mail schicken – ich sammle dann auch diese Beiträge und packe sie gesondert in einen Post.

Von der Blogparade mache ich dann eine kleine Auswertung. Die offizielle Dauer ist ein Monat, das heißt bis Mitte Juni könnt ihr eure Links hier posten! Wenn ihr woanders schreibt oder eure Beiträge auf Social Media verlinkt nutzt gerne den Hashtag #ElternHomeoffice – dann finde ich euch (hoffentlich).

HomeOffice

So ein schönes Homeoffice. Die Arbeit macht aber leider nicht der Schreibtisch

Zum Abschluss noch die beste Antwort auf meine Eingangsfrage:

Feminismus

Das 50/50 Prinzip im Hause glücklich scheitern

Der Mann und ich wollten uns Lohn- und Elternarbeit etwa nach dem 50/50 Prinzip aufteilen. Hätte das von Anfang an geklappt, hätte ich vielleicht auch ein Buch drüber geschrieben. Aus verschiedenen Gründen klappte das nicht so, wie ursprünglich geplant:

Bevor wir Kinder hatten, war der Mann angestellt, was für seinen Arbeitsbereich eher ungewöhnlich war. Der Anteil von Freiberuflern und Selbstständigen ist in seiner Branche sehr hoch. Und die Branche ist sehr männlich dominiert (männlich? von Männern?)

Ich stand am Anfang einer glorreichen Karriere als Wissenschaftlerin. Also dachte ich. Halbe Stelle an der Uni, befristet. Doktorarbeit im Kopf halb fertig. Ich hätte natürlich mit dem Kinderkriegen warten können, bis die Doktorarbeit fertig ist. Wollte ich aber nicht. Bauchmensch halt, was jetzt erst mal nicht nach glorreicher Wissenschaftlerin klingt. Aber auch wenn ich die Doktorarbeit fertig gehabt hätte: An der Uni ist man ja erst „fertig“, wenn man eine Professur hat, und das kann auch mal gut erst mit Mitte 40 sein. So was wie einen guten Zeitpunkt fürs Kinder kriegen hat es da also nicht gegeben. Dann doch lieber früher, bevor ich mit Ende 30 feststelle, dass das mit dem Schwanger werden doch nicht so schnell geht wie gedacht.

Kaffeetassen

In beiden Tassen ist gleich viel Kaffee drin. In seiner ist noch ein Löffel Zucker, in meiner Sojamilch. Beides gleichwertig, wenn auch nicht gleich?

Das 50/50 Prinzip in Theorie und Praxis

Aber ich schweife ab: Ich dachte auch mit Kind(ern) können der Mann und ich gleichberechtigt unsere Karriere verfolgen. Er war dazu bereit Familienarbeit zu übernehmen, ich liebte meine Arbeit sowieso.

Nun ja, eine Schwangerschaft, Geburt und sechs Monate Elternzeit später war mir klar: Was auch immer der Mann und ich vorhatten war ohne die Arbeitswelt geplant worden. Ok, ich hatte vielleicht Pech.

Und ausschließlich befristete Verträge. Maximal 18 Monate und das war schon die seltene Ausnahme.

Der Mann machte sich einige Zeit später selbstständig. Seine Auftragslage ist gut, er ist immer mal wieder ein paar Tage am Stück unterwegs.

Als Kind1 noch Einzelkind war ging das irgendwie, ich arbeitete – bei sehr kurzen Verträgen – mal 20, mal 30, mal 40 Stunden.

Mit zwei Kindern, beide keine Eckenhocker, ist das etwas komplizierter und aufwendiger, zumal ja auch die Tagesmutter im Februar gekündigt hat. Wenn der Mann jetzt beruflich für mehrere Tage unterwegs ist, heißt das:

In der Zeit mach ich  – seit ich Januar im neuen Job begonnen habe – eben alles: Morgens mich und die Kinder fertig und zur Betreuung bringen. Zur Arbeit fahren, oft auch radeln wenn der Mann das Auto hat. Das bedeutet eine Stunde Fahrtzeit pro Stecke, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde es genau so lang dauern. Sechs Stunden arbeiten, Feierabend, Kinder abholen, einkaufen etc. Muss ich Euch ja nicht erzählen. Ja, es gibt auch die Tage, an denen der Mann das alles macht, also außer meine Lohnarbeit. Da kann ich durchatmen. Aber nichtsdestotrotz bleibt in seiner Abwesenheit all das an mir hängen.

Wollte ich da Vollzeit arbeiten? Oder mich – für eine wissenschaftliche Karriere nicht unüblich – deutschlandweit, europaweit, weltweit bewerben? Wo würden die Kinder bleiben?

Es gab auch die Phase, in der ich sauer auf den Mann war. Das er einfach so weiter macht wie vor den Kindern. Dass er sich keinen Bürojob sucht, in dem er von 9 bis 5 arbeitet.

Aber dann dachte ich: er macht weiter so, weil er es kann. Weil keiner denkt, dass er alleine für die Kinder zuständig ist. Weil keiner seiner Auftraggeber davon ausgeht, dass Dienstreisen ein Problem sind (sein Job besteht quasi aus Dienstreisen).

Ich dagegen, saß bei einer Personalvermittlung. Bewerbung auf Bürojobs, von Teilzeit im Anschreiben keine Rede. Im Gespräch erwähnte ich dann, dass es nach Möglichkeit eine Stelle in Köln sein sollte, da ich „auch mal“ die Kinder abholen müsste. Das Gegenüber: „Ach so, aber Teilzeit können wir Ihnen nicht anbieten“. Ich bekam von dieser Vermittlung noch zwei Anrufe. Einmal hatten sie eine Stelle für mich, 9 Stunden – die WOCHE! Auf meine Rückmeldung, dass ich ja gar nicht so wenig arbeiten wollte, kam ein paziges „Ich wollte nur entgegenkommend sein“ zurück.

Derweil teilen der Mann und ich uns den Haushalt. Er denkt an Windeln und Klopapier und er kocht lieber als ich. Seit die Tagesmutter gekündigt hat, ist Kind2, wenn er nicht grad arbeitet, den ganzen Tag mit ihm unterwegs. Und seine Aufträge sucht er sich in der Regel danach aus, ob sie allzu lang, allzu weit weg sind. Und lehnt darum auch schon mal ab. Doof nur: hat keine der Stellen interessiert, bei denen ich mich beworben habe. Und wie kriegen Sie die Kinderbetreuung organisiert?

Mein aktueller Job ist in Sachen Vereinbarkeit nicht zu schlagen.

Ich habe jetzt zum Mai von 30 Wochenstunden auf 25 Wochenstunden reduziert. Freitags habe ich dann frei.

Zuerst fühlte es sich wie ein Scheitern an. Denn so werde ich garantiert nicht 50% zum Haushaltseinkommen beitragen. Und das war eigentlich immer mein Minimalziel: 50 Prozent.

Aber da wusste ich noch nicht, dass ich es doppelt so schwer haben würde wie der Mann, nach außen meine „Karrierecredibility“ zu wahren. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Und ich mag grade nicht kämpfen. Der Familienalltag mit zwei kleinen Kindern ist zauberhaft und kräfteraubend gleichzeitig. Und so mag das 50/50-Prinzip vielleicht für bestimmte Paare funktionieren. Für uns funktioniert grade was Anderes.

Und wenn ich sehe, dass Kind2 bald schon seinen zweiten Geburtstag feiert, im August in den Kindergarten kommt und seit zwei Wochen zum Einschlafen nicht mehr auf meinem Bauch liegen will – dann bin ich sicher, dass der Alltag bald weniger kräfteraubend und dafür um so zauberhafter wird. Und dann kann ich ja immer noch schauen, ob mir das mit der Karriere wieder einen Kampf wert ist, oder ich mich an die langen Wochenenden gewöhne…

Und vielleicht heißt bei uns auch 50/50 bei uns, dass wir die Hälfte von Allem nicht gleichzeitig, sondern nacheinander machen.

Wie sieht es bei Euch aus?

Familie, Feminismus, Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 5: Eine unmögliche Beziehung?

Meine Freundin Nadine kennt ihr vielleicht schon von ihrem Blog „fashion, baby“ – dort schreibt sie über den Alltag mit Kind, Mode für Groß und Klein und ihre (Dienst! *Neid*)Reisen. Hier ihre Gedanken zum Thema meiner Interviewreihe:

Ich behaupte, dass die Mutterschaft für viele Frauen die erste Begegnung mit der Notwendigkeit zum Feminismus überhaupt ist.

Klar sind wir als Kinderlose alle irrsinnig moderne Frauen – und moderne Frauen sind doch automatisch emanzipiert (welch altmodisches Wort) und damit Feministinnen. Schließlich gehen wir arbeiten, und mehr als das, wir stehen im Beruf unseren Mann (eine Formulierung, die sich hartnäckig hält, als wäre die Orientierung an der Arbeit des Mannes die einzig wertige Messgröße). Manchmal recken wir sogar triumphierend die Faust in die Höhe, wenn wir uns im Job mal gegen reaktionäre Vorurteile und althergebrachte Verhaltensweisen so richtig durchgesetzt haben und sagen „das lass ich mir von dir nicht gefallen, du Mann, du!“.

Wir haben Beziehungen auf Augenhöhe, auch wenn der Partner in der Praxis häufig nur den Müll rausbringt und im Sommer die Steaks auf dem Grill wendet, bei der restlichen Hausarbeit aber eher geringfügig beschäftigt ist. Wir sind gut ausgebildet, reisen um die Welt und treffen wen wir wollen wann wir es wollen. Bei all dem glauben wir, die völlige Gleichberechtigung der Frau sei längst Realität und alles, wofür die Frauen früherer Generationen gekämpft haben erreicht.

Und dann werden wir schwanger.

Das Mantra der (erstmalig) Schwangeren lautet „Es bleibt alles wie es ist!“ (später ersetzt durch „es ist alles eine Phase!“). Wir wollen so cool bleiben wie vorher, werden weiterhin eine gute Freundin sein, natürlich nachts durch die Clubs tingeln („schließlich hat das Baby ja einen Vater!“) und natürlich nach spätestens einem Jahr wieder in den Beruf einsteigen. Wie genau insbesondere letzteres von statten gehen soll überlassen wir gerne dem Zufall – und begehen damit den ersten Fehler. Denn wir haben uns ja bislang viele Jahre lang in unseren Jobs bewiesen, glauben, dass unsere Arbeitgeber uns kennen und schätzen und dies natürlich auch weiterhin tun werden, wenn wir in Teilzeit und ohne klaren Plan wieder in den Beruf zurückkehren. Und sind dann überrascht, wenn das nicht der Fall ist, obwohl Arbeiten für eine Mama ganz klar das neue Frei ist. Dabei passiert es doch gar nicht so oft, dass unser Babysitter ausfällt, das Kind krank wird und/ oder wir selbst, wenn wir zu müde sind, um unsere Arbeit jeden Tag mit dem gleichen Elan zu tun wie vorher, auch weil wir wissen, dass dies nur die erste Schicht eines langen Tages ist.

Wenn uns die Kollegen nämlich ein neidisches „ach, schon frei?“ hinterher rufen wenn wir deutlich vor 18 Uhr das Büro verlassen, wissen wir selbst nämlich, dass zu Hause niemand die Tonnen Wäsche gewaschen hat, die mit Kind wundersamerweise nie weniger werden. Dass niemand eingekauft hat, niemand neue Hosen für das Kind gekauft hat, weil es aus den alten schon wieder rausgewachsen ist. Niemand hat einen Termin für die nächste U gemacht hat, niemand das Paket zur Post gebracht, und die Frage „Sekt oder Selters?“ beantwortet sich von selbst wenn man Abend für Abend am liebsten um 20 Uhr gemeinsam mit seinem Kind ins Bett sinken würde.

Wie konnte es soweit kommen?

Nun, zum einen sagt einem niemand vorher wie sehr man dieses kleine Wesen, das man so (relativ) nonchalant im Bauch herumgetragen hat lieben wird. So sehr, dass man nicht mehr ohne es sein will, dass Freundschaften und selbst die Partnerschaft in den Hintergrund treten vor dieser neuen, großen Liebe.

Dann die ganzen Zwänge, de facto, eingebildet oder selbst geschaffen. Man ist nämlich mit einem kleinen Kind tatsächlich nicht mehr so flexibel und mobil wie vorher. Klar, vieles geht im Prinzip schon, so wir uns das vorher ja auch überlegt hatten. Aber dabei hatten wir übersehen, dass wir es ja nicht mit einem Gegenstand zu tun haben, sondern mit einem kleinen, hilfsbedürftigen und manchmal ganz schön nervigen Menschen. Und dann geht man eben doch nicht mit dem Baby im Tuch zum Konzert, weil es sich zu wuselig anfühlt, und sowieso zu laut ist. Und man tanzt auch nicht mit der Freundin die Nächte durch, weil man einfach keinen weiteren Müdigkeitsfaktor mehr ertragen kann, Elternzeit hin oder her. Ausschlafen war früher.

Auf einmal steht man auch vor völlig neuen Herausforderungen. Stillen oder nicht? Tragetuch oder Kinderwagen? Und was ist überhaupt Attachment Parenting? Ich behaupte, wenn Frauen sich mit der gleichen Energie, die sie dabei aufwenden zum Beispiel das Stillthema im Netz zu kommentieren, ihren Karriereplänen widmen würden, stünde es um die Rolle der Frau in Führungspositionen in Deutschland deutlich besser.

Nun hat man ja, wie bereits vielfach beschworen, im Allgemeinen noch eine zweite Person am Start. Diese Person nennt sich nun Papa, liebt uns – warum sonst hätte er mit uns ein Kind gemacht? – und ist immer für uns da. Leider beinhaltet dies nicht unbedingt, dass er auch da ist, also physisch. Denn wenn wir uns auf die Rolle der Teilzeitmutti zurückziehen (weil wir das so wollen, nicht weil wir in irgendwelche Rollenklischees verfallen wären, neeeeee!), muss ja schließlich auch einer fürs Geld sorgen. Und da kommt er, der böse Satz: „Mein Partner verdient ja ohnehin mehr als ich, also geht er arbeiten und ich bleibe zu Hause.“. Ich will da nicht einfach drüber hinweg gehen, schließlich ist Geld kein überflüssiger Luxus. Trotzdem, eins ist sicher: Mit dieser Haltung bleibt der Mann derjenige, der mehr verdient, und spätestens ab dem zweiten Kind ist die klassische Rollenverteilung verfestigt, mit allem was dazu gehört.

Und dann ist es passiert, man ist eine von diesen „Muttis“, eine von denen, wie die man nie werden wollte. Es ging schnell, lautlos und hat nicht mal wehgetan. Denn man hat ja auch etwas bekommen: Viele schöne Stunden mit dem Kind, Vormittage mit den neuen Krabbelgruppenfreundinnen beim Brunch, Sommernachmittage mit den Füßen im Spielplatzsand. Das Leben mit Kind ist schön, manchmal verführerisch schön, so dass das fröhliche Kindergelächter ganz leicht die kleine Stimme übertönt, die sagt: „Du hast nicht mehr die gleichen Rechte wie früher, aber dafür viel mehr Pflichten. Ist das gerecht? Warum lässt du das zu?“.

Und dann wird eben nicht dafür gekämpft, dass sich etwas ändert. Nicht beim Partner, dass er mehr übernimmt, als während der zweimonatigen Elternzeit das Kinderzimmer mit Biofarbe zu streichen, nicht beim Arbeitgeber, damit er qualifizierte Arbeit zulässt und auch bezahlt, obwohl man um 13 Uhr gehen muss und vor allem nicht bei sich selbst. Denn man hat es ja so gewollt und schließlich gibt es nichts auf der Welt was einen so glücklich macht wie das eigene Kind.

Mit Feminismus hat das leider nichts zu tun, so wie es das Leben „davor“ auch nicht hatte, denn worauf man mal so stolz war, ist längst gesellschaftliche Selbstverständlichkeit.

Deshalb bedeutet Mutterschaft vielleicht zum ersten Mal, dass wir wirklich für unsere Rechte kämpfen müssen – und wenn wir das tun, dann werden wir auch etwas erreichen. Kämpfen heißt übrigens nicht unbedingt auch gewinnen. Es ist anstrengend und man wird manchmal verletzt. Trotzdem: Ich glaube fest daran, dass man Mutter sein und Mensch bleiben kann, aber von selbst geschieht das ganz sicher nicht.

Interviews Feminismus und Mutterschaft

Feminismus und Mutterschaft 2: Dann doch lieber kinderlos?

mein name ist janina m, ich bin gerade vor einem monat dreissig geworden, da kommt man irgendwie schwer am thema mutterschaft vorbei.
ich habe momentan noch keine kinder und möchte zur zeit auch keine bzw kann ich gar nicht sagen, ob ich generell welche möchte. früher war das anders, da wollte ich unbedingt mal mama sein.
aber irgendwie hat sich das die letzten jahre geändert.
im freundes und bekanntenkreis sehe ich immer öfter wie frauen aufgrund der mutterschaft berufsmässig und auch sonst zurückstecken müssen, das kann ich mir für mich nicht vorstellen. es ist zwar oft so, dass auch die väter die karenz teilen, aber meistens nur einen monat.
von der anatomie her ist es sowieso schon vorgegeben, dass frau die schwangerschaft übernehmen muss. ich finde bezüglich kinderbetreuung und erziehung könnte man schon noch viel mehr möglichkeiten und entlastung für frauen schaffen.
mir ist das derzeit zu wenig. es sollte mehr kinderbetreuung angeboten werden, und vor allem nicht nur welche die man selbst bezahlen muss.
und es sollte mehr möglichkeit geben, dass auch männer länger zu hause bleiben können.
Teilzeitarbeit ist auch ein thema, es gibt nicht wirklich viele möglichkeiten, vor allem nicht in jeder branche.
ich finde man könnte vieles noch flexibler gestalten.
ich verbinde derzeit mit mutterschaft nur einschränkungen, und das möchte ich für mich nicht. ich sehe nur wie es bei anderen frauen ist, sie sind alle zeitlich sehr eingespannt. die mutterschaft bedeutet für sie beruflich zurückstecken, und kaum zeit für sich.
mein partner wäre anundfürsich sehr entgegenkommend, nur sind wir beide selbstständig, ein berufliches zurückstecken wäre mit kind unumgänglich.
in gesprächen merke ich schon oft, dass man schnell verurteilt wird, nur wenn man sagt: ich will jetzt keine kinder weil ich mich selbst nicht aufgeben und/oder beruflich noch verändern oder weiterentwickeln möchte. als mann ist das nicht so. 
als frau kriegt man oft mal den stempel aufgedrückt, oder wird schief angesehen, wenn man sein leben, also die jahre der kindererziehung nicht zu 100% auf sich allein nehmen mag.
ich finde das manchmal schon sehr ungerecht. als frau hat es einfach vielmehr konsequenzen wenn man sich für ein kind entscheidet, kommt mir halt so vor. es ist meiner meinung nach ein schwieriges thema, da gibt es nicht nur schwarz und weiss, sondern viele grautöne. finde es super, dass du dich dem thema widmest!
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen was beitragen.

Teil 1: Feminismus & Mutterschaft. Finnland vs. Deutschland

Teil 3: Wenn die eigenen Rollenbilder nicht der Mehrheit entsprechen

Teil 4: Den Rollenerwartungen widersprechen

Teil 5: Feminismus und Mutterschaft – eine unmögliche Beziehung?

Teil 6: Zwischen Job und Kind zerrissen?

Teil 7: Selbstverwirklichung und Muttersein schließen sich nicht aus

Teil 8: Den jungen Menschen durch die Welt navigieren

Teil 9: Für eine Gesellschaft in der Väter so sehr Elternteil sind wie Mütter

Teil 10: Mehr Solidarität und Unterstützung

Teil 11: Nach der Trennung klappts mit 50/50

Teil 12: Es gibt zu viele Beispiele dafür, dass Mütter entmündigt wurden

Teil 13: Damit sich die Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten entfalten können

Familie

Links 2_2014

hier mal wieder ein kleines sammelsurium an blogs und texten der letzten zeit:

– warum das blog ‚gemsichtwahnlädchen‚ so lange unbemerkt an mir vorbeigezogen ist versteh ich nicht – leseempfehlung.

– bei aufzehenspitzen was zum thema geburtsschmerz, dessen sinn und unsinn, bzw. die bevormundende rhetorik dazu. großartig.

– meine freundin nadine ist mit ihrem blog ‚fashion, baby!‘ endlich auf facebook angekommen. und schreibt was in sachen „gender marketing

– bei das nuf gibt es was zum thema väter und elternzeit/elterngeld. interessant finde ich auch die inzwischen 90 kommentare unter dem beitrag, in dem viele berichten, wie und warum sich paare für die jeweilige aufteilung von elternzeit und -geld entschieden haben. hier dazu noch mein älterer beitrag zu väterelternzeit

– auch bei den fuckermothers was zum thema paarbeziehungen und geld. 

dr. mutti nimmt herrlich einen beitrag auseinander, den ein kinderloser mann über vereinbarkeit geschrieben hat…fühlt ihr euch auch ganz dekadent?

und noch mal ein versuch, euch meinen aktuellen ohrwurm einzuhauchen:

Feminismus

Väter (Mütter sind Eure beste Lobby…)

auch wenn der mann hier selten erwähnt wird und mich darum schon werbeanfragen erreichten, die mich als alleinerziehende gewinnen wollten – er ist da (achtung, es könnte sein, dass ein lobpudeliger abschnitt auf den mann an meiner seite folgt, bevor ich zum ‚eigentlichen‘ thema komme. wen sowas nervt, einfach den folgenden absatz überspringen ;-))

ich musste mit ihm nie über die dauer unserer elternzeit diskutieren. er WOLLTE bei minime die hälfte. bei nummer zwei beantrage ich ein jahr, da ich grade arbeitslos bin. ich werde aber ab dem sechsten monat nach nummer zweis geburt wieder stellen suchen, und sollte ich vor ablauf der elternzeit und bevor wir eine andere betreuungsoption gefunden haben, eine stelle finden wird der mann die betreuung übernehmen. wir streiten manchmal über bestimmte haushaltsgeschichten. aber nicht weil ER zu wenig macht, sondern weil wir unterschiedliche ’spleens‘, vorlieben und abneigungen haben und eine_r_m natürlich am anderen immer die sachen auffallen, die man selbst gern anders hätte. ergo: ich habe gern den küchentisch aufgeräumt und leer und hasse es, wenn dort zeitschriften oder die einkäufe rumliegen. dafür hat er gern den bereich neben der spüle (da wo wir brote schmieren, teig rühren, tee kochen) aufgeräumt und gewischt. naja, man hat halt unterschiedliche vorlieben. aber um es kurz zu machen: ich würde NIE auf die idee kommen, zu sagen, „er hilft mir im haushalt“. als wir bei minime noch eine betreuungslücke an einem nachmittag die woche hatten, hat er bei seinem arbeitgeber den antrag auf reduzierung seiner wochenarbeitszeit gestellt (wir haben die lücke dann anders geschlossen, aber ich find, es geht ums prinzip). ohne das wir drüber geredet, bzw. ich ihn darum gebeten habe. als ich im letzten halben jahr mit erst 30, dann 40 stunden gearbeitet habe, musste er gelegentlich einen job absagen. als mir mal ein „danke dafür“ entfuhr, schüttelte er nur mit dem kopf. sei doch logisch. als minime da war und der mann das erste mal wieder ins büro musste, war ich neidisch. für mich schien sein büro das paradies: eine autofahrt ohne kinderweinen. mit kolleg_innen kaffee trinken und ein gespräch führen! und dann schlief er nachts auch noch durch. und wenn er das nicht tat, beschwerte er sich am nächsten morgen über müdigkeit! ER! dabei bin ICH doch aufgestanden, habe die flasche gemacht, gefüttert, windel gewechselt, das baby in den schlaf geschunkelt. am wochenende stritten wir dann darüber, wer als erstes ausschlafen durfte. als wir dann nach 6 monaten die rollen tauschten wurde mir aber auch klar: ok, nachts im tiefschlaf unterbrochen zu werden ist auch nicht toll, wenn man liegen bleiben kann (auch wenn es ’nur‘ drei wochen dauerte, bis ICH die erste nacht durchschlief, morgens den mann anstrahlte und sagte: na, das war doch ne gute nacht, oder? und er mir fast an die gurgel ging…). dass im büro tatsächlich arbeit wartet, die eine_n fordert, kopfarbeit, für die man besser ausgeschlafen ist. zu hause will man dann ruhe haben, aber da warten dann ein baby und der haushalt. überraschung…ergo: es war gut und für unsere beziehung auf augenhöhe nicht unerheblich, dass wir beide beide seiten verstanden.

und das schreib ich euch nicht, um zu sagen „hey, seht her was für nen tollen typen ich erwischt habe“, sondern um deutlich zu machen, warum ich folgendes so absurd finde, warum mich diese themen so wütend machen und warum ich es total unverständlich finde, wenn ich für meine dementsprechenden tweets oder facebook-kommentare ausgerechnet von anderen müttern kritisiert werde:

neue väter. über neue väter wird seit einiger zeit in regelmäßigen abständen geschrieben, auch wenn mir immer noch nicht klar ist, was das sein soll. klar, auch männliche rollenbilder sind inzwischen vielfältiger als vor ein paar jahren. das mag also neu sein. in den letzten wochen bzw. monaten erschienen dann obskure schlagzeilen und auch von engagierten vätern geschriebene feuilletonbeiträge, die ich hier noch mal kurz auseinander nehmen möchte:

sigmar gabriel…: der möchte einmal die woche seine tochter vom kindergarten abholen. das hätte ich als nachricht noch gut verkraftet. dass das aber einerseits von ihm so dargestellt wird, dass er ja seiner frau damit unter die arme greift, die selber berufstätig ist (mit wie viel stunden und in welchem job hab ich  nicht rausgefunden) und es andererseits von den medien, aber vor allem auch: von anderen müttern als „vorbild“ abgefeiert wird, darüber komm ich nicht hinweg. zum einen: für welche und wie viele väter taugt jemand wie gabriel als „vorbild“ – wie viele jobs kann man mit seinem vergleichen? mir ist schon klar, dass jemand der an der regierung eines landes beteiligt ist, das idealerweise mit vollem einsatz tut und gewisse ereignisse, auf die er reagieren muss, sich nicht an seinen zeitplan halten. aber ist er vorbild für den finanzbeamten im mittleren management? den handwerksmeister mit eigenem betrieb? den freiberuflichen webdesigner? den fließbandarbeiter im schichtdienst? und als ich diese kritik via twitter rausließ wurde ich angefahren (wie gesagt, von anderen müttern), dass man mit dieser kritik ja schon jeden funken im keim ersticken würde, und überhaupt irgendwo müssten die väter doch anfangen. ich war verdutzt. was haben solche mütter für partner an ihrer seite? männer, die bei der kinderbetreuung helfen? (mir ist schon klar, dass 1. unsere aufteilung von elternschaft eine ausnahme ist und es in vielen elternschaften ‚traditioneller‘ zugeht, das ist auch nicht immer falsch oder anders machbar. aber so ein kleines „zugeständnis“ abzufeiern ist mir trotzdem zuwider). das waren übrigens oft die gleichen mütter, die häme über kristina schröder schütteten, weil diese erkannte, dass zwei vollzeitaufgaben in der politik (ministerin und abgeordnete) sich mit der familie nicht vereinbaren lassen und darum eine aufgabe sein ließ. für sowas hab ich total verständnis, das klingt total logisch. ich würde wenn überhaupt darüber streiten, wie der anteil ihres partners aussieht, aber da sie weiterhin einen posten hat, der vermutlich über eine 40stundenwoche hinausgeht, wäre das treten auf leute, die schon am boden liegen…

vereinbarkeit von familie und beruf ist eine lüge: ach was? dieser artikel erreichte mich in den letzten urlaubstagen via iphone und darum überlas ich erst, dass er aus vätersicht geschrieben war. ich wunderte mich darum, dass die ZEIT sich diesen „banalen“ themas überhaupt noch annahm, wo doch nichts neues drin stand! bis ich verstand: das neue war eben genau diese vätersicht. ich gähnte müde und dachte nur: na, willkommen im club! und das mein ich völlig sarkasmusfrei. engagierte elternschaft und wirtschaftliche logik passen nicht zusammen. nicht mutterschaft ist das kernproblem. was mich auf dem arbeitsmarkt zum beispiel von meinem partner unterscheidet ist nicht die gelebte elternrolle (die wir beide für gleichwertig halten), sondern die, die von uns erwartet wird: während ich mich in vorstellungsgesprächen darauf einstellen muss, mich nach kinderbetreuung fragen lassen zu müssen, danach, ob ich bereit bin, auch dienstreisen zu übernehmen und aufgrund der tatsache, ein (bald zwei) kind(er) zu haben quasi vorweg bezweifelt wird, meinen job ernsthaft erfüllen zu können, zweifelt keiner der auftraggeber meines partners daran, dass er den job, der eine woche abwesenheit im ausland erfordert, annimmt.

wenn nun väter im arbeitsleben kundtun, dass sie ihren anteil an der elternschaft mehr als „erwartet“ übernehmen wollen, stößt das in der regel auf ablehnung. das ist kacke. aber auch nicht mehr, als die tatsache, dass es müttern schon quasi vorweg so geht. mir geht es nicht darum, vätern zu untersagen, dass sie sich beschweren (hätte ich überhaupt nicht die macht zu!), sondern ich wünsch mir, dass sie sich mit müttern zusammentun, vielleicht sogar mit ihren frauen und diese unterstützen? wenn so viele väter einspruch erheben würden, wenn mütter irgendwo diskriminiert werden, wie sich mütter bei mir über meine kritik an jammernden vätern beschwert hätten – dann nehm ich an, seh die welt bald besser aus!

väter, die nicht dürfen: in der nido erschien ein artikel über „maternal gatekeeping“. kurz gesagt meint das: mütter lassen den vätern keine chance, sich an der kinderbetreuung oder am haushalt zu beteiligen. weil sie selber alles besser machen und wissen und den mann mit einem flockigen „lass mich mal machen“ auf seinen untergeordneten rang in der haushaltshierarchie wiesen. … … … bei solchen artikeln fall ich vor lachen immer fast vom stuhl. ich stelle mir dann nämlich folgendes vor: eine frau und ein mann bewerben sich um einen aufsichtsratsposten. der mann erklärt, warum er der bessere kandidat ist. irgendwann fällt die frau dann ein und sagt: „ach komm, lass mich mal machen“. und der mann duckt seinen kopf zwischen die schultern und verlässt wortlos den schauplatz. klingt unwahrscheinlich? well, wieso das zu hause dann funktionieren soll, versteh ich nicht. zugegeben, bei uns gabs das auch, als minime ein baby war und ich mehr zeit mit ihm verbrachte. wenn er weinte und der mann nachts aufstand um ihn zu beruhigen war ich auch schon mal hinterher und sagte: „ach komm, gib ihn mir…“ der mann schaute mich daraufhin mit gerunzelter stirn an, sagte: „hälst du mich für blöd? geh und leg dich wieder hin, lass mich mal machen“. und ich? hab ich ihn etwa brüsteschwengend vom wickeltisch gejagt? ihm minime aus der hand gerissen und weggejagt? (*kchkch, ich lache immer noch) ich löse auf: nein! ich war sehr dankbar und bin wieder zurück ins bett. also liebe väter, sprecht mir nach: „LASS MICH MAL MACHEN“ und übt das dreimal täglich vorm spiegel. alles andere was es zu diesem blöden artikel noch zu sagen  gibt hat das nuf aufgeschrieben.

das waren nur ein paar beispiele was es aus meiner sicht so über väter zu schreiben gibt. darin habe ich noch nicht mal aufgenommen, dass vaterschaft immerhin eine option ist. oder das man als vater eben auch mal über privilegien nachdenken könnte.

und zum weiterlesen:

alsmenschverkleidet über linke szenemackerpapis

jochen könig bei den fuckermothers über die 50/50-teilung von (heteropaar)elternschaft