Familie

Tiefenentspannung. Glück. Zufriedenheit. Oder sowas in der Art

Ts. Da hat man nun zwei Kinder, denkt vorher noch: „Bist Du eigentlich bekloppt, Du bist doch mit einem schon manchmal am Rande des Wahnsinns“, dann ist Nummer zwei da und – puff – es ist einfach schön! Anstrengend ja, aber schön.

Im Vorfeld habe ich unterschiedliche Meinungen recherchiert, zu der Frage was anstrengender ist: Die Umstellung von keinem auf ein Kind, oder die Umstellung von einem Kind auf zwei. Die meisten stimmten für „von einem Kind auf zwei“. Ich persönlich kann diese Meinung gar nicht teilen. Für mich war am allerschwierigsten die Umstellung von kinderlos auf Mutter. Weil ich damit konfrontiert wurde, was Muttersein in dieser Gesellschaft heißt. Aber auch, weil ich lernen musste, loszulassen. Die Tagesplanung an Minime abgeben. An seinen Schlaf- und Essrhythmus. Und dabei wollte ich doch UNBEDINGT weiter machen, als hätte sich nichts geändert! An der Diss schreiben! Abstracts für Konferenzen und Sammelbände. Die beiden Artikel überarbeiten, die veröffentlicht werden sollten (zur Erinnerung: Minime ist von 2011 und damals dachte ich, ich müsste mich an Deadlines halten. Veröffentlicht wurden die Artikel erst dieses Jahr…). Nebenbei Freund_innen treffen und Party machen…

Es hat einige Monate, vielleicht sogar anderthalb Jahre gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe, das mein Leben jetzt ein bisschen anders ist. Diese Umstellung fällt bei Nummer 2, Cashew, weg. Die schönen Sachen kann ich vielmehr genießen und die schlechten…Ich WEISS jetzt, dass alles nur eine Phase ist, ich muss mir das nicht sagen lassen.

Manchmal stelle ich mir mein Ich in verschiedenen Schichten vor: Die oberste, da ist hoher Seegang. Dass ich mich so tiefenentspannt fühle heißt nämlich keineswegs, dass ich mich nicht fünfmal stündlich aufregen kann. Über das morgendliche Anziehchaos. Das nächtliche Aufstehen. Dass die Grünen am Ehegattensplitting festhalten wollen. Das Prinzip Kleinfamilie. Ach, die Reihe ist endlos. ABER es bleibt nicht hängen. Wenn der Stressmoment vorbei ist, spür ich wieder Zufriedenheit. Tiefenentspannung. Glück.

Woran das liegt? Ich kann es wirklich nur vermuten: Die Rahmenbedingungen sind großartig – keine Existenzsorgen, keine akuten Krankheiten. Obwohl, da wäre meine berufliche Zukunft – ungewiss. Aber pf, irgendwas findet sich. Vielleicht, weil ich meinem Ziel, so zu leben, wie ich es für gut und richtig halte, immer näher komme (gemeint sind auch vor allem ethisch-ökologische Aspekte, das Soziale…darüber folgt noch ein eigener Beitrag). Weil ich das Prinzip der kleinen Schritte  verstanden habe. Diese „Geduld“, von der alle immer reden. Das GutDingwillWeilehaben. Vielleicht, weil zwei Kinder mein persönliches Minimum waren. Falls es jetzt nicht mehr klappen sollte – ich könnte damit leben. Ich bin dankbar, zwei gesunde, tolle Kinder zu haben. Das ist mehr, als viele hoffen konnten. Wenn ich jetzt Texte lese, in denen Mütter/Eltern über das anstrengende Leben mit Kind(ern) schreiben finde ich das anstrengend zu lesen. Ich, die „früher“ diese Gruppe Fahnen tragend voran angeführt hätte. Seltsam, dieses Gefühl.

Ich hoffe bloß, es dauert. Es fühlt sich nämlich echt gut an.

 

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10 Comments

  • Reply cloudette 9. September 2014 at 9:30

    schön!

  • Reply So 9. September 2014 at 9:35

    danke, das macht Mut!!

  • Reply Claudia 9. September 2014 at 9:51

    Das freut mich für dich. Hier war bzw. Ist es grade die Umstellung von 2 auf 3, bei der es mir genauso geht wie dir grade. Und ja das fühlt sich soooo … perfekt an. Hoffen wir das das jetzt ein Dauerzustand bleibt.
    Sonnige Grüße aus dem Berliner Speckgürtel 🙂

  • Reply frauschlemmi 9. September 2014 at 11:10

    Danke für Deinen Beitrag!
    Ich bin auch davon überzeugt, dass die Umstellung von einem auf zwei Kinder leichter fällt. Vielleicht, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass ich nochmal und noch mehr innerlich durcheinandergewürfelt werden könnte als jetzt bei der Umstellung von keinem auf ein Kind. Vielleicht aber auch, weil ich nach knapp 4 Monaten auch anfange, „das Prinzip der kleinen Schritte“ zu verstehen – den Gedanken von Dir finde ich gut. Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das wirklich verinnerlicht habe, das weiß ich wohl. Aber irgendwann werde ich die Zerrissenheit zwischen „Ich will MEIN Ding machen – es kann doch nicht sein, dass ich SO viel aufgeben muss“ und „Das Kind gibt den Rhythmus vor, also lass es einfach geschehen“ vielleicht minimiert haben… 🙂

  • Reply momatka 9. September 2014 at 13:41

    Diesen Zustand möchte ich auch gerne erreichen und nähere mich ihm mit einem Kind und kleinen Schritten. Schlimm wird es erst, wenn ich an so Sachen wie Rente usw. denke. Bin gespannt, was du über die ethisch-ökologischen und sozialen Aspekte noch schreibst. Liebe Grüße, Momatka

  • Reply vierachtel 9. September 2014 at 13:54

    Halte die schöne Grundstimmung fest, dann können einem die 1000 Nervereien des Alltags nichts anhaben. Liest sich gut!

  • Reply Liv 9. September 2014 at 14:21

    kann gar nicht sagen, WIE froh ich bin, diesen, deinen Blog entdeckt zu haben, vor einigen Tagen! und dankbar. kann gar nicht mehr aufhören zu lesen (; du schreibst mir einfach aus der Seele! das ist so großartig! fast schon so, als würdest DU genau das schreiben und somit aussprechen, was ich mich nicht traue (?) oder nicht in Wort zu packen weiss! genial, echt! *ichfreumichso* somit hast du künftig eine treue Leserin mehr… (;

    liebst,
    Liv *

  • Reply Tim 10. September 2014 at 8:03

    Schöner Beitrag, danke! Es geht mir genauso, zwei kleine Jungs sind das Größe, es fühlt sich so komplett an und lässt eine unerschütterliche Zufriedenheit entstehen. Das hätte ich so nicht unbedingt erwartet.

  • Reply Rosalie 10. September 2014 at 13:36

    Geht mir ganz genau so. Allerdings hängt viel an den Kindern. Ich hab eine Frau kennen gelernt, der Große ist Hyperaktiv und das Baby ein Schreibaby. Die ist jetzt nicht ganz so entspannt…
    Aber mir gings mit meinen beiden Mäusen genauso. Und was ganz wichtig ist, dass die Kinder sich gern haben. Klar gibt’s da auch mal Streit ums Spielzeug, aber generell spielen die beiden so schön miteinander. Sie bespaßen sich beim Autofahren, sie füttern sich mit Keksen im Fahrradanhänger, sie bauen Duplotürme während ich in Ruhe koche oder dusche. Ein echter Segen! Da hab ich echt Glück. Und morgens zu viert im Bad, jeder mit ner Zahnbürste zugange, das macht vieles wett…
    Genieß die Stimmung!

  • Reply Friederike von untermsofa 21. September 2014 at 14:44

    Vielen Dank für den schönen Text. Ich bin gerade sehr gerührt, denn Du schreibst mir aus der Seele! Der Wechsel von Keinkind zu Einkind war für mich unglaublich erschütternd: Wer bin ich, was heißt Muttersein, was passiert mit mir, uns, meinen Freunden, meinem Leben? Da war der Schritt von Einkind zu Zweikindern so viel schöner! Ich war – gerade in Lulus erstem Lebensjahr – stets ausgeglichen (klar, Erinnerungsoptimismus greift, aber es ist nicht gelogen!) und das auch in wahrhaftig stressigen Situationen (ER und ich haben zeitgleich unseren jeweiligen Magister gemacht. Und das, als Lulu noch keine anderhalb war – da war schon mal viel los zwischenzeitlich!). Dennoch bin ich so dermaßen glücklich zu viert, dass ich das ständige Klagen und übertrieben witzige Genervtsein anderer Eltern ebenfalls als irritierend empfinde!
    Wie dem auch sei – jetzt wird erst einmal gebastelt.

    Glückliche Grüße!
    Friederike

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