Familie

Wie mein Kind ein Junge wurde – Part 2

Minime ist inzwischen dreieinhalb. Vor gut einem Jahr beschrieb ich meine Beobachtungen, wie aus ihm ein Junge gemacht wird: Durch Interpretation seines Verhaltens, Auswahl seiner Geschenke und Anziehsachen und so weiter. Inzwischen ist Minime ein kleiner Mensch, der durchaus selber kommunizieren kann und ich sehe plötzlich, dass es nicht nur „Erwartungen“ sind, die an ihn heran getragen werden, ich sehe oft deutlich, wie seine Bedürfnisse und Wünsche ignoriert werden, wenn sie nicht den geschlechtsspezifischen Anforderungen entsprechen. Oft tut es mir richtig weh, wenn ich sehe, wie er versucht, einen Wunsch oder ein Bedürfnis zu formulieren und dieses ignoriert, übergangen oder lächerlich gemacht wird. Ein paar konkrete Beispiele:

Im Schuhladen. Winterschuhe stehen auf dem Einkaufszettel. Wir sind in einem kleinen Laden für Kinderschuhe. Minime hat wenig Interesse, die Schuhe anzuprobieren, ihm gefallen scheinbar die tristen (Jungs!)Farben nicht. Neben ihm sitzt ein ca. 8 Jahre altes Mädchen und probiert Turnschläppchen an, wie wir (Mädchen) sie früher im Turnunterricht trugen. Mit Glitzer! Minime war fasziniert. „Ich will auch Glitzerschuhe!“ Ich merke sofort: Ich komm aus diesem Laden nicht raus und kriege ihn auch nicht dazu, was anderes anzuprobieren, bevor er solche Schuhe hat. Ich wende mich also an die Verkäuferin. Ihr Gesichtsausdruck überrascht mich: Sie wirkt peinlich berührt und versucht Minime zu überreden: „Aber probier doch hier mal die Schuhe, die sind besonders cool!“ Wie vermutet interessiert sich Minime grade nur noch für diese Glitzerschuhe. Ich sage „Ist schon ok, haben sie welche in seiner Größe?“ Jetzt kann ich den Gesichtsausdruck der Verkäuferin nicht mehr deuten. Glaubt sie, ich mein das nicht ernst? Ist sie verwirrt, schockiert? Sie versucht noch ein schwaches, an Minime gerichtetes „Komm, ich zeig Dir noch kurz…“ aber Minime steht schon wie versteinert vor dem Mädchen, dass die Glitzerschuhe anhat. Mit wunderschönen Glitzerschuhen verlassen wir doch noch den Laden.

Beim Kinderschminken. Minime möchte ein Schmetterling werden. Das sagt er, laut und deutlich. Der junge Mann, bei dem er sich zum Schminken anstellt, schaut – ja wie. Verdutzt? „Hier guck mal, möchtest Du ein Pirat sein?“ (Er deutet auf seine Vorlage). „Nein, ein Schmetterling!“ „Oder hier, hier habe ich einen Bären!“ Jetzt ist Minime überfordert. Er schaut wirklich so, als wenn er sich fragte, warum sein Gegenüber ihn nicht versteht. Ich werfe also ein: „Er möchte ein Schmetterling sein“ – Vielleicht braucht der junge Mann diese Legitimation meinerseits, aber endlich fängt er an, aus Minime einen Schmetterling zu machen.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Nikolaus waren wir bei Freunden zu einer Nikolausfeier. Die Eltern brachten kleine Geschenke mit, die in einen großen Beutel gesteckt wurden, die der „Nikolaus“ später verteilen sollte. Für Minime hatte ich ein Buch. Die Mädchen in der Runde bekamen fast ausnahmslos Feen und Pferde aus der Playmobil-Serie. Minime war hin-und-weg. Sein Buch fand er zwar auch toll, aber erst mal wollte er mit Feen und Pferden spielen. Es war gar nicht leicht, jemanden zu finden, der bereit ist, ihm Weihnachten eine kleine Fee mit Pferd zu schenken (wir hatten unsere Geschenke schon zusammen, sonst hätte ich es einfach selber gemacht).

Im Kindergarten. Ich hole Minime ab. Die Erzieherin und die Kita-Leiterin stehen neben uns und unterhalten sich über die kaputte Telefonanlage und wie sie weiter verfahren werden. Die Erzieherin sagt, sie würde noch einmal probieren, den Stecker rauszuziehen und wieder rein zu tun, ansonsten würde sie den Techniker anrufen. Die Kita-Leiterin dreht sich lachend um und ruft: „Ja ja, Frauen und Technik!“ Minime starrt ihr hinterher.

Die Liste ließe sich endlos weiter führen. Minime hat inzwischen ein Gespür dafür entwickelt, was „Mädchen“ und „Jungen“ dürfen. Er scheint zu verstehen, dass bestimmte Sachen und Verhaltensweisen für Mädchen ODER Jungen sind. Dann sagt er zum Beispiel: „Mama, ich bin jetzt ein Mädchen“, wenn er Haarspangen möchte. Und ich weiß nicht, ob ich ihm sagen soll, dass er einfach ein Junge ist, der Haarspangen trägt, oder ihm die Option „ich bin ein Mädchen“ einfach lasse. Am liebsten wäre mir, dass das überhaupt kein Thema sein müsste.

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38 Comments

  • Reply Tulpentopf (@tulpentopf) 18. Dezember 2014 at 14:07

    Kenn ich alles. Mein Sohn wächst in einem reinen Frauenhaushalt auf. Männliche Bezugspersonen Mangelware. Klar, dass er sich automatisch auch für „Frauenkram“ interessiert. Und manchmal einen für viele verstörenden Blick für die schönen Dinge hat – Dekokram, neue Frisur, schön Gebasteltes. Problematisch finde ich bis heute, dass er eine zeitlang nicht Papa, sondern eine Mama werden wollte. Inzwischen hat er begriffen, dass Papas sich genauso liebevoll um ihre Kinder kümmern können, wie Mamas.

  • Reply Nora 18. Dezember 2014 at 14:46

    Oh das kommt mir sooo bekannt vor!
    Herr Schnubb (fast 3) und ich haben auch viele dieser Erfahrungen gemacht.
    Mag ein Mädchen blau und Autos ist das gut und emanzipiert. Mag ein Junge rosa und Schmetterlinge heißt es gleich schwul. (Wobei ich weder emanzipiert oder schwul sein an sich schlecht finde.)

    Herr Schnubb liebt Schmetterlinge, aber etwas für ihn zu finden ist immer schwer. Er hat eine kleine Figürchensammlung von My little Pony und ist darauf stolz. Wenn er meine Haarspangen tragen will, dann darf er das und wenn er sich ein rosa Shirt aussucht, dann bitte. Ihm soll es gefallen, wenn er es trägt.

    Das Schlimme ist nur, dass das Hauen&Stechen dann schon im Kindergarten losgeht, weil die kleinen Kids auch schon auf „Mädchen“ und „Junge“ gedrillt sind.

    Ich freu mich für MiniMe, dass er nun coole Glitzerschuhe hat und hoffe, dass er nicht aufhört das zu wünschen was er sich eben wünscht.

    LG
    Nora

    • Reply Arzt4Empfaenger 6. Januar 2015 at 1:34

      Zu dem Hauen und Stechen… bei meinem Sohn ist es ähnlich. Er liebt Glitzer, rosa, Prinzessinnen und Feen, und manchmal auch knallrosa oder lila schimmernden Glitzernagellack. Als er dreieinhalb war, kam er traurig vom Kindergarten nach Hause und meinte, die vierjährigen Mädchen(!!!) hätten ihm gesagt, rosa dürften nur Mädchen tragen! Ich fand es deshalb so traurig, weil die Erzieher es alle gut fanden, daß er rosa mag und trägt, und auch die Jungs nicht viel gesagt hatten… die älteren Mädchen dagegen haben ihn richtig drangsaliert. Mit viereinhalb freute er sich zum Glück noch riesig über seine knallbunten Glitzrschuhe von Skechers (und ja, auch dort war die Verkuauferin skeptisch).

  • Reply Frl. Urban 18. Dezember 2014 at 16:57

    Hallo,
    Ich kenne diverse Transfrauen, die schon enorm früh wussten, dass sie Mädchen sind, nicht Jungs.

    Grüße,
    det Frollein.

  • Reply hebammenblog 18. Dezember 2014 at 17:19

    Oh ja, der Genderquatsch! Man wird ihn nicht los. Aber ich finde es toll, dass du zumindest versuchst es abzuschwächen.
    So mach ich das auch. Mein Sohn war mal Wochen lang ein Mädchen. Er ließ sich jeden Morgen von mir einen Zopf machen, trug einen Rock seiner großen Schwester und ließ sich Carlotta nennen. Glücklicherweise gab es keinen Gegenwind. Ich denke das lag aber nur daran, dass ihn tatsächlich alle für ein Mädchen hielten, und nicht für einen Jungen der gerne Röcke trägt.
    Meine Tochter hingegen ging lange immer nur in der Jungsabteilung einkaufen, weil sie schnell gemerkt hatte dass die Jungssachen viel bequemer geschnitten waren.
    Inzwischen sind die beiden (9&15) allerdings relativ angepasst. Aber wenn der kleine Bock hat geht er immer noch mit Glitzernagelack in die Schule und sagt, wenn die anderen Jungs lachen: „Na und? Ich finde das eben schön!“
    Da bin ich schon ein bisschen stolz, auf das Selbstbewusstsein und das „gegen den Strom schwimmen“.

  • Reply Esther 18. Dezember 2014 at 20:30

    es ist so absurd, dass die vorliebe für spangerl oder glitzerschuhe ans geschlecht gebunden sein soll. dass der junge dann ein mädchen ist. oder mädchen spielt. oder mädchen sein will. da könnt ich weinen. oder kotzen. oder beides. mir kommt vor, es ist eine spur einfacher für mädchen, die wahlfreiheit ist auf den ersten blick irgendwie doch eine größere. wenn meine maus sich ein piratenschiff aussucht oder im fasching als pirat mit bart geht, ist das aufsehen nicht so groß, als wenn der junge meiner freundin von seiner filly sammlung erzählt oder glitzerspangen im haar trägt oder im fasching als prinzessin gehen möchte. er ging eh nicht, es wurde ihm gut ausgeredet. das schlimmste sind diese automatismen. es fällt niemandem auf, wie unsinnig, wie kränkend, wie beschneidend diese parolen sind. und offen gestanden finde ich frauen in der hinsicht stets weit schlimmer als männer. oder mütter von söhnen, wenn man so will. wie stolz manche von ihnen sind, wenn der bub sich eh als „wilder bub“ darstellt und wenn er sich für autos und fußball interssiert „ganz wie der papa“. oder wenn ich sätze höre wie „die schwiegertochter muss aber gut backen können, er liebt ja kekse so“. örks.

  • Reply Shoppingdiät 18. Dezember 2014 at 20:43

    Es ist so toll, dass du deinen Sohn genauso sein lässt, wie er ist und sein will. Wer hat denn eigentlich erfunden, dass nur Mädchen Glitzerschuhe tragen dürfen? Und dass es andersrum wieder total ok ist, wenn Mädchen in Fußballklamotten rumlaufen (zumindest solange sie noch klein sind, danach oh Gott.)? Bei uns im Kindergarten gibt einen Jungen – den besten Freund meiner Tochter – der sich jeden Tag rosa Prinzessinnenkleidchen aus der Verkleidungskiste anzieht und fast jeder lacht darüber. Dabei ist es doch so toll, dass jedes Kind anders ist und andere Dinge gut findet. Auf den ganzen Einheitsquatsch fahren sie wahrscheinlich leider eh früh genug ab (hoffentlich nicht!), bevor sie sich irgendwann mühevoll ihre Individualität zurückerobern. Prima, wenn sie Eltern wie euch (ich gehe mal davon aus, dass ihr beide so tickt) haben, die sie ihnen die Stange hochhalten und ihnen zeigen, dass es auch anders geht.

  • Reply Wildnis Familie 18. Dezember 2014 at 21:08

    Wie gut, dass unsere Kinder erfahren, dass ihre Mütter mit der Motorsäge und der Nähmaschine und dem LKW und dem Kleinwagen umgehen können.
    Danke für deinen tollen Beitrag!
    Menschen sind Menschen und das Geschlecht ist nebensächlich – unwichtig finde ich.

    LG Wildnisfamilie

  • Reply Cornelia 18. Dezember 2014 at 22:49

    Wir haben noch kein Kind, haben es aber schon in der Schwangerschaft leidvoll erfahren müssen, wie engstirnig die Gesellschaft ist. Auf dem Markt für gebrauchte Kleidung wollten uns viele ausreden, blaue oder grüne Bodies zu kaufen, weil wir ein Mädchen bekommen. Auf die (vereinfachte) Antwort meinerseits, dass sich ein Säugling hoffentlich nicht eingeschränkt fühlt wenn ich ihn in den Farben kleide die ich nett finde, wollte keiner hören :-). Ich hoffe dass wir den Mut aufbringen, den Geschlechterklischees zu widerstehen und unser Kind einfach Kind (und Mensch) sein lassen können.

  • Reply GoldKindelein 18. Dezember 2014 at 23:01

    Danke für deinen Bericht!
    So etwas ähnlich kenne ich von hier auch. Mein „Großer“ (jetzt 2 3/4) kennt seinen Kleiderschrank auswendig. Er weiß genau welches Shirt er anziehen will, welche Hose, oder welche Strumpfhose. Und wehe das was er will ist dann in der Wäsche…. Da ich selbst viel nähe, kann ich ihm da Wünsche auch erfülle. Momentan muss alles voll sein mit Bagger oder Traktor oder Kipper. Anfangs fand ich das furchtbar und hab mich lange gewehrt, aber wenn er meint kriegt er es. Ich habe einen regelrechten Horror vor diesen rosa-blau-prinzessin-pirat-Schubladen und finde auch Klamotten kaufen für Jungs furchtbar. Darum hab ich auch angefangen zu nähen.
    Trotzdem liebt mein Sohn seine PINKEN Haussschuhe, die er sich selbst ausgesucht hat, über alles. Er wurde immerschon meist für ein Mädchen gehalten mir seinen blonden langen Haaren (schneiden geht überhaupt garnicht!) und den großen Augen. Und gestern abend forderte er auf einmal aus heiterem Himmel ich solle ihm einen Zopf machen. Hab ich freudig gemacht. Jetzt trägt er den schon den ganzen Tag, auch in der Krippe, wo alle erstmal verblüfft geschaut haben.

    Ich freue mich auf weitere Experimente und Entwicklungen, er soll das tragen und sich das wünschen was er will. Schön wenn es anderen auch so geht!

  • Reply sakoelabo 18. Dezember 2014 at 23:57

    Da ich den Großteil der Tageszeit für die Kinder (zwei Jungs, 4 und 8) der „Kümmerer“ bin (meine Frau ist beruflich viel außer Haus), kenne ich den Gender-Schmus unter Erwachsenen schon aus leidiger Erfahrung.
    Krabbelgruppe, Babyschwimmen – was macht der Kerl denn hier? – oder das, wenn meine Frau und ich beim Kinderarzt oder Elternsprechtag sitzen, immer mit meiner Frau gesprochen wird, aber irgendwie kaum mit mir.

    Heute mittag erst wurde mein Jüngster von anderen Kindergartenkindern aufgezogen, weil auf seinem grünen Regenschirm kleine Pferde abgedruckt sind. Ob er denn ein Mädchen wäre oder ein Baby. Irgendwie konnte mein Sohn das gar nicht wechseln, er schwatzte munter drauflos, welches Pferd welche Farbe hat. Ich habe die Jungs dann mal gefragt, ob sie Ritter interessant fänden. Nicken. Zweite Frage: fahren die Ritter bei euch auf Fahrrädern herum? Kopfschütteln.
    Gerade, als die Jungs verstanden zu haben scheinen, dass Pferde eben doch nicht nur „Mädchenkram“ sind, kommt eine Mutter um die Ecke und meint „Oh – das ist aber einen süßer Mädchenschirm, gehört der deinem Schwesterchen?“. MMM-(

    Mach so weiter, wie bisher – laß den Kleinen spielen und ausprobieren, was er möchte! Die Beschränktheit unserer viel zu sehr auf Stereotypen eingeschossenen Gesellschaft können wir alle nur durch eigenes Vorbild auflösen – dafür braucht es halt starke Eltern und viiiieeel gute Nerven.

    • Reply Margret 21. Dezember 2014 at 23:11

      So ist es bei uns auch. Mein Großer ist mittlerweile 6 Jahre alt und wir haben kapituliert. Er hat Autos für den Kiga, blaue und grüne Sache für den Kiga. Er ist farbenfroher gekleidet als die anderen jungs, die fast nur in schwarz, braun und dunkelblau herumlaufen. Aber sein letzter Versuch, ein lila Shirt anzuziehen, endete genau so, wie Du es beschreibst. Nun sind Rosa, Lila, Feen und Ponys nur noch „für daheim“. Er nimmt in den Kindergarten nur noch „Jungsspielzeug“ mit. Und was er dazu sagt, ist sehr verstörend für mich „Die richtigen Jungs lachen mich sonst aus“.

      Er hat kapiert, dass er als „unrichtig“ gesehen wird, wenn er trägt, was er will.

      • Reply Arzt4Empfaenger 6. Januar 2015 at 1:40

        Es ist zum Haareausreißen! Jungssachen gibt es ab ca. 86/92 auch nur noch in düsterem Grün, Blau, Braun… zumindest muß man echt suchen, um farbenfrohe Sachen zu finden, die nicht gleich geraffte Ärmel und Rüschen haben. Meinem Sohn sind auch die anderen unangenehm geworden, manches truagt er nicht im Kinderladen, da „die anderen Jungs sonst sagen, ich wäre ein Mädchen“. Das tut mir im Herzen weh. Sieht man sich andere Kulturen an, wird klar, daß Tanzen, singen, bunte Kleider und sogar rockartige Kleidung nicht nur für Mädchen sind. Tanzende Hawaiianer, geschmückte Balinesen, Japaner mit Haarspangen… in DE sind viele eben doch recht kurzsichtig.

  • Reply derfeuervogel 18. Dezember 2014 at 23:59

    Hat dies auf derfeuervogel rebloggt und kommentierte:
    Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein. Ohne blau und rosa.

  • Reply xayriel 19. Dezember 2014 at 1:00

    Unser Großer wurde völlig neutral – so hoffe ich wenigstens – erzogen. Er hat aber von ganz alleine Bagger, Autos und Baumaschinen entdeckt und als sein Lieblingsspielzeug auserkoren. In seinen Playmobilsachen gibt es Pferde, Kühe, Katzen und rosa Baublöcke und wehe, ich nehme irgendwas davon weg. Sein lang gehegter Wunsch, den ich endlich mal erfüllen muss, ist, seine Fingernägel so wie ich lackiert zu bekommen. Sein Berufswunsch ist Fußballer. Seine Anziehsachen sind hauptsächlich bunt. Er ist jetzt knapp 6 Jahre und das größte Drama für ihn ist, wenn seine Kindergartengang (3 Jungs, 2 Mädchen) nicht mit ihm Fußball spielen wollen, sondern stattdessen den Matschberg (ein extra Erdhügel, der nach Regen besonders gut bespielbar ist) erklimmen wollen.
    Meine Mädchen, jetzt gerade 9 Monate alt, hat zur Geburt einen Plüschdrachen geschenkt bekommen, der jetzt zu Weihnachten einen weiteren Drachen als Gefährten bekommt, egal, ob in der Versandhausbeschreibung „Zielgruppe Jungen“ stand. Sie trägt die bunten Klamotten ihres Bruders auf und da sind tatsächlich blaue oder grüne Sachen dabei. Ansonsten wird sie, genauso wie ihr Bruder, ihren Weg finden dürfen, egal, ob mit Autos oder Puppen.
    Nur rosa kommt mir nicht ins Haus 😉

  • Reply Katharina 19. Dezember 2014 at 1:49

    Meine erste Freundin die ich hatte, hat einen kleinen Bruder und dieser himmelte uns beide jahrelang an. Als wir so ca. 6 Jahre alte waren (er ca. 3) trugen wir mit Vorliebe Lackschuhe (gibt es sowas noch?), die klackerten auch immer so schön auf den Fliesen. Nun wollte der kleine Mann UNBEDINGT auch Lackschuhe und nach ein paar Tagen gab die Mama dann nach und so hatte der kleine, rotblonde, schmale Junge mit dem weichen, zierlichen Gesicht Lackschuhe an, sah aus wie ein kleines Mädchen und war glücklich :-)

  • Reply Barbara 19. Dezember 2014 at 7:18

    ich bin mama eines mädchens und wollte auch gern auf glitzer und pink verzichten. mein mädchen hat sich entschieden pink und glitzer toll zu finden und ich lasse sie dementsprechend. ich hoffe, ich könnte das genauso durchziehen, wenn es ein junge gewesen wäre. es ist gar nicht so einfach anders zu handeln, da diese zuschreibungen teilweise soooo tief verankert sind.
    ich wünsche mir einfach, dass es auch in den köpfen anderer ankommt, dass diese zuschreibungen der totale schwachsinn sind…

  • Reply Andrea 19. Dezember 2014 at 8:28

    Ja, die Liste ließe sich noch endloch weiter führen…..leider!
    Mein Großer (inzwischen 10) hat sich immer die Zehennägel lackiert. Als er in die Grundschule kam meinte ein befreundeter Vater, er soll das doch besser lassen, sonst würde er geärgert. Mein Kommentar: Wenn er geärgert wird und das doof findet kann er es ja immer noch lassen oder er sagt den anderen einfach , dass er es gut findet! Mein Sohn hat Variante 2 gewählt……Es ist so schade, dass die Kinder heute tatsächlich viel früher auf ein Geschlecht festgelegt werden, obwohl wir heute viel aufgeklärter als noch vor 40 Jahren sind. Wir nehmen unseren Kindern und uns selbst so viele Möglichkeiten.

  • Reply Martina 19. Dezember 2014 at 8:29

    Ach, lasst Euch nicht ärgern von entgleisenden Gesichtern, sondern lacht darüber. Manchmal ist es ein Segen nicht der „Norm“ zu entsprechen die sich in den Köpfen verankert hat und doch eigentlich gar nicht besteht. Natürlich erfordert es Mut, aber es macht auch frei.
    Unser Mädchen liebt auch Glitzer da wundern sich die Leute nicht drüber, allerdings das auch ein Mädchen mit Down Syndrom Glitzer mag und nicht nur Sack und Asche, oder überhaupt in der Lage ist etwas zu mögen finden viele auch eigenartig. Arme Menschen mit Schranken im Kopf
    LG
    Martina

  • Reply pitz 19. Dezember 2014 at 8:43

    gut beobachtet!

  • Reply Fluse 19. Dezember 2014 at 8:47

    Warum nur Mädchen Glitzersachen tragen dürfen wird mir wohl immer ein Rätselbleiben. Meine Jungs hatten von klein auf Puppen und auch rosa-glitzer Spielsachen- eben das was sie gerade interessiert hat.
    Noch wichtiger als die Reaktionen des Umfeldes finde ich, das die Eltern ihre Kinder einfach LASSEN! Am allerschlimmsten für ein Kind finde ich es, wenn die Eltern Druck ausüben um IHRE Vorstellungen im Kind zu verwirklichen. Jeder von uns möchte doch er selbst sein dürfen. Ob man dafür rosa Glitzerschuhe möchte oder als Mädchen einen Bauarbeiter Pulli- egal. Ich richte mich nach meinen Kindern und erwarte vom Umfeld, dass sie sie einfach lassen- da kann ich auch schon mal unfreundlich zu Erzieherinen werden, die meinen meine Kinder in Schablonnen pressen zu müssen.
    Besonders schön finde ich es hier zu lesen, wie andere damit umgehen. Danke an euch alle, die ihr eure Erfahrungen mit mir/uns teilt.

  • Reply gender-Glück | 2kinder/küche/bad/balkon 19. Dezember 2014 at 9:30

    […] komme ich nicht viel zum lesen, aber die Überschrift “Wie aus meinem Kind ein Junge wurde” von glücklich scheitern hat mich gerade angezogen. Ein kleiner Junge, der sich nunmal […]

  • Reply Graph Zahl 19. Dezember 2014 at 10:30

    Es ist ein leidiges Thema. Ich hab hier auch einen drei Jährigen Rabauken zu Hause und ohne seine Autos und Eisenbahn wär er wohl nicht glücklich. Und liegt im Stoffladen ein Stoff mit Bagger und Co., muss ich den kaufen. Aber er liebt es im gleichen Maße, sich seinen Rock an zu ziehen, mit seinem Teddy Baby zu spielen, zu basteln und sich rosa Haarspangen auszusuchen.
    Er darf alles was er schön findet. Und wird so akzeptiert. Zum Glück auch in seiner KiTa. Dort ist er eben der Junge, der auch mal einen Rock oder ein rosa Shirt trägt.
    Allerdings ist es mir persönlich schon wichtig, das er weiß, das er rein Biologisch, ein Junge ist. Und wenn jetzt jemand auf ihn zu kommt und zu ihm sagt, er sei ein Mädchen weil er einen Rock trägt, dann sagt er einfach Nein, das stimmt nicht.
    Ich versuche ihn in dem was er tut zu unterstützen und zu bestärken, denn ich kann ja nicht immer da sein und für ihn antworten… Bis lang klappt das auch ganz gut. Mal sehen, wie das aussieht, wenn er dann in die Schule kommt und dann auch nicht der „Norm“ entspricht.
    Offt sind es ja nicht die anderen Kinder, die ein Problem haben, sondern die Erwachsenen, die komisch schauen. Und sich offt genug ihre wirklich dummen Kommentare nicht verkneifen können.

    Unsere Welt muss bunter werden.

  • Reply almut 19. Dezember 2014 at 12:50

    Danke für diese vielen Beispiele. Ich finde wichtig und toll, weil gar nicht selbstverständlich, dass du diese ganzen Botschaften zwischen den Zeilen wahrnimmst.
    „Ich weiß nicht, ob ich ihm sagen soll, dass er einfach ein Junge ist, der Haarspangen trägt, oder ihm die Option “ich bin ein Mädchen” einfach lasse.“
    Wir führen inzwischen viele Gespräche mit unseren Kindern, in denen wir ihnen immer wieder versichern, dass Junge und Mädchen bleiben darf, was es ist. Dass Lieblingsfarben, Spielzeug o. Kleidung egal welcher Art nichts am Geschlecht ändern. „Alles ist für alle da, alle dürfen sich alles aussuchen“ erklärt meine Tochter inzwischen, wenn die Lehrerin fragt „Und wer von den Mädchen möchte einen Herzchen-Stift?“ Und ich sage auch offen, dass die Lehrerin / Schuhverkäuferin das vllt. nicht weiß und sie deshalb so was Komisches gesagt haben mag.

    Habe Deinen Schminkdialog hier eingestellt:
    http://rosa-hellblau.tumblr.com/

    Danke und viele Grüße von Almut

    • Reply Arzt4Empfaenger 6. Januar 2015 at 1:44

      „“Alles ist für alle da, alle dürfen sich alles aussuchen” “ Danke! Ich habe meinem Sohn auch beigebracht, daß alle Farben für alle Menschen sind – und die Mädchen, die ihm sein rosa nicht lassen wollten, haben wir dann gefragt, ob sie dann folgerichtig auch kein Blau und Grün tragen dürften, oder? Rein historisch gesehen trugen früher übrigens Könige rot/rosa und die Damen blau.

  • Reply almut 19. Dezember 2014 at 13:20

    Achso, darf ich noch zum Hören einladen? Hier der Link zum Podcast meiner „Langen Nacht der Geschlechterrollen“ im Deutschlandradio. Da gibts noch mehr Stimmen zu genau diesem Thema, vllt. mag die eine oder andere reinhören:

    http://ich-mach-mir-die-welt.de/2014/10/eine-lange-nacht-der-geschlechterrollen/

  • Reply Über das Leben im falschen. Mit Kindern. | BABYKRAM & KINDERKACKE 21. Dezember 2014 at 1:02

    […] Artikel der bloggenden Elternschaft verfolge – zum Beispiel die zu Gender-Themen von Melanie von glücklich scheitern und anderen – dann sehe ich darin ein ganz grundsätzliches Dilemma nachdenkender Eltern, was […]

  • Reply Marei 21. Dezember 2014 at 3:45

    Ich finde es schade, dass es notwendig ist, aber umso cooler, dass du dich hinter ihn stellst und in seinen Interessens- und Geschmacksentscheidungen bestärkst – gerade weil es einem so schwer gemacht wird.
    Bei Mädchen ist es ja immerhin inzwischen soweit, dass hingenommen wird, wenn sie sich vür Bagger und Flugzeuge interessieren, aber umgekehrt ist’s noch ein weiter weg. Schön, wenn ihn die Kinder nicht allein gehen müssen!

    • Reply Margret 21. Dezember 2014 at 23:17

      Das finde ich allerdings nicht. Es ist zwar akzeptierter als bei Jungs, aber auch nicht selbstverständlich. Wir wurden auch schon angemacht, warum unsere damals 2-Jährige kein Bikinioberteil trägt. Und wenn sie die Sachen von ihrem großen Bruder aufträgt, wird sie auch oft genug gefragt, ob sie denn „ein Junge“ sei.

  • Reply die ennomane » Links der Woche 21. Dezember 2014 at 12:00

    […] Wie mein Kind ein Junge wurde: […]

  • Reply Unsere Netzhighlights – Woche 52/2014 | Apfelmädchen & sadfsh 28. Dezember 2014 at 11:14

    […] 1. Bereits vor einiger Zeit habe ich in den Netzhighlights über Kinderkleidung und die seit Jahren etablierte Trennung von rosa – hellblau geschrieben. Bei Melanie von Glücklich Scheitern las ich nun diese Woche über ihre Erfahrungen bzw. die Erfahrungen ihres Sohnes mit genau dieser Mädchen-Jungen-Schere z.B. beim Kinderschminken: Wie mein Kind ein Junge wurde, Part 2 […]

  • Reply materialfehler 29. Dezember 2014 at 11:48

    Erinnert mich an meinen besten Freund in der Grundschule. Wir waren beide sowohl an Jungs-, als auch an Mädchenspielzeug interessiert. Bei mir zuhause war das kein Problem, weil meine Eltern uns Kindern einfach das geschenkt haben, was wir uns gewünscht haben und so hatten wir alle sowohl Lego und Lego-Technik und spielten Fußball und hingen wie die Affen in den Bäumen und schleppten ekelhaftes Geviech an, als wir auch Barbies, Ponies und Polly Pocket besaßen.
    Für meinen Sandkastenfreund war mein Zimmer das Eldorado und ich war glaub ich damals schon eine kleine Feministin. Mir war natürlich bewusst, dass es offizielles Jungs/Mädchenspielzeug gibt, aber den Sinn hab ich nie verstanden.

    Ich finde es toll, dass du deinem Kind Glitzerschuhe kaufst, wenn es Glitzerschuhe haben möchte. Meine Neffen/Nichten wachsen so traditionell auf :( Mein ältester Neffe hat zwar lange Haare, aber das ist auch schon das einzige und wird eher auf cool und Metal codiert, also auch wieder traditionell männlich.

  • Reply Ein Mädchen. | kiddo.the.kid 1. Januar 2015 at 10:09

    […] Wie mein Kind ein Junge wurde… –  glücklich scheitern […]

  • Reply Wie mein Kind ein Junge wurde – Part 2 | Schwanger schmarotzen in Schöneberg 3. Januar 2015 at 1:34

    […] Wie mein Kind ein Junge wurde – Part 2. […]

  • Reply Links 11.1.2015 – ryuus Hort 11. Januar 2015 at 15:46

    […] scheitern schreibt: Wie mein Kind ein Junge wurde, Part 2 (via […]

  • Reply Wie sag ich’s meinem Kind? Sex & Porno | Familie Rockt 13. Februar 2015 at 10:21

    […] von Bloggerinnen wie dasnuf, berlinmittemom, kaiserinnenreich, gemischtwahnlädchen und glücklichscheitern verwenden. Lustig wird es also […]

  • Reply Geteiltes Glück - die Linktipps der Woche 29. Mai 2015 at 10:19

    […] reagiert, wenn auch ein Junge mal rosa, Kleider oder Glitzer möchte, beschreibt Melanie vom Blog glücklich scheitern anhand einiger Beispiele aus dem Kinderalltag. Ein Text, der einen zum Nachdenken über […]

  • Reply Markus 18. Juli 2015 at 13:12

    Sie sind eine großartige Mutter!

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