Familie

ZWEI

das kind hatte geburtstag. zwei jahre ist minime jetzt. und ich zwei jahre mutter. dabei erinnere ich mich noch soooo gut an den tag, an dem es los ging:

es war dienstag morgen. ich beschloss, den kleiderschrank neu zu sortieren und auszuwischen (wer mich kennt fragt jetzt schon: what? nachtigall ich hör dir…ja, ich hatte sogar von diesen ‚anzeichen‘ des nestbautriebs als signal, das es losgeht, gehört. ich wär trotzdem nicht drauf gekommen, denn: in dem moment schien mir das die logischste und naheliegendste aufgabe, die anstand…ich, die ich sonst nie…ach egal). die sonne schien, ich telefonierte mit dem herzensmenschen um das abendessen (lasagne, vegetarisch) zu klären.

es war dienstag mittag. ich ging noch zur ‚geburtsvorbereitenden akupunktur‘ (ich habe ALLES mitgenommen, akupunktur, yoga, himbeerblättertee en masse und heublütendampfbäder oder umgekehrt). ich sagte der punktierenden hebamme: gib mir nen termin für nächste woche, ich glaub, das kind lässt sich zeit. ich unterhielt mich mit einer freundin (die damals noch keine freundin war), die ich im geburtsvorbereitungskurs kennen gelernt hatte (wir waren bei dieser geburtsvorbereitenden akupunktur immer mehrere frauen. wir saßen in einem kreis aus liegen, die hebamme vor unseren beinen und füßen, wie der zeiger einer uhr drehte sie sich unermüdlich im kreis…) . bei der freundin war es noch ne weile hin und wir frotzelten, wie die geburt wohl werden würde.

wieder zu hause legte ich mich auf die couch. seit dem mutterschutz bestand mein mittagsprogramm aus: halbschlaf bei zwei bei kallwas. die aufgabe: die lösung des falls, bevor kallwas selbe aus den nasen der klient_innen zog.

platsch. alles war nass. kein ‚huch, hab ich etwas pipi verloren‘, sondern: oh nein, wir müssen eine neue couch kaufen!-nass. schockstarre. beim thema ‚blasensprung‘ im geburtsvorbereitungskurs hatte ich nicht so richtig hingehört und ich brauchte 10minuten um abzuwägen, ob ich erst den mann oder erst die hebamme anrufen sollte. schließlich war ich sicher, dass die hebamme in diesem fall die kompetentere ansprechpartnerin war. ein hoch auf eine beleghebamme! sie kam dann auch zeitnah, untersuchte mich und wir verabredeten uns – sofern nichts weiter passiert – für den nächsten morgen in der entbindungsklinik. dann rief ich doch den mann an um ihm zu sagen, dass das mit der lasagne doch nichts wird. er war grad beschäftigt und wirkte etwas genervt, nicht weil ich doch nicht kochen würde, sondern weil er mein anliegen nicht verstand. „ja, komm heut früher nach hause, es hat keine eile, aber spätestens morgen bist du vater“. ich glaub, in dem moment hat er es immer noch nicht verstanden, er verstand aber, dass es mir ernst war und kam nach hause.

„willst du nicht deine eltern anrufen?“ fragte er mich, nachdem er seine eltern angerufen hat. neeee, hatte ich nicht vor, erst mal abwarten und gucken, was jetzt hier überhaupt passiert. überhaupt: ist da kein „nein ich möchte jetzt noch nicht“-schalter irgendwo??? der herzensmensch überredete mich dann doch noch, meine eltern zu informieren. „aber nicht, dass ihr jetzt alle zwei stunden anruft und wissen wollt, obs schon da ist?“ sagte ich mahnend zu ihnen. nein nein, statt dessen waren sie am nächsten morgen noch vor uns in der entbindungsklinik, ohne witz.

der abend verlief ruhig, so ruhig es eben laufen kann. ich überlegte noch, in die wanne zu gehen, war mir aber nicht sicher, ob das mit dem blasensprung jetzt ok ist, oder nicht und mir schien es auch zu spät, die hebamme deswegen noch anzurufen. wir schauten fernsehen, zwischendurch zog sich meine bauchdecke zusammen und gegen zwei uhr nachts fiel ich auch mal in einen unruhigen schlaf, zwischendurch immer mal wieder von wehen geweckt. der wecker klingelte und etwa zur gleichen zeit auch das telefon. meine eltern wollten wissen, wo wir sind, schließlich warteten sie schon seit ewigkeiten im krankenhaus…grmpf. wir hatten alles zusammengepackt und gingen los, der fußweg war keine 10minuten lang. ich überredete meine eltern, doch  noch irgendwo spazieren zu gehen oder egal was zu machen und wir fuhren auf die station. meine hebamme brachte mich aufs zimmer und ließ uns dann erst mal allein.

der herzensmensch und ich gingen über den flur, dann raus in den hof. ich ging hin und her, wir unterhielten uns, gesichter in der sonne. gegen elf (?) sagte ich dann: so, wir gehen jetzt hoch, so langsam tut sich was. richtige schmerzen hatte ich immer noch nicht, aber mein bauchgefühl (haha) sagte mir, sicher ist sicher. auf dem zimmer merkte ich, dass die wehen heftiger wurden, wenn eine kam, hielt ich mich an irgendwas fest und ging in die hocke. nicht viel später sagte ich dann: so, jetzt müssen wir rüber zum kreißsaal. eine andere hebamme machte uns auf und schloß mich an den wehenschreiber an. ich lag auf der seite und zerquetschte dem mann bei jeder wehe die hand. „muss ich so liegen?“ fragte ich die hebamme und sie nickte. ‚meine‘ hebamme kam und untersuchte mich. „sehr schön, der muttermund ist komplett auf, wir gehen rüber“ ich dachte, was ein spaziergang, ich dachte bis hierhin ist der anstrengendste teil, hat ja noch gar nicht richtig weh getan… „ich will in die waaaaaannnnnneeeee“ rief ich. aber irgendwas war mit den herztönen und es wurde doch der kreißsaal. (hier überspring ich mal und mach es kurz: zirkeltraining in allen geburtspositionen, wehentropf, einmal das köpfchen gespürt, irgendwie gehts trotzdem nicht weiter, op, kaiserschnitt). „einen sehr schönen blinddarm haben sie“ sagte der chirurg. doofer witz, vermutlich standard, dachte ich, aber ich war schmerzfrei und deshalb wieder gut drauf. „dann holen sie ihn doch gleich mit raus, wenn sie schon dabei sind!“ ich erinner mich noch sehr gut an die schönen blauen augen meiner anästhesistin, an die hand vom herzensmenschen und das erste geräusch von minime. ich behaupte immer noch, es war ein „hääääää?“ so als wollte er fragen: wo bin ich und wer seid ihr und ich will sofort zurück! der mann ging mit der hebamme mit und brachte mir dann minime.

so war das, vor zwei jahren. der mann erinnert sich an ganz andere sachen als ich, aber so werde ich es minime wohl später erzählen. und ein bisschen spiegelt die geburt auch seinen charakter wieder: erst stress und eile machen und dann rumtrödeln…

happy birthday nachträglich nochmal, minime!

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7 Comments

  • Reply Links vom 18.03.2013 19. März 2013 at 5:06

    […] ZWEI | glücklich scheitern@Dr_Indie zum zweiten Geburtstag mit der Geschichte der Geburt. Sehr gelungen geschrieben. Ich musste viel schmunzeln. […]

  • Reply homaschibusylizzie 19. März 2013 at 10:39

    Ich muss Dir mal ein großes Kompliment machen .. Du schreibst einfach wunderbar. Es macht einen Riesenspaß Deine Artikel zu lesen. Und … unsere Minimi ist jetzt 15 Monate und wenn ich an den Geburtstag denke, finden sich einige Parallelen. Wunderbar. Und … der Herzensmensch hier erinnert sich auch an ganz andere Dinge als ich selbst 🙂

  • Reply stümperhaft 19. März 2013 at 21:01

    Ein toller Beitrag! Ich darf in zwei Monaten den zweiten Mama-Geburtstag feiern und werde schon wehmütig, wenn ich daran denke.
    Bin ich eigentlich komisch, wenn ich zum einschlafen regelmäßig an die Geburt denke, weil ich so irre stolz darauf bin, so etwas vollbracht zu haben, die Schwangerschaft, die Wehen… Unsere Tochter wird Einzelkind bleiben, aber so eine Geburt würde ich gerne nochmal erleben..
    Herzliche Glückwünsche an euch und viele Grüße, Wiebke

  • Reply evakarel 23. März 2013 at 22:23

    Alles Liebe für Minime’s drittes Jahr!

  • Reply alsmenschverkleidet 24. März 2013 at 9:33

    Liebe glücklich scheitern, hallo Minime…2 Jahre (!!!11) gerockt, allerherzlichsten Glückwunsch !!! Ich hoffe, ihr habt es ordentlich krachen lassen und euch schön feiern lassen bzw.gefeiert…ein nachträgliches Winken aus Berlin nach Köln ! <3 !

  • Reply katze1810 26. Juli 2013 at 19:11

    Danke für diesen schönen Artikel – da kommen eigene Erinnerungen hoch (;

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