Familie

Dä hellje Zinter Mäetes, dat wor ne jode Mann…

Ihr Lieben, ich vermisse das Bloggen, aber seit ich selber hoste (also nicht mehr auf der Plattform wordpress – wohl aber mit wordpress, äh das ist dann für Fortgeschrittene) nerven mich regelmäßig technische Schwierigkeiten. Aber ich wollte euch nicht volljammern, sondern nach dieser so langen Blogpause einfach mal wieder ins Schreiben kommen. Das ist immer ein bisschen wie beim Sport, wenn man zu lange nicht mehr hingeht, ist die Hemmung wieder los zu legen erst mal wieder ganz hoch…

Also start ich mal mit einem bisschen Familienwochenende. Heute gab es in unserer Gemeinde einen Gottesdienst zu Sankt Martin, oder wie er hier in Köln heißt: Dä hellje Zinter Mäetes.

So langsam hab ich in meiner Familie den Eindruck, dass ich all diese Festlichkeiten mehr mag als der Rest von ihnen. Kind2 hatte mächtig Respekt vor dem Pferd, das zum Einsingen im Hof rund ritt (es gab keinen traditionellen Zug, das kommt wohl erst wenn die Kinder in der Schule sind) und anschließend Panik mit in die Kirche zu gehen. Also gingen der Mann und Kind2 wieder nach Hause. Meine Schwester habe ich noch überredet mitzukommen aber ich glaub so richtig anstecken konnte ich sie auch nicht.

Ich selber bin ja in Köln eine Immi. In Köln heißt das nicht Immigrantin, sondern Im(m)itantin – wenn so Zugezogene die kölsche Lebensart und Redeweise nachahmen klingt das für die Einheimischen wohl ziemlich gruselig.

Und so lernte ich auch spät erst das kölsche Liedgut – außerhalb der Karnevalslieder – kennen. Also, es folgt ein kölsches Sankt-Martins-Lied:

Dä hellje Zinter Mäetes

Dä hellje Zinter Mäetes dat wor ne jode Mann,
dä jov de Kinder Käzjer un stoch se selver an.
Butz butz wider butz; butz butz wider butz, dat wor ne jode Mann

Hier wohnt ein reicher Mann, der uns vieles geben kann.
Viel soll er geben, lang soll er leben, selig soll er sterben, das Himmelreich erwerben.
Lasst uns nicht so lange stehn, dann wir müssen weiter gehen, weiter gehen.

Im Gottesdienst wurden dann ein paar Weckmänner (=Stutenkerle) ver- und geteilt. Die Kinder hatten eine Menge Spaß auch wenn sich meins ausgerechnet den Gottesdienst für seinen plötzlich erwachten Bewegungsdrang aussuchte…

Vier Kinder wurden getauft, darunter ein kleines Mädchen aus einer Flüchtlingsfamilie. Es war wirklich winzig und ich fand es sehr rührend, dass die Familie in einer solchen Situation an dieses Ritual denkt.

Eine Tradition zur Taufe, die der Pfarrer dieser Gemeinde eingeführt hat, ist ebenfalls ein kleines kölsches Lied zu singen:

Kölsche Mädcher, kölsche Junge
sin dem Herrjott jot gelunge un
hä hät selver sich jesaht,
die häste fein parat jemaht*

*(Kölsche Mädchen, kölsche Jungen,
sind dem Herrgott gut gelungen und
er hat selber sich gesagt
die haste fein parat gemacht)

Von Sankt Martin zu Weihnachten

Ja, das nicht jede_r meiner Leser*innen Fan der Kirche ist versteh ich gut. Mein eigener Beziehungsstatus dazu ist kompliziert, wie es auf facebook hieße. Diese Gemeinde jedenfalls ist lebendig und der Pfarrer macht noch echte „Sozialarbeit“, engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und der Mann und ich machen seit zwei Jahren bei der Weihnachtswunsch-Aktion mit – Kindern aus armen Familien sollen Wünsche erfüllt werden, die ohne Unterstützung nicht möglich wären und ich mag besonders die Begründung von Pfarrer Mörtter:

Manch einer hat sich gewundert, dass teilweise so teure Wünsche erfüllt worden sind. Ein gutes gebrauchtes Klavier – Märklin-Eisenbahn, ein Sommerurlaub für Mutter und Kind … Eigentlich waren das unerfüllbare Traumwünsche. Die Kinder wissen das und träumen trotzdem davon. Das ganze Jahr über gibt’s kaum etwas, weil kein Geld da ist. Und was es gibt, ist second hand. Na und? fragt mancher. Und ich sage, dass da einfach auch Würde verloren geht, wenn das ausschließlich nur so ist. Kinder müssen erleben, dass sich auch unerfüllbare Traumwünsche manchmal erfüllen. Nur so entwickeln sie auch Visionsfähigkeit, was für die Zukunft eines Gemeinwesens wichtig ist.

Falls ihr noch nicht wisst wohin mit eurem Weihnachtsgeld oder einfach denkt: Jo, daran ist was dran, Kinder haben Träume und ab und zu muss man ihnen einfach einen erfüllen – dann bin ich so frei und schreibe Euch hier die Bankverbindung hin – für mehr Weihnachtswunder! Mitmachen geht bis zum 15.11., damit das Christkind noch Zeit genug hat, die Geschenke zu organisieren 🙂

Ev. Gemeinde Köln
IBAN: DE49 3705 0198 0007 7020 12
BIC: COLSDE33
Stichwort/Betreff (WICHTIG!):Weihnachtswunsch Lutherkirche

Auch wenn ich nicht mitbekommen werde, wer und ob überhaupt ihr mitmacht, ich danke von Herzen!

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