Feminismus

Das Zweifarbenspektrum

Ich wollte Minimes Geschlecht vor der Geburt nicht wissen. Allein diese Tatsache führte u.a. zu zwei Beobachtungen:

1. Ein Fötus ohne Geschlecht ist kein Mensch

Oder andersrum: Erst mit der Bezeichnung ‚Mädchen‘ oder ‚Junge‘ wird es einer. So schloss ich aus einigen Reaktionen. Da war zuerst Minimes Paps. Er meinte, es wäre zu abstrakt, dass da was in meinem Bauch ist. Ehrlich gesagt, für mich wär es mit Geschlecht nicht weniger abstrakt gewesen. Ich mein‘, da bewegt sich plötzlich was in meinem Bauch und das soll ein kleiner Mensch sein – freaky genug, das wird nicht weniger dadurch, dass es das eine oder andere ist (davon mal abgesehen, dass Uneindeutigkeiten in der Imagination nicht vor kommen – „ist es ein Mädchen, Junge, oder was dazwischen?“)

2. Freund_innen und Verwandte können sich dadurch echt angepisst fühlen:

In welcher Farbe sollen sie denn dann Sachen kaufen – basteln – stricken – häkeln??? Babyblau und Babyrosa sind von meiner Seite eh verboten. Und seit wann gibt es nur diese zwei Farben? Zugegeben, bei unseren ersten Besuchen im ‚Babyfachgeschäft‘ sah ich die Problematik ein wenig. Da scheint es tatsächlich nur zwei Farben zu geben. Und Bärchen. Und Blümchen. Und sonst nur weiß, beige oder hellgrün. Wenn es nach Minimes Paps gegangen wäre, hätten wir eh alles in schwarz gekauft. Ist ja auch ganz findig von der Babysachenherstellerindustrie. Wird das erste Kind ein Junge, wird alles in babyblau gekauft, folgt als nächstes ein Mädchen hat man ja wieder Grund, alles noch mal, diesmal in rosa, zu kaufen.

3. Auch danach wird es nicht besser

Neulich auf dem Kinderflohmarkt stand ich vor einem süßen Zweiteiler. Dunkelgrüner, flauschiger Stoff, an Kragen und Füßen mit rosa Blümchen verziert. Ich ertappte mich selbst, wie ich vor mich hin sinnierte, ob man das Minime anziehen könnte, woraufhin die Verkäuferin und meine Begleitung den Kopf schüttelten. Das sei für Mädchen. Gekauft hab ich es trotzdem.

-> Einsicht: Diese Trennung der Babysachen in Mädchen/Junge dient doch am wenigsten dem Mädchen oder Jungen. Ich bezweifle das Minime in seinem Babyköpfchen Kommentare zu seinem Outfit abgibt.

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5 Comments

  • Reply Fleurie 11. Mai 2011 at 14:53

    ganz sicher ist dem baby das egal
    ich freu mich immer wenn ich ein baby sehe, dessen kleidung nicht gleich ruft „ICH BIN EINE PRINZESSIN“ oder ähnliches
    wen interessiert das geschlecht? ich achte auch in letzter zeit darauf, gar nicht erst danach zu fragen
    irgendwann erwähnen die eltern das oder man hörts am namen, aber die frage „mädchen oder junge“ gleich zu anfang macht für mich keinen sinn
    naja aber wie auch immer, hauptsache man denkt nicht ständig drüber nach, dass das blümchen da jetzt aber die leute fehl leiten könnte und nachher alle denken, es sei ein mädchen, das arme kind…
    denn mädchen sein wär ja auch furchtbar

  • Reply stilhäschen 13. Mai 2011 at 20:07

    Ich hatte ja geschworen, daß mir rosa nicht ins Haus kommt und hab‘ Basare abgegrast nach neutralen Klamotten. Um’s kurz zu machen: ich hab‘ schon nach ein paar Monaten aufgegeben. Ich spar‘ mir die Nerven für anderes.
    (Unsere Rakete wird übrigens dauernd für einen Jungen gehalten. Sogar im Schwimmbad – ohne Windel. Noch Fragen?)

  • Reply podruga 18. Juni 2011 at 12:13

    ich seh hier nette parallelen, nicht nur, was die babyfarben betrifft.
    mein kleines mädchen wird häufig als junge gehandelt, und ich korrigiere nicht einmal mehr. „ach ich dachte, wegen dem blau und den streifen…“

    • Reply gluecklichscheitern 18. Juni 2011 at 14:09

      inzwischen bin ich da auch etwas gelassener geworden. und glücklicherweise gibt es doch genug anziehsachen in schwarz 😉

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