Familie

Kurioses am Vormittag

Als abgeklärte Zweifachmama dachte ich inzwischen, ich hätt schon alles erlebt. Wollte ich zu Minimes BabyZeiten Leute, die sein Füßchen ohne Vorwarnung streichelten oder ihn sonstwie anfassten noch am liebsten mit ranziger Flaschenmilch begießen, lächele ich bei Cashew nachsichtig. Dieser verklärte Blick, den oft ältere Frauen haben – ich lächele glückselig zurück. Im Supermarkt an der Kasse lasse ich 10 Leute vorbei – schließlich bin ich mal ohne Kinder unterwegs, was ich einer gehetzt wirkenden Dame erkläre, die schon nicht mehr hoffte, auch noch vorbeigelassen zu werden. „Aaaach, ich erinnere mich… (ihre Augen werden glasig). Wissen Sie, der jüngste ist grade ausgezogen. Also vor drei Jahren. Erst jetzt kann ich sein Zimmer wieder betreten…“ Ich klopfe ihr aufmunternd auf die Schulter. Ich verstehe sie, schon 18 Jahre bevor frühestens Cashew auszieht.

Ehrlich, ich bin total Zen, wenn mir andere Leute ungefragt ihre Familiengeschichte erzählen, kleine Kinder auf dem Spielplatz mit ihren Schokofingern in Cashews Gesicht Kreise malen und überhaupt. Teflon.

Heute vormittag verließ ich den Waschsalon. So ein Speikind produziert einen riesen Berg Handtücher und Bettwäsche, da kamen zwei Wäscherecks nicht hinterher. Eine gehäufte IKEA-Tüte voll frisch gewaschenem und -getrocknetem Zeugs fuhr ich im Kinderwagen über den Bürgersteig, den kleinen 10KiloZwerg vor mir im Tragetuch, der Rücken knirschte fröhlich bei jedem Schritt. Ein älterer Herr, so Ü60 schritt mir entgegen, hob die Hand und  machte mit Daumen und Zeigefinger ein O und rief:

„DER SCHÖNSTE JOB IM LEBEN EINER FRAU!“

Menno, was würde ich gern die Zeit zurückdrehen, um meinem sprachlosen Ich zuzuflüstern: „Frag ihn, woher er das weiß. Aus eigener Erfahrung?“

Warum hab ich ihn nicht auf dem Hinweg getroffen, denk ich mir, als die Wäsche noch voll ranziger Milch triefte.

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9 Comments

  • Reply Katja Grach (@krachbumm_com) 22. Oktober 2014 at 20:13

    dabei muss ich sofort an das Meme denken, wo Batman Robin eine runterhaut 😉

  • Reply gedankenpotpourri 22. Oktober 2014 at 20:48

    Ganz wunderbar geschrieben!

  • Reply Mara 22. Oktober 2014 at 20:54

    Herrlich, es gibt ja nichts, was es nicht gibt.
    Hat er das ernst gemeint?
    Oha.

  • Reply Katrin 22. Oktober 2014 at 21:09

    Hahaha, super!!!

  • Reply mamaanotes 22. Oktober 2014 at 21:23

    Super geschrieben.
    Türlich meint der sowas ernst. Und in übersetzt heißt das: „Da, wo Du hingehörst. Mit den Kindern und der Wäsche unterwegs nach Hause.“ Mir fällt dann auch nix mehr ein. Weiteratmen 🙂

  • Reply kiddothekid 23. Oktober 2014 at 9:31

    Hach ja. Die elder white men. Wir neulich so unterwegs, Kiddo beim Mann in der Trage. Älterer Herr checkt uns schon aus 10 Metern Entfernung ab. Man sah ihm förmlich an, dass der jetzt was ganz Wichtiges sagen möchte. Tat er dann auch, nämlich zum Mann: „Sie, sagen Sie mal, wollen Sie das nicht Ihrer Frau überlassen? Ich habe ja unsere Söhne nie herumgetragen! Die waren immer bei meiner Frau auf dem Arm.“ sprachs und schaute ernst zum Mann. Der Mann nickte gedankenvoll, sagte „Die Glückliche.“ griff meine Hand und schritt zügig von dannen.

  • Reply Wunderwaldverlag 31. Oktober 2014 at 21:17

    Hat dies auf Wunderwaldverlag rebloggt und kommentierte:
    Yesssss! Ich erinnere mich an solche Momente, als wäre es erst gestern gewesen. (Und solche Männer bringen mich auch heute noch auf die Palme – Männer, die sich zwar nie um ihre Kinder gekümmert haben, aber genau wissen, was gut für Frauen ist; zum Glück gehören sie zur aussterbenden Rasse).

  • Reply Maria Potthoff 25. November 2014 at 10:07

    Super geschrieben, sowas kann nur eine Mutter nachempfinden 😉 Danke für die Erheiterung an einem stressigen Morgen.
    Viele Grüße aus Vals Südtirol!

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