Familie

Rückblick I: Schwangerschaft

irgendwie schon wieder ganz weit weg…ich weiß noch, wie ich dachte – schwanger? nö, das müsste ich doch merken! so intuitiv und so. im nachhinein war der einzige verdachtsmoment der nachmittag in der bibliothek, als ich um vier die bücher vom tisch schob und meinen kopf auf die arme legte. und schlief. aber hey, das semester war anstrengend, der text den ich gelesen habe echt trocken und vier uhr war ja noch nie meine zeit.

jedenfalls machte ich dann doch irgendwann einen test, tja und auch da: schwanger? viel zu abstrakt, der gedanke. warum fühlte ich dann nix? klar, verwirrt war ich, aufgeregt. aber schwanger – das hab ich mir anders vorgestellt.

ich hatte eine tolle schwangerschaft, muss ich so sagen. gekotzt hab ich nur einmal, da wusste ich noch nix von minime und hab mir von den arbeitskollegen des mannes einen liter weißwein-cola andrehen lassen. und da hab ich auch nichts anderes verdient, als die kloschüssel zu umarmen. weißwein-cola. nun, minime hat es offensichtlich nicht geschadet. oder der schaden stellt sich erst später raus.

was sich – im nachhinein – tatsächlich verändert hat, und das mag in der situation etwas makaber klingen: meine persönliche sicht zum thema abtreibung. also theoretisch war ich schon immer für das recht auf abtreibung. aber bevor ich selbst schwanger war, konnte ich mir nicht vorstellen, das man das kann. also vom ‚gefühl‘ her. weil ich eben immer dachte, das wäre so ein besonderer seinszustand, schwanger sein. aber nachdem ich minime das erste mal bewusst in der 18. woche oder so spürte und vorher zwar wusste, dass ich schwanger bin, mich aber nicht schwanger fühlte (nur müde, oh diese müdigkeit) seh ich das jetzt anders.

das einzige, was mir trotz der schönen schwangerschaft auf den geist ging: der spruch ‚du bist schwanger und nicht krank‘. glücklicherweise nicht so oft gehört. stimmt ja auch. aber schwangerschaft fühlt sich halt für jede anders an. und manche momente kommen dem krank-gefühl sehr ähnlich. ich meine, niemand kotzt für spaß, hält sodbrennen für vergnügen oder rückenschmerzen für die krönung. und auch die dauermüdigkeit führt nicht dazu, dass man körperliche oder geistige höchstleistungen vollbringt. wenn man mir in der situation sagt, ich wirke nicht mehr so engagiert bei der sache, versuche ich einfach nur, die augen aufzuhalten und nicht im sitzen einzuschlafen…

geglückt: die schwangerschaft zu genießen. die schwangerschaftsvorsorge hauptsächlich von tollen hebammen machen zu lassen und die auch noch als beleghebamme zu haben.

gescheitert: einfach ’nur‘ schwanger zu sein, und nicht öffentliches gut. es nie geschafft zu haben, auf parties auch mal auf den freund zu verweisen. der ja auch die antworten auf die fragen wusste, die mir meistens gestellt wurden.

überschätzt: umstandsmode. und angst. wenn mir vorher jemand sagte, sie sei schwanger dachte ich irgendwie immer, ‚ach gott, die arme‘. nicht weil sie jetzt ein kind bekommt, sondern weil ich dachte, oh je, was da alles schief gehen kann, die macht sich jetzt bestimmt die ganze zeit sorgen. und ich dachte, das würde ich dann auch tun. mich dauernd fragen, ob alles in ordnung ist. aber irgendwie war die angst dann einfach weg. ich war in dem moment buchstäblich ‚guter hoffnung‘.

unterschätzt: die müdigkeit. in den semesterferien habe ich mich, wenn es ging, zwei mal täglich noch für ein stündchen hingelegt. zusätzlich zu den acht bis zehn stunden nachtschlaf. und das nicht nur in den ersten drei monaten. und die spießigkeit der familiengründung. nicht in unserem falle, sondern reflektiert in der ratgeberliteratur. vater, mutter, kind. da war es schon progressiv, wenn vater und mutter nicht verheiratet waren. alleinerziehenden gedachte man nur am rande. und den kombinationen vater – vater, mutter – mutter selbstredend gar nicht.

würd ich im nachhinein was anders machen? eigentlich nicht. den mutterschutz hätte ich vielleicht auch mal im museum verbringen können und nicht nur vorm fernseher. und im winter hochschwanger sein ist auch doof. versuch eine da mal einen sitzplatz in der bahn angeboten zu bekommen…

gelesen: „Schön macht’s nicht, aber glücklich“ von Leonie Jakobs. hatte einige parallelen zu dem was ich so gefühlt und erlebt habe während der schwangerschaft. und zusammen mit dem mann „Achtung, Baby“ von Mittermeier. war sogar auch witzig.

meine momentaufnahmen zur schwangerschaft findet ihr noch in meinem alten blog, hier, hier und hier.

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3 Comments

  • Reply Nanny 1. Oktober 2011 at 0:26

    Du glaubst es nicht, ich hab mitten im Winter mehrfach einen Sitzplatz angeboten bekommen! Und auch genommen, versteht sich. Denn so, wie einem als Wal die Füße weh tun (und das, wo Wale doch gar keine Füße haben), muß man auch mal kleine Alltagsvorteile nutzen.

    • Reply glücklich scheitern 1. Oktober 2011 at 20:04

      du hast auch bestimmt im 10. monat noch figurbetonte kleidung getragen. oder warst fett ^^

  • Reply kraehenmutter 1. Oktober 2011 at 22:54

    oh ich habe ein mal einen sitzplatz angeboten bekommen, aber auch erst nach längerer, wirklich eingehender betrachtung.
    auch jetzt mit kind umgeschnallt öffnet mir kein busfahrer nochmal die tür wenn ich kurz vor knapp angewetzt komme, stürmen alle anderen fahrgäste schnellstmöglich ins abteil um sich auf vorhandenen sitzplätzen auszubreiten und wenn ich abends mit brüllendem kind noch irgendwo an der kasse stehe, bekomme ich nur entnervte gesichter sowie pikiertes kopfschütteln zu sehen.

    ich bin in der schwangerschaft beim bezahlen an der kasse 3x hintereinander umgekippt – es hat sich wirklich KEIN SCHWEIN dafür interessiert. nachdem ich schnell draußen kotzen war, meinte der verkäufer am ende: „na, nun reichts aber.“

    keinen anstand mehr.
    oder jeder ist sich einfach selbst der nächste.
    am meisten solidarität haben noch andere mütter und ältere damen, aber sonst wird geschubst, gedrängelt, mit den augen gerollt..

    ..ja, irgendwie falsches thema geworden, aber jetzt stehts da und musste auch einfach mal raus. sorry.

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