Familie

Seitenwechsel

na liebe leser_innen, habt ihr mich vermisst? tja, was soll ich sagen – das leben als berufstätige mutter ist… anders. erstmal ist es super. aber es ist auch voll gepackt mit den sachen, die man machen muss, machen will und mal machen könnte, wenn der tag nicht schon um wäre.

wenn ihr unter der überschrift seitenwechsel jetzt genüssliche anekdoten erwartet, wie herrlich dämlich sich der mann anstellt, muss ich euch enttäuschen. erstens macht er’s wirklich super. zweitens hasse ich diese posts, in denen mamas sich über ihre tolpatschigen aber süßen männer amüsieren. nicht, dass ihr mich falsch versteht, im realen leben find ich es sehr angemessen, auch mal ausm nähkästchen zu plaudern. beim kaffeeklatsch mit freundinnen. aber bitte nicht in der virtuellen welt. ICH fänds nämlich auch sch***ße, wenn sich das väterchen über meine eskapaden ausließe. da muss man sich nicht nur sorgen um die männlichkeit der betroffenen männer machen, da geht einfach jede geschlechtlichkeit flöten, wenn man sowas über sich lesen muss, falls ihr versteht, was ich meine. es hat auch immer ein bisschen was von tiere suchen ein zu hause: mein mann pinkelt aufgrund der altersbedingten inkontinenz leider ab und zu aufs parkett, aber schaut ihn euch an, eigentlich ist er sehr liebenswürdig, wenn er in den richtigen händen ist. oder auf muttideutsch: mein mann ist zwar zu doof dem kind zwei gleiche socken anzuziehen aber süß isser, oder? ach, aber gut jetzt.

ich liebe meine arbeit, aber die tätigkeit neigt ein wenig zu entgrenzung. wer studiert oder promoviert kennt vielleicht das gefühl: das müsste man auch noch lesen, hierüber was recherchieren undundund. sowas wie feierabend ist schwer vorstellbar, wenn man sich selber die zeit einteilen muss oder grenzen setzen: so, dass lese ich nicht mehr, mut zur lücke. mit kind muss man das einfach lernen. denn da sind keine abende oder wochenenden mehr, an denen man noch mal was lesen oder schreiben kann. auch meine bezahlte tätigkeit geh ich etwas fokussierter an. kein ‚die email schreib ich später zu hause in ruhe und den anruf erledige ich morgen von zu hause‘ – mehr. alles was getan werden muss wird sofort getan. nicht, dass ich jetzt die perfekte angestellte wäre, denn arbeitgeber wollen diese haltung ja immer, gibt’s aber nur noch wochentagsüber. meine to-do-listen halte ich absichtlich kurz. das wichtigste zuerst, alles andere ist kür. soviel zum arbeitsleben.

minime macht sich prächtig. dieses lachen mit händen und füßen, wenn ich nach hause komme, ist gold wert. ich muss allerdings auch gestehen: danach ist papa interessanter. das begeisterte kind ist also auch kein dauerzustand. und ich stelle mit erschrecken fest, dass ich verständnis für den mann entwickle, also als er noch arbeiten war:

– wie ich, wenn ich nicht ins büro muss, hatte er morgens immer gleitzeit. also kein totaler stress morgens. da hab ich mich manchmal geärgert, dass er nicht das morgensfläschchen oder -wickeln übernommen hat. jetzt weiß ich es: erstens will man auch trotz gleitzeit nicht allzuspät los – dann muss man ja auch länger weg sein. und zweitens hat man morgens genug damit zu tun, sich selbst zu sortieren. aber: die erste windel morgens mach jetzt meistens ich. weil ich weiß, wie toll es ist noch zehn minuten länger liegen zu bleiben. (und das kind morgens echt müffelt, da macht das unter einer decke kuscheln keinen spaß, glaubt mir).

– die totale frechheit fand ich, wenn der mann sagte, wie müde er sei. wie bitte, wer war denn die halbe nacht wach??? und auch, wenn es jetzt mit den nächten besser ist möchte ich grad nicht tauschen und die nachtschichten übernehmen. ABER ich weiß wieder, wie müde man nach einem arbeitstag sein kann. weil der kopf dauernd rotiert. meist schlaf ich gegen zehn auf der couch ein. jetzt kann ichs ja 😉

fazit: so ein wechsel in der elternzeit ist super. der mann weiß, dass man nach der arbeit, dem nachhausekommen und erstmal kind übernehmen nicht auch noch die wäsche aufhängen möchte oder die spülmaschine ausräumen. und macht es deshalb kommentarlos selber. ich weiß, wie ich jede minimefreie minute geschätzt habe und übernehme ab und an das morgenswindeln und jede nacht, auf die ich verzichten kann.

lustige nebeneffekte: ich muss das kind manchmal regelrecht dem mann ausm arm nehmen. damit ich auch noch ein bisschen was von dem kleinen habe. die zeit vergeht ja so schnell!

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3 Comments

  • Reply Adele 2. November 2011 at 8:41

    Ich finde diese Bemerkungen a la „mein mann ist zwar zu doof dem kind zwei gleiche socken anzuziehen aber süß isser, oder?“ weniger deshalb vollkommen daneben, weil ich nicht will, dass er genauso über mich redet, sondern vor allem deshalb, weil sie sehr schön enttarnen, wie wenig es dabei ums Kind und wie sehr es dabei um die Befindlichkeiten der Mutter geht.
    Dem Kind ist es herzlich egal, ob es 2 gleiche Socken anhat, solange die Füße warm sind. Was sagt also die Fähigkeit, dem Kind 2 gleiche Socken anzuziehen über die Vaterkompetenzen aus? Nichts!!!
    Der Mann zieht dem Kind vielleicht nicht 2 gleiche Socken an, dafür kann er aber ein Bison aus Lego Duplo bauen, wozu mir leider jegliche Phantasie fehlt. Frag mal das Kind, was wichtiger ist…
    Und ansonsten:
    http://maedchenmannschaft.net/kompetente-vaeter/

    • Reply glücklich scheitern 2. November 2011 at 10:04

      stimmt, für manche mütter scheint dass ja ihre existenz zu rechtfertigen, dass sie das ein oder andere besser können als ‚der vater‘. dabei erlebe ich grade selber, wie sehr manche (un)fähigkeiten schlicht auch darauf beruhen, wieviel zeit man mit dem kind verbingt. inzwischen hör ich nicht mal mehr heraus, ob das nörgeln ein hunger- oder langeweile-nörgeln ist und ein bisschen schade find ich das schon. toll sind auch die fragen, wenn ich allein auf einer party auftauche (die ja auch in den kommentaren deines posts vorgetragen werden), wobei ich die nicht als erschrocken oder vorwurfsvoll erlebe, sondern schlichtweg überrascht: „und wo ist jetzt der kleine?“ genau, bei seinem vater, der heute dann leider nicht ausgehen kann…

      • Reply working mum 2. November 2011 at 11:26

        hallo wiedermal, das kenn ich auch sehr gut mit den fragen beim ausgehen oder auf partys (aber auch auf der uni und in der arbeit) –
        – ja wer passt den auf den kleinen auf?
        – ja der papa halt – wer sonst? der kann das ja genau so gut wie die mama. ist doch ganz normal, oder?

        wird aber meist leider nicht als normal angesehen – auch nicht von vermeintlich ach so „toleranten, gebildeten und offenen“ leuten. aber ich denk mir mal je mehr menschen, so wie wir eine 50-50 aufteilung bei der kindererziehung und -betreuung leben desto mehr kinder werden auch von der „normalität“ dieser aufteilung mitbekommen und profitieren – für die zukunft. also weiter so und wiedermal danke für den netten beitrag.

        lg von der working mum

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