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„Anstrengung ist kein Maßstab“

wenn du mal mehr kommentare haben willst, dann schreib was zu reproduktion und arbeit…so die zusammenfassung der kommentare unter dem arbeits-post. da wird das halten von hunden mit der erziehung von kindern verglichen (haben die auch einen drei-stunden-rhythmus?), und: hey, kinderlose machen ja auch den haushalt! und die dreifachmutter findet es bestenfalls „süß“…überhaupt, warum jammern, man weiß doch vorher, was auf einen zukommt (ja, ist das so?). ich frag mich, wo habe ich denn ‚gejammert‘? weil ich einfach mal beschrieben habe, wie der kinderalltag so aussieht?

wenn ich einen (lohn-)arbeitstag beschriebe und aufzählte, was ich da mache, einfach so, würd ja auch keiner sagen „hör auf zu jammern“. insgesamt haben die kommentare deutlich gezeigt, dass „arbeit“ genau so verstanden wird, wie ich es als störend empfinde: als anstrengend, mühselig und und und. ich will gar keinen stundenlohn für die zeit, die ich mit minime verbringe. mir muss auch frau schröder nicht auf die schulter klopfen. nur sendet die politik ständig widersprüchliche signale aus: wie bestimmte formen von (re)produktivität bewertet und anerkannt werden.

und welche paradoxien es auch plötzlich gibt: mal ist die karriere ’selbstverwirklichung‘, mal das kinder bekommen (gerne auch unter dem synonym ‚privatsache‘). wenn es um bezahlung geht, ist kinder kriegen wieder reine privatsache, gleichzeitig freut sich der staat über zukünftige steuerzahler_innen und rentenunterstützer_innen. plus etliche andere widersprüche…

cloudette hat das auch noch mal sehr schön zusammengefasst:

Was ich mir für die Diskussion um Familienarbeit & Wertschätzung wünsche: dass diese Be- und Abwertung anderer Lebensmodelle, dieses ewige herablassende Vergleichen endlich mal aufhört. Reproduktive Arbeit ist Arbeit, egal wie anstrengend oder locker das der_die Einzelne empfindet. Anstrengung ist kein Maßstab!

den letzten satz lasse man sich bitte auf der zunge zergehen. ob ich die zeit, die ich mit (reproduktions-)arbeit verbringe, mit minime, mit haushalt, genieße oder nicht – kein maßstab!

Und abschließen möchte ich mit dem, was feministmum in die kommentare unter ihrem eigenen beitrag geschrieben hat:

4. Ich finde es schade, dass bei Texten zu diesem Thema in den Kommentaren (ausnahmslos?) folgende Argumente vertreten sind: „jammere nicht, du hast es dir ja selbst ausgesucht, jetzt musst du es auch ausbaden“, „andere Menschen haben es auch schwer“, oder dieses „also mich strengen meine Kinder nicht an“. Damit möchte ich mich nicht auseinandersetzen, weil es beliebig ist (also auch in allen anderen Zusammenhängen vorgebracht werden kann und auch wird) und weil es mich nicht weiterbringt. Mein Blog soll zudem kein Ort für “Mütterbashing” werden.
5. Die Forderung nach (staatlich) bezahlter Reproduktionsarbeit ist eine lang vorgebrachte Forderung (auch) von Teilen der feministischen Bewegung und auch immer wieder mal von konservativer Seite. Ich habe sie in meinem Text nicht explizit vorgebracht, einige Kommentatorinnen haben mich aber offenbar so interpretiert. Ich habe keine Lösung dafür. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld hat hier (in Österreich) etwas Abhilfe geschaffen würde ich sagen, ist aber natürlich auch nur eine Seite der Medaille, wenn es dann nicht ausreichend Krippenplätze gibt. Ich finde es einfach unglaublich wichtig, über den gesellschaftlich vorherrschenden Arbeitsbegriff zu diskutieren. Dabei stellt sich mir die Frage, ob ich mit meinem Text auch in so einen Mechanismus wie “ich schildere es als möglichst anstrengend, damit alle mir glauben, dass es Arbeit ist” getappt bin. Das war eigentlich nicht mein Ziel, oder ich habe mir zu wenig Gedanken darüber gemacht.
Also: Was ist Arbeit und was nicht? Darf Arbeit auch Spaß machen und gern getan werden? Oder sprechen wir dann nicht von Arbeit? Welche Arbeit wird bezahlt, welche nicht? Wie kann die jetzt unbezahlt geleistete Arbeit zwischen den Geschlechtern umverteilt werden? Wenn Männer und Frauen zu gleichen Teilen unbezahlte Arbeit leisten würden, erschiene mir die Frage nach der Bezahlung von Reproduktionsarbeit nicht mehr so zentral, aber auch nicht automatisch obsolet.
Bei aller Kritik die daran geübt werden kann, der Wert den eine Arbeit hat, wird in unserer Gesellschaft monetär ausgedrückt. Geld schafft zudem Unabhängigkeit und Anerkennung.

so, jetzt befrei ich mich von all der lohn- und reproduktionsarbeit (ach ne, erholung ist doch auch reproduktionsarbeit, oder?) und geh mit ner anderen mutti was trinken. schönes wochenende!

Familie

JEIN zu flexiblen Arbeitszeiten

neulich gab eine umfrage an, dass ‚mütter‘ sich flexible(re) arbeitszeiten wünschen. ich sage – JEIN. also, wenn die sich das gewünscht haben, dann ist das wohl so. aber ich glaube nicht, dass das nur vorteile bringt.

1. ‚flexibel‘ heisst in der realität meist leider nicht, dass ICH aussuchen darf, wann ich arbeite, sondern dass der ARBEITGEBER entscheidet, wann ich zu arbeiten habe. oder zumindest ständig neu vereinbart werden muss, wann wer im büro zu sein hat.

2. flexibel bei vollzeitarbeit kann ja nur sowas wie gleitzeit oder ‚lebenszeitkonten‘ heißen. na gut. aber die meisten mütter arbeiten ja teilzeit. und wenn man nicht stempeln kann, ist es meist schwer genug, seine arbeitszeiten überhaupt nachzuweisen. besonders, wenn doch noch so viel arbeit unerledigt rum liegt.

3. grade bei hochqualifzierten tätigkeiten im wissens- oder dienstleistungsbereich heißt ‚flexibel‘ auch – ich passe mich der kundin an. projektarbeit, deadlines undundund. da kann ich vielleicht sagen, ich muss mal grade weg, das kind holen, aber dann muss ich die arbeit später erledigen. zum beispiel nachts.

4. und flexibel heißt auch oft – im zweifelsfall zur stelle, wenn an der kinderfront was los ist. jedenfalls wenn der partner die volle stelle mit präsenzpflicht hat. dann sitzt man mit dem weinerlichen kind zu hause und versucht am rechner noch ein paar emails zu schreiben.

mein fazit: wenn die rahmenbedingungen stimmen kann ‚flexible arbeitszeit‘ das leben erleichtern. dafür braucht es aber einen job, der inhaltlich so ausgelegt ist, dass es egal ist, wann man arbeitet (z.B. keine deadlines, projektarbeit…), dass man idealerweise zeiterfassung hat und nicht in teams arbeitet, die arbeitsteilig funktionieren.

meine erfahrung zeigt jedoch, dass flexible arbeitszeiten rechtfertigung und organisation an allen erdenklichen stellen erfordern: vor der arbeitgeberin rechtfertigen, warum man jetzt nicht arbeitet und dass man sehr wohl das soll erledigt hat, vor dem partner rechtfertigen, dass man jetzt aber mal zeit für die eigene arbeit benötigt, vor dem kind rechtfertigen, dass man sich jetzt grade mal mit anderen dingen beschäftigt… dann lieber 5 std. täglich im büro und das drumherum organisieren.

Wie sind eure erfahrungen mit flexiblen arbeitszeiten? auch an leuteohnekind?

Familie

JEIN zu flexiblen Arbeitszeiten

neulich gab eine umfrage an, dass ‚mütter‘ sich flexible(re) arbeitszeiten wünschen. ich sage – JEIN. also, wenn die sich das gewünscht haben, dann ist das wohl so. aber ich glaube nicht, dass das nur vorteile bringt.

1. ‚flexibel‘ heisst in der realität meist leider nicht, dass ICH aussuchen darf, wann ich arbeite, sondern dass der ARBEITGEBER entscheidet, wann ich zu arbeiten habe. oder zumindest ständig neu vereinbart werden muss, wann wer im büro zu sein hat.

2. flexibel bei vollzeitarbeit kann ja nur sowas wie gleitzeit oder ‚lebenszeitkonten‘ heißen. na gut. aber die meisten mütter arbeiten ja teilzeit. und wenn man nicht stempeln kann, ist es meist schwer genug, seine arbeitszeiten überhaupt nachzuweisen. besonders, wenn doch noch so viel arbeit unerledigt rum liegt.

3. grade bei hochqualifzierten tätigkeiten im wissens- oder dienstleistungsbereich heißt ‚flexibel‘ auch – ich passe mich der kundin an. projektarbeit, deadlines undundund. da kann ich vielleicht sagen, ich muss mal grade weg, das kind holen, aber dann muss ich die arbeit später erledigen. zum beispiel nachts.

4. und flexibel heißt auch oft – im zweifelsfall zur stelle, wenn an der kinderfront was los ist. jedenfalls wenn der partner die volle stelle mit präsenzpflicht hat. dann sitzt man mit dem weinerlichen kind zu hause und versucht am rechner noch ein paar emails zu schreiben.

mein fazit: wenn die rahmenbedingungen stimmen kann ‚flexible arbeitszeit‘ das leben erleichtern. dafür braucht es aber einen job, der inhaltlich so ausgelegt ist, dass es egal ist, wann man arbeitet (z.B. keine deadlines, projektarbeit…), dass man idealerweise zeiterfassung hat und nicht in teams arbeitet, die arbeitsteilig funktionieren.

meine erfahrung zeigt jedoch, dass flexible arbeitszeiten rechtfertigung und organisation an allen erdenklichen stellen erfordern: vor der arbeitgeberin rechtfertigen, warum man jetzt nicht arbeitet und dass man sehr wohl das soll erledigt hat, vor dem partner rechtfertigen, dass man jetzt aber mal zeit für die eigene arbeit benötigt, vor dem kind rechtfertigen, dass man sich jetzt grade mal mit anderen dingen beschäftigt… dann lieber 5 std. täglich im büro und das drumherum organisieren.

Wie sind eure erfahrungen mit flexiblen arbeitszeiten? auch an leuteohnekind?