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charlotte roche

Feminismus

Liebe Alice (semiöffentlicher Brief)

liebe alice,

eigentlich hasse ich dieses „alice hat ja viel für die frauenbewegung und den feminismus getan, aber…“. aber genau das hab ich gedacht, als ich deinen offenen brief an charlotte roche gelesen habe. ich gesteh vorweg: noch habe ich roches neues buch nicht gelesen. aber ebenso wie bei feuchtgebiete erwarte ich keine autobiographie. auch wenn es ’nah an ihrem leben dran‘ ist, hat roche sicher noch genug fantasie, ein bisschen hinzuzudichten, abzuwandeln, – spielen mit identitäten halt. diese trennung scheint dir nicht möglich – aber du kennst charlotte ja auch persönlich, ich nicht.

charlotte schreibt davon, wie es ist, in zeiten von post- oder popfeminismus, oder wie du es nennst, ‚wellnes-feminismus‘ zu leben und zu lieben. nun liebe alice, die fronten sind heutzutage halt nicht mehr eindeutig, nicht schwarz oder weiß, gut oder böse. die frau (und den mann), egal welcher generation, die ihrem partner/ ihrer partnerin nicht gefallen möchte, will ich sehn! und wo sex in unserer gesellschaft einen platz hat, der absurd öffentlich und doch so tabuisiert ist, schreibt sie halt – wenn auch nur, wie du selbst noch betonst, auf 12 seiten – wie absurde ausmaße das ganze annehmen kann. über die restlichen 264 seiten geht es also noch um andere dinge. und nur weil an dem, was charlotte schreibt, deiner meinung nach nix neu ist, heißt das ja nicht, dass es nicht immer noch, schon wieder, aktuell ist. mehr dazu, wenn ich das buch gelesen habe…aber alice, ‚jungen feministinnen‘ zu sagen, dass das, was sie sagen, schreiben und tun, nicht feministisch ist, ist bevormundend und rückschrittlich. und hilft in diesem fall nicht dir und deinem anliegen, sondern den verkaufszahlen von schoßgebete. „Denn du hast nicht die Lösung, du hast das Problem“,

mit freundlichen grüßen, melanie – die sich nach einem outing als feministin noch nie im wellnessbereich wieder gefunden hat.