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Fantastisches

Lieblinks im Mai:

Jucheee, ich habs mal wieder geschafft, ein paar der tollen Texte die ich so lese zusammen zu bringen. Damit ihr auch was zum Lesen habt:

Zum Muttertag machte die Aktion #muttertagswunsch Furore. Ausgelöst von Mama arbeitet, Mutterseelesonnig und Family unplugged. Den meisten Wünschen kann ich mich nur anschließen. Daniela von unvereinbarkeitsdebatte wünscht sich Kinder wieder in die Mitte der Gesellschaft:

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: ich bin dankbar über den Kindergottedienst in meiner evangelischen Kirchengemeinde, ich habe schon öfter gern das Eltern-Kind Abteil im Zug genutzt und meine Kinder lieben das Spielangebot in der besagten Möbelhauskette. (…) Wenn das aber irgendwann dazu führt, dass wir die gesellschaftliche Mitte komplett zur kinderfreien Zone machen und den Erwachsenen das Leben, das Kinder mit sich bringen, abgewöhnen, dann haben wir das Gegenteil von dem erreicht, was einst als Gedanke dahinter stand.

Die bezaubernde Mareice vom Kaiserinnenreich hat ein Buch geschrieben, über das Leben mit ihrer behinderten Tochter. Das Buch erscheint im November 2016, heißt Alles inklusive und steht jetzt schon auf meiner Bücherwunschliste für Weihnachten.

Es ist immer schön, wenn man sich nicht alleine über Schlagzeilen aufregen muss. Danke blogprinzessin, dass Du Dein gewähltes Lebensmodell nicht als Norm forderst, sondern auch andere verteidigst:

Was ich vor allem aus der Diskussion immer wieder raushöre, ist das Mütter sich doch bitte beruflich völlig aufgeben sollen damit die Kinder ja nicht in der Kita schlafen. Pilotinnen, Gehirnchirurginnen, Krankenschwestern und andere hochqualifizierte Frauen, sollen lieber Harz IV bekommen oder aber sich zu betreuungszeitenfreundlichen Jobs umschulen lassen, egal ob sie dabei kreuzunglücklich sind oder nicht.

Alu von großeköpfe hat ein Arschlochkind.

Auf Babykram & Kinderkacke gibt es wieder ausführliche Gedankenexegese und ich fühle so mit ihr (auch wenn ich nach ein paar Semestern Ethnologie tatsächlich Probleme mit der Darstellung/Idealisierung „indigener Völker“ habe, ganz besonders in Bezug auf Erziehung) :

Ich empfand (und empfinde) das Zusammensein mit meinen Kindern oft als anstrengend, das habe ich hier mehr als einmal beschrieben. Ich wollte aber von Anfang an nicht die Kinder dafür beschuldigen. „Ja, Elternsein ist anstrengend.“ Aber die Kinder dafür verantwortlich zu machen, fühlte sich trotzdem nicht richtig an. Also: Who’s to blame? Ich suchte in meiner Psyche, meiner Kindheit, meiner Persönlichkeit, meinem Temperament. Ich las Blogartikel, Bücher, schrieb in Foren, sprach mit Eltern, … Aber ich fand die Aspekte der Überforderung und der Anstrengung so selten in den Erzählungen und Beschreibungen anderer Eltern(blogs), erlebte das aber selbst alltäglich so. Das fütterte meine Schuldgefühle.

und gehe zumindest im Fazit mit, dass die Kleinfamilie „problematisch“ ist: „Wünschen tue ich mir eigentlich ein alternatives Lebensmodell. Ich habe die Stadt satt. Ich habe die Hektik satt. Gib mir 50 coole Leute mit Kindern, wir kaufen zusammen ein heruntergekommenes Haus (von welchem Geld auch immer), polieren das auf und leben zusammen, vielleicht auch teilweise als Selbstversorger. Ohne Waldorf-Hippie-Kram, ohne spirituellem Überbau und Firlefanz.“

In der ZEIT-Online fand ich einen Artikel über transidente Kinder:

„Bei Paul wurde es immer extremer, er mochte irgendwann nur noch mit den Mädchen spielen, gab sich ausschließlich weibliche Rollen“, sagt Kerstin Schneider. Sie akzeptierte Pauls Anderssein. Bis zu jenem Tag vor fünfeinhalb Jahren, an dem Paul besonders lang unter der Dusche stand. Als Kerstin Schneider ins Bad kam, versuchte ihr Kind, sich mit einem Plastikmesser den Penis abzuschneiden. Darunter, sagte Paul, müsse doch eine Scheide sein wie bei anderen Mädchen auch.“

Alles, was AufZehenspitzen schreibt ist gut. Ihr aktueller Text beschreibt etwas, was mich indirekt auch be-trifft, nämlich die Frage, wie eine Professionalisierung in der (Eltern-)Blogger*innenszene Normierungen schafft:

 Wichtige Stimmen über Mutterschaft und die damit verbundenen Diskriminierungen, Schieflagen, Herausforderungen und Kämpfe werden marginalisiert und bleiben ungehört – entweder weil sie nicht ausformuliert sind oder weil sie von der Masse überschattet werden.

Ab und an am Ende des Monats, wenn ich dran denke, möchte ich die Texte anderer Bloggerinnen würdigen. Sharing is Caring <3

Familie

ErziehungistdieHöllesinddieAnderen

Lange habe ich mir um Erziehung keine Gedanken gemacht. Ich war da pragmatisch: Ein bisschen Bauchgefühl und „so lang es funktioniert“ – das wird schon reichen. Ich hab keine Erziehungsratgeber gelesen und wenn, dann erschrocken zur Seite gelegt. Den Juul zum Beispiel. Drei oder sogar vier Bücher hatte ich zur Hand und bin der Meinung, man muss eigentlich nicht mal Feministin sein um sich zu fragen, welches Problem Juul mit Mädchen/Frauen/Müttern hat. Wenn ich mal Zeit ohne Ende habe lege ich Euch gern meine analysierten Textstellen aus seinen Büchern vor.

Im Studium habe ich ein paar „Klassiker“ gelesen und mich auch mit Jean Liedloff und co. beschäftigt (Continuum-Prinzip, sagt vielleicht einigen mehr). Aber auch da Skepsis, wie bei aller ethnologischer Forschung: Der durch eigene Erfahrungen und Sehnsüchte geprägte Blick aufs „Andere“ gelenkt, der Blick, der zu finden sucht, was er bei sich vermisst…  falls ihr versteht. Überhaupt diese Romantik gegenüber „Naturvölkern“ (darf man das überhaupt noch schreiben, auch wenns in Anführungszeichen ist?). Na ja.

Aber irgendwie haben sich im Alltag so viele unbefriedigende …Kommunikationsmuster? Verhaltensweisen? eingeschlichen, die ich selber nicht mehr ertragen habe. Das „Wenn Du nicht…dann…“ was mir gespiegelt mal besonders auffiel, als ich Minime im Kindergarten abholte und ihn in einer Situation traf, wo ein Mädchen zu ihm sagte „wenn Du  jetzt nicht mit mir spielst, lad ich Dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“. Puh, Treffer! Woher haben die Kids das denn, wenn nicht von ihren Eltern und anderen Erwachsenen? Wie sehe ich überhaupt meine Kinder? Diese beiden Wirbelwinde, die mein Leben so bereichern, mich glücklich machen und doch so fordern? Wie finde ich einen guten Weg zwischen ihren und meinen Bedürfnissen? Ich glaube, das ist der Kern meiner Frage und warum, will ich ein bisschen konkretisieren:

Am Donnerstag fuhr der Mann beruflich weg und kommt erst Mittwoch nachmittag/abend wieder. Ich selber arbeite grade mit 30 Stunden und mache seit Donnerstag morgen nichts anderes, als zu lohnarbeiten oder Kinder zu betreuen. Klar, Müttern brauch ich nicht sagen was das heißt. Sehr früh aufstehen, weil es schon mal zweieinhalb Stunden dauern kann, bis man zwei Kinder und sich so weit hat, dass man das Haus verlassen kann. Und meist habe ich danach das Bedürfnis nach dem ersten Schnaps. Dann kommt aber der Berufsverkehr und ein Job der…naja, an anderer Stelle vielleicht. Dann die Kinder an zwei verschiedenen Orten abholen, einkaufen, bei gutem Wetter auf den Spielplatz, die Kinder nach Hause bringen, baden, essen…. ihr kennt das Programm. Seit der Zeitumstellung ist hier vor 21Uhr/21Uhr30 keine Ruhe. Anschließend Wäsche aufhängen, Küche putzen, aufräumen. Denn: es ist ja sonst keine_r da der das übernimmt. Vor 22:30 sitze ich selten und dann lieg ich auch wieder im Bett. Neben zwei schnarchenden Kindern. So süß und trotzdem wäre ich gern mal wieder einfach allein. Und dann klingelt der Wecker wenige Stunden später und es geht von vorne los.

Da schleudert man gerne mal Sätze im Stakkatoton gegen die Kinder, mein aktueller Lieblingssatz war „darüber diskutier ich doch jetzt nicht!“ Himmel! Ja, ich habe in den letzten Wochen viel über alternative Wege nachgedacht. Von beziehungsorientiert bis zu unerzogen und gewaltfreier Kommunikation, Adultismus undundund. Aber soll ich Euch was sagen? Die meisten Texte die ich dazu fand klangen, als seien sie entweder von Robotern oder von Menschen mit Heiligenschein geschrieben worden!

So…perfekt, so lieblich, so frei von diesem Kurzschluss den ich manchmal in meinem Kopf herannahen sehe, wenn hier wieder alle was von mir wollen und ich nur meine Ruhe. Da frag ich mich, in welchen Zaubertrank die als Kinder gefallen sind! Man solle in solch stressigen aber doch wohl wirklich normalen Situationen – es sind halt Kinder! – einfach mal durchatmen.

ICH ATME SO SCHNELL DURCH DASS ICH HYPERVENTILIERE!

Ja, solche Texte sind für mich keine Hilfe, sie frustrieren mich noch mehr. Ist natürlich meine Schuld, denn die Texte sind hübsch zu lesen, klingen so einleuchtend und sooo leicht umzusetzen. In der Theorie.

Und dann ist Wochenende. Ich nehme mir vor, gaaaanz gelassen vorzugehen. Die Kinder wollen MausSesamstraßeSendungmitdemElefantenPeppaWutz gucken? Nehme ich gelassen. Die Musik-CD auf volle Pulle? Ich bitte höflich drum, etwas leiser zu machen da es mich stört. HAHA. Der Große möchte Süßigkeiten? Na gut, kommen die Kammelle von Karneval endlich weg. Beim Kleinen bahnt sich die Mittagsmüdigkeit an und ich versuche alles runterzufahren:

Kommt, wir legen uns ins Bett, gucken uns ein Buch an. Statt dessen wird das Bett zum Trampolin. Ich weise zum gefühlt 1000. Mal daraufhin, dass das Bett kein Trampolin ist, ich jetzt Ruhe brauche und wer nicht schlafen möchte, sich wenigstens mit einem Buch oder einer Flasche ruhig hinlegt. NAAAANANANAAAANA. Gut, dass haben die Kinder nicht gesungen, ich höre aber eine laute Stimme in meinem Kopf. Die Kinder machen weiter. ARRRRRGH. Ich brauche diese Mittagsruhe! ICH brauche sie. Ja, der Kleine eigentlich auch, sonst wird es spätestens ab 16 Uhr ungemütlich hier.

Kind2 klettert auf die Fensterbank und springt aufs Bett. Erster Ausraster meinerseits. Und wo ich schon mal dabei bin kann ich auch ein bisschen rumfluchen. Ich verlasse fluchtartig das Schlafzimmer, in die Küche. Ich brülle noch: „Ich brauch ne Auszeit!“ Tja, Kind1 kommt feixend hinterher, Kind2 weint, weil mein Verhalten ihn ängstigt. Tolle Wurst. Das hab ich super hingekriegt! Ich könnte jetzt weiter ins Detail gehen, aber ich glaube, das Prinzip ist klar? Ach ja: Nachdem ich den Gedanken mit dem Mittagsschlaf aufgegeben habe wollte ich rausgehen. Eine Freundin lud ein, das Wetter war schön und generell ist draußen und mit anderen (Erwachsenen) alles viel leichter zu ertragen. Tja, direkt nachdem ich sagte „Minime, zieh Dich bitte an, wir wollen raus“ fiel dem Kind, dass sich angeblich den ganzen Morgen langweilte ein, dass es jetzt unbedingt spielen müsste. (Als wir draußen waren, war alles super, aber die anderthalb Stunden bis wir so weit waren möchte ich hier nicht im Detail wieder geben).

Ist unerzogen jetzt gescheitert? Vielleicht. Vielleicht hab ichs nicht verstanden. Ganz sicher passen unsere aktuellen Rahmenbedingungen nicht dazu. Aber in meinem Kopf ist so vieles nicht mehr wie vorher, dass ich auch nicht mehr (ganz) zurück kann. Prinzipiell sehe ich meine Kinder nicht als Gegner oder Tyrannen. Ich sehe grade nur keine Luft für mich! Und ich sehe sie auch noch nicht als kooperierende Menschen auf Augenhöhe.

Es werden ja immer gerne diese Beispiele herangezogen a la: So würdest Du doch auch nicht mit Deinem Partner_in sprechen, wieso sprichst Du dann so mit Deinem Kind?“ Aber ganz ehrlich? Würde mein Partner mich anschreien würde ich bestimmt nicht so viel Geduld aufbringen, als wenn meine Kinder mich anschreien. Würde mein Partner mein Essen kommentieren mit: Das ist blödes Kackessen! dürfte er ab sofort ganz allein für sich kochen. Ich rede mit meinem Partner anders, weil er sich anders verhält als meine Kinder.  Man kann doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen? Kinder müssen doch auch Kinder sein dürfen und nicht Erwachsene? Wo ist dieser Grat?

Nachdem ich diesen Text anfing zu schreiben, flog mir ein anderer in die Timeline, in der eine „unerzogen-Mutter“ darüber schreibt, dass sie eben weder Roboter noch Engel ist. Und ich hoffe, dass es mehr solcher Texte geben wird. Und habe auf twitter schon mal rumgefragt nach anderen unerzogenen, ob sie mir Rede und Antwort stehen wollen, bei meinen ganz konkreten Fragen zu ihrem Alltag. Wie man mit Geschwisterstreit umgeht, mit verschiedenen Bedürfnissen der Familienmitglieder und dem Gefühl das man kriegt, wenn man die einzige Mutter auf dem Spielplatz ist, deren Kinder barfuß laufen und Schokolade essen dürfen…falls ihr auch so jemand seid, schreibt mich gerne an, ich sammle die nächsten Tage ein paar Fragen für die Interviews zusammen!

Und hier noch ein paar Bilder vom Wochenende. Schön war es nämlich doch:

Frühling in der Südstadt! <3 #köln #cologne #liebedeinestadt

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Und bei euch so? #instakids #wochenendeinbildern #manbekommtkindernurdamitmanmalwiederspielenkann

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Mittagessen der Kinder…

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Glitzerkugel oder was? #Dailymakro

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Der Spielplatz hat gerufen #wochenendeinbildern #lebenmitkindern #instakids

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Feminismus

Der Tag, an dem die rosa Brotdose meines Sohnes zu Hause bleiben musste

Die rosa Brotdose

Die rosa Brotdose

Montag morgen, der übliche Trubel. Ich schmiere Butterbrote. Minime besteht auf Erdnussbutter. Aber erstens finde ich, das Erdnussbutter eine Süßigkeit ist und fürs Wochenende und zweitens ist in seiner Nachbargruppe ein Kind mit Nussallergien. Sicher ist sicher, aber das erste Drama hat schon begonnen. Mit vier Jahren ist er momentan nicht sehr empfänglich für  „Argumente“.

Ich lege also das Brot und seine halbe Banane wie jeden Morgen in die heißgeliebte, rosa Brotdose. „Ich will die rosa Brotdose nicht mehr mitnehmen!“

Das kommt unerwartet. Erst neulich hatte er gesagt, die anderen Kinder würden ihn auslachen oder sagen, er sei ein Mädchen. Ich bin dann zu seiner Erzieherin gegangen und habe sie drauf angesprochen. Sie selbst war verwundert und versprach, das Thema in der Morgenrunde noch mal anzusprechen.

Nun war ich bei dieser Morgenrunde nicht dabei. Minime kam nachmittags fröhlich auf mich zu gerannt und sagte: „Mama, Jungs dürfen auch rosa Brotdosen haben!“ (Dass sein Papa und ich das vorher auch gepredigt haben und ich ein kleines bisschen meine Autorität schwinden sah, weil die Worte der Erzieherin wohl mehr Einfluss haben als meine, lasse ich mal außen vor).

Ich dachte, damit hätte sich die Sache erledigt. Aber dem war wohl nicht so. Wie gesagt, ich weiß nicht genau, wie die Erzieherin an die Sache gegangen ist. Vielleicht hat sie so was gesagt wie: „Wisst ihr Kinder, es gibt keine Jungs- oder Mädchenfarben. Jeder darf jede Farbe haben“. Das hat dann vermutlich den gleichen pädagogischen Effekt, wie wenn ich meinen Kindern das Zähneputzen predige: Nachhaltigkeit gleich null. Die Botschaft kam offensichtlich nicht bei allen Kindern an.

Und da stand ich nun am Montag morgen vor einem verzweifelten und enttäuschten Jungen, der Angst hat seine heißgeliebte rosa Brotdose mit in den Kindergarten zu nehmen. Alles Zureden half nicht: „Schatz, Du weißt doch, dass rosa ne super Farbe ist, für alle Kinder! Und wenn Dich jemand ärgert, dann ist das schlechtes Benehmen und Du kannst der Erzieherin Bescheid sagen.“

Hat das mal bei eine_m von Euch funktioniert? Dass das Kind damit umgestimmt wird? Ich packte also sein Butterbrot in eine andere Dose und brachte ihn zum Kindergarten.

Ähnliche Szenen gab es mit seinen rosa Glitzerschuhen, die ihr vielleicht noch aus diesem Beitrag kennt. Im Sommer habe ich ihm ein rosa Kleidchen gekauft, ganz schlicht. Seine Augen leuchteten erst. Dann schlug er wild um sich, als ich ihm helfen wollte, es anzuziehen. Vermutlich begreift man auch schon mit vier, dass es verschiedene Abstufungen von „rosa ist nicht ok für Jungs“ gibt. Ich frage mich, wie lange seine rosa Zahnbürste noch bleiben darf.

rosa Zahnbürste

Die rosane ist von Minime

Ich geb es ja zu: Nach meinem Studium der Gender Studies war mir klar, das es nicht einfach werden würde, meine Kinder, in einer Welt, in der alle Menschen in Männer und Frauen unterteilt werden und unterschiedliche Rollen zugewiesen bekommen, geschlechtsneutral* zu erziehen.

Man hat mal eine kleine Umfrage gemacht und Eltern von Neugeborenen gefragt, für wie groß und schwer sie ihr Baby schätzen. Die Eltern von Mädchen schätzten ihre Babys kleiner und leichter ein, als sie 1. tatsächlich waren und 2. als gleich große und schwere Jungs, die man ihnen zeigte. Bei den Eltern von neugeborenen Jungen war es umgekehrt: Sie hielten ihre Babys für größer und schwerer als vergleichbar große Mädchen und auch, als sie tatsächlich waren.

Und jetzt sagt mir noch mal, dass die Gesellschaft keine Rolle spielt? Dass alles angeboren sei, was Mädchen zu Mädchen und Jungen zu Jungen macht. Immer wenn Eltern sagen: Also wiihir erlauben unseren Söhnen auch mit Puppen zu spielen oder unseren Mädchen mit Autos“ muss ich an Szenen denken wie

  • die Mama in der Krabbelgruppe, die vor Entzückung quietscht, weil ihre 18 Monate alte Tochter ihre Schuhe holt und gleich noch ein paar andere die dort rumstehen mit. „Sie steht auch schon auf Schuhe, ganz die Mutter“
  • der Vater auf dem Bolzplatz, der mit seinem zwei Jahre alten Sohn Tore schießt, während die ca. vierjährige Tochter am Rande steht und sehnsüchtig zu den Beiden rüber schaut, aber nicht dazu gerufen wird.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht von anderen Eltern im Kindergarten, auf dem Spielplatz, im Turnverein oder bei der Krabbelgruppe Sätze höre wie „typisch Mädchen/Junge“.

Wenn ich mich daran zurück erinnere, wie ich Überzeugungsarbeit leisten musste, damit Minime eine Puppe und einen Puppenwagen bekommt. Oder mal was aus der Elfen- und Feen-Serie von Playmobil, nicht nur Ritter und Piraten. Oder als beim Kindergeburtstag die Seifenblasen mit Cars-Motiv automatisch in seinem GoodieBag landen, obwohl er viel lieber die Eiskönigin gehabt hätte.

Und auch der Kindergarten bietet auf dem Weg zu einer geschlechtsneutralen (oder sagen wir besser: -sensiblen) Erziehung Stolpersteine. Minime erzählt, dass sie in der Mittagsruhe (in der die kleinen Kinder noch Mittagsschlaf machen, die größeren eine „Pause“) oft von den Kindern mitgebrachte CDs hören oder Bücher lesen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Medien nicht danach geprüft werden, ob sie Genderklischees (von Rassismus und Co. ganz zu schweigen) reproduzieren. Zu Hause halte ich es oft wie Suse und lese Bücher mit vertauschten Rollen vor. Dann erst fällt auf, wie eklig 50er Jahre-mäßig nicht nur die Hauptcharaktere in ihren Geschlechterrepräsentationen sind. Und das bei recht aktuellen Büchern. Ich habe das mal bei den Olchis ausprobiert.

Im Kindergarten braucht es mehr als eine Morgenrunde, in der eine Erzieherin die Kinder ermahnt, niemanden für seine rosa-Vorliebe auszulachen. Deswegen muss nicht gleich die Puppenecke abgeschafft werden. Aber es gibt – siehe unten – tolle Tipps und Anregungen um eine offene Atmosphäre zu schaffen, in der alle Kinder ihre Interessen und Vorlieben ausleben können.

Ob ich da ein bisschen überempfindlich reagiere? Wenn mein Sohn einfach fröhlich oder genervt seine rosa Brotdose liegen lassen würde – damit käme ich zurecht. Aber am Montag morgen, da war er nicht fröhlich oder genervt, sondern zutiefst traurig und enttäuscht. Und das kann ich weder als Mutter, noch als Pädagogin gutheißen.

Es ist mir ein Rätsel, dass ich mit meinen Studienabschlüssen in Sozialpädagogik und Gender Studies nicht schon eher drauf gekommen bin. Zumal ich bereits für den Bereich Berufsorientierung von Jugendlichen solche Workshops für pädagogisches Personal konzipiert und durchgeführt habe und ja schon eine Weile als Freiberuflerin unterwegs bin. Vielleicht war es zu naheliegend und mein Sohn musste mich erst darauf bringen, aber:

Wer mich für Vorträge und Workshops zur gendersensiblen Pädagogik in Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Schule oder zur geschlechtersensiblen (andernorts wird geschlechterneutral verwendet) Erziehung einladen will: Ich freue mich auf Eure Nachricht an

gluecklichscheitern @ gmail.com

– und hier noch ein bisschen zu meinem fachlichen Hintergrund


Wer sich ebenfalls für geschlechtersensible Pädagogik interessiert, findet hier einige Literaturhinweise, Links und Materialien:

Bücher:

Almut Schnerring und Sascha Verlan (2014): Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees

Melitta Walter (2005): Jungen sind anders, Mädchen auch. Den Blick schärfen für eine geschlechtergerechte Erziehung


* geschlechtsneutral heißt für mich nicht, dass ich mein Kind als „Neutrum“ erziehen will, sondern das ich ihm alle Optionen offen halte.

 

Familie

Überwachungsstaat im Kinderzimmer?

Hin und wieder sehe ich in Zeitung, Fernsehen und Co. Berichte über die neuesten Überwachungstechniken für Kinder. Kameras für Kuscheltiere und so. Bei einem Dreijährigen glücklicherweise noch nicht nötig:

Ich sitze auf dem Bett, füttere Cashew. Minime ist in Hör- aber nicht in Sehweite. Plötzlich wird es auffallend ruhig… „Minime, was machst Du?“ Kurze Pause. „Niiiichts“ flötet es zurück. „Machst Du etwas, was ich Dir verboten habe?“ „Jahaaaaa“. „Lass das bitte, ok?“ „Oooookay“

Ich fürchte mich jetzt schon vor dem Tag, an dem er das Konzept „Lügen“ verstanden haben wird…

Familie

Eure Rente ist mir so was von egal!!!

hach, heute mal wieder ein aufreger. in diesen foren/gruppen wo sich menschenmitkind austauschen, geht es ja öfter mal erhitzt zu. aber manchmal frage ich mich schon, ob wir immer wieder von vorne anfangen müssen. besonders wenn es um lebensentwürfe geht. mich ärgert es sehr, wenn andere lebens- und familienentwürfe ständig bewertet und kritisiert werden. mein momentanter favorit, weil in den letzten tagen/wochen wieder ständig gehört: WARUM BEKOMMT MAN DENN KINDER, WENN MAN SIE GLEICH WIEDER ABGIBT…*seufz*

natürlich meist an die ‚mütter‘ gerichtet, die es irgendwie auch noch wagen, einer berufstätigkeit nachzugehen. ich hab mich dann auch gefragt: was soll ich auf diesen satz antworten? ich brauch ja immer eine weile, um auf so was angemessen zu reagieren, und meistens sag ich gar nichts. weil hinter dieser frage keine ernstgemeinte aufforderung zur diskussion steht, sondern eine be- und abwertung. aber mal wieder ein paar gedankenspiele:

– ich könnte, wie der fokus, im gegenzug der person mal vorrechnen, was das hausfrauendasein der gemeinschaft so kostet. rund eine halbe million, wenn sie akademikerin ist. aber das find ich ehrlich fies, weil ich eben finde, jede soll leben wie sie möchte. auch wenns teuer ist. 

– daran anschließend könnte man die motzende person mal fragen, warum sie so lange studiert hat, wenn sie die nächsten jahre eh nur windeln wechseln will. aber auch das ist fies, weil kinder betreuen und erziehen natürlich viel anspruchsvoller ist. aber ein studium der wirtschaftssysteme südostasiens oder der medizin braucht man dafür wirklich nicht. 

– ich könnte sagen, damit jemand die rente bezahlt. aber eure rente ist mir voll egal und für meine rente wär es besser, ich würde mich in vollzeit und kinderlos einer karriere widmen. ja ernsthaft, ich könnte die – sparsam geschätzt – 500euro monatlich, die hier grad für kinderbetreuung und verbrauchskosten drauf gehen besser auf ein sparbuch packen die nächsten 20 jahre. dann wär meine rente fast gesichert. aber ich glaub eh nicht an die rente. 

– warum gilt diese frage immer nur fürs kinderhaben? man könnte ja auch mal fragen, warum man überhaupt in einer beziehung lebt, wenn man doch neben job und hobbies und freundschaften nur ein paar minuten am tag zeit dafür hat? dann kann mans doch auch gleich lassen?

– oder zurück fragen, warum und wann kinder zu einem lebensprojekt geworden sind. 

– man sollte überhaupt mal die kinder selbst fragen, was sie von all dem halten. 

fakt ist: ich habe ein kind bekommen, weil ich wollte. aber ja, in relation zum studium war das kinder zeugen/schwanger sein ein geringer zeitaufwand. und die zeit und das geld, dass ich (oder seien wir ehrlich: ihr, die steuerzahler_innnen) in mein studium investiert habe, hätte ich auch gern mal zurück, umgesetzt idealer weise in einer spannenden, interessanten und auch noch gut entlohnten tätigkeit. und ich möchte nicht, dass mein kind ständig im mittelpunkt meines lebens steht. das tut minime natürlich auch. aber dafür macht es keinen unterschied, ob er mit einem jahr oder mit drei jahren mit anderen kindern und bezugspersonen zusammen kommt. 

mir reicht es jetzt einfach zu wissen, dass mir mein leben grade sehr gut gefällt. vielleicht ist es mir deshalb so gleichgültig*, was andere wie machen und ‚familie‘ nennen. und dann schweig ich in zukunft auf diesen satz einfach weiter. aber jetzt mit einem freundlichen lächeln und schulterzucken.

Familie

Zwischen Attachement Parenting und dem Rest…

ich würde ja gern behaupten, ich würde minime so „aus dem bauch raus“ erziehen. aus dem bauch raus, dass ist ja DER SATZ dem einen alle so ans herz legen. auf das man natürlich auch noch hören soll, wenn man kinder hat. dann würde man schon wissen, was richtig ist und gut fürs kind. hm.

ehrlich? erziehungsratgeber habe ich hier zwar noch nicht, aber ich hab alles an broschüren gelesen, was einem hebammen, frauen- und kinderärzte so mitgeben, mich durch verschiedenste blogs gelesen und jeden ratschlag aufgesaugt, den man so hört. am anfang war nur klar: auf keinen fall kommt mir so ne eso-scheiße ins haus. ich bin immer noch ich und das will ich bleiben. mein kind entscheidet auf keinen fall über mich, sondern umgekehrt.

und dann kam das kind.  mit intuition wäre ich nicht sehr weit gekommen. vielleicht behaupte ich jetzt, ich würde ja intuitiv merken, dass es dem kind besser geht, wenn ich es viel trage – aber diese ansicht wird ja inzwischen auch von vielen seiten bekräftigt. falls ihr versteht was ich meine…(ok, und das mit dem tragen hat sich seit ein paar monaten erledigt. der rücken!)

aber ein paar meiner thesen zu „diesem eso-scheiß“ habe ich doch verworfen. weil es eigentlich ganz vernünftige sachen sind, die man unter dem stichwort (zum beispiel) „attachment parenting“ findet. wenn man es nicht gleich zum dogma und einzigen leitfaden erhebt. aber das wird ja leider aus jedem neuen trend gemacht. als ob jede familie gleich wäre, jede muttervater-kind-bindung von den gleichen werten und bedürfnissen getragen wird. ich meine, euch dürfte es klar sein: was für die eine funktioniert, klappt bei den andern noch lange nicht.

hier ein paar einblicke, wie wir (also der menschanmeinerseite hat ja – überraschung – auch ein wörtchen mitzureden) mit ein paar der gängigsten themen umgehen:

1. stillen. ich würd es ja ein drama nennen. also die diskussion. habe ich nicht mehr zu zu sagen als hier, hier und hier. aber – why not?

2. tragen. immer wieder gerne, so lange der rücken eben mitmacht. ich fand und find es praktisch, beim einkaufen, spazieren, öpnv. und so schön gemütlich, direkt so aneinander. inzwischen, wie gesagt, leidet der rücken und ich finde es ein bisschen schade, dass minime wohl so viel körperkontakt darüber mitbekommen hat, dass er nur vereinzelt mit uns kuscheln mag.

3. familienbett. puh…anfangs hatten wir ein beistellbett. da war minime mir zu weit weg und gleichzeitig zu nah dran: zu weit weg um gut schlafen zu können, weil ich seinen atem nicht hören konnte. zu nah dran um gut schlafen zu können, weil ich beim leisesten murks hellwach wurde. als meine elternzeit nach sechs monaten vorbei war, stand das beistellbett am schlafzimmerende und nach und nach wurde minime in sein zimmer ausquartiert. anfangs haben wir uns noch sehr viel mühe gegeben, wenn er nachts aufwachte, ihn auch wieder in sein bett zu legen. seit wir aber beide berufstätig sind, ist uns das zu anstrengend. wenn ein alptraum oder eine phase ihn weckt, heißt das wundermittel halt elternbett. ehrlich gesagt, die katze braucht mehr platz, als das kind (sag ich. der mann behauptet das gegenteil. weil die katze ja meistens auf meinen beinen liegt und das kind dafür mit seinen beinen im gesicht des mannes. ausgleichende gerechtigkeit).

4. windelfrei. boah, hab ich am anfang drüber gelästert. ich hab ja schon genug zu tun, da soll ich auch noch verhindern, dass das kind überall frei rumpinkelt? naja. ich habe ein paar vernünftige beiträge dazu gelesen. vielleicht beim nächsten kind (auch weil ich dieses video so krass fand).

naja. das, was man „erziehung“ nennt kommt grad erst auf uns zu. grenzen setzen, grenzen ziehen, verbote, undundund. und ich glaub, wenn ich mit meiner intuition weiter kommen sollte, wäre ich ganz schön aufgeschmissen. da les ich lieber alles was mir in die finger kommt und höre mir an, was andere dazu sagen und schreiben. und nehme mir dann wie bei einem buffett das beste von allem raus. mein erziehungsbuffett.