Browsing Tag

familie

Feminismus

Mein Gendercamp 2012: Awareness, Privilegien und viele tolle Menschen

von donnerstag bis sonntag war ich auf dem gendercamp. ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so viel hab ich gelernt, so viele neue eindrücke gewonnen und so viele tolle menschen kennen gelernt – ich hab die letzten zwei nächte im anschluss so wirr geträumt, und hätte eigentlich noch zwei tage urlaub hinten dran hängen müssen, denn ‚back to normal‘ fällt nach diesen erlebnissen echt schwer.
das gendercamp war ein barcamp, d.h. kurz, kein fertiges programm, nur ein zeitrahmen, der von den teilnehmenden thematisch gefüllt wird. ich war erstaunt, wie gut das klappte – so viele leute, die sich trauten workshops anzubieten oder vorträge zu halten fand ich sehr beeindruckend, ebenso wie die themenvielfalt. das ganze fand auf einem zur tagungsstätte umgebauten bauernhof in norddeutschland statt (mehr zum rahmen bei antje*).
minime hab ich mitgenommen, weil der herzensmensch beruflich verhindert war und ich trotzdem fahren wollte. die anreise (mit minime allein im auto, 6 stunden fahrt…) klappte erstaunlich gut, auch weil ich seine mittagsschlafenszeit mitgenutzt habe. ich kam dann später als der offizielle beginn gestartet hatte an, und habe deshalb u.a. verpasst, wer zum orga- und ‚awareness‘-team gehörte – kann aber nur sagen, dass beide für meinen eindruck einen tollen job gemacht haben!
was habe ich also mitgenommen? zum einen habe ich viel über awareness und meine eigene sprecherinnenposition gelernt. ich bin ja letztes jahr über diverse blogs damit konfrontiert worden, dass viele das gendercamp, bzw. menschen dort, sehr übergriffig empfanden. so war ich ein wenig, naja, vorbelastet, was das anging. und dass ich es als sehr ’sicheren‘ ort erlebt habe, hat vermutlich sehr mit meiner position zu tun. und ich weiss in einem fall sehr konkret, dass ich was echt dummes, unsensibles gesagt habe, was eben nicht sehr von awareness zeugt, und kann sonst nur hoffen, dass ich nicht in allzu viele fettnäpfchen getreten bin. ich werde mich auf jeden fall noch mehr mit machtvoller/m und diskriminierender/m sprache und verhalten beschäftigen. wie das zum beispiel ein ‚mann‘ erlebt hat, kann man bei simon nachlesen. am kommenden wochenende fahre ich zu einer gewerkschaftsveranstaltung und bin mal gespannt, wie ich das, mit dem was ich jetzt ‚gelernt hab‘, empfinde. und ich habe mir auch auf dem gendercamp vorgestellt, wie ich in den unigremien und -seminaren vorschlage, quotierte erstredner_innenlisten einzuführen…
minime hat die zeit sehr genossen, ich habe das camp auch als sehr aufgeschlossen gegenüber der anwesenheit von kindern erlebt. nachdem auch geregelt wurde, dass die kinderbetreuung mal von anderen, als den anwesenden eltern übernommen werden kann, mangelte es nie an bereitwilligen. es zeigte sich aber eine deutliche unsicherheit von leuten ohne kind, wie mit diesen – insgesamt – fünf noch sehr kleinen menschen umzugehen ist. das vergisst man schnell, wie das war, als plötzlich ein kleiner haufen mensch in meinen armen lag…
ABER es gab auch einwände, über die ich noch sehr viel nachdenken muss**, und deshalb fasse ich hier nur grob zusammen, wie meine interpretation bis jetzt aussieht: es wurde deutlich, dass die kleinen menschen – nicht als menschen selbst – ein (in ermangelung eines besseren wortes) politikum waren. mir wurde jedenfalls nochmal sehr klar, in welcher paradoxen gesellschaft wir leben. denn einerseits ist der aufruf da, (mehr) kinder zu bekommen, aber gleichzeitig richtet sich dieser aufruf nur an bestimmte menschen – menschen wie z.b. mich. gut situierte, gesunde, deutsche heterofrau (ich könnte alles in anführungszeichen setzen, auch im folgenden, aber ihr wisst schon) in fester partnerschaft. wieso?
– das mit dem kinder kriegen war relativ unkompliziert. selbst wenn nicht, hätten mir reproduktionsmedizin und adoptionsverfahren offen gestanden.
– die politik spricht manchen menschen das recht auf elternschaft, reproduktionsmedizin, adoptionsverfahren und co. ab. wer als krank/behindert, homosexuell oder sonst nicht ‚der norm entsprechend‘ definiert wird, hat kein ‚recht‘ auf familie.
– auch wer es sich schlichtweg nicht leisten kann, wird – wie bei hartz IV – bestraft. kinder sind ein luxus, den man sich leisten können muss.

– es besteht wenig akzeptanz, nicht-‚biologische‘ familienverbände zu gestalten und mit ‚biologische‘ familien gleichzustellen (wobei es der gesellschaft eigentlich egal ist, wer z.b. der biologische vater ist, jedenfalls wenn man a) verheiratet ist, dann ist der mann automatisch als vater anerkannt, ob er das kind nun gezeugt hat oder nicht, oder b) ein mann die vaterschaft anerkennt. ich hätt also auch den pförtner des jugendamtes mitnehmen können. aber nicht: meine lebensgefährtin. so viel zur ’natürlichen‘ verwandtschaft)

bestimmt habe ich noch einiges übersehen, aber ich denke noch nach und ergänze den post bei gelegenheit.

jedenfalls bin ich sehr froh darüber, tolle neue menschen kennengelernt zu haben und bedaure, nicht genug zeit gehabt zu haben, mit allen zu sprechen. aber vielleicht gibt es ja ein ’nächstes mal‘!
p.s.: entschuldigt all die anführungszeichen, klammern und schwurbelsätze, aber im kopf ist noch zu viel los…
—-
* wobei ich ihr gefühl, des ’nicht satt geworden sein‘ nicht teilen kann – die sessions und workshops fand ich zwar spannend und interessant und manchmal auch informativ, aber ‚gelernt‘ hab ich beim drumherum.

** bei medienelite und adrianlang mehr dazu

Feminismus

Mein Gendercamp 2012: Awareness, Privilegien und viele tolle Menschen

von donnerstag bis sonntag war ich auf dem gendercamp. ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so viel hab ich gelernt, so viele neue eindrücke gewonnen und so viele tolle menschen kennen gelernt – ich hab die letzten zwei nächte im anschluss so wirr geträumt, und hätte eigentlich noch zwei tage urlaub hinten dran hängen müssen, denn ‚back to normal‘ fällt nach diesen erlebnissen echt schwer.
das gendercamp war ein barcamp, d.h. kurz, kein fertiges programm, nur ein zeitrahmen, der von den teilnehmenden thematisch gefüllt wird. ich war erstaunt, wie gut das klappte – so viele leute, die sich trauten workshops anzubieten oder vorträge zu halten fand ich sehr beeindruckend, ebenso wie die themenvielfalt. das ganze fand auf einem zur tagungsstätte umgebauten bauernhof in norddeutschland statt (mehr zum rahmen bei antje*).
minime hab ich mitgenommen, weil der herzensmensch beruflich verhindert war und ich trotzdem fahren wollte. die anreise (mit minime allein im auto, 6 stunden fahrt…) klappte erstaunlich gut, auch weil ich seine mittagsschlafenszeit mitgenutzt habe. ich kam dann später als der offizielle beginn gestartet hatte an, und habe deshalb u.a. verpasst, wer zum orga- und ‚awareness‘-team gehörte – kann aber nur sagen, dass beide für meinen eindruck einen tollen job gemacht haben!
was habe ich also mitgenommen? zum einen habe ich viel über awareness und meine eigene sprecherinnenposition gelernt. ich bin ja letztes jahr über diverse blogs damit konfrontiert worden, dass viele das gendercamp, bzw. menschen dort, sehr übergriffig empfanden. so war ich ein wenig, naja, vorbelastet, was das anging. und dass ich es als sehr ’sicheren‘ ort erlebt habe, hat vermutlich sehr mit meiner position zu tun. und ich weiss in einem fall sehr konkret, dass ich was echt dummes, unsensibles gesagt habe, was eben nicht sehr von awareness zeugt, und kann sonst nur hoffen, dass ich nicht in allzu viele fettnäpfchen getreten bin. ich werde mich auf jeden fall noch mehr mit machtvoller/m und diskriminierender/m sprache und verhalten beschäftigen. wie das zum beispiel ein ‚mann‘ erlebt hat, kann man bei simon nachlesen. am kommenden wochenende fahre ich zu einer gewerkschaftsveranstaltung und bin mal gespannt, wie ich das, mit dem was ich jetzt ‚gelernt hab‘, empfinde. und ich habe mir auch auf dem gendercamp vorgestellt, wie ich in den unigremien und -seminaren vorschlage, quotierte erstredner_innenlisten einzuführen…
minime hat die zeit sehr genossen, ich habe das camp auch als sehr aufgeschlossen gegenüber der anwesenheit von kindern erlebt. nachdem auch geregelt wurde, dass die kinderbetreuung mal von anderen, als den anwesenden eltern übernommen werden kann, mangelte es nie an bereitwilligen. es zeigte sich aber eine deutliche unsicherheit von leuten ohne kind, wie mit diesen – insgesamt – fünf noch sehr kleinen menschen umzugehen ist. das vergisst man schnell, wie das war, als plötzlich ein kleiner haufen mensch in meinen armen lag…
ABER es gab auch einwände, über die ich noch sehr viel nachdenken muss**, und deshalb fasse ich hier nur grob zusammen, wie meine interpretation bis jetzt aussieht: es wurde deutlich, dass die kleinen menschen – nicht als menschen selbst – ein (in ermangelung eines besseren wortes) politikum waren. mir wurde jedenfalls nochmal sehr klar, in welcher paradoxen gesellschaft wir leben. denn einerseits ist der aufruf da, (mehr) kinder zu bekommen, aber gleichzeitig richtet sich dieser aufruf nur an bestimmte menschen – menschen wie z.b. mich. gut situierte, gesunde, deutsche heterofrau (ich könnte alles in anführungszeichen setzen, auch im folgenden, aber ihr wisst schon) in fester partnerschaft. wieso?
– das mit dem kinder kriegen war relativ unkompliziert. selbst wenn nicht, hätten mir reproduktionsmedizin und adoptionsverfahren offen gestanden.
– die politik spricht manchen menschen das recht auf elternschaft, reproduktionsmedizin, adoptionsverfahren und co. ab. wer als krank/behindert, homosexuell oder sonst nicht ‚der norm entsprechend‘ definiert wird, hat kein ‚recht‘ auf familie.
– auch wer es sich schlichtweg nicht leisten kann, wird – wie bei hartz IV – bestraft. kinder sind ein luxus, den man sich leisten können muss.

– es besteht wenig akzeptanz, nicht-‚biologische‘ familienverbände zu gestalten und mit ‚biologische‘ familien gleichzustellen (wobei es der gesellschaft eigentlich egal ist, wer z.b. der biologische vater ist, jedenfalls wenn man a) verheiratet ist, dann ist der mann automatisch als vater anerkannt, ob er das kind nun gezeugt hat oder nicht, oder b) ein mann die vaterschaft anerkennt. ich hätt also auch den pförtner des jugendamtes mitnehmen können. aber nicht: meine lebensgefährtin. so viel zur ’natürlichen‘ verwandtschaft)

bestimmt habe ich noch einiges übersehen, aber ich denke noch nach und ergänze den post bei gelegenheit.

jedenfalls bin ich sehr froh darüber, tolle neue menschen kennengelernt zu haben und bedaure, nicht genug zeit gehabt zu haben, mit allen zu sprechen. aber vielleicht gibt es ja ein ’nächstes mal‘!
p.s.: entschuldigt all die anführungszeichen, klammern und schwurbelsätze, aber im kopf ist noch zu viel los…
—-
* wobei ich ihr gefühl, des ’nicht satt geworden sein‘ nicht teilen kann – die sessions und workshops fand ich zwar spannend und interessant und manchmal auch informativ, aber ‚gelernt‘ hab ich beim drumherum.

** bei medienelite und adrianlang mehr dazu

Feminismus

Vaterschutz und Elternzeit

Jawoll, ich bin für die ‚Erfindung‘ des Vaterschutzes. Mindestens drei Wochen nach der Geburt des Kindes sollten auch für den Vater drin sein – sofern er sich an der Erziehung beteiligt. (Vater kann auch mit ‚Partnerin‘ ersetzt werden, sollten zwei Frauen zusammen leben und das Kind erziehen.)

Auch für diese Person bleibt die Welt ein paar Tage stehen. Und die Mutter kann Unterstützung gut gebrauchen. Die Familie muss erst mal zu einer solchen werden, eine neue Infrastruktur geschaffen werden, die Arbeitsteilung neu geregelt und gaaanz viel Zeit miteinander verbracht werden. Wie schnöde, wenn der Vater kurz nach der Geburt wieder arbeiten muss, als sei nichts gewesen. Die ein, zwei Tage Sonderurlaub die manche Firmen gewähren sind doch ein Witz.
Viel hab ich im vorhinein über die Elternzeit und wie wir sie aufteilen sinniert. Na ja, über das wie nicht so sehr, sondern warum fifty/fifty nicht Usus ist und die ’neuen Väter‘ schon gelobt werden, wenn sie zwei Monate zu Hause bleiben. Glücklicherweise musste ich mit dem Vater meines Minime nicht darüber diskutieren, dass wir beide ein halbes Jahr Elternzeit nehmen, oder anders: wenn er sich gesträubt hätte, hätten wir kein Kind bekommen. Für mich ist das wichtig, dass Beide eine Weile zu Hause bleiben. Zum einen, damit man sich in die Lage des jeweils anderen versetzen kann. Dass ein ganzer Tag mit Kind zwar beglückend, aber nicht unbedingt intellektuell befriedigend ist. Dass man nach einer Nacht mit wenig Schlaf eben mal das ‚danke‘ und ‚bitte‘ vergisst. Auch die Argumente, die andere Paare dann so einwerfen, wie „er verdient mehr Geld“, „ich kann das besser mit meinem Beruf vereinbaren“ haben für mich einen schalen Beigeschmack: das liebe Geld…natürlich gibt es Paarkonstellationen, in denen es in dem Fall um Existenzielles geht, aber ganz sicher nicht in meinem Bekanntenkreis! Die meisten haben schon ein paar Jahre gearbeitet und evt. etwas Geld beiseite gelegt oder kommen auch mit den 67% des Einkommens einer seite zurecht, müsste man ja auch im Falle von Arbeitslosigkeit. Klar, wer grade noch ein Haus gebaut oder ein neues Auto gekauft hat, muss aufs Konto gucken…und auch die Vereinbarkeit mit dem Beruf ist so ne sache, da fallen mir immer (verbeamtete) LehrerInnen ein: ist ER der Lehrer, bleibt er NICHT zu Hause weil er ja den sicheren und gutbezahlten Job hat. Ist SIE die Lehrerin, bleibt sie zu Hause, weil der Job ja sicher ist und man nach dem Jahr Elternzeit ganz unkompliziert wieder einsteigen kann. Und auch politisch ist es bedeutsam, dass Väter Elternzeit über die zwei Monate hinaus nehmen: DANN KANN SICH NIE WIEDER EIN ARBEITGEBER SAGEN, WENN WIR EINEN MANN EINSTELLEN, SIND WIR AUF DER SICHEREN SEITE!!!

EDIT Mai 2014: neben einem vaterschutz* finde ich auch überlegenswert, einen kündigungsschutz für (werdende) väter einzuführen. nicht für die, die lediglich zum zeugungsakt beitrugen, sondern für diejenigen, die in nennenswertem umfang elternzeit nehmen und/oder teilzeit arbeiten. 

* meine utopie: statt väter darf es – geschlechtsunabhängig – auch eine andere person sein, die aktiv an der sorge und erziehung des kindes beiträgt.

zu diesem beitrag passen auch die blogeinträge elternzeitrhetorik und väter – mütter sind eure beste lobby