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“Wie viel von mir wird dann noch übrig sein?” Ein Vorstellungsgespräch in der Schwangerschaft

Da ich grade kaum zum bloggen komme, veröffentliche ich an dieser Stelle einige Posts, die ich für andere Blogs geschrieben habe. Diesen bei fuckermothers, damals aus Gründen anonym.
Spoiler: Die Stelle habe ich nicht bekommen (auch ohne die Schwangerschaft zu erwähnen).

Mein Arbeitsvertrag endet Ende Dezember. Kommenden Dienstag habe ich ein Vorstellungsgespräch für eine tolle Stelle: an der Uni, Forschungsprojekt, 65%. Das ist schön. Kurz nachdem ich die Bewerbung losgeschickt habe, stellte ich fest, dass ich schwanger bin, grad in der 8. Woche. Das ist auch schön. Es ist mein zweites Kind, auch ein Wunschkind.

Erst die Kombination von Beidem wird zum Dilemma: auf eine Stelle bewerben, die ich frühestens im Januar (lieber Februar – weil “Luxus”, nach 4 Jahren ohne Urlaub habe ich für den Januar Urlaub gebucht…) antreten kann – dann also schon im 5./6. Monat. Beim zweiten Kind mache ich mir keine Illusion, wie “entspannt” das wird. Babies schlafen selten von Anfang an durch. Sind sie dann morgens nach zwei Stunden rumtragen gegen Sieben wieder eingeschlafen, kann man sich nicht einfach dazu legen, sondern Nummer eins wacht auf und möchte unterhalten werden.

Ich habe mir verschiedene Varianten überlegt, wie ich schnell einsteigen könnte: Nach 4 Monaten Elternzeit vielleicht mit 10-15 Wochenstunden? Allerdings ist die Uni außerhalb des Tagespendelbereichs und eine Übernachtung vor Ort wäre nötig. Mein Partner ist nicht mal dagegen. Er ist Freiberufler, manchmal eine Woche zu Hause, manchmal aber auch mehrere Tage am Stück weg. 10-15 Stunden wären möglich, wenn die zukünftige Chefin sich flexible Arbeitszeiten und Homeoffice vorstellen kann. So dass ich in den Wochen, in denen mein Partner zu Hause ist, mehr arbeiten kann, wenn er weg ist aber lediglich stundenweise von zu Hause. Egal wie, es wird nicht schön. Mein erstes Kind (2einhalb Jahre) war fast nie krank. Wenn aber, dann grade dann, wenn der Mann nicht zu Hause war. Und nach der Elternzeit? Wird das Kleine dann durchschlafen? Werden wir eine Betreuung finden, die die wichtigsten Zeiten abdeckt? Das war schon bei Nummer Eins schwierig.

Jetzt die Frage aller Fragen: kommuniziere ich das im Vorstellungsgespräch? Wenn ja wie? Ich bin ja erstens noch nicht mal aus dem Gröbsten raus, ich bin noch nicht sicher, wie lange ich Elternzeit nehmen will und überhaupt. Die Uni per se gilt nicht grade als familienfreundlich, selbst wenn Kita und Co. vor Ort sind. Aber die Einstellung ist meistens “unter 40 Stunden (auch wenn nur 20 oder 25 bezahlt werden) kann man eine Karriere an der Uni vergessen”. Kommuniziere ich die Schwangerschaft während des Vorstellungsgesprächs nicht und stelle meine künftige Chefin vor vollendete Tatsachen? Das Recht wäre auf meiner Seite. Aber auch wenn die Uni meine Arbeitgeberin ist – es sich mit der Lerhstuhlinhaberin zu vermiesen, ist ganz ganz doof. Und sowas wird dann doch als Vertrauensbruch gewertet, bringt das Forschungsprojekt aus dem Zeitplan und und und. Will ich mir das antun, weil ich das Recht dazu hätte? Grade habe ich das Gefühl, an meinen eigenen Ansprüchen zu scheitern: mit viel viel Aufwand wäre sicherlich Einiges möglich. Aber wie viel von mir wird dann noch übrig sein? Kann ich noch eine halbwegs ‘gute’ Mutter sein wenn ich ständig auf dem Zahnfleisch gehe?

Ich sollte mich eigentlich freuen. Aber es fällt mir ein bisschen schwer.

Ein aus gutem Grund anonymer Gastbeitrag.

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PS: irgendwie thematisch passend ist auch Annelie Wendebergs Beitrag ‘Frauen und andere Weicheier‘ zu Müttern in der Wissenschaft.