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Tor 8: Texte übers Nicht-Stillen

Man muss es ja gleich vorweg nehmen: Ich bin kein bisschen gegen das Stillen. Stillen ist super wenn Mama und Kind damit zurecht kommen und glücklich sind und von mir aus kann jede Mutter bis zur Einschulung stillen. Und ich weiß auch, dass Langzeitstillende doofe Kommentare bekommen und ausgefragt werden. Nein, das finde ich auch nicht gut. Gut finde ich Privatsphäre, Respekt vor Entscheidungen (sofern es sich um Entscheidungen handelt) und der Anerkennung der Tatsache, dass Stillen oder Nicht-Stillen keine Basis für gutes oder schlechtes Eltern-Sein ist.

Ich persönlich habe nicht gestillt und wollte wildfremden Menschen und auch den meisten Bekannten nicht erzählen, warum nicht. Und finde bis heute, dass das auch niemanden was angeht, denn wie ich bereits schrieb, gibt es für das Nicht-Stillen zwei Gründe: Frau kann nicht oder will nicht. Punkt:

(…)

– ich will nicht. beziehungsweise würde ich nochmal eine große graue zone zwischen nichtkönnen und nichtwollen ziehen. und die füllen mit z.b. einem trinkunfreudigen kind. ich weiß, der laie denkt, stillen ist doch einfach – kind wird angestöpselt, trinkt und fertig! kein wunder, dass dann viele frischmamas erst mal gefrustet sind, wenn es nicht auf anhieb klappt. denn auch die babies tragen nicht immer zum stillerfolg bei.

Aufklärungsarbeit für das Stillen ist in dieser Hinsicht gut und wichtig und ich denke, durch die sich verschlechternde Situation der Hebammen wird es da wieder Rückschritte geben – bei Stillproblemen ist dann keiner da, den man schnell anrufen kann oder der bei den regelmäßigen Besuchen mal gucken kann, woran es liegt, von der Behandlung wunder Brustwarzen ganz zu schweigen. Oder die Leistung wird privatisiert (viele Stillberaterinnen rechnen nicht über die Krankenkasse ab) und Stillen bleibt den gut verdienenden vorbehalten. Und den ganz armen, für die teure Ersatzmilch keine Option ist. Stillen oder Nicht-Stillen als Auswirkung des Kapitalismus.

Genervt war ich auch von den vermeintlichen Pro-Still-Argumenten und finde es heute immer noch spannend, wie das gleiche Argument für die eine ein Pro- und für die andere ein Contra-Argument sein kann.

Ich will auch heute nicht über meine Gründe fürs Nicht-Stillen schreiben, aber Euch ein paar tolle Texte vorstellen, die zeigen, wie komplex auch das Thema Nicht-Stillen ist.

Nicole schreibt auf kleinerdrei – „Über verschüttete Milch weinen“ – über schwierige Anfangszeiten mit dem Baby, wie sie erst Stillen wollte, es aber anders kam, sie es dann mit Relaktation probierte und schließlich chillte statt stillte:

Ich fühlte mich trotzdem blöd, weil überflüssig, und das verstärkt durch die Erinnerung an superfiese Krankenhauserfahrungen. Auch wenn das Anliegen war, dafür zu sorgen, dass es mir nicht schlecht geht – was, wenn es mir schlecht ging, weil es mir ein schlechtes Gewissen machte? Und wo zur Hölle kam dieses schlechte Gewissen her? Warum bockte mich das plötzlich so?

und schließlich:

Wann ich mit meinem Versuch aufgegeben hatte? Ausgerechnet bei der Lektüre eines Heftes der La Leche Liga, nämlich Stillen eines Adoptivkindes und RelaktationEinerseits, weil mir die Anleitungen darin meinen Versuch weniger aussichtslos erscheinen ließen, ich endlich den konkreten Rat bekam, nachdem ich suchte. Andererseits, weil ich ausgerechnet da drin las, dass es okay ist, wenn es nicht klappt. Of all places!

“Wird dem Baby […] etwas Wesentliches für seine Gesundheit und sein Lebensglück vorenthalten[, wenn es nicht gestillt wird]? Wahrscheinlich nicht, besonders, was die psychologische Seite anbelangt. Das Stillen ist eine gute Möglichkeit, in die Mutterrolle hinein zuwachsen. Die Muttermilch ist am besten auf das Baby abgestimmt, aber gesunde und zufriedene Babys lassen sich auch mit der Flasche großziehen. Daß Sie das Stillen – sogar unter erschwerten Bedingungen – in Betracht gezogen haben, spricht dafür, daß Sie wahrscheinlich besonders empfindsam gegenüber den Bedürfnissen Ihres Kindes sind.”

BOOM. Der letzte Satz mitten hinter die wunde Brust. Ein Satz, der meine Mühen ernstnahm, mir das Gefühl nahm, nicht gut genug zu sein. Ich entspannte mich, ließ los und hatte den Mut, aufzugeben. Und es war genau richtig so.

Der ganze Artikel ist unbedingt lesenswert!

Carola von frischebrise kennt ihr bestimmt. Auch ihre Stillversuche verliefen nicht glücklich und sie entspannte erst, als sie mit der Flasche fütterte. Bewölktes Glück nannte sie ihren Post:

„In mir drin gab es keine Regungen. Das Schreien meines Kindes drang wie durch dicke Watte zu mir durch. Ich hörte es, fühlte mich aber unfähig, zu reagieren. Mein Baby hatte Hunger und wollte gestillt werden. Ich wurde gebraucht. Dabei wollte ich doch nur meine Ruhe haben. Die unendlichen Schmerzen beim Stillen bestimmten meinen ganzen Tageslauf. Alle paar Stunden wieder. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Und die Schmerzen nahmen jeden Tag zu. Wie Rasierklingen durchschnitten sie meinen Körper. Sie zogen von der Brust bis in die Fußspitzen und wieder zurück. Es war wie Folter. Mein Baby interessierte mich nicht. Ich hatte Angst vor ihm. Ich wollte nur noch, dass das alles irgendwie endet.“

Auf Alltagsschrott erzählt Tanja von ihrem buchstäblichen Stillmarathon. Und fragt sich, ob der Zweck die Mittel heiligt:

„Selbst damit zurecht zu kommen und mit dem Thema Stillen abzuschließen ist schwierig genug. Noch schlimmer machen es die Kommentare und Sichtweisen anderer. Da gibt es Mütter, die das Stillbuch gelesen haben, selbst einige Wochen stillen und vielleicht noch jemanden kennen, der jemanden kennt, der stillt, und der Meinung sind, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen, könnten – hätten gar das Recht – über andere urteilen. Mütter, die einem vorwerfen man habe ganz sicher etwas falsch gemacht. Man habe nicht durchgehalten. Man habe nicht den Biss. Man habe nicht alles ausprobiert. Man wollte ja eigentlich gar nicht, würde Gründe nur vorschieben. Denn JEDER KANN STILLEN.
Ich bin ehrlich: Diese Urteile machen mich wütend. Wie kann sich jemand anmaßen, über mich zu urteilen? Zu beurteilen, ob ich genug getan habe? Ob ich es wirklich versucht habe? Ob ich es wollte? Und wenn dann noch Kommentare kommen wie „mein Baby hat auch gebrüllt“ und im gleichen Atemzug erwähnt wird, wie schlimm es für sie ist, wenn ihr Baby weint und sie nicht wissen, wie sie ihm helfen sollen, könnte ich platzen.“

Dank Kerstin von chaoshoch2 bin ich noch über diesen Text von nieselprim gestoßen: Wo Milch und Tränen fließen:

Und wie oft ich das selber fragte: “Stillst du noch?”. Ja, ich habe meine ganz eigenen Anteile an diesem Thema! Wieso rutscht selbst mir diese bekloppte Frage raus? Weil ich hören will, dass mein Gegenüber erklärt, dass es eigentlich Scheiße läuft und ihr die Nippel weh tun und die Milch nicht fließen will? Weil ich mich dann ein bisschen weniger unzulänglich fühlen kann? Ist das armselig? Und wie.

Und der Vollständigkeit halber und weil es so herrlich schnodderig ist ein Text für die möpslich-mütterliche Selbstbestimmung von kiddothekid.

 

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Die nervigsten Pro-Still Argumente

ich hab mich gefreut, aber auch sehr gelacht, als ich erfahren habe, dass mein blog in der BILD steht (in dem kasten in der mitte. und jaja, auch in der printausgabe – vom montag)!

vor allem steht da: „Seitdem dreht sich alles um Stillen, Durchschlafen und Jobsuche mit Kind“ – äh, das mit der jobsuche stimmt schon mal…

das thema stillen ist ja bei mir eher ein randthema und kommt selten gut weg. nicht weil ich stillen blöd finde. gar nicht, ehrlich. ich hab noch jede unterstützt, die stillt, ich finde es wichtig, dass es aufklärung zu dem thema gibt und jede, die möchte, unterstützung findet. was mich nervt ist, ihr wisst schon – die rhetorik, die dogmatik.

sobald ich nämlich in eine situation kam, wo ich gefragt wurde, ob ich stille (meine gedanken dazu hier und hier) – und verneinte – fühlten sich mütter bemüßigt, mir die vorteile aufzuzählen. als wenn mensch die nicht eh schon ständig hören würde…

jedenfalls gabs da ein paar, die ich total – hm wie sag ichs diplomatisch soll sich ja keine angegriffen fühlen – überflüssig fand:

1. „es ist so praktisch“ – schließlich hat man ja immer alles dabei, muss nichts spülen oder omg sterilisieren und mitschleppen. // nichts mitschleppen??? doch, das kind. immer und überall! wenn nicht das kind, dann die milchpumpe. weil ist ja nicht so, dass du abpumpst um abends feiern zu gehen, und die brüste in der disko sagen: so, jetzt hamwa feierabend.   hab mal grad zum ersten mal seit der schwangerschaft foliensträhnen im haar und draußen kommt ne mutter mit schreiendem kind vorbei, was dann? (hab ich mir erzählen lassen ^^). ja, wenn man nicht stillt, muss man an fläschchen und pulver und manchmal auch an heißes wasser denken. aber auch da halten sich ein paar alte mythen: leitungswasser unterliegt strengen kontrollen. im zweifelsfall bei den wasserwerken fragen. dann muss nicht abgekocht werden, nur die richtige temperatur erreicht – das geht zb mit wasserkochern der neueren generation, die man auf eine temperatur einstellen kann. oder mit durchlauferhitzern, die man ebenfalls genau auf 50°grad stellt. oder mit einem cooltwister…fürs milchpulver gibt es portionsdöschen, so das für die nacht alles vorbereitet ist. da ist nix mit in die küche gehen müssen. ratzfatz ist die flasche fertig. und sterilisiert hab ich auch nur die ersten wochen. hallo, die nehmen ALLES in den mund, da kommts auf die paar keime mehr oder weniger auch nicht an…(gründlich gespült natürlich schon und die sauger auch noch länger gekocht. auch dafür gibt es ein gerät).

viel praktischer fand ich es, mich mit dem kindsvater abwechseln zu können. das kind abends der tante zu geben und mit dem herzensmenschen unten in die kneipe zu gehen, wenn auch nicht ewig. ohne kind auf die hochzeiten einige meiner besten freund_innen zu gehen. und ja: durch_schlafen.

2. „es kostet ja nichts“ – das sag(t)en mir oft leute, die die komplette erstausstattung inklusive kinderzimmermöbel aus dem teuersten babyladen der statt gekauft haben. einen dieser kinderwagen aus prenzlberg. schnell noch mal ein haus gebaut und einen kombi gekauft haben. denen ist die ersatzmilich zu teuer. klar, man muss das geld nicht ausgeben. aber bei uns waren die größten einbußen im budget nicht die ausgaben für windeln oder babynahrung. sondern die durch fehlendes einkommen, anschließende teilzeitarbeit, höhere ausgaben für kinderbetreuung, nebenkosten dank waschmaschine und heizung…sch***ß auf die paar euro für milch…

3. „stillen macht schlank“ – sagt eine und meint es ernst. also ich hab mir um den gewichtsverlust nicht so wahnsinnig sorgen gemacht, weil ich erst mal ganz andere hatte. außerdem wird stillenden gesagt, sie dürften ruhig ein paar kalorien mehr essen. wie viel genau dieses mehr ist, weiß aber keine. aber es reicht sicher für zwei stück kuchen oder drei (versteht mich nicht falsch: ICH brauch überhaupt keinen grund um zwei stück kuchen zu essen. oder drei. ich find nur stillen um abzunehmen generell n doofes argument, und wenn leute die das benutzen, dann nicht abnehmen, weil sie das dreifache vom (für sie üblichen) essen – well, hinterfrag ich das argument auch)

4. „die körperliche nähe!“ hm. ich frag mich immer, was stillende so tun, wenn ich sie nicht sehe. WEIL mein kind habe ich genau so viel am körper gehabt wie die meisten anderen frauen. oder ist mit körperlicher nähe die 3qcm von mund zu brustwarze gemeint? ich hab minime im arm gehalten dabei und ich hab ihm in die augen geschaut und genau so verblödet-verliebt angeguckt wie andere auch. ne, dieses argument VERSTEH ich einfach nicht…

5. „es ist das natürlichste der welt/hat sich die natur was bei gedacht“ – find ich total biologistisch aka als würde sich muttersein darüber definieren, dass man stillen kann. das ist das eine. das nächste ist: „…aber muss erst mal gelernt werden“ fügen die hefte der bundeszentrale für gesundheitliche aufklärung und hebammen-heftchen dann hinterher. also ist es dann doch nicht ganz so reflexhaft/intuitiv. und natürlich ist auch, das zähne irgendwann faulen – ich geh trotzdem lieber zum zahnarzt. ’natürlich‘ ist kein argument für gar nix…

ach ja, es ist natürlich das beste fürs kind. das hörte ich das letzte mal wieder, als ich an den drogeriemarktregalen mit babybreien vorbei ging. an „abendbrei schoko-keks, ab 4. monat“ da weiß man doch, was das beste ist! nicht so viel sch***ß auf die meinung anderer geben.

– to be continued –

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Die 5 häufigsten und nervigsten Fragen während der Schwangerschaft

Vorab: aus Höflichkeit braucht man keiner Schwangeren Fragen zu stellen. Ehrlich, die ersten Monate beschäftigt man sich ja noch selber mit allen möglichen Themen, da freut man sich über Unterhaltungen. Aber ab dem 7. Monat ist es einfach nur noch ermüdend, gar nicht dran zu denken wie es ist, wenn ein Zweites unterwegs ist.

Eine Schwangere wird genug gefragt. Wenn man es doch unhöflich findet, gar nichts zu fragen tut es ja eine offene Frage: „Gratuliere, und, wie geht es?“ – dann kann jede Schwangere nach Naturell entscheiden, ob sie von Müdigkeit und Kotzeritis erzählt und von Kugelyoga und co – oder ob ein „Danke, gut“ reicht.

Schwangere werden mit Fragen bombadiert, auch von Seiten, von denen man es nicht erwartet.

Also, hier meine Top 5 der häufigsten und nervigsten Fragen während Schwangerschaft und Geburt:

1. „Willst Du stillen/klappts mit dem Stillen/stillst du?“
Mein lieber Scholli, mit DIESEM Interesse habe ich nicht gerechnet. Weiter oben habe ich dazu ja schon was geschrieben. Aber auch danach hört die Neugier meiner Mitmenschen nicht auf. Neulich auf einer Hochzeit habe ich diese Frage 6MAL zu hören bekommen.

Ich hab aus diesem Thema nie eine Weltanschauung gemacht – wenn es funktioniert und ich mich wohl fühl – gut. Wenn nicht dann nicht. Basta. Ich hab schon mitbekommen, wie groß der soziale Druck ist, insbesondere wenn man die einschlägigen Foren liest oder die Hebammen fragt. Aber verstanden hab ich das nie. Meine halbe Generation wurde nicht gestillt und ist auch mit Flaschenmilch groß geworden. Und da hat sich ja in den letzten 30 Jahren auch was getan. Außerdem stelle ich da keinen Zusammenhang zwischen Stillkindern und Allergien, supermutterbindung und anderen angeblichen Vorteilen des Stillens fest. Schon klar, stillen ist das Beste für Mutter und Kind. Auch wenn weder mein Frauenarzt noch ein befreundeter Kinderarzt mir aussagekräftige Studien nennen können. Geschweige denn multivariate Studien. Also solche, die nicht nur den Zusammenhang zwischen Stillen und Allergien erfragen, sondern fragen, ob stillende Mütter ein anderes Gesundheitsverständnis haben oder ein entspannteres Verhältnis zum Thema Erziehung oder whatever. Und dass die WHO empfiehlt, so lange wie möglich zu stillen, liegt auch daran, dass ihre Empfehlungen sich an Mütter aus der dritten Welt richten, wo selbst die Mutter nicht mal den Magen voll hat, wo sollen dann Geld und sauberes Wasser für Babymilch herkommen?

In Ergänzung zum obrigen Post schreibe ich jetzt mal, wie ich es machen würde, wenn ich KÖNNTE, wie ich WOLLTE: Nachts und wenn ich mit ihm allein zu Hause bin, würde ich stillen denn das wäre am Bequemsten. Tagsüber gäb es die Flasche mit ‚Fertignahrung‘, denn wenn ich auch noch abpumpen würde, käm ich zu nix mehr. Ich gehöre auch nicht zu den Frauen, die glauben, dass man doch Brüste hat um zu stillen. Die letzten 15 Jahre waren es nämlich nicht kleine hungrige Babies, die mir auf Selbige geguckt haben. Und da mein Sohn wenn er Hunger hat nur SOFORT kennt, und ich nicht cool genug bin, um mich vor anderen Menschen blank zu machen ist auch hier Fläschchen für mich die bessere Variante.

Aber langsam fang ich auch an, den Hintergrund dieser Frage zu verstehen. Denn obwohl (oder gerade weil?) der soziale Druck so groß ist, sind viele Frauen verunsichert, bzw. denken sich auch, dass es vielleicht nicht nur schön ist zu stillen und wünschen sich mal Jemanden zu sehen, der ein gesundes und friedliches Kind hat, obwohl nicht gestillt wird.
Ach ich könnte zu diesem Thema inzwischen ein Buch schreiben, aber ich lass es…
2. „Und, wird es ein Junge oder Mädchen?/ Und, wisst ihr schon was es wird?“
Hä? Die ersten 100 Male, als ich diese Frage gehört hab, hab ichs nicht verstanden. Interessiert es die Leute wirklich? Macht es einen Unterschied? Sagt man dann „Gratuliere, ein Mädchen!“ oder „oh, Beileid“? Jut, ich hab dann verstanden, dass es wohl eine relativ unverfängliche Frage ist, die man einer Schwangeren stellen kann, und die Meisten wissen ja auch was es wird. Trotzdem denk ich mir – ist doch sch*egal was es wird.
3. „Und, heiratet ihr jetzt?“
WTF? Warum? Wegen der ersparten Steuern? Damit das Kind ‚richtige‘ Eltern hat? Damit es nicht als Bastard durch die Gegend laufen muss? Was ist mit den Leuten los???
Nee anders: spinnt ihr? Ich werd doch auf meiner Hochzeit nicht nüchtern sein. Wenn ich heirate, dann weil ich diesen Mann liebe, er mir endlich einen Antrag macht (ich darf nicht), weil ich dies mit all meinen Freund_innen feiern will. Und zwar ohne vor Müdigkeit um 23 Uhr ins Bett zu fallen…
4. Zieht ihr jetzt um? (wohnen 5. Stock Altbau)
Nö. Bis jetzt haben wir ja auch alle Treppen geschafft. Inklusive Ikeaeinkauf, Samstagslebensmitteleinkauf und Bierkisten. War zwar schon hart, mit 20 Extrakilos auf dem Bauch, dafür hab ich jetzt Oberschenkel wie eine Eisschnelläuferin
5. Wann isset denn soweit?
Glücklicherweise hat meine Kollegin mich schon vor dieser Frage gewarnt und empfohlen, einen Termin ca. zwei Wochen hinter dem errechneten zu nennen. Also behauptete ich vage immer etwas von „Ende März“. Meiner Freundin hätte man diesen Tipp auch geben sollen. Die war nämlich mit dem errechneten Termin ehrlicher, und auch mit der Tatsache, dass ihr Gynäkologe weissagte, dass der Kleine früher raus will. Dies hatte zur Folge, dass etwa 2 Wochen VOR dem errechneten Termin die Leute nachfragten, wie denn der aktuelle Stand ist. Der war dann, dass das Baby 5 Tage nach dem Termin rauskam…
So, auch nach diesem Post muss sich niemand schlecht fühlen. Jede Frage nur ein oder drei Mal beantworten zu müssen ist ganz nett. Aber bei 9 Monaten Schwangerschaft und – wer weiß wie vielen – Wochen, Monaten, Jahren mit anderen Müttern und Schwangeren isset irgendwann LANGWEILIG bis nervig.

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Stillen oder nicht stillen – ist das hier die Frage?

Und nein, ob ich stille oder nicht werde ich hier nicht beantworten. Auch wenn der Vergleich hinkt, die Frage gehört für mich in die gleiche Kategorie wie die, ob man Stuhlgang hatte. Auch das wird man als Mutter gerne gefragt (ok, nur von ÄrztInnen oder Hebammen).

Aber als junge Mutter ist man sowieso in erster Linie:

auf den Körper reduziert. Da gibbet keine Hemmungen. Man wird gefragt ob man eben Stuhlgang hatte, der Wochenfluss läuft, die Brüste weh tun usw. Da wundert mich schon die Neugier meiner – meist weiblichen Mitmenschen.

Auf diese Frage gibt es doch im Kern nur zwei Antworten: Ja und Nein. Mütter die stillen sieht man früher oder später auch dabei. Die einen kommen mit diesem Anblick besser zu recht, andere weniger.

Mütter, die nicht stillen, haben grob zwei Kategorien:

Sie können nicht, oder sie wollen nicht. Wenn sie nicht können, find ich, verbietet sich höflichkeitshalber jede weitere Frage nach dem warum. Wenn sie nicht wollen, haben sie bestimmt ihre Gründe. Aber selten welche, die andere zufrieden stellen.

Also, lasst den Müttern doch ein bisschen Intimssphäre.

Und sorry, es sollen sich die, die bisher gefragt haben, nicht auf den Schlips getreten fühlen, aber wenn der/ die Dritte fragt ist auch mal gut.

Edit: ein paar Blogeinträge zum Stillen sind im Laufe der Zeit dazu gekommen. Z.B. dieser oder dieser