Familie

Verwaltung („Das Haus, das Verrückte macht“)

die ankunft eines babies bedarf ganz schön viel papierkram: vaterschaftsanerkennung und gemeinsames sorgerecht, mutterschutz, kinder- und elterngeld, elternzeit, lohnsteuer… und die auswahl einer krankenkasse. man sollte meinen, bei all den patchworkfamilien und unehelichen kindern die in diesem land so fröhlichheiter rumfamilien, sollten die entsprechenden institutionen es meistern, unsere situation* in ihre systeme „einzupflegen“. wer’s glaubt:

– die verberechnung von mutterschafts- und elterngeld. ich kam mir vor, wie in diesem asterixcomic, wo sie einen passierschein ausgestellt haben wollen und in diesem haus von schalter a zu schalter r zurück zu schalter n geschickt werden. kafkaesk halt. ich weiß nur noch, ich sollte papiere von der arbeit an die krankenkasse an die arbeit an die elterngeldstelle und zurück schicken. alles in einer zeit in der man unwesentlich besseres zu tun hätte.

– krankenkassen tun sich mit ‚modernen‘ familien offensichtlich am schwersten. meine schickte mir irgendwann ein schreiben, in dem ich (erinnerungsprotokoll, also nur sinngemäß) ankreuzen sollte, ob ich das kind ‚alleine‘ betreuen werde oder nicht. wegen rentenanwartsschaften oder so? aber die option ‚papa betreut auch‘ kam darin nicht vor (‚oder nicht‘ hieß wohl, wird direkt ‚weggegeben‘). also hab ich bei der krankenkasse angerufen. immerhin hatte die genug humor zu sagen: „machen sie ein drittes feld und kreuzen sie beide (ich und der papa betreuen) an“.

dann der breikurs. da der mann elternzeit nimmt, wenn minime 6 monate rum hat, muss sich der mann auch mit dem breizeugs rumschlagen. den ‚wie-mache-ich-das-mit-dem-brei-und-so‘-kurs, den eine hebamme leitet, rechnet aber nur die mamakrankenkasse ab. somit werden dann höhere beiträge für frauen gerechtfertigt, ja?

minime ist über die krankenkasse des mannes versichert. der mann heißt, sagen wir müller mit nachnamen. minime hat meinen nachnamen, sagen wir meier. der mann hat brav das krankenkassenformular ausgefüllt und eine kopie der geburtsurkunde mitgeschickt, auf beidem stand ‚minime meier‘ richtig drauf. was steht auf der versichertenkarte, die wir zurückbekommen? richtig, ‚minime müller‘. was lernen die sachbearbeiter_innen dort in ihrer ausbildung?

also liebe krankenkassen und andere behörden, hier nochmal zum mitschreiben: die normalfamilie ist gar nicht mehr so normal. und konkret an die krankenkassen: ihr bezahlt doch auch unter umständen eine haushaltshilfe für nachdergeburt? wie wär es denn mal mit einer verwaltungfachsangestellten für den ganzen krams??? oder ihr stellt selber endlich welche ein. erspart eltern ne menge arbeit.

* als da wären: mama und papa (unverheiratet) und anschließend minime. minime hat mamas nachnamen. papa nimmt genauso lange elternzeit wie mama. soweit normal oder?

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5 Comments

  • Reply stilhaeschen 22. August 2011 at 11:29

    Ha, wir haben das Chaos getoppt! Rakete hat Papas Nachnamen, ist bei mir versichert – soweit, so einfach. Aber dann Elterngeld für zwei Selbstständige (eine davon weniger als ein Steuerjahr autark, erschwert die Berechnung immens, am Schluß springt nur der Mindestbetrag von 300€ heraus trotz höheren Einnahmen im Vorjahr), die sich auch noch mehrfach abwechseln (Papa insgesamt acht Monate), das sprengt einige Rahmen. Dazu kommt noch, daß Elterngeld in unserem Fall von Monatsmitte bis Monatsmitte gilt, die übliche Buchführung aber monatsweise. Da muß man manchmal in der Elterngeldstelle vorstellig werden. Wenigstens sind da die Sachbearbeiter nach Geburtstermin sortiert und nicht nach Nachnamen.

  • Reply Dicke Frauen im Weltall, offene Briefe und Mädchenmodels: Die Linksammlung « fuckermothers 22. August 2011 at 11:59

    […] „Ich liebe ja mein Baby, aber…„. Glücklichscheitern berichtet von Schnullern, Ärger mit Ämtern und Krankenkassen und von blöden Fragen, die an nicht-stillende Mütter gestellt werden. Zudem reagiert sie auf den […]

  • Reply Mama Schlaflos 22. August 2011 at 14:07

    Oh ja, Behörden kennen glaube ich nur die „Standard-Familie“. Wir hatten enorme Schwierigkeiten mit der Rentenstelle. Die Möglichkeit, dass die Erziehungszeit für die Rente zu gleichen (!) Teilen mir und meinem Mann angerechnet werden sollte war schier unmöglich durchzusetzen.

    Während dessen kam dann aber Kind2. So habe ich jetzt Kind1 für die Rente angerechnet und mein Mann Kind2. Was wir bei Kind3 machen sollen weiß ich auch noch nicht 😉

  • Reply podruga 22. August 2011 at 22:59

    oh mein gott.
    hier ähnlich oder noch vertrackter: der papa hat einen anderen wohnsitz. und nahm trotzdem elternzeit. damit war dann auch das letzte amt überfordert. (man hat ja wirklich nichts zu tun sonst.)

    • Reply glücklich scheitern 25. August 2011 at 21:50

      scheint doch noch was zu werden, mit meiner ‚geschäftsidee‘ von der elterngeld/-zeit-beraterin!

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