Väter nehmen heute deutlich häufiger Elternzeit und Elterngeld in Anspruch als noch vor zehn Jahren. Doch der große Gleichstand bei der Familienzeit ist noch lange nicht erreicht.
Die aktuellen Zahlen für 2026 zeigen ein interessantes Bild: Rund jeder vierte Elterngeldbezieher ist ein Mann. Betrachtet man dagegen die Väterbeteiligung bezogen auf die Kinder, liegt der Anteil deutlich höher. Für die im Jahr 2023 geborenen Kinder bezogen bei 46,4 % der Kinder auch die Väter Elterngeld. Gleichzeitig bleiben Väter im Durchschnitt wesentlich kürzer zu Hause als Mütter.
Damit zeigt sich: Väter gehen heute wesentlich häufiger in Elternzeit als früher – meistens aber für wenige Monate.
Väteranteil beim Elterngeld 2026: 25,9 Prozent
Die aktuellste Jahresstatistik von Destatis bezieht sich auf die im Jahr 2025 erfolgten Elterngeldbezüge.
2025 erhielten in Deutschland rund 1,61 Millionen Menschen Elterngeld:
- rund 1,19 Millionen Frauen
- rund 417.000 Männer
- Väteranteil: 25,9 %
- Frauenanteil: rund 74,1 %
Der Männeranteil blieb damit gegenüber 2024 nahezu unverändert. 2024 lag der Väteranteil bei 25,8 %.
Zum Vergleich: 2015 lag der Anteil der Männer unter den Elterngeldbeziehenden erst bei 20,9 %. Der langfristige Trend zeigt also eine deutliche Zunahme der Väterbeteiligung.
Entwicklung des Väteranteils
| Jahr | Väteranteil unter den Elterngeldbeziehenden |
|---|---|
| 2015 | 20,9 % |
| 2022 | 26,1 % |
| 2023 | 26,2 % |
| 2024 | 25,8 % |
| 2025 | 25,9 % |
Die Entwicklung ist bemerkenswert: Der Väteranteil stieg zunächst über Jahre kontinuierlich an, hat sich zuletzt aber bei ungefähr 26 % stabilisiert.
Fast jeder zweite Vater beteiligt sich am Elterngeld
Beim Thema Väterbeteiligung muss man zwischen zwei verschiedenen Kennzahlen unterscheiden.
Der Väteranteil unter den Elterngeldbeziehenden lag 2025 bei 25,9 %. Das bedeutet: Von allen Personen, die Elterngeld bezogen, waren rund ein Viertel Männer.
Die Väterbeteiligung bezogen auf Kinder beantwortet dagegen eine andere Frage: Bei wie vielen Kindern hat mindestens der Vater Elterngeld bezogen?
Für Kinder, die 2023 geboren wurden, lag diese Väterbeteiligung bei 46,4 %. Damit hatte bei fast jedem zweiten Kind auch der Vater Elterngeld bezogen.
Das ist die aussagekräftigere Zahl, wenn man wissen möchte, wie viele Väter tatsächlich zumindest zeitweise zu Hause bleiben.
Warum sind die beiden Zahlen so unterschiedlich?
Die Erklärung ist relativ einfach.
Eine Mutter bezieht Elterngeld häufig über viele Monate. Ein Vater beantragt dagegen oftmals nur zwei oder drei Monate.
Dadurch entsteht ein großer Unterschied bei den Personen und den ausgezahlten Elterngeldmonaten.
Ein Beispiel:
Eine Familie bekommt ein Kind. Die Mutter bezieht zwölf Monate Elterngeld, der Vater zwei Monate.
Damit gibt es zwar zwei Elterngeldbezieher, aber insgesamt 14 Monate Leistungsbezug. Der Vater macht in diesem Beispiel nur einen relativ kleinen Teil der gesamten Bezugsmonate aus.
Genau deshalb darf der Väteranteil von rund 26 % nicht mit der Aussage verwechselt werden, dass nur 26 % der Väter überhaupt Elternzeit nehmen.
Väter bleiben deutlich kürzer zu Hause
Noch deutlicher wird der Unterschied bei der durchschnittlichen Bezugsdauer.
Nach den aktuellen Destatis-Zahlen planten Männer, die 2025 Elterngeld bezogen, durchschnittlich 3,8 Monate Elterngeld. Bei Frauen waren es dagegen 14,9 Monate.
Das Verhältnis ist damit extrem unterschiedlich.
| Gruppe | Durchschnittliche geplante Elterngeldbezugsdauer 2025 |
|---|---|
| Frauen | 14,9 Monate |
| Männer | 3,8 Monate |
Väter nehmen also zwar deutlich häufiger Elterngeld als früher, die Dauer bleibt jedoch wesentlich kürzer.
Die berühmten zwei Vätermonate
Besonders häufig entscheiden sich Väter für zwei Monate.
Das hängt auch mit der Konstruktion des Elterngeldes zusammen. Paare können grundsätzlich bis zu 14 Monate Basiselterngeld untereinander aufteilen. Die zwei zusätzlichen Monate – häufig als „Partnermonate“ oder umgangssprachlich „Vätermonate“ bezeichnet – gibt es, wenn auch der zweite Elternteil Elterngeld beantragt.
Das führt in der Praxis häufig zu einem Modell wie:
Mutter: 12 Monate – Vater: 2 Monate
Diese Aufteilung ist finanziell und organisatorisch für viele Familien attraktiv, weil der Vater einen begrenzten Zeitraum vollständig aus dem Beruf aussteigen kann.
Allerdings sagt die Nutzung von zwei Partnermonaten noch nichts darüber aus, wie viel Elternarbeit ein Vater anschließend übernimmt.
Elterngeld ist nicht dasselbe wie Elternzeit
Ein wichtiger Punkt in der Statistik: Elterngeld und Elternzeit sind nicht identisch.
Elternzeit ist eine arbeitsrechtliche Auszeit vom Beruf. Elterngeld ist dagegen eine staatliche finanzielle Leistung.
Man kann grundsätzlich Elterngeld beziehen, ohne Elternzeit zu nehmen. Allerdings darf man während des Elterngeldbezugs grundsätzlich nicht mehr als 32 Stunden pro Woche arbeiten. In der Praxis kombinieren deshalb viele Arbeitnehmer Elterngeld mit Elternzeit.
Wenn von der „Väterquote“ beim Elterngeld gesprochen wird, handelt es sich deshalb nicht automatisch um eine Statistik über sämtliche Männer, die Elternzeit beantragt haben.
Wie viel Elterngeld bekommen Väter?
Auch beim durchschnittlichen Elterngeldbetrag gibt es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
2024 erhielten Väter durchschnittlich 1.337 Euro Elterngeld pro Monat. Bei Müttern waren es durchschnittlich 830 Euro.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Erwerbstätigkeit und den Einkommen vor der Geburt. Laut Destatis waren vor der Geburt 96 % der Väter, aber 76 % der Mütter erwerbstätig. Bei den erwerbstätigen Vätern lag das durchschnittliche für die Berechnung relevante Einkommen ebenfalls höher.
Väter beziehen also im Durchschnitt einen höheren monatlichen Betrag – allerdings für deutlich weniger Monate.
Ein Drittel der Väter erreicht den Höchstbetrag
Eine weitere interessante Zahl stammt aus der Elterngeldstatistik für 2024.
Rund ein Drittel der Väter, die Elterngeld bezogen, erhielt den maximalen Elterngeldbetrag.
Das zeigt, dass für viele Väter die Höhe der staatlichen Leistung durchaus relevant ist, wenn sie ihre berufliche Tätigkeit vorübergehend reduzieren oder vollständig unterbrechen.
Das Basiselterngeld beträgt grundsätzlich zwischen 300 und 1.800 Euro pro Monat. Wie hoch der persönliche Anspruch ausfällt, hängt insbesondere vom Einkommen vor und nach der Geburt ab.
Elterngeld Plus wird auch für Väter interessanter
Nicht jeder Vater möchte mehrere Monate vollständig aus dem Beruf aussteigen.
Eine Alternative ist ElterngeldPlus. Dabei kann der Bezugszeitraum verlängert werden, insbesondere wenn nach der Geburt in Teilzeit gearbeitet wird.
2025 erreichte der Anteil der Beziehenden von ElterngeldPlus insgesamt einen neuen Höchststand von 40,3 %.
Für Väter kann dieses Modell interessant sein, wenn sie beispielsweise ihre Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig stärker an der Betreuung des Kindes beteiligt bleiben möchten.
Partnerschaftsbonus: Arbeiten und Betreuung gleichzeitig
Eine weitere Möglichkeit ist der Partnerschaftsbonus.
Wenn beide Eltern gleichzeitig in Teilzeit arbeiten und die Voraussetzungen erfüllen, können beide jeweils bis zu vier zusätzliche Monate ElterngeldPlus erhalten. Die Arbeitszeit muss dabei grundsätzlich zwischen 24 und 32 Stunden pro Woche liegen.
Dieses Modell zielt stärker auf eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung.
Es ist allerdings deutlich anspruchsvoller zu organisieren als die klassischen zwei Vätermonate.
Was hat sich 2024 geändert?
Für Familien mit Kindern, die ab dem 1. April 2024 geboren wurden, gelten neue Regeln für den gleichzeitigen Bezug von Basiselterngeld.
Grundsätzlich können beide Elternteile Basiselterngeld nur noch für einen Lebensmonat gleichzeitig beziehen. Es gibt allerdings Ausnahmen, unter anderem für Eltern von Mehrlingen, besonders früh geborenen Kindern und bestimmte Fälle mit Behinderungen.
Das ist insbesondere für Väter relevant, die unmittelbar nach der Geburt gemeinsam mit der Mutter zu Hause bleiben möchten.
Bundesländer unterscheiden sich
Die Bereitschaft von Vätern, Elterngeld zu beziehen, unterscheidet sich regional.
Destatis führt entsprechende Zeitreihen nach Bundesländern. In früheren Jahren lagen beispielsweise Sachsen, Thüringen und Bayern über dem Bundesdurchschnitt, während das Saarland deutlich niedrigere Werte aufwies.
Das deutet darauf hin, dass nicht nur individuelle Entscheidungen eine Rolle spielen. Auch regionale Arbeitsmarktstrukturen, Einkommen, Betreuungsangebote und gesellschaftliche Vorstellungen über die Rollen von Vätern und Müttern können relevant sein.
Warum gehen viele Väter nur zwei Monate in Elternzeit?
Die Statistik liefert die Zahlen, aber nicht für jeden einzelnen Vater den Grund.
Es gibt jedoch mehrere naheliegende Faktoren:
Einkommensunterschiede
Wenn der Vater deutlich mehr verdient als die Mutter, kann ein längerer vollständiger Berufsausstieg für das Haushaltseinkommen finanziell schwieriger sein.
Berufliche Karriere
Manche Väter befürchten Nachteile bei Beförderungen, Projekten oder beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Unternehmenskultur
Eine familienfreundliche Personalpolitik kann entscheidend dafür sein, ob Väter längere Elternzeiten tatsächlich nutzen.
Traditionelle Rollenverteilung
Auch gesellschaftliche Vorstellungen spielen eine Rolle. Die Mutter bleibt zu Hause, der Vater arbeitet – dieses Modell ist zwar weniger dominant als früher, aber noch immer verbreitet.
Organisation der Betreuung
Viele Familien planen die Elternzeit so, dass die Mutter den längeren Zeitraum übernimmt und der Vater seine Elternzeit gezielt am Anfang oder später einsetzt.
Ist die Väterbeteiligung in Deutschland hoch?
Im internationalen und historischen Vergleich ist die Entwicklung durchaus bemerkenswert.
Noch 2015 lag der Anteil der Männer unter den Elterngeldbeziehenden bei 20,9 %. 2025 waren es 25,9 %.
Noch aussagekräftiger ist die Väterbeteiligung bezogen auf Kinder: Bei den 2023 geborenen Kindern bezogen Väter in 46,4 % der Fälle Elterngeld.
Damit ist der Vater, der überhaupt keine Elternzeit beziehungsweise keinen Elterngeldbezug nutzt, längst nicht mehr der einzige Normalfall.
Von einer gleichmäßigen Aufteilung kann jedoch noch keine Rede sein.
Das eigentliche Problem ist die Dauer
Die entscheidende Zahl für 2026 ist deshalb weniger die Frage:
„Wie viele Väter gehen überhaupt in Elternzeit?“
Sondern:
„Wie lange bleiben Väter zu Hause?“
Hier ist der Abstand zwischen Männern und Frauen weiterhin enorm.
2025 lag die geplante Bezugsdauer bei Vätern bei durchschnittlich 3,8 Monaten, bei Frauen bei 14,9 Monaten.
Das bedeutet: Die Beteiligung der Väter ist inzwischen weit verbreitet, aber die langfristige Aufteilung der Betreuungszeit bleibt deutlich ungleicher.
Fazit: Fast jeder zweite Vater beteiligt sich – aber meist nur kurz
Die Elterngeldstatistik 2026 zeichnet ein differenziertes Bild.
Rund 26 % der Elterngeldbeziehenden sind Männer. Gleichzeitig wurde für 46,4 % der 2023 geborenen Kinder ein Elterngeldbezug des Vaters registriert.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Dauer:
Väter bezogen 2025 durchschnittlich 3,8 Monate Elterngeld, Mütter 14,9 Monate.
Die klassische Konstellation mit zwei Vätermonaten ist damit weiterhin ein wichtiger Bestandteil der deutschen Familienpolitik. Gleichzeitig wächst das Interesse an ElterngeldPlus und flexibleren Teilzeitmodellen.
Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeigt zwar eine stärkere Beteiligung der Väter. Die Statistik macht aber ebenso deutlich: Deutschland ist bei der Beteiligung der Väter an der Elternzeit weiter als bei der gleichmäßigen Verteilung der Betreuungsmonate.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt: Elterngeld – aktuelle Statistiken und Pressemitteilungen
- Destatis: Elterngeld 2025 – 417.000 Männer und Väteranteil von 25,9 %
- Destatis: Zeitreihe zur Entwicklung des Väteranteils nach Bundesländern
- Familienportal des Bundes: Wie lange kann ich Elterngeld bekommen?
- Familienportal des Bundes: Was Sie zum Elterngeld wissen müssen
- Familienportal des Bundes: Neuregelungen beim Elterngeld ab 1. April 2024
Hinweis: Die neuesten verfügbaren Statistiken liegen zeitlich hinter dem Jahr 2026, weil Elterngeldstatistiken nach Geburtsjahr und abgeschlossenen Leistungsbezügen mit zeitlichem Abstand veröffentlicht werden. Deshalb werden für einen Datencheck 2026 sowohl die aktuellsten 2025er Leistungsdaten als auch die Väterbeteiligung für Kinder des Geburtsjahrgangs 2023 herangezogen.
